für mein Mädchen: eine Meerjungfrauen-Tunika

Heute war es richtig unsinnig warm und sonnig, und wir ganze 80 Minuten lang unterwegs unter freiem, wolkenlosen Himmel, raus über den Hügel, zu Fuss zu meiner Mama. Es war herrlich. Wie eine kleine, dichte Traube zottelten wir alle durch die Landschaft, und es quasselte und lärmte in einem fort, ohne Gemecker, ohne Reibereien, ohne Nervosität, immer in Bewegung, gemeinsam, mit einem klaren Ziel vor Augen und jeder Menge Zeit, in unserem Tempo.
Schön. So lässt es sich leben, finde ich.
Und die ganze Zeit über trug meine Kleine eine ihrer neuen Huck Finn Pants, die in Dunkelblau aus einem japanischen Stoff (damals vom Strickcafe, jetzt aber leider dort vergriffen), ausgerechnet diejenige, von der ich dachte, ich würde sie ihr ewig lang nicht anziehen, weil sie so ernsthaft und streng wirkt. Aber: Ich habe mich geirrt. Tatsächlich glaube ich, wird das „ihre“ neue Lieblings-Hose werden. Dieses ruhige, klare, fein gemusterte Blau gefällt mir nämlich plötzlich besonders gut an meiner kleinen Maus… besser vielleicht sogar als die bunteren, wilderen Blumen-Drucke der beiden anderen Hosen-Paare.
Mit Stoffen… ist das so eine Sache; Manchmal verliebe ich mich Hals über Kopf in ein Design und ob ich nun weiss wofür oder nicht, ich brauche dann ganz, ganz dringend wenigstens ein Appetithäppchen davon, 25cm oder so, vielleicht auch mehr, je nach Schmetterlingen im Bauch. Vielleicht weiss ich auch schon was ich damit anfangen werde, mir schwebt ein Projekt vor oder die Persönlichkeit des Menschen, für den ich nähen möchte, und das kann ganz klar und deutlich sein für mich… bis ein bisschen Zeit vergeht. Und das Bild langsam verblasst, während mein neuester Lieblings-Stoff im Regal Staub ansetzt.

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Es kommt vor, dass ein ehemals heiss geliebtes Stückchen Stoff mir -wenn ich es dann nach Ewigkeiten wieder hervorkrame- plötzlich fremd vorkommt. Überholt. Wie etwas, das eigentlich gar nicht mehr so wirklich zu mir gehört. Und auch die Persönlichkeit, für die ich ihn vernähen wollte, hat sich verändert. Das ist dann immer ein bisschen traurig; Daran, dass ein Stoff plötzlich nicht mehr passt, irgendwie, erkenne ich, wie die Zeit vergeht…
Die drei Huck Finn Hosen für meine Kleine, sind ausnahmslos aus genau solchen Stoffen entstanden. Stoffe, die mich vollkommen überzeugt haben, damals, für die ich klare Pläne hatte und ein gutes, warmes Gefühl im Bauch. Aber dann einfach nicht die Zeit.
Und jetzt ist ihre Bestimmung eine andere geworden, aus den geplanten „Ja, das ist es!“- Projekten für mein damals noch etwas jüngeres Mädchen wurden ganz einfache, schon sehr vertraute und nicht mehr ganz so aufregende Hosen für meine Kleinste, bereit, zerschlissen und verbraucht zu werden, einen ganzen Frühling-Sommer-Herbst lang. Dann werden sie entweder in Fetzen hängen oder zu klein geworden sein…

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Der Stoff („Storyboek 2“ von „Birch Fabrics“)  für diese kleine Tunika hier hingegen, hatte mehr Glück. Ich erinnere mich, wie ich ihn –es war eisiger Winter, ich weiss es noch genau- in einem wahren Freudentaumel bei „Cotton &  Color“  bestellt hatte, hellblauen Bio-Baumwoll-Stoff mit dickem Wal und einer ganz entzückenden kleinen Meerjungfrau, damals zusammen mit anderen Prints von Birch Fabrics. Mir war auf Anhieb klar; daraus wird ein Sommerkleidchen. Für mein Mädchen, mein Grosses.

DSC_2594 DSC_2591Und genaus so kam es. Wenn mir für ein Sommerkleidchen auch ein klein wenig Stoff-Länge fehlte. Dafür reichte es für eine kleine, luftige Sommer-Tunika, die herrlich flattert im Wind und so hell und frisch aussieht, dass ich augenblicklich in Sommerlaune komme. Weiss gebleichtes Blondhaar, dünner, heller Sand und Wasser, das im Sonnenlicht funkelt und glitzert… Ein Hauch von Freiheit.

Das Original-Schnittmuster -„Blouse with Crocheted Doily Trim“ aus „Carefree Clothes for Girls“ (ein Buch, das ich wirklich sehr, sehr gerne mag)- hätte noch ein paar nette Details mehr gehabt, mit eingenähte Spitzendeckchen zum Beispiel, unversäuberte Franse-Säume und kleine, ausfransende Rüschen-Ärmelchen, aber das habe ich, ganz ähnlich wie schon beim ersten Kleidchen für mein Mädchen, alles weggelassen. Spitzendeckchen und Rüschen sehen zwar prächtig aus, auch unversäumte Nähte, richtig platziert, und die Fotos im Buch sind absolut entzückend, aber für im wahren Leben … nicht unbedingt das Richtige, denke ich, nicht wenn man vier ist und ein kleiner Wildfang, der toben will und schmutzig wird und sich drei Mal am Tag umziehen muss. Da sind Kleider gefragt, die ein wenig mehr aushalten. Warmes Seifenwasser und Schleudergänge und den einen oder anderen kräftigen Schrubber mit Gallseife und Schwamm…
Ich hoffe doch, die kleine Meerjungfrau und ihre Kumpanen sind für so was gewappnet.

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Die Schrägbänder habe ich einmal aus dem Meerjungfrauen-Stoff selber gemacht, für die Arm-Ausschnitte (die übrigens eher weit ausfallen, fast ein bisschen zu weit, würde ich sagen, aber es gibt Schlimmeres, oder?), und dann für den breiteren Schrägstreifen an Hals und am unterem Saum aus „Tilda Star Grey Brown“.
Schrägband selber machen, kostet einiges an Zeit, und ich bin jedes Mal aus Neue überrascht, wie viel Zeit und Schwitzerei es braucht, bis so ein Streifen fertig gebügelt und zum Einfassen bereit vor einem liegt. Aber ich merke, wie ich so langsam hineinwachse in diesen Prozess, plötzlich sogar so was wie Spass habe am Kombinieren und Tüfteln der „richtigen“ Stoff-Wahl, denn in so einer kleinen, dünnen Stoff-Einfassung steckt wirklich unglaubliches Potential, die einem all die Mühe sofort vergessen lässt…

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So. Ein Sommerkleidchen. Der Sommer kann also kommen.
Oder vielleicht doch erst einmal der Frühling…

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14 Kommentare zu für mein Mädchen: eine Meerjungfrauen-Tunika

  1. Kathi Pirati sagt:

    wunderschön, liebe bora! 🙂

  2. Ach, Bora… Zauberhaft ist sie, die Tunika! Oh ja, ich kann Deine Stoffverliebtheit (manchmal/meistens auf den 1. Blick) gut verstehen, mir geht es da ganz genau so. Der Meerjungfrauen-Stoff scheint jedenfalls darauf gewartet zu haben, eine Tunika zu werden. Er ist gemacht dafür und die Stoff-Kombination gefällt mir ausgesprochen gut!

    Das Buch und den Schnitt liebe ich auch sehr und auch ich verwende andere, farbige Stoffe dafür. Am liebsten würde ich mein Mädchen überwiegend in creme- und weißfarbiges Leinen kleiden. Vielleicht noch ein ganz zartes rosa oder hellblau oder hellgelb und Spitze und Häkelbordüren – hach! Aber wie Du sagst: leider nicht wirklich spiel- und/oder tobetauglich. Aber das muss auch nicht sein, es gibt ja noch so viel mehr wunderschöne Stoffe, wie man bei der Tunika Deines Mädchens sieht.

    Habt einen wundervollen Frühlingstag, Ihr Lieben, und ein tolles Wochenende!

    Allerliebste Grüsse,
    Kristina ♡

    • kirschkernzeit sagt:

      Das mit dem Cremeweiss und dem luftigen Leinen, das geht mir ganz genauso. Es sieht einfach bezaubernd aus, nicht wahr, wenn Kinder so hell und ungekünstelt verhüllt werden… aber drei Mal Spielplatz und das Ganze verliert schnell einmal die Romantik, weil jedes Fleckchen sofort zu sehen ist und zB.altes Leinen einem vielleicht auch ans Herz wächst und ungern drei Mal die Wochen sauber geschrubbelt wird… Zudem ist es mindestens bei meinen Kinder so, dass sie weissen Kleidern nicht besonders viel abgewonnen können. Mein Mädchen ist alles andere als begeistert, wenn ich ihr vorschlage, zur Abwechslung doch mal erdigere, ruhigere Stoffe auszuwählen (so wie sie MIR gefallen würden). Nein, Pink wird gewünscht, Pink und leuchtendes Türkis oder spannende Prints (auf die ich persönlich ehrlich gesagt verzichten könnte, ich bin eher der Blumenmuster-Typ). Nun ja, was soll man machen… Wir nähen ja nicht nur für uns selber, oder? Es soll ja allen Freude machen, da sind ein paar Kompromisse wahrscheinlich einfach unumgänglich… Aber ich bin froh, zu lesen, dass ich nicht die einzige verhinderte leinen-häkelspitzen-milchweiss-Fanatikerin bin 😉

      • Am Wochenende fanden zahlreiche Kinderkleiderbörsen in der näheren Umgebung statt. Ich besuche diese ganz gerne und während ich Herrn P. und die Kinder am Kuchenbuffet parke (Stichwort: VERZICHT *seufz*) flaniere ich durch die Hallen (obwohl mir Turnhallen grundsätzlich ein Gräuel sind…) und bin auf der Suche nach Spielen. Da sämtliche Spiele bei uns spätestens am 3. Tag nach Kauf aussehen, als wären sie nicht nur 2. sondern mindestens 5. Hand, kamen wir überein, ein paar Spiele einfach gebraucht zu kaufen.
        Jedenfalls erblickte ich dabei nicht nur Spiele sondern auch Kleidchen. Wunderschöne, zauberhafte weisse, creme- und pastellfarbene Kleidchen.
        Alle ohne Flecken!!!! Auch die Mama hinter dem Stand sah aus wie aus dem Ei gepellt und ich fragte zaghaft, welches Waschmittel sie denn benutzen würde, weil die Kleider so strahlend und fleckenlos waren…
        Die Antwort erstaunte mich: „Naja… *kopfschüttelundfragendaugenbrauenhochzieh* …ich habe schließlich zwei Mädchen, die machen sich nicht schmutzig!!!!“
        Oh, meines aber schon. Meines hat sich gestern komplett (KOMPLETT !!!!!!) mit Wasserfarben bemalt. Im Garten. Wo sie doch eh schon dreckig war von Kopf bis Fuss.
        Ein von mir für als zuckersüss und kleidsam befundene weiße Leinenkleidchen wäre dann gemustert gewesen… Also genau richtig und schön für ein wildes kleines Mädchen! Und genau richtig für mich, dieses kleine Mädchen! Cremefarbene kann jede(r)…

        Auch wenn ich jetzt die Kommentarfunktion gesprengt habe: Einen grandiosen, bunten Sonntag wünsche ich Euch!!!

        Alles Liebe,
        Kristina ♡

  3. Galina sagt:

    Wunderschön Bora der Stoff ist ein Traum ,lg galina Ps den Stoff hätte ich auch gern

  4. Mareike sagt:

    Wunderschön!

  5. Sarah sagt:

    liebe Bora,
    die ist ja toll geworden – und so ein schöner Stoff!

    Ich hatte auch schon öfter überlegt mir das Buch zu bestellen, war aber noch nicht 100% überzeugt, ob es für mich das Richtige ist. Ich habe schon öfter Nähbücher bestellt, mit denen ich dann schlussendlich doch nicht so viel anfangen konnte… Geht es Dir auch manchmal so?

    ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!
    Alles Liebe,
    Sarah

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh ja, das geht mir auch manchmal so. Ich hatte zB. „Es war einmal ein Hosenbein“ fast 2 Jahre lang unbenutzt im Regal, bis ich es dann verschenkt habe. Oder dann sind vielleicht zwei Projekte drin, die mir gefallen, und ansonsten… Aberes passiert mir nicht oft. Und wenn, dann hauptsächlich mit Deutschsprachigen Büchern (komisch, oder?). Ich glaube, darum habe ich auch angefangen, mir so quasi 1 Projekt pro Buch richtiggehend aufzubrummen. Ist eines genäht, werden oft mehr daraus, keine Ahnung warum. Und sonst; warm verschenkt mach ein Buch mindestens 2 Personen nochmals eine Freude (mir UND der Beschenkten- hoffe ich). Das Buch ist sehr hübsch, finde ich. Manche Dinge kommen aber mehrmals vor, einfach leicht abgewandelt, und der Stil ist ziemlich… speziell. Da gibt es viele unversäuberte Säume, Spitzen und Leinen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass so was lange hält (auch wenn es superschön aussieht!)… Aber man kann leicht abwandeln, was einem nicht gefällt, und ich finde, die Inspiration allein ist den Preis schon wert. Allerdings sind die Schnitte recht schmal. Und die Knopfverschlüsse alle hinten am Rücken, was ich nicht so toll finde für sich selber anziehende Kinder. Ich habe den Schlitz hinten um ca. 3 cm länger gemacht, damit das Reinschlüfen leichter wird, aber schmal ist es immer noch…
      liebe Grüsse!

  6. Rita sagt:

    Ach, wie schöööön!! Das gefällt mir so gut und das Muster ist absolut zauberhaft!
    Ich kenne das mit den Stoffen auch. Ich weiss fast immer, für was ich den Stoff mal bestellt hatte, doch eben, die Zeit….lässt alles irgendwie verändern und verblassen.
    Die Kleidchenzeit ist wirklich angebrochen;)
    Wünsche Euch weiterhin viele schöne und sonnige Frühlingstage!
    herzlich, Rita

  7. Mungeli sagt:

    Liebe Bora
    Wunderwunderschön Dein Werk! Es könnte nicht schöner sein, danke dass Du die Bilder mit so vielen Menschen teilst!

  8. Kerstin sagt:

    wunderschön – ich wünsch mir , ich hätte mehr zeit und gedult und vor allem talent zum nähen

  9. raniso sagt:

    W.O.W. Mega mega mega schön!

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