Ihr Znünitäschli

Dieser wunderbare, grobfädige Leinenstoff voller Marienkäferchen, ein altes, original irisches Leinen-Handtuch (zu finden auch bei e-bay ab und zu), das ich vor Jahren schon in unserem Dorf-Trödel-Laden entdeckt und augenblicklich gekauft hatte, war von Anfang an etwas Besonderes für mich. Ich ahnte immer schon; daraus wird etwas… mit Geschichte. Ich wusch ihn sorgfältig, bügelte ihn lange, lange glatt und sauber und verwahrte ihn dann an einem sicheren Ort. Vielen Wochen, Monate, Jahre. Für den Zeitpunkt, wenn.
Und dann vergass ich ihn.
Bis… bis mein Mädchen seine Kinderflügelchen spreizte und flügge wurde, so ein klitzekleines bisschen, bis sie ihr Täschchen packte, ganz aufgeregt und mit der unversehrten Vorfreude eines Kindes, das nur Gutes von der Welt erwartet, die es gerade eben zu entdeckten gilt, auf eigene Faust, ein wenig, eingepackt im Kreis anderer kleiner (und grosser) Menschen. Als mein Kind vor einem Jahr etwa, ihr Spielgruppen-Abenteuer  wagte -weniger, weil ich es so plante für sie, als vielmehr, weil sie selber es sich so sehnlichst wünschte, das Spielen und einmal die Woche ausfliegen und all die Dinge und Kinder, die sie so gerne kennenlernen wollte- da tauchte er urplötzlich wieder auf in meinem Kopf; der Marienkäferchen-Stoff. Süss, aber nicht zu süss. Kräftig in seinen Farben, ohne allzu bunt zu sein. Mädchenhaft, aber nicht girlie.
Ich kramte ihn aus seiner Kiste hervor und fand ihn mit einem Mal noch schöner als zuvor. Ich wusste: Daraus würde ihr Znüni-Täschchen werden.

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Auch wenn ich selber nicht genau wusste, warum, ahnte ich schon bald, dass dieses ganz besondere Taschen-Projekt seine Zeit brauchen würde. Nicht nur zum Nähen, sondern schon vorab, beim Planen und Zusammenstellen. Einerseits, weil ich mir nicht sicher war, wie genau es aussehen sollte, dieses Täschchen und gleichzeitig manche Dinge glasklar vor Augen hatte, unabänderlich (der Reissverschluss zum Beispiel und das breite, verstürzte Umhängeband), andererseits aber -und ich glaube, das war mir das Wichtigste- weil ich mir wünschte, dass mein Mädchen ihre Kindergarten-Tasche genau so bekam, wie sie zu ihr passte, und zwar jetzt, in diesem Moment, wo für sie das grosse Abenteuer beginnt, ihr Kindergartenjahr, der erste, definitive Schritt hinaus.
Kinder verändern sich so schnell. Was beim Spielgruppen-Start noch super war, kann ein Jahr später, am ersten Kindsgi-Tag schon absolut… überholt… aus-gelebt und irgendwie fremd sein. „Hello Kitty“ zum Beispiel -damals in der Spielgruppe noch auf allen Pullis, Finken und Trinkflaschen der Gspäänli bewundert (und *hüstel* auch auf den eigenen Grätschüäli und vorn auf dem rosafarbenen Jäckchen, das sie so gerne trug). Damals das Highlight, wohldosiert ausgekostet, heute nur noch zweite Wahl, wenn überhaupt.
Dafür Marienkäferchen. (Auch damals schon geliebt.) Kombiniert mit knalligem rot-weiss, klaren Punkten und sattem Schwarz. Das ist mein Mädchen für mich. (Obwohl sie gegen pinkfarbene Käfer bestimmt auch nichts einzuwenden gehabt hätte.) Ein Kind mit klaren Linien, das man sofort sieht, hört und spürt.

Und nun… nun ist alles fertig. Bereit. Der Reissverschluss eingenäht (dank diesem tollen Tutorial eine völlig entspannte Sache). Das Futter wattiert, von Hand gequiltet und mit einem schwarz-weiss-getupften Innentäschchen (inkl. Stifte-Abteil) versehen. Die Träger aus altem Leinen und einem Rest klarem, rot-weissen-Punkte-Stoff schön lang und breit zusammengenäht, verstürzt und von Hand mit kräftigem Stickfaden befestigt. Der Taschen-Deckel mit Marienkäferchen appliziert, bestickt, umstichelt. Das kleine, süsse Logo (ergattert hier) aufgenäht. Schön sichtbar. Weil es stimmt. „Made with Love“. So wahr!

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Das Abenteuer beginnt. Mein Mädchen tritt hinaus in die grosse, weite Welt und schreibt ihr eigenes, kleines Stückchen Weltgeschichte. Als Kindergartenkind. *Tränchenverdrück*
Nicht immer werde ich sie begleiten dürfen, nicht überall hin. Aber ein Mutterherz kennt weder Grenzen noch geschlossene Kindergartentüren, hab‘ ich recht? Und ein paat Tropfen Herzblut stecken ja auch hier drin, tief eingenäht mit jedem Stich, in ihr Znüni-Täschchen. Genäht für diese grossen Tage und all die Tage, die noch folgen werden.

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12 Kommentare zu Ihr Znünitäschli

  1. raniso sagt:

    Oooooh, so ein wunderwunderbares Znünitäschli!!! So toll, dass du es noch rechtzeitig geschafft hast! Das bleibt hier leider nur ein weit entfernter Wunschtraum, so ein richtig richtig selbstgenähtes Täschli *hach*
    Nichtsdestotrotz war es heute auch hier ein wenig emotional 😉
    Hoffentlich hat dein Mädel gut gestartet?!
    Ganz liebi grüäss, anja

  2. Sybille sagt:

    Die Tasche sieht wunderbar aus, sehr hübsch und flott, und ist bestimmt eine tolle Begleiterin!
    Als kleines Mädchen war ich ganz vernarrt in Marienkäfer. 🙂
    LG
    S.

  3. E sagt:

    Und mir bleiben noch 2 Wochen bis zum Kita-Start – hoioioi…. mir geht es ähnlich wie dir!

    liebe Grüße und einen guten Start!

    E

  4. Oh wie wunderschön, Tasche und Text, so wahr, so toll und doch so traurig, ich kann dich gut verstehen *tränchenmitverdrück*
    lg Sternie

  5. Rita sagt:

    Dieses Täschli ist so schön geworden!!
    Und dabei etwas aus sich heraus gewachsen und weitere Fähigkeiten dazu gelernt!! Super!
    Ich hatte damals auch ein Mariakäfelitäschli….
    Alles Gute und Viel Spass im Kindergarten!! Und dem Mami viele neue Möglichkeiten und Stunden am Morgen!!!!
    Liebs Grüessli, Rita

  6. Barbara Karl sagt:

    Ach – da musste ich auch gleich ein bisserl weinen – meine Kinder sind schon erwachsen und ich hab ihnen auch allen für den Kindergarten individuelle Tascherln genäht – und sie haben sie so gern gehabt – ich hatte auch immer das Gefühl damit „mit zu sein“ und sie zu beschützen.

    Dein Täschchen ist wunderschön geworden, wirklich künstlerisch und stabil!

    Anscheinend sind diese Dinge zeitlos, wenn man Freude daran hat. Ich wünsche euch Beiden alles Gute für diesen neuen, schönen und aufregenden Lebensabschnitt!

  7. Traumhaft. Ich finde so ein paar Hand-Stiche, die machen das mit-Liebe-gemacht noch viel stärker!
    Vom Kindi bekam ich zum Geburtstag mal einen Fingerring mit Marienkäfer. Und es gab ein Marienkäferlied – definitiv ein Lieblingslied!
    Wunderschön. So geht es, große Mama.
    Herzlich!

  8. Jenny sagt:

    Ich finde die Tasche auch ganz wunderschön. Und ich kann Dich auch so gut verstehen, mein „Großer“ ist jetzt 6 und kommt im September in die Schule… Nun bringe ich morgens nur noch ein Kind zum Kindergarten… Und er ist nun kein „Zwerg“ mehr, sondern schon ein „Troll“ und hat auch noch den alten Platz an der Garderobe von meinem „Großen“ bekommen… ist schon ziemlich wehmütig-bittersüß, alles… Aber ich bin froh, dass ich sie jetzt durch mein genommenes verbliebenes Elternzeitjahr intensiver begleiten kann…

    Herzliche Grüße, mögest Du Dich in Deinen neuen Morgenden bald gut einleben und vielleicht viel Inspiration und Muse darin finden, für viele schöne neue kreative Projekte…

  9. selina sagt:

    Bora, wie schön ist die Kindergartentasche für dein Mädchen doch geworden! Ich finde es großartig, wie sehr du ihren Charakter da mit hinein gepackt hast! So wird sie auch im Kindergarten immer ein Stück von dir mit dabei haben.

    Die Marienkäfer erinnern mich daran, dass wir J in einem Mei Tai mit Marienkäfer-Stoff getragen haben, fast täglich, ins Leben raus!

    Mein Bub kommt jetzt auch in die Krippe, am 1. September geht´s los. Doch seine Tasche ist noch nicht bereit, ich hab noch nicht mal ein fertiges Bild im Kopf! Das ist das Problem, denn die Umsetzung würde dann recht schnell gehen. Wahrscheinlich muss ich erstmal selbst bereit werden, für diesen großen neuen Schritt…

    Ich wünsche dir und deinem Mädchen alles Gute und viel Leichtigkeit bei diesem Abenteuer! Selina

  10. desi sagt:

    dein blog ist ein traum…so schön geschrieben, so real.. lg desi

  11. Linnea sagt:

    Das ist herzallerliebst! Und die handgenähten Stiche finde ich ganz wunderschön.
    Linnea

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