berührt: Phasen

„Berührt“ heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Ich muss zugeben; Manche Zeiten finde ich einfach nur schwierig. Egal, wie das Leben aussieht und ganz gleichgültig wo man gerade steht, immer wieder gibt es Bereiche, wo alles in Wanken kommt und der Boden unter den Füssen bebt. Und irgendwie erschüttert das einem. So ein klein wenig. Oder auch mal mehr.
Im Muttersein -so kommt es mir vor- sind solche Momente besonders häufig, vor allem wenn man mehrere Kinder hat, die sich dann so quasi abwechseln mit Entwicklungs-Hüpfern, mit Ängsten in neu beschrittenen Lebens-Abschnitten, mit neu erwachten Bedürfnissen, weil sie einfach älter werden, anders, in einem wachsenden Körper sich häutende, entfaltende, wandelnde Wesen sind. Kinder heranwachsen zu sehen und sie bei jedem Schritt zu begleiten, das ist mein Leben. Ein gutes Leben, von dem ich keinen Tag missen möchte. Und doch… also offen gestanden,  manchmal wankt mein Boden doch ganz enorm unter meinen Mama-Füssen, und während ich versuche, mein Bestes zu geben, zu verstehen, was in meinen Kindern vorgeht und zu erspüren, wo sie eine klare Führung brauchen und wo einfach nur etwas mehr Geduld und sanftes Erklären, während all dem wünschte ich, da wäre einer, der mir sagen könnte, wann oder wie (und ob überhaupt?) das alles wieder zur Ruhe kommt.
Aber da gibt es niemanden.
Darum versuche ich es selber. Mir klar machen, dass das Leben als Mutter einfach so ist. Ein Stück weit eine Reise ins Ungewisse, weil man liebt und gibt und scheinbar alles hat- und dann trotzdem loslassen muss, ziehen lassen und reifen lassen und darauf vertrauen, dass es gut kommt schlussendlich, oder einfach so, wie es kommen muss. Nicht nur, wenn sie gross werden, so richtig gross, sondern jetzt schon, schon mit bald zwei, schon mit vier, mit sieben oder elf (okay, das ist dem richtig gross ja bereits ziemlich nahe, oder? ).

Dieses Bild hier wird mich wahrscheinlich immer daran erinnern; Wie schnell alles sich wandeln kann, von einem Augenblick auf den anderen, vor allem in einem Kinderleben- und damit auch in meinem.
Dieses Bild erzählt davon: Mein Kind, wie ich es kaum kenne, buchstäblich ausser Rand und Band und vollkommen neben sich -einfach so, wie es scheint- nach einem Spielgruppen-Morgen schlichtweg nicht mehr zu bändigen. Geschrei, Tränen, Gezappel und Gestrampel ohne Ende, den ganzen Mittag lang und auch noch darüber hinaus. Ich bin ratlos und selber den Tränen nahe, weil ich das Gefühl nicht mehr los werde, dass es mir entgleitet. Mein eigenes Kind. Das mir nahe steht wie kaum etwas sonst auf der Welt, und das ich kenne, so gut eigentlich, von seinem allerersten Herzschlag an.
Und dann, unversehens, die Kehrtwendung. Zwei, fast drei volle Stunden Frieden, sie hingebungsvoll versunken in ihrem Spiel, entspannt, in sich ruhend, wie heimgekommen zu sich selbst, ich erlöst, erleichtert, Zuversicht schöpfend.
„Mama, komm! Ich muss dir unbedingt zeigen, was ich gebaut habe!“ Eine Puppenhöhle unter dem Tisch natürlich *freu*. Und in ihrem zum Wagen umfunktionierten Puppenhochsitz sitzen dicht an dicht zusammengestopft fast sämtliche Puppen-und Stofftier-Kinder des Hauses und warten auf ihre Kinderzimmer-Rundfahrt. Mein Kind strahlt, und ich mit ihr.

Wahrscheinlich muss ich das einfach lernen, das Loslassen, das Es-gut-sein-lassen. Lernen, das Verhalten meiner Kinder nicht immer sofort auf mich selbst zu beziehen und irgendetwas regeln zu wollen, wenn es scheint, als liefe es nicht geradlinig genug.
Wahrscheinlich sollte ich es mir aufschreiben und aufhängen, mehrfach kopiert, an einem Ort, wo ich es immer wieder sehen kann:
Das Leben ist eine Kette aus Phasen. Und Phasen vergehen. Sie müssen vielleicht sein. Und sie bleiben selten so lange, wie es zunächst scheint.
Und meistens  -nicht immer natürlich, aber doch meistens- gehen sie besser aus, als ich es erwarte.

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6 Kommentare zu berührt: Phasen

  1. Micha sagt:

    Wie wahr! Ganz besonderes mit mehreren Kindern wird man immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Da braucht mal der eine, mal die andere ganz besonderes viel Aufmerksamkeit und plötzlich fühlt man sich zerrissen zwischen all den Anforderungen und muss erst mal wieder zu sich selbst finden.
    So geht es mir auch oft! Danke fürs Beschreiben und dir viel Kraft und alles Gute!
    LG, Micha

  2. Angela sagt:

    Liebe Bora, wie immer finde ich mich in Deinem Text wieder…zu gut kenne ich diesen von Dir beschriebenen Stimmungsumschwung um 180° von Schreien und Ganz-außer-sich-sein zu einem wunderbar gelassenen Kind, das plötzlich wie ausgewechselt scheint von unsrem „Wackelzahnkind“. Wackeln die Zähne, wackelt die Seele-es ist wirklich so und wir können uns wahrscheinlich gar nicht vorstellen, was in einem Kind so alles an Seelischem verarbeitet werden muss. Trotzdem ist es manchmal schwer da mit zu halten, dem Kind Halt zu geben und ihm beizustehen-beim Schreien und dann wieder sich im nächsten Moment mit ihm zu freuen. Ein ganz schöner Spagat, den man seelisch erstmal verkraften muss.

    Dir alles Liebe
    Angela

  3. raniso sagt:

    Oh ja, deine Worte mit den Phasen, das sind auch meine. Immer wieder… Gestern Abend zum Beispiel, mit tobender und nicht zu bremsender Mittleren… Tief durchatmen! Alles Phasen… 😉
    Ganz liebi grüäss, anja

  4. Martina sagt:

    das kommt mir alles sehr bekannt vor…diese nicht vorhersehbaren stimmungswechsel…das „durchzustehen“ ist oft nicht leicht.
    loslassen ist auch mein thema gerade und damit ich es nicht vergesse, habe ich mir das wort mit buchstabenperlen auf ein armband gefädelt, das ich ständig trage und so immer erinnert werde.
    liebe grüße
    martina

  5. lala sagt:

    ja da erkenne ich mich wieder!!! sehr schöner blog

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