berührt: Intermezzo

„Berührt“ heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.

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Berührt… Was mich berührt momentan? Oder berührt hat, besonders, diese Woche über? Hm… Vieles. Diese Woche war ich ständig so müde und ausgelaugt bis auf die Knochen, dass es nie viel brauchte, um mich auf die Palme zu bringen. Oder den Tränen nahe. Auch Tränen der Freude. Oder des Wahnsinns. Obwohl ich, glaube ich, eigentlich überhaupt keine vergossen habe, die ganze Woche über nicht. Aber berührt hat mich vieles, wie gesagt, bewegt und umgehauen oder auch einfach nur angesprochen, innerlich, und das ist es ja im Grunde auch, was einem bewusst macht, dass man lebendig ist; das Ansprechen auf Situationen, auf Menschen, Dinge, Bilder, Reize, das Berührt-Sein, weil aussen an einem eine Welt existiert, die immerzu in Kontakt zu treten versucht. So wie wir auch mit ihr wahrscheinlich.
Allerdings sind mir die Zeiten doch lieber, in denen ich mehr positive Resonanzen geben kann *hüstel*. Aber naja. Das Leben besteht aus Phasen, (ich erinnere mich) und ich sollte eigentlich wissen, dass nicht nur Kinder ihre einfacheren und schwierigeren Phasen durchzustehen haben…
Nun, ich glaube, ganz besonders berührt hat mich diese Woche: Der Schnee. Dieser regelrechte, wahnsinnig dickflockige, kalte, nasse Schnee, der sich wie ein feuchtes Leintuch über all unsere Schneeglocken und Primelchen-Kissen gelegt und den ganzen schönen Frühling unter sich begraben hat. Einfach so. Und das nach satten, mollig warmen 20 Grad, einer tagtäglich fröhlich vom Himmel schielenden Sonne und einer superkallifragilistisch guten Frühlingswetterlaune, zum Bäume ausreissen und was man sonst noch so macht, wenn einem alles vorkommt wie ein Kinderspiel. Die Wetterprognosen waren zwar ziemlich klar, was dieses Winter-Intermezzo angeht, aber ich konnte es nicht glauben, und muss sagen; damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.

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Die dicken Wintersachen musste ich erst wieder aus dem Schrank kramen, ausmotten vielmehr. Zwei Tage lang lag die Welt in weiss. Rein wie eine Braut. Nur frostiger. Irrsinnig frostig und irrsinnig weiss nach dem ganzen Grün und Frühlingspastell. Unfassbar.
Aber trotzdem schön. Was mir genauso irrsinnig vorkommt, dass ich diesen Schnee tatsächlich schön finden konnte, immerhin hatten wir zu dem Zeitpunkt bereits -in meinem Kalender steht es schwarz auf weiss- Frühling, und es wird einem schon ein wenig sonderbar zu Mute, wenn einem die Kinder ausgerechnet in den ersten Frühlingstagen draussen Schnee schippen gehen, wohlbemerkt zum ersten Mal in dieser Saison, also im Grunde eine volle Jahreszeit zu spät.
Doch schön fand ich ihn, den Schnee, das lässt sich nicht leugnen. Schön darum, weil er so gut zu mir passte. Mir war so nach Winterschlaf. Nach Einigeln. Nach Ruhe und Gemütlichkeit und lauwarmer Hafergrütze (tatsächlich ass ich schüsselweise Haferbrei).
Und ausserdem: Ich gehe ungern, ohne richtig Abschied zu nehmen. Und dieser Winter… also, so wirklich Adieu gesagt hat der ja nicht, schliesslich war er gar nicht recht da…
Das hat er dann nun wohl nachgeholt. Mit schneebedeckten Gärten, gepfadeten Strassen und brautweissen Feldern. Ende März.

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Die Primeln leuchten heute wieder, die Narzissen strecken ihre Köpfe einer unverdrossen auf uns niederlachenden Sonne entgegen, als wäre nichts gewesen. Der Schnee ist geschmolzen. Ratzebutz.  Die Natur hält sich an ihren Terminkalender.
Ich habe beschlossen, meinen Winterschlaf aufzugeben. Und kämpfe nun mit der Frühjahrs-Müdigkeit.

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6 Kommentare zu berührt: Intermezzo

  1. galina sagt:

    April April der Weiß nicht was er will und so kam er dann um dir die Hand zu schütteln und Abschied nehmen .lg und ein schönes Wochenende

  2. Da bin ich ja erleichtert dass ich nicht die einzige bin, die die Wintersachen schon eingemottet hatte… und ich tat mich sehr schwer sie wieder rauszuholen.

  3. Rita sagt:

    Nur kurz…ich auch, mein Blog und ich, wir machen einfach mal Pause….;)
    Liebs Grüessli, Rita

  4. Raniso sagt:

    Hihi, du hast dir wirklich Haferschleim gemacht!? Jetzt muss ich kichern 😉 Hilft er auch gegen Frühjahrsmüdigkeit? Dann mache ich definitiv auch welchen… 😉
    Ganz liebi grüäss, anja

    • kirschkernzeit sagt:

      Ne, ich fürchte nicht. Aber der kann echt fein sein- so richtig schön matschig gekocht in Milch (auf die Idee hat mich übrigens Ilonka gebracht, erinnerst du dich? Sie hat zwar von Suppe geredet, aber ich dachte, Brei kann ja auch nicht schaden 😉 )

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