Eine Mütze für ihn.

Herr Kirschkernzeit hat einen ziemlich klugen Kopf, mit aber leider immer weniger Haaren drauf. Was mich offen gesagt je länger je stärker beschäftigt, nicht weil ich haarlose Männer nicht attraktiv fände (das Gegenteil ist der Fall), sondern weil mein hochsensibler, weiblicher Umsorgungs-Instinkt mir eines sagt; Sie ist kalt, die Welt da draussen, eiskalt, besonders im Winter. Und wenn das dicke Fell fehlt, dann bekommt man das zu spüren, unweigerlich.
Nun, das dicke Fell fehlt (in doppelter Hinsicht). Und was es braucht ist klar; Liebe. Auch in doppelter Hinsicht. Einmal mit dem Herzen, einmal von Herzen und am besten kombiniert…

DSC_1897

Diese Mütze ist für Herrn Kirschkernzeit, den Mann an meiner Seite. Für Herrn Kirschkernzeit, den (für mich) einzig Wahren, the one and only. Eine Mütze in seinen Farben; Blau und Grau. Weil das einfach passt zu ihm.
Allerdings muss ich zugeben, er hat mich nicht direkt darum gebeten, für ihn zu stricken. An sich kann er sich, glaube ich, nicht so richtig erklären, warum wir Strickerinnen so viel Zeit und Konzentration auf etwas verwenden (=verschwenden), was wir sehr viel einfacher, je nach Material mitunter günstiger, möglicherweise sogar um einiges perfekter irgendwo kaufen könnten… Ausserdem mag er Mützen an sich gar nicht so gerne, weder gekaufte, noch selbstgemachte (mein Versuch mit der Sibirischen Version schlug leider fehl. Zu eng, zu dick. *snif*). Weil, die zerquetschen einfach alles, was sie an Frisur erwischen können, und manchmal kratzen sie ganz blöd an der Stirn. Und weil ein rechter Mann keinen Schmerz kennt und weder eisige Winde noch Ohrenstechen scheut, wanderte Herr Kirschkernzeit mit roten Ohren, aber ohne mit der Wimper zu zucken, durch Herbststürme, Wind und Wetter.
Ich runzelte derweil die Stirn, machte mir meine Gedanken und schmiedete heimlich Mützen-Pläne; Mögliche Farben; Blau, Grau, vielleicht etwas Braun oder Schwarz. Dünn sollte sie sein, seine Mütze. Damit sie ein Fall wird für die Jackentasche, stets griffbereit mit dabei, für den Notfall, sollten Sturm und Schnee selbst dem hartgesottensten Kerl zu brutal zu Leibe rücken. (Ich sage auch meinen Kindern immer; „Du musst sie nicht anziehen. Du musst sie bloss mitnehmen.“)
Dünnes Garn hatte ich in Hülle und Fülle, das meiste noch von Brigitte, aus ihrer Woll-Shop-Zeit und nach einer ausgiebigen Stöberrunde im Netz fand ich auch eine passende, wunderbar einfache und leicht verständliche Anleitung: Tatjanas einfache Umschlagsmütze. (Ich habe statt 21 cm 24 cm bis zu den Abnahmen gestrickt.)

DSC_1842
Das Stricken schien ewig zu dauern -klar, bei dünner Sockenwolle, feinen Nadeln und 132 Maschen im Entstehen, und ich hatte zwischenzeitlich schon das Gefühl, niemals mehr an etwas anderem stricken zu können als an dieser an sich wirklich sehr, sehr einfachen, schlichten Rippenmütze… Aber ich irrte mich. Gottseidank. Denn eines Tages war sie fertig. Blau und Grau und angenehm dehnbar, dünn wie ein Pfannkuchen, aber durchaus warm genug für den Fall aller Fälle, für Wind und Wetter und die Augenblicke im Leben, in denen einem Albert-Einstein-Wirrkopf-Frisuren von Herzen schnuppe sein dürfen.

DSC_1877 DSC_1881 DSC_1885 DSC_1890
Was mich freut: Er trägt sie. Nicht nur in Notfalls-Fällen.
Und -was ihr hier nicht sehen könnt, weil der gute Mann gerade im Laden steht, Eiscreme kauft oder so was und sich vom Kind doublen lässt- sie sieht sogar gut aus an ihm. Und nicht nur an ihm; Auch Kind2 -der sich heimlich wohl ein kleines bisschen in die blau-graue Farbe verguckt hat- stibitzt sich Papas Strickmütze ab und zu aus der Mützenbox…

DSC_1895

Aber nur im Notfall, versteht sich. Im Ausnahmefall.
Von wegen hartgesottene Kerle und so.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Stricken, what makes me happy veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Kommentare zu Eine Mütze für ihn.

  1. Tatjana sagt:

    Hallo ☺

    deine Verlinkung meiner Mützen-Anleitung hat mich hierher geführt. Freut mich, dass du auf meinem Blog eine passende Anregung gefunden hast. Und schön ist sie geworden und noch schöner, dass die Mütze bei deinen Männern so gut ankommt. 🙂
    Was für ein sympathischer Blog. Hier gucke ich sicher mal wieder rein.

    Viele liebe Grüße
    Tatjana

  2. Hach, solche Männer kenn ich! Und solche umsorglichen Gedanken. Mein Lieber zum Beispiel, der hatte alle Winter die er ohne mich durchlebte keine Wollsocken! Phänomenal dass er das überleben konnte. Ebenso ohne Mütze (dafür mit Fell). Und neulich meinte er auch „Können wir nicht für die gleiche Summe (wie Materialkosten) eine fertige Puppe kaufen?“.
    Unglaublich für das Ohr von Stricker- und Macherinnen. Aber gleichzeitig heißt das ja auch umso mehr: Ran ans Werk! Herrlich.
    Ganz liebe Grüße!

  3. Brigitte sagt:

    Schöne Geschichte…. :-)))), nimm doch die Sockenwolle bei der nächsten Mütze doppelt, oder dreifach, die wird dann etwas wärmer und schneller fertig.

    Liebe Grüsse
    Brigitte

  4. Miriam sagt:

    Was mir als erstes auffällt: dein Sohn ist soooo hübsch. Ehrlich. Ein toller, großer Junge.
    Und die Mütze ist auch schick, passend für deinen Mann (denke ich) und was für eine Wohltat, dass er sie auch trägt, oder? *zwinker*

    Liebste Grüße!

  5. Raniso sagt:

    Eine tolle Mütze und die Geschichte dazu, also ehrlich, wenn du beim Erzählen vor mir gestanden wärst, ich hätte an deinen Lippen geklebt 😉
    Ich schicke Kirschkernzeitler eine dicke Portion Liebe, weil man die eh immer gut brauchen kann, auch wenn es draussen frühlingshaft ist, und ich euch ein kleines bisschen vermisse gerade!
    Ganz liebi grüäss mit knuddel, anja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.