what makes me happy: warum ich eine miserable Gärtnerin bin

Es ist kein Geheimnis, denn verheimlichen lässt es sich kaum. Jeder, der hier vorbeikommt, erkennt auf den ersten Blick: Ich bin eine grottenschlechte Gärtnerin. Nicht einmal die paar Gurken, Zuchetti und Kürbissevermögen es zu vertuschen. Nach einem hübsch ordentlichen Start im Frühjahr mit Umgraben, Hacken und sorgfältigem Säen, spriessen die Keime, wachsen und grünen- und wachsen und grünen und wachsen und grünen und wachsen und grünen undwachsenundgrünen…

Bis alles durcheinander wächst, ohne dass jemand dem wilden Wuchern Einhalt gebieten würde. Ich bringe es einfach nicht übers Herz, hier rigoros durch zu greifen. Auch in den Rabatten den Zaun entlang, zögere ich beim Jäten, lasse Unkraut lieber stehen (bis auf den Hahnenfuss und die Zaunwinde, bei denen kenne ich kein Erbarmen…) und beisse die Zähne zusammen, wenn die Kinder wieder einmal einen Ball im Dickicht aus Blumen, Gräsern und kleinen Sträuchern, Gemüse und Beeren versenken.

Der Grund dafür sieht so aus:

… und noch ganz anders
dann wieder auch so:
und auch in diesem Juli wunderbarerweise wieder so:
Ich bin so vernarrt in diese kleinen Schönheiten, dass ich den grössten Teil meines Gartens ihnen gewidmet habe. Die Hälfte des Gemüsebeetes gehört immer ihnen, daneben auch alle Randstreifen und ein paar grosse Töpfe. Statt hübschen Zierblumen sähe ich nur noch einheimische Wiesenpflanzen und greife zu den Tütchen mit dem Schmetterling drauf im Gartencenter. So bekamen dank der an sich unscheinbaren aber so wertvollen wilden Möhre im letzten Sommer zum ersten Mal hohen Besuch, der auch dieses Jahr nicht ganz ausblieb:
Dabei hatte ich die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben: Dieses Jahr scheint kein sonderlich gutes Schmetterlingsjahr zu sein, denn bis auf Dutzende von Weisslingen überall, fand kaum ein Falter den Weg zu uns. Überhaupt sah ich nur sehr wenige Schmetterlinge in diesem Sommer, fiel mir auf. Doch dann plötzlich entdeckte ich, mutterseelenallein, diese Schwalbenschwanz-Raupe an einem Stengel wilder Möhre gleich neben dem Trampolin.
Eine Einzige.
Sie war schon recht gross und nicht mehr sehr gefrässig, dafür ungeheuer unruhig in ihrem neuen „Winterquartier“ bei uns… Ein gutes Zeichen! Denn schon bald sah es so aus im Schmetterlings-Hotel:
Einen Tag später dann:
Und im nächsten Frühjahr, so Gott will, wird ein unfassbar schöner Schwalbenschwanz seinem Panzer entsteigen:
Oh, ich freue mich schon so darauf!Voll Staunen und richtig hibbelig vor Aufregung habe ich aber in diesem Spät-Sommer vor allem die Entwicklung eines ganz anderen Falters begleitet, der wirklich etwas ganz Spezielles ist:
der kleine Bürstenspinner!

Seine Raupe fällt sofort auf, ihrer bunten Farben und frechen Punker-Frisur wegen. Trotzdem konnte sie sich eine Weile ganz gut verstecken in unserem Brommbeerstrauch… Doch als ich ihr und ihren sechs, sieben Geschwistern erst einmal auf die Schliche gekommen war, blieben ich und die Kinder jeden Tag für eine Weile zum Beobachten (und Beerennaschen…). Spannend dann sie erste Verpuppung, die wirklich Stunden-lange Spinn-Arbeit bedeutet und die Raupe alle Bürstenhaare kostet…
Und dann heute, nach ca. zwei Wochen oder so, die riesengrosse Überraschung, von der ich zwar wusste, die ich aber nicht so richtig geglaubt hatte: aus dem Kokon des Bürstenspinners in unserem Heim-Beobachtungs-Glas schlüpft nicht etwa ein nettes Flatter-Tier, sondern ein sonderbares, behaartes Wesen ganz ohne Flügel!
Die Bürstenspinner-Weibchen sind nämlich ziemlich plumpe, kurzlebende Tierchen. Schmetterlinge, die nicht fliegen und auch kaum krabbeln. Sie legen nach der Befruchtung ihre Eier rund um ihren eigenen, sorgfältig verlassenen Kokon und sterben bald darauf. Nur die Männchen sehen aus wie waschechte Falter:
Und zwar ziemlich flatterhafte! Mit unglaublich gutem Geruchs-Sinn! Kaum war das Weibchen auf dem schmalen Fenstersims in unserem Hauseingang geschlüpft, kamen schon zwei kleine, braun-rote Falter angeflogen und versuchten die ganze Zeit, durch den schmalen Spalt der kaum offenen Türe ins Haus zu gelangen. Selbst als wir schon mit dem Glas inklusive Bürsten-Spinnerin draussen im Garten vor dem Brombeer-Strauch standen, suchten sie dort noch nach „ihrem“ Weibchen… Das längst von einem anderen, blitzschnellen Männchen besucht worden war… Kind1 blieb fasziniert stehen, um ja nichts von alledem zu verpassen…
Morgen wird er wohl als Erstes vor der Schule nachsehen, ob man schon Eier erkennen kann- genau wie ich (*grins*)

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11 Kommentare zu what makes me happy: warum ich eine miserable Gärtnerin bin

  1. Karen sagt:

    Raupen und Schmetterlinge – daran dachte ich sofort, als ich die ersten Fotos Eures Gartens sah! Der schönste Grund, den Garten nicht ständig zu „polieren“!!!
    Bei uns sieht es ganz ähnlich aus und eine bunte Schar von Schmetterlingen belohnt uns schon den ganzen Sommer lang für unsere naturnahe Gartengestaltung. Wer hat denn hier etwas von einer miserablen Gärtnerin gesagt ;-))))
    Ich kann doch nicht das Laub wegräumen, wenn der Igel ein Winterquartier sucht und auch die Blindschleichen sich gern mal zurückziehen wollen… Und der Apfelbaum trägt ungenießbare Äpfel, aber wenigstens die Vögel freuen sich darüber… Ne, ordentlich ist es hier nie, aber dafür fühlen sich die Tiere und die Kinder wohl!!!

    Ganz liebe Grüße,
    Karen (so von Gärtnerin zu Gärtnerin :-))

  2. mairlynd sagt:

    Ein schöner Beitrag, den ich voller Interesse geradezu verschlungen habe. Ich erinnere mich noch an Deinen letzten Post mit all den Bildern von einem Schmetterling und fand das schon damals toll.

    Wir haben hier in unserem (Mini-)gärtchen einen Schmetterlingsflieder, der dieses Jahr aber so gut wie keine Tierchen angezogen hat. Zweimal habe ich einen weißen Falter gesehen, öfter nicht. Aber unser Garten ist ja recht neu und vielleicht müssen sich die Insekten auch erstmal daran gewöhnen. (Wobei – Bienen und Wespen hatte es zu Hauf, hmpf!)

    Halt uns auf dem Laufenden! 🙂

  3. .. nun, sei s drum..
    ein gepflegter garten mag ja manchem Spass machen.. aaaaaaaber ganz offensichtlich bereitet dir /euch genau DIESER Garten eine solch grosse Freude, dass es doch ein Jammer wäre, es anders zu handhaben mit der Unkrauterei.
    Vielen Dank für diesen schönen Beitrag, es war ein Vergnügen, zu lesen und die Bilder zu betrachten
    bittersüsse Grüsse Rina

  4. *emma* sagt:

    Ach wie toll! Ich habe gelächelt, gestrahlt und gestaunt als ich dein Post durchgelesen habe und mir die Bilder angeguckt habe. Was für ein tolles Hobby;)
    Ich liebe Schmetterlinge. Dein Garten ist wunderschön unperfekt und das ist gut so!

  5. Endlich habe ich DIE Begründung, warum mein Garten so aussieht wie deiner ungefähr 🙂
    Schade, dass ich den Post erst jetzt gelesen habe… denn heute meinte eine Nachbarin, die zu uns herauf spaziert ist, dass unser Garten so verwildert wie der Rest der Natur wäre, weil ich in anderen Umständen wäre… tja, zum Teil stimmt es vielleicht auch ein bisschen, aber ich mag die wilde Natur und ihre Tiere (mal abgesehen von den Kohlweißlingen, die mir den gesamten Kohl zusammengefressen haben)… nur das so schön begründen und ausführen wie du, das ist wirklich eine Kunst. Ein ganz ganz toller Beitrag dieser Post. Hoch lebe die Natur und unser „grüner Daumen“ *schmunzel* – alles Liebe!!!! maria

  6. Susanne sagt:

    Hallo Bora,
    hab ich jetzt auch grad denken müssen…wunderschön unperfekt:)! Solche Gärten sieht man bei uns am Stadtrand immer weniger und deshalb lasse ich bei uns auch alles wachsen wie die Natur es möchte. Die Nachbarn sind zwar nicht immer glücklich darüber…hihi..inzwischen haben sie sich aber schon damit arrangiert. Und was für ein toller Schmetterlings-Post, finde sie auch wunderschön, kenne mich aber garnicht aus. Hast recht, man sieht leider immer weniger Schmetterlinge, sodass ich jedesmal jauchzen muss, wenn einer vorbei flattert;)!
    liebe Grüße an dich und dein Garten erinnert mich an ein Kinderbuch von früher, wo die Pflanzen in den Himmel gewachsen sind, weiss nur nicht mehr wie es hiess
    Susanne

  7. …hab noch was bei „beauty“ geantwortet 🙂

  8. bora, wieso sollst du denn eine 'miserable gärtnerin' sein?
    du hast einen lebenspendenden, dynamischen naturgarten. andernorts werden zu diesem zweck extra biotope angelegt. nenns doch auch so 😉

    danke für die info, daß die schwalbenschwanzraupe über winter verpuppt bleibt! habe ich doch grad vor wenigen wochen zwei fette schwalbenschwanzraupen am pastinakengrün entdeckt und schon ausschau nach den faltern gehalten… vermutlich sollte ich nun die puppen suchen und drinnen überwintern. hast du einen tip für ein gutes buch, wegen dem puppenhotel? das würde mich sehr freuen!

    und die wilde möhre ist doch nicht unscheinbar! sie ist so wunderschön, meine lieblingswildblume!

    herzliche grüße!

  9. Susanne sagt:

    Hallo liebe Bora,
    jetzt hab ich mich aber grad ganz doll über deine Nachricht bei mir gefreut:). Das ist ja superlieb von dir! Weisst du was, ich gebe dir mal meine Emailadresse susanne1612@gmx.de, wenn du mir schreibst, dann habe ich auch deine und kann dir die Adresse schicken.
    ganz viele sonnige Grüße
    Susanne

  10. kirschkernzeit sagt:

    @alle: schön,dass ich so wunderbar umringt bin von Schmetterlingsfreunden! Dankeschön für euer Interesse und euer Lob!
    @Siebensachen: Fürs „Hotel“ hab ich leider keinen Buch-Tip; mein Mann hat eine Art Holzkiste aus nur schwach geschliffenem Holz gezimmert mit einer Seite stabiles „Netz“ und einer Art Tür und Holzwänden. Aber fürs Schmetterlinge-Bestimmen kann ich dir unser Buch „Der neue Kosmos Schmetterlingsführer“ sehr ans Herz legen! Der ist echt toll. Zum Überwintern noch kurz: Raupen oder Puppen nehme ich nie ins warme Haus zum Überwintern; sie schlüpfen sonst mitten im kältesten Winter, weil sie „glauben“ es sei bereits wieder Frühjahr… Ich lasse sie entweder draussen vor der Haustür, wo sie etwas Windschatten haben und das Gehege/Gefäss bei schlimmem Frost mit einem Badetuch oder einem Küchentuch etwas schützen kann. Es ist auch wichtig, dass sie es weder allzu nass noch allzu trocken haben, va. überwinternde Raupen. Ich habe mal gelesen, dass man die ab und zu ganz leicht besprühen darf mit etwas Wasser- wahrscheinlich aber nur, wenns nicht gefriert… Guck doch mal im www. dort gibts viele gute,professionelle Tipps!
    Viel Spass!
    Bora

  11. five leaves left sagt:

    Vom Bürstenspinner hab ich dieses Jahr auch ganz viele gesehen. Mensch man hat sie sogar kauen hören 🙂 Ich kann voll und ganz verstehen, warum du den Raupen Platz zum leben bietest!

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