knapp daneben

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Dieser Winter ist nun wirklich nicht ganz das, was wir erwartet hatten… Nieselregen, unverdrossen sonnige Nachmittage, Nebelschwaden am frühen Morgen, laue Tage, milde Nächte und erste Primelchen, die aus dem Boden spitzen. Die Bio-Bäuerin aus dem Dorf erzählte mir neulich, dass ihr Rhabarber schon ausschlägt- und das Anfang Januar!
Nein, also damit rechnen wir nun wirklich nicht, wenn Winter ist, selbst im Flachland, wo weisse Winter immer rarer werden.
Mein Lebensgefühl ist nicht winterlich. Gerade alles andere als winterlich sogar. Es orientiert sich am lauen Wind, an der spürbar früher aufgehenden Sonne an den langsam länger werdenden Nachmittagen, und allmählich verlangt es nach mehr, nach Wachstum und Erwachen. Alles in mir richtet sich aus nach Licht und Wärme und kippt schon langsam wieder um in Richtung Gartenarbeits-Laune… Als wäre es noch immer Herbst, mit seinen goldenen Momenten, oder Frühling schon sogar, und das Leben klopft an seine feuchtbraune Gartenerdendecke. Wenn es jetzt plötzlich doch noch schneien würde (und das wird es), wäre das glatt ein kleiner Kulturschock…

Vielleicht war ich darum kein bisschen enttäuscht, als sich damals kaum ein Fitzelchen Wollfilz in klaren, kalten Winterfarben in meinen Vorräten finden liess. Und dass ich mit keinem Wort protestierte, als Kind1, der sich mit einer Runde Auftrags-Wimpelketten-Nähen unbedingt ein paar Franken dazu verdienen wollte, deshalb kurzerhand auf warme, gemütliche Braun-, Wein- und Orange-Töne auswich. Für eine Herbst-Girlande. Auch wenn ausgerechnet die am allerlängsten auf ihren Einsatz warten wird. Aber Herst-Girlanden sind schön. So wie der Herbst. Alles so kuschelig und vertrauenseinflössend, so höhlenmässig gedämpft und zugedeckt matt. Irgendwie liegt mir der Herbst wohl einfach im Blut, glaube ich…

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Oder vielleicht sollte ich sagen; am Herzen. Denn der Herbst liegt mir am Herzen. Genau wie Wimpelketten, Handarbeit und Kinderkunst. Und dort, wo alles sich vereint, findet sich wohl der Kern der hausgemachten Lieblings-Stücke. Homemade living. Leben mit Dingen, deren Geschichte man kennt, und jeden einzelnen Finger, die daran gearbeitet hat. Auch das ist Herbst für mich; ein Gefühl von Heimat, Zugehörigkeit und Sicherheit. Und ich schreibe furchtbar gerne davon, weil mir das einfach so aus der Seele sprudelt, dieses Herbstgefühl und diese Dankbarkeit für alles, was sich an Handgemachtem einfindet in meinem Leben.
Obwohl gerade ja Winter ist *hüstel*. Januar der 11. Und obwohl wir alle im Grunde unseres Herzens nur darauf warten, dass es nun endlich richtig losgeht mit dieser kältesten Zeit des Jahres. Eis und Schnee, ihr dürft ruhig kommen, das wäre uns allen ganz recht, lieber jedenfalls als die grünen Spitzen in der Erde oder die schwellenden Knospen an den Bäumen, die einem fast schon Angst machen, so falsch sind sie in diesem Augenblick.
Aber bis es soweit ist, sollte ich die Chance vielleicht nutzen? Und Kind1 ein bisschen bearbeiten, für eine Sommer-Wimpelkette, jetzt wo ich mich gerade so schön auf Wärme und luftige Weite einzustellen beginne. Himmelblau und Butterblumengeld wären noch da in meiner Wollfilz-Kiste, glaube ich. Und Rosenpink und knalliges Rasengrün auch, soweit ich mich erinnere.
Das wäre zwar noch falscher als seine Herbst-Girlande. Aber irgendwie doch auch nur knapp daneben

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4 Kommentare zu knapp daneben

  1. zwergental sagt:

    Du bist ein Herbst Kind durch und durch ,die Wimpelkette ist sehr schön geworden ,bei uns ist Frost angesagt und sogar Schnee lass uns Hoffen das wir mal morgens aufstehen und die Erde ist Weiß:lg Galina die den Winter ganz doll mag

  2. Silke sagt:

    toll ist sie geworden, Eure Herbst-Kette und hmm sie passt genau zu den Farben wenn ich ausm Fester schaue. Ich liebe den Herbst, aber ich vermisse jetzt den Winter, komisch so zwischen den Jahreszeiten zu hängen, zwischen zurück und voraus, habe schon Ranunkeln auf dem Tisch stehen, seltsam, aber sie sind ganz zartfarben und würden gut zum Schnee passen 🙂
    Habt einen schönen Sonntag,
    lieben Gruß,
    Silke

  3. Raniso sagt:

    Hihi, wirklich nur knapp daneben… 🙂
    Ich bin in Frühlingsputzlaune und rieche und schmecke überall Frühling. Dabei hätte ich jetzt auch ganz gerne einmal Schnee und nicht erst im März… Aber gell, über das Wetter lässt sich leicht und immer wieder klagen, eigentlich voll daneben, viel besser ist es da, Wimpelketten zu nähen oder nähen zu lassen, so wie du das machst 🙂
    Ganz liebi grüäss und einen winterlichen Wochenstart, anja

  4. E sagt:

    Dieses Jahr ist mir eher nach Frühling – ich glaube das liegt daran, dass ich mich so über das Neue Jahr freue und mir der Sinn so nach Neubeginn steht!
    liebe Grüße!

    E

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