eine Herausforderung

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Fertig! Wer hätte gedacht, dass es so rasch fertig werden würde, dieses kleine, feinmaschige Baumwoll-Jäckchen (BabyDROPS 10-8), bei dem ich phasenweise -als die Maschen für die Schultern und das Körperteil gleichzeitig auf meiner Nadel lagen- mehr als 8 Minuten gebraucht habe (jep, gezählt) für eine (!) einzige (!) Reihe.
Zwischen dem Anschlagen der 188 Maschen (es könnte März gewesen sein) und dem letzten, vernähten Faden liegen gerade mal ein paar Wochen, was vielen vielleicht eher lange vorkommt für ein Kinderkleidungsstück, mir aber wiederum erstaunlich kurz. Die Zeit -das ist es vor allem, das mich verblüfft- flog nur so dahin beim Stricken. Obwohl das Garn (Safran von Drops, bestellt beim Strickcafe, in diesem Farbton leider nicht mehr erhältlich) eher fein ist und ich bisher immer der (absolut falschen) Meinung war, ich würde das Stricken mit Baumwolle gar nicht sonderlich mögen, entstand dieses Jäckchen vollkommen entspannt und richtiggehend Genuss-voll, von der ersten Masche bis zur letzten. Ich merkte, wie ich mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich mein Körbchen mit der weinroten Strickarbeit hervornahm, ein gutes, sehnsüchtiges, freudiges Gefühl überkam, wie beim Wiedersehen mit einem guten Freund, wo man weiss; Das wird eine richtig schöne Zeit werden zu zweit. Ich zog es jedem anderen Projekt vor, selbst den absolut problemlosen Sockenrunden nach einer erfolgreich abgeschlossenen Ferse.

Auf sonderbare Art und Weise schien in diesem Projekt so etwas wie… Freigeist zu stecken. Ein bisschen 80er-Jahre-Unkonventionalität irgendwie. Ich fand die komischen, Fledermaus-artigen Ärmel, die sich mit der Zeit heraus kristallisierten, nämlich schnell einmal genauso verdächtig und merkwürdig wie die schier unendlich langen Reihen mit Maschen, weit mehr als erwartet. 2 Mal kontrollierte ich mein Gestrick mit der Maschenprobe und 2 Mal fand ich keinen Fehler; Dieses Jäckchen ist weit, ungeheuer weit, vor allem um die Arm-Ausschnitte herum, richtig klobig kommt es mir vor, wenn ich es so ansehe, trotz dem enganliegenden, schlichten Hals-Ausschnitt, aber so muss es wohl sein, so war es geplant, laut Anleitungs-Skizze.

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Und mir gefällt es. Nicht das Jäckchen an sich, also schon, aber es gäbe da weit schönere Modelle, das ist mir klar geworden- Es ist die Sorglosigkeit, die ich empfand während ich strickte und heute wieder empfinde, wo ich mich hinsetze, mir das Ganze frisch gespannt und versäubert noch einmal genauer ansehe und merke; egal, wie passgenau oder vielmehr passungenau dieses Jäckchen auch sein mag… daraus lässt sich noch etwas machen. Solange meine Kleine hineinpasst, ihre Ärmchen etwas Warmes, Weiches zum Reinschlüpfen finden und es Knöpfe gibt, die alles zusammenhalten, hat meine Arbeit bereits Sinn, sie kleidet mein Kind, schenkt Wärme und Schutz, und kleine Fehlerchen oder Unstimmigkeiten können zur Herausforderung werden, wenn ich möchte.
Fehler hat es, ja. Zum einen; Mensch, dieser Kragen! (Also, eine so komplizierte und für mich an manchen Stellen schlicht unverständliche Kragen-Anleitung…) Da sind diese beiden komischen Knubbelchen rechts und links ganz oben im Kragenbereich, wohl von diesen komischen Abnahme-Teilen und so, Fehler, keine Frage. Und die Ärmel sind zu lang, ganze 4 cm zu lang, keine Ahnung wieso. Zudem könnten ein paar Knopflöcher und Knöpfe  definitiv nicht schaden…
Ich kann mich ärgern- oder eine Herausforderung, einen Ansporn darin sehen, ein Übungsfeld, so wie früher in der Handarbeits-Schule, wo junge Mädchen Socken strickten, nur um sie stellenweise wieder aufzutrennen und sich dann im Stopfen zu üben. Zum Beispiel könnte ich ein bisschen Picothäkeln. Eine hübsche, kontrastfarbene Häkelkante als Ablenkungs-Manöver. Ich könnte versuchen, Knopflöcher nachträglich einzuarbeiten, für im unteren Bereich, so wie ich es in einem dieser alten Handarbeits-Bücher vom Trödler gesehen habe, so richtig professionell. Oder die Ärmel mit buntem Faden umnähen, so dass sie auf der richtigen Höhe umgekrempelt bleiben ohne sich wieder aufzurollen (meine Kleine kann ab so was richtig verzweifeln).
Ich habe mir vorgenommen, mich nicht zu ärgern. Sondern das gute, freie, entspannte Gefühl, das mich beim Stricken begleitet hat, weiter zu spinnen. Vielleicht versuche ich mich wirklich noch in all diesen Übungen, lerne Picot-Häkeln oder wagemutige Schneidereien ins Maschengeflecht (argh!). Vielleicht versuche ich mich am Maschenstich und lerne, auf meiner Strickerei zu sticken… Wer weiss, wer weiss.
Angefangen hat es ja schon…

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Die entzückend bestickte Filz-Brosche von „Tiny Happy“ hat mir so unheimlich gut gefallen, an sich schon, aber auf meiner kleinen, weinroten Jacke sogar noch besser. Sie verdeckt gekonnt einen dieser doofen Fehlerknubbel und verwandelt mein ein bisschen schräges 80er-Jahre-Raglanjäckchen (für mich zumindest) in eines dieser Trachtenjäckchen, die mich immer an die Schwarzwald-Klinik erinnern. So urchig und unverzagt, am besten zu tragen mit einem Juchzer auf den Lippen und Butterblumen im Haar, dazu ein Salami-Brot und ein Schluck warmer Tee aus der Thermoskanne.
Leider ist so eine Broschen-Nadel nicht unbedingt das Beste für wenn kleine Mädchen sie an ihren Strickjäckchen tragen, und darum scheint es ganz so, als wäre ich jetzt wieder dran, mit Weiterspinnen und Weitersticheln, ganz entspannt und frohen Mutes. Ein Hauch Tiny Happy, ein bisschen Schwarzwald-Klinik-Bergwelt-Feeling in Form einer kleinen, nadelfreien, selbst bestickten Applikation vielleicht?

DSC_3660Herausforderung angenommen!

PS: Noch ein paar technische Infos, für alle, die froh sind über so was:Garn: ca. 190 gr. (mehr als in der Anleitung angegeben!) „Safran“ von Drops, weinrot Farbnummer 20 (diese Nummer ist heute ein anderes, dunkleres Rot)- Danke Anna, dass du mir extra noch einen „alten“ Knäuel hervorgezaubert hast!!!
Nadelstärke: durchgehend Rundnadel Nadel Nr. 3
Veränderungen: Ich habe anstelle vom Perlmuster einfach glatt rechts gestrickt bis zur Passe. Beim Kragen habe ich noch etwa 2 Abnahme-Runden mehr gemacht, was vielleicht etwas übertrieben war, denn der Verschluss sitzt jetzt doch recht nah am Hals (dehnt sich aber vielleicht noch ein wenig?)

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13 Kommentare zu eine Herausforderung

  1. galina sagt:

    Wunderschön Bora das Jäckchen im Moment habe ich kein passendes Garn aber vielleicht im Herbst grins .lg Galina

  2. Angela sagt:

    Liebe Bora, ich bin Dir unendlich dankbar für Deinen Post! Bin ich doch immer so eine Perfektionistin und kann kaum damit leben, dass sich doch immer wieder in den Projekten-trotz oder wegen? der größten Sorgfalt der ein oder andere Fehler einschleicht. Da bist Du mir nun mit Deinem Post ein großes Vorbild- und ich werde beim nächsten Mal daran denken, dass die Leichtigkeit zählt und die Freude am Erschaffen und dass es für alle Fehlerchen eine Lösung gibt-nicht nur das Wiederauftreten.
    Herzlich,
    Angela

  3. Rita sagt:

    Liebe Bora
    Das Jäggli ist wunderschön geworden und die frische Farbe gefällt mir sehr. Auf Deine Stickereien bin ich sehr gespannt! Wusstest Du, dass es auch so ein Jäggli bei Drops für Mamis gibt??
    Schau mal da: http://www.garnstudio.com/lang/de/visoppskrift.php?d_nr=150&d_id=6&lang=de
    Vielleicht ein neues Projekt??
    Ganz liebs Grüessli, Rita

    • Klara sagt:

      Ja, auf diese einfache Jacke schiele ich auch schon seit einem Jahr. Die werde ich sicher noch stricken, für dieses kühle Haus im Herbst und Winter genau richtig!

      Mein Namensvorschlag war übrigens „Midwife-Jacket“ wurde aber nicht genommen! Irgendwann werde ich eine Jacke entwerfen, die diesen wunderschönen Namen tragen wird…

      • kirschkernzeit sagt:

        Ein guter Name- so ein bisschen altmodisch, aber auf sehr hübsche Art… Ich bin gespannt, ob du mit dem Ausschnitt dann besser zugange kommst als ich; das gab es ziemlich Verwirrung für mich…
        Viel Freude, falls du dann beginnst!

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh, den Link geh ich gleich mal anschauen… Dankeschön!

  4. uta sagt:

    Die zu langen Ärmel könnte man doch einfach wieder auflassen,oder? Und dann die Maschen wieder aufnehmen und abstricken. Geht auch von unten. Ich find’s schön.

  5. Klara sagt:

    Ich finde deine kleine Jacke sehr hübsch! Und die vielleicht nicht ganz passende Passform (was für eine seltsame Formulierung…) ist doch optimal für bewegungsfreudige Kinder!

    Ich ziehe den Hut vor deiner Garnwahl, meins ist das überhaupt nicht. Ich Grusel mich vor Baumwolle. Die macht mich ganz närrisch beim verstricken, weshalb ich total verkrampft werde. So macht mir das stricken dann keine Freude mehr.

  6. Melonengrün sagt:

    Liebe Bora
    Du bist ein bisschen Schuld;-) Habe heute das erste Mal bei diesem Strickcafé bestellt.
    Habe mir einen Häkelpulli ausgesucht, den ich machen will.
    Und das nächste Projekt habe ich auch schon gesehen….wie wenn ich nicht schon genug Ideen hätte…
    Liebe Grüsse
    Sara

    • kirschkernzeit sagt:

      Ups! 😉 Ich hoffe, der Häkelpulli wird jetzt dafür DAS Projekt des Jahres werden… Welche Wolle hast du ausgesucht? Bin ganz neugierig, ich weiss, aber ich LIEBE einfach all die Wollknäuel, die man so findet dort (gerade ist wieder die Strickcafe-Site offen im Hintergrund, ich liebäugle so schrecklich mit Madelintosh zur Zeit… Aals hätte ich nicht eh schon zu viel Garn hier herum stehen… Ich bin gespannt, was du machen wirst- schreibst du mich ganz kurz an, wenn dein Häkelpulli fertig ist? Ich würde mich total freuen!

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