vor vier Jahren und zwei Tagen…

… wurde ich zum zweiten Mal Mutter, mein Mann Papa von zweien und Kind1 ein grosser Bruder.
Mit 16 Jahren war ich dabei, als mein zweitjüngster Bruder zur Welt kam. Für die Geburt meines kleinsten Bruders vier Jahre später liess ich meine Klassenkameraden ohne mich auf Maturareise fahren. Beide Male war ich tief ergriffen von dem, was geschah. Doch wenn jemand das Wort „schön“ im Zusammenhang mit einer Geburt fallen liess, konnte ich nur wenig damit anfangen. „Schön“ war einfach etwas anderes.
Meine eigene erste Geburt verlief problemlos und mit ihren zwei Stunden relativ rasch, doch ich war viel zu überrumpelt von der Tiefe der vor allem innerlichen Veränderungen und hatte bald einen einen harten Kampf zu kämpfen gegen die Postpartale Depression, die ihren kalten Schatten über meine ersten zwei Jahre Muttersein legte. „Schön“ war wirklich etwas anderes.
Doch vor vier Jahren und zwei Tagen, als ich zum zweiten Mal Mama wurde, durfte ich meine Meinung ändern: Kind2 kam zur Welt, und alles, was sich an Erinnerung  an dieses für mich so bedeutende Ereignis eingegraben hat in mein Herz, ist durch und durch schön.
Damals:
Erwachte ich um 4:00 zwar mit der Gewissheit, dass das Baby in meinem Bauch ziemlich bald geboren werden würde- aber ohne Wehen. Ich stand auf, trank ein Glas Milch und rief meine Mutter an, die ca. 40 Minuten weit entfernt wohnte. Sie war geplant als Babysitter und Taxichauffeuse. Dann wählte ich die Nummer des Gebärsaals: „Grüezi. Ich habe zwar noch keine Wehen, aber ich komme trotzdem gleich vorbei.“
Ich legte mich aufs Sofa, horchte in mich hinein, während mein Mann, seine Nervosität unterdrückend, ein Gomfibrot ass, um bei Kräften zu bleiben für die nächsten Stunden…
Um 4:30 die erste Wehe.
Um 4:45 die Türglocke. Meine Mama aufgeräumt und superkompetent wie ein Fels in der Brandung, mein Mann fahrig in seinen Bewegungen vor lauter Aufregung, Kind1 hellvergnügt, ich wie ein Pingpongball der Kontraktionen, die mich beinah in die Knie zwangen auf dem Weg zum Auto, kraft-voll, ohne aber richtig weh zu tun. Ich weiss noch, wie meine Mama, die selber 8 Kinder geboren und über 10 Jahre im Gebär-Saal eines grossen Spitals gearbeitet hat, bei einer meiner Wehen meinte: „Die sind aber schon recht stark.“ Und ich dachte: „Naja, es geht.“
Trotzdem wusste ich mit absoluter Sicherheit, dass ich nicht mehr warten konnte, als man mich und meinen Mann um ca. 4:55 draussen im Wartesaal des Spitals (kurz) warten liess: Im Untersuchungsraum schaffte ich es nicht einmal mehr, irgendwelche wahrscheinlich administrativen Fragen zu beantworten, geschweige denn mich auszuziehen, und kaum auf der Liege (zum Untersuchen wie weit die Geburt schon war, haha), kam Kind2 zur Welt,  um 5:16 plattnasig und wunderschön, bereit, seine Familie im Sturm zu erobern. Mein Mutterherz hielt er längst in seiner kleinen Kinderhand…
Ein paar Stunden später reisten mein Mann, mein Baby und ich per Tram wieder nach Hause. Aufgekratzt und ergriffen (jaja, die lieben Hormone). Schön, oh ja…
Noch immer fühle ich eine tiefe Dankbarkeit, wenn ich an diesen Tag zurückdenke. Kind2 ist ein lustiger kleiner Kerl, voller Witz und eigenem Gedankengut, der die Menschen mag, Wurst, Donald Duck Comics und das Wasser. Mein kleiner Lausebengel…
 
Sein vierter Geburtstag wurde ein fröhlicher Fest-Tag, wie er ihn sich gewünscht hatte. Mit Schoko-Sahne-Torte und Marzipan-Rüebli, mit liebem Besuch und Jubel-Trubel vor der Haustüre, wo unser Dorf-Fest gefeirt wurde. Einer der Tage, die die Familie zusammenschweissen, weil man sich gemeinsam aneinander freut.
Und natürlich gab es auch Geschenke…
 Verpackt in einfaches Zeitungspapier, wie es die Familientradition verlangt,
neben Kerzen, Babyfotos und Blumen aus dem Garten
ein schlicher Gabentisch
Ich wusste eigentlich schon lange, was ich meinem Geburtstagskind schenken wollte, denn als ich „Sewing deliberated“ von Meg mc Elwee zum ersten Mal durchblätterte, blieb ich sofort bei Megs wunderschönen, mit Marienkäfer und Hund applizierten Kindertaschen hängen…
Nur wollte Kind2 nicht wirklich einen Hund haben, auch keinen Marienkäfer, dafür einen Stoff mit Pumas drauf, den ich ihm mal im Internet gezeigt (und GottseiDank auch klammheimlich ersteigert!) hatte.
Also eine Kinder-Umhängetasche mit Pumas. Mit kleiner Innen (bzw. Aussen-)Tasche mit Extra-Puma.
Zum Wenden, einfach, weil Wende-Sachen mehr Spass machen.
 
 Und Spass macht diese schlichte Tasche wirklich. Auch beim Nähen, denn die Anleitung ist genial gut verständlich, das Prinzip auch für Anfänger bestens geeignet. Die Schlaufen-Bänder zum Zusammenbinden brauchen etwas Zeit, zugegeben, aber sie sind die Kniffel-Wende-Arbeit tatsächlich wert und geben dem Projekt das gewisse Etwas, das es zu einem Lieblingsstück machen könnte für Jahre. Der Schlüsselanhänger ist das Geschenk von Kind1, das für seinen kleinen Bruder extra eine ellenlange gelbe Schnur fingergestrickt hat. Und dann dieselbe nochmals. Und nochmals. Bis er eine wunderbare, dicke Kordel fertig hatte. An die kam noch ein Glöckchen dran.
Auch für mein Mädchen, wie es scheint.
Ganz Frau ergriff sie natürlich die erstbeste Gelegenheit, um sich mit dem Objekt der Begierde aus dem Staub zu machen…
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Dieser Beitrag wurde unter besondere Tage veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Kommentare zu vor vier Jahren und zwei Tagen…

  1. Mona sagt:

    Liebe Bora,

    ich wünsche deinem kleinen großen „Lausebengel“ von Herzen alles Gute zum Geburtstag (nachträglich) :o)
    Ich bin jedes mal wieder fasziniert davon, wie wunderschön ihr die Geburtstage deiner Kinder feiert … mit selbstgemachten Geschenken … herrlich!!!
    Liebe Grüße, Mona

  2. Gabriela sagt:

    Liebe Bora
    wie ergreifend du wieder geschrieben hast. Ich wünsche euch weiterhin soviel frohes Zusammensein in der liebevollen Wachheit füreinander.
    Happy birthday +2!

    Gabriela

  3. Bernadette sagt:

    Ein herzliches alles Gute!

  4. KB Design sagt:

    Liebe Bora
    …. wie schön, ich bekam beim lesen gerade „Hühnerhaut“, mehr brauche ich hier nicht zu erzählen – oder. Dann wünsche ich deinem lieben Geburtstagskind, wenn auch verspätet, alles Gute.

    Liebe Grüsse, Brigitte

  5. micha sagt:

    Happy Birthday an deinen Vierjährigen!!!!

  6. mairlynd sagt:

    Alles Gute Deinem kleinen Rabauken zum vierten Geburtstag! Die Geschenke und die ganze Feier, das klingt wundervoll und ich bin sicher, dass er den Tag sehr genossen hat.

    Und ich beneide Dich ein wenig um die großartige Erfahrung, bei zwei Geburten dabei gewesen zu sein. Das war ein ganz besonderes Geschenk von Deiner Mutter!

  7. Alles Gute für deinen kleinen großen Jungen – auf dass er so fröhlich und glücklich bleibt und sich ganz viel aus seiner Kindheit mitnimmt ins Leben. Erinnerungen an diesen Tag werden ihm sicher ganz wohl tun. Alles Liebe. maria

  8. ein wunderbares neues lebensjahr wünsche ich deinem kleinen großen (und dir und euch)!

    und möönsch, so klein ist er noch! ich dacht immer, deine buben wären größer…
    tja, so kann das netz täuschen!

    einen frohen oktoberstart wünsche ich dir!
    herzliche grüße

  9. Susanne sagt:

    ein Hallo und die allerliebsten Wünsche dem kleinen Lausebengel zum Geburtstag:)!
    Wie liebevoll und schön sich immer eure Feste anhören!
    ganz liebe Grüße zum Wochenende:)
    Susanne

  10. kirschkernzeit sagt:

    Ich danke euch allen von Herzen- und werde gleich mal auf Besuchs-Reise zu „euch“ kommen heut abend…
    Bora

  11. mausekind sagt:

    oh ich gratuliere auch von ganzem herzen! solche geburtstagsfeiern mit soviel liebe und ritual stärken die seele und die wurzeln von deinem kleinen fürs leben. wie wunderbar. und auch ich wäre sooo gerne einmal bei einer geburt dabei…als beobachter. ich hoffe aber auch noch darauf dass ich es noch mal als gebärende erleben darf 🙂 ich grüße dich

Schreibe einen Kommentar zu Bernadette Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.