Pretty as a Picture

Okay… das mit der spätabendlichen (wohl eher spät-nächtlichen *hüstel*) Nährunde hat dann doch nicht mehr geklappt. Natürlich nicht, nachts um die Uhrzeit (die natürlich immer dieselbe bleibt, wenn ich meine Blogposts schreibe, Macht der Gewohnheit, schätze ich. Ich alte Nachteule). Aber das macht nichts. Ich glaube, abends ganz für mich alleine zu nähen, das hab’ ich ohnehin ein bisschen verlernt, seit ich meine Kleine habe. Oder vielleicht habe ich es mir vielmehr gar nie so richtig aneignen können, so etwas wie Feierabend-Nähen, denn als ich zu nähen begann, damals mit meinem Mädchen noch ganz klein, da waren meine Abende bereits voll besetzt mit zwei Jungen, die eben erst lernten, allein, bzw. zu zweit in einem Zimmer (ein-) zu schlafen und noch sehr viel Zeit und Zuwendung brauchten, bis sie zur Ruhe kamen, nach zwei, drei Geschichten und viel Kuscheln und gutem Zureden… Dann war da mein Baby-Mädchen, die niemals, wirklich niemals vor halb zehn/ zehn Uhr nachts einschlafen konnte. Von Geburt an. Und das Babykind -das nun keines mehr ist, nur noch ganz insgeheim und tief in meinem Herzen- mittlerweile ein Kleinkind auf zwei Knubbelbeinchen, mit ersten Worten (wenigen) und ganz eigenen Ideen und Erkundungs-Gelüsten (vielen)- tut es ihr gleich. Nicht dass sie nicht einschlafen würde, nein, in dieser Hinsicht bin ich verwöhnt seit ein paar Wochen (um 21 Uhr schlummert sie in meinen Armen davon), aber ihr Schlaf ist sehr sensibel und irgendwie auf ganz sonderbare Weise mit mir verbunden: Sobald ich den obersten Stock verlasse, in dem unser gemeinsames Bett steht, wird sie unruhig und wacht auf. Merkwürdig, aber es ist so. Und nach unzähligen fehlgeschlagenen Versuchen, mich heimlichst und auf Zehenspitzen davonzuschleichen, um eben doch noch einmal an die Nähmaschine zu sitzen (ganz unten im Haus übrigens, wo mich keiner hört), habe ich … aufgegeben. Was nicht sein soll, soll eben nicht sein. Und eigentlich… bin ich ja auch ganz gern ihrer Nähe…

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Nun, unter diesen Umständen sieht mein Näh-Tisch (der gleichzeitig unser Stubentisch ist) natürlich immer ein bisschen überfüllt aus. Weil ich nie für lange an einem Stück arbeiten kann und jeden Schritt mehrfach unterteilen muss, so dass er irgendwie in eines dieser 5Minuten-Päuschen passt, die sich im Verlaufe eines Tages für mich auftun. Überall rund um die Nähmaschine liegen darum zugeschnittene Teile, Fadenspuhlen, Schere und Rollcutter (ausser Reichweite meiner Kinder), Nadelkissen und Bügeleisen samt einem fast rund um die Uhr aufgeklappten Bügelbrett. Mein Wohnzimmer ist mir zum Nähzimmer geworden. Und wenn mich das unvermeidliche Chaos auch manchmal frustriert- es ist schön, immer mal wieder einen Blick auf ein langsam wachsendes Projekt zu werfen, auf fertig zugeschnittene Stoffstücke, die geduldig aufs Versäubern warten vielleicht (so wie jetzt gerade, ein zweites Jersey-Shirt für mein Mädchen ist in Arbeit). Eine gute Freundin von mir hat mir einmal verraten; “Ich versuche jeden Tag mindestens etwas zu tun, was mir Freude macht”. Und ich glaube, diese verstreuten Näh-Momente mitten in all dem Durcheinander, sind so kleine Freuden-Macherchen. Kurz aber wertvoll.
Besonders dann, wenn es schöner Stoff ist, der da im Gewühl auf mich wartet. Ich glaube, diese Lektion habe ich gelernt; Das Material, das in meinen Händen liegt, muss wirklich etwas Gutes sein, damit es mir auch gut tut. Feines Naturgarn beim Stricken, schön gefärbt, Stoffe aus reinen Natur-Materialien in Farben und Mustern, in denen ich mich verlieren kann und wo ich mich verbunden fühle. Alles fühlt sich … einfach nicht richtig.

Bei den Huck Finn Pants meiner Kleinen waren es schlussendlich Stoffe zweiter Wahl, die (endlich! doch! noch!) zum Einsatz kamen. Und das war in Ordnung so. Ein Happy End auf seine Weise. Bei der Meerjungfrauen-Tunika für mein Mädchen hingegen … kam es wie es kommen sollte, der richtige Stoff für das richtige Projekt am richtigen Ort; mein Mädchen ist natürlich hingerissen von dem blondgelockten kleinen Ding (hm… blondgelockt? Kommt mir irgendwie bekannt vor…) mit Fischschwanz und türkisblauem Meeresgrund … aber ich? Ich muss gestehen, meine Vorstellung von schönem Stoff sieht, naja, ein kleines bisschen anders aus… weniger kitschig, weniger süss, weniger mädchenhaft. Aber ich nähe ja schliesslich nicht nur für mich, hab’ ich Recht? Ich nähe, um Freude zu machen, anderen… und genau dadurch auch mir selbst.

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Ganz anders ging es mir hingegen mit diesem Stoff. Ganz anders sogar. Dieser Stoff war Liebe auf den ersten Blick, und zwar Amors Pfeil ganz tief und direkt ins Herz. Dieser Stoff… bin ich. Und ich wusste es sofort; Nicht nur ich, auch meine Kleine.

Sie muss erst ein paar Monate alt gewesen sein, als ich etwa eineinhalb Meter “Bold Stripes” in “Lavender” von Kaffe Fassett bestellt habe. Für mein Babykind, soviel stand fest. Und ich glaube, vor meinem inneren Auge entstand damals schon ein kleines, schlichtes Mädchenkleidchen aus warmen lila-violett Tönen mit einem Schuss Senf und Türkis, sachte gerafft und ein klein wenig romantisch. Manche Stoffe tragen ihre Geschichte schon von Anfang an in sich…

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Anna Maria Horners “Pretty as a Picture Dress” hat mir immer schon gefallen, schon als mein Mädchen noch ein Baby war und ich mich mit ihren “Quick Change Trousers” an eines meiner allerersten Hosenpaare wagte. Zu einem Kleidchen für sie kam es nie. Mir fehlten Zeit und Mut und all die kleinen Kniffe, um ein bisschen Näh-Vergnügen in meinen Alltag hinein zu schmuggeln, aber die Lust auf Nähen blieb und der Wunsch nach klitzekleinen, süssen Mädchenkleidern auch, und jetzt mit meiner Kleinen scheint plötzlich so viel mehr möglich zu sein, so viel mehr Nähen und Umsetzen kleiner Träume… Für sie ist es nun entstanden, mein “Pretty as a Picture”-Kleidchen. Zu guter letzt. Allerdings ohne den typischen Picture/Rahmen-Effekt. Den kontrastierenden Stoff-Blätz in der Mitte habe ich nämlich weg gelassen und den Rockteil dafür  aus nur zwei gleichgrossen Teilen zugeschnitten. So ist es ruhiger. Gleichmässiger. Feiner. Und genau das passt so gut zu meiner Kleinen. Ruhe, Gelassenheit, ein bisschen vorsichtigsein…

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Ist es nicht sonderbar, wie sehr ein Stoff, wie sehr ein Stückchen Kleidung
zu einem Menschen gehören kann?
Dieses Kleidchen jedenfalls ist schon jetzt ganz und gar ihres

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20 Antworten auf Pretty as a Picture

  1. galina sagt:

    Das gefelt mir sehr liebe Bora es ist schlicht und der Stoff einfach schön ,in meinem Nähzimmer steht so einiges mein Bügelbrett steht vor dem Fenster und drum herum ist eben Kreativität hi hi mein Man meinte vielleicht soll ich dir mal helfen beim aufräumen lach .ich wünsch dir was deine Galina

  2. Was für wunderbar friedliche Bilder von deiner Tochter. Die Tunika ist sehr schön, der Stoff gefällt mir auch sehr. Wie schön, dass sie so gut zu euch passt!

    Alles Liebe
    Steffi

  3. Marina sagt:

    So ein herzallerliebstes Kleidli und eine ganz Süsse, die drin schläft. Mein Nähzeug IST auch in der ganzen Wohnung verteilt.
    Ganz liebe Grüsse aus Norwegen
    Marina

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Norwegen, wie schön! Ich war einmal dort (Hochzeitsreise) und vollkommen begeistert von Land und Leben, ehrlich.

  4. Unglaublich! Gerade hab ich geschaut bis zu welcher Größe genau das Kleid angegeben ist und hab dabei überlegt ob das Picture denn nun nötig ist… dreh mich rüber zum PC und wusste gleich was die Überschrift sagen will!
    Zaubersüß sind die Fotos von Deinem schlummernden Kleidchenkind!

  5. Mari sagt:

    Die Bilder deines Baby-Kindes rühren an mein Herz. Wie schön – alles – Knubbelbaby, Kleid (natürlich!), Haarflaum, Nackenduft (vorgestellt), Gans (?), Spitzenkissen, Worte und Gedanken… Wie schön. Danke.
    Mari

  6. Klara sagt:

    Eigentlich sollte ich schon in den Schuhen stecken…(nur ganz kurz):

    Der Stoff ist ein Traum, das Kleidchen, ach wunderschön. Zum Thema Schlaf. Ich hab mir das sofort abgewöhntauf die Uhr zu starren. Es gibt für mich absolut nichts schlimmeres, als mit einem quirligen aber irgendwie schon müdem Kind im Bett zu liegen. Ich werde da immer so grantig.

    Egal. Ich stricke deshalb so gerne, auf dem Treppenabsatz sitzend (wegen dem Licht…), sodass ich fix wieder im Bett bin, sobald der kleine Mensch loswackelt. Das Strickstück kann man schnell bei Seite legen, und sofort wieder aufnehmen, wenn es wieder geht.

    Einen schönen Weekend- Anfang an alle! Heute bleibt es noch so schön. Herrlich!

  7. *Marie* sagt:

    Ach du bist meine große Inspiration!!!So wie du dir immer alles von der Seele schreibst…. klitzekleine Glücksmomente die durch den hektischen Alltag überrollt werden und somit verloren gehen, hältst du in einem Augenblick des Innehaltens und des Betrachtens fest!!! Du zeigst einem immer wieder was wichtig ist im Leben und das gibt mir oft einen Ruck und lässt mich nachdenken und dann zur Ruhe kommen…..Dein Zuhause ist so unheimlich gemütlich und kreativ…..es muss nicht immer alles perfekt und durchorganisiert sein… es wird gelebt! Danke das es euch und deinen Blog gibt:)…… liebe Grüße Marie
    P.S das musste ich jetzt ganz schnell mal schreiben;))

  8. Lena sagt:

    Liebe Bora,

    Kind, Kleid und Stoff sind herzallerliebst. Erinnert mich an die Rakkatl Kleider die ich als Kind anhatte!
    Sei herzlich gegrüßt Lena

  9. Jule sagt:

    ooh, was für ein wunderschöner stoff! der erinnert mich sehr an die bunten haarreifen aus stoff, die ich als kind immer getragen habe. das waren genau diese farben! (also vor allem die der ersten bilder, da ist der stoff etwas rötlicher) ich glaube, ich muss mich auf die suche nach diesem stoff machen.. und nach einem passenden schnittmuster.. dann muss ich nur noch nähen lernen! aber das krieg ich hin :o)
    vielen dank, liebe bora!

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Den Stoff findest du bestimmt, vor allem Online, und es gibt ganz schlichte, einfache Kleidchen ohne diesen Wockel-Teil oben, die du ganz sicher hinbekommen würdest, denke ich, denn wirklich schwierig ist das nicht (überraschenderweise; ich hab mich auch immer davor zurückgeschreckt). Nur Mut!

  10. Sandra sagt:

    Hallo Bora !
    Ich finde, das Kleid passt sehr gut zu deiner Tochter !! Als ich mir die Bilder ansah,dachte ich, es könnte auch meine kleine Tochter ( heute 9 Monate alt ) sein. So werde ich in nächster Zeit wohl auch solch “einfache” Kleider nähen. Welche Größe hast du für euer Mädchen genäht ?
    GLG Sandra

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Ich habe die grösste Grösse genommen (leider gehen alle Kleider in diesem Buch nur bis 2 Jahre) und denke, sehr viel länger wird es auch nicht passen. Allerdings ist der Schnitt so simpel, dass er wahrscheinlich einigermassen leicht angepasst werden könnte… Und ich überlege, den Gummizug vielleicht beim nächsten Mal weg zu lassen und stattdessen ein Zugband einzunähen? Dann liesse sich die Weite noch ein bisschen besser regulieren. Oder gleich Jersey? Hm…

  11. Wow, ein wunderschönes Kleidchen und das perfekte Bild. Unglaublich schön!
    Liebe Grüße,
    Kathrin

  12. raniso sagt:

    Mich verschlägt es heute hierher und ich bin begeistert! So ein tolles Kleid (Kind sowieso) und wirklich, wie passend… zu euch beiden!
    Ganz ganz liebi grüäss, anja

  13. selina sagt:

    Liebe Bora!
    Einfach wunderwunderwundervoll!! Mehr muss man dazu gar nicht sagen!
    Ich lese regelmäßig hier bei dir, hinterlasse aber leider nur viel zu selten einen Kommentar! Das tut mir leid, ich bemühe mich das wieder zu ändern, weiß ich doch, wie sehr man sich über Kommentare freut!
    Liebste Grüße, Selina

    • kirschkernzeit kirschkernzeit sagt:

      Mich freut es sehr, zu sehen, dass mein Blog dir noch nicht verleidet ist :-) Aber das mit dem Kommentieren, das muss dir kein Bauchweh machen, du darfst auch einfach nur still lesen, dann wenn es passt für dich. Ich bin ja selber eine nicht so ordentliche Blog-Leserin und häufig auch nur stumm unterwegs, weil es für ein paar Zeilen dann doch nicht mehr reicht. Und das finde ich auch okay, bei mir im Blog auf alle Fälle. Hier sollst du dich ausruhen dürfen. Auch ohne Comments. Aber natürlich bin ich immer sehr, sehr dankbar und glücklich über jedes Lebenszeichen von dir, liebe Selina! Schön!

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