auf dem Jahreszeiten-Tisch: Winter

In diesem Jahr ist das ja ein bisschen sonderbar mit dem Winter; er scheint irgendwie nicht so recht Wurzeln  zu fassen. Wie ein Kurz-Zeit-Gast, der gleich wieder verschwinden will steht er da, den Koffer noch in der Hand und gar nie erst ausgepackt und weiss nicht, wohin mit seinen Händen. All der Schnee, den ihr hier gesehen habt -und das auch nur ein einziges Mal, glaube ich, in meinem eckig-und-rund-Post– liegt anderswo, nicht hier, sondern eine gute Autofahr-Strecke von uns entfernt und mittlerweile wohl gar nicht mehr, denn irgendwie scheint es generell zu warm geworden zu sein und alles, was weiss und eisig ist schmilzt uns unter den Füssen davon… Nicht dass ich traurig wäre darüber, nein, das nicht gerade, Schnee macht alles mühsamer, das Rausgehen, das Einkaufen und Unterwegssein (vor allem mit Gummistiefeln an den Füssen…). Aber ein Winter so ganz ohne Frost, Eis und Schneegestöber? Wie Schokoladenpudding ohne Sahnehäubchen; es ist einfach nicht dasselbe, oder?

Vielleicht war das der Grund dafür, dass mir dieses Jahr Weihnachten und Advent so himmelweit entfernt und irgendwie ein bisschen surreal vorkamen. Weil der Winter fehlte. Immer noch fehlt sogar. Weil mein Grundgefühl lange, lange Wochen auf Herbst eingestellt blieben und nicht recht vorwärtskommen mochten hinein ins geschäftig-besinnliche Festtags-Gefühl. Kein Advents-Kranz in diesem Jahr, kein Kalender, keine (explizite) Weihnachtsbäckerei (danke an alle Guezli-Wichtelchen, die uns Gottseidank mit Mailänderli und Co. versorgten!), keine Glimmerlichterketten, kein Christbaum (das  immerhin wie immer). Kuschelig und gemütlich war es trotzdem. Gelassen und gemächlich, verlangsamt und ganz auf Familie, Heim und Herd fokusiert. Meine Instinkte stellen wohl sowieso spätestens Mitte Herbst auf Höhlenleben-Modus…

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Vielleicht bin ich auch einfach ein bisschen träge in diesem Jahr; Die Herbst-Girlande in meiner Küche wurde erst am 19. Dezember mit „Winter“ ersetzt, mein Herbst-Blog-Header mit dem gelben Ahornblatt blieb (versehentlich) sogar bis Weihnachten, und hätte mein Mädchen damals nicht angefangen auf unserem Jahreszeiten-Tisch für ein wenig Ordnung zu sorgen, wer weiss, wie der heute aussehen würde… Wahrscheinlich lägen da noch immer Berge von mittlerweile krümelig gewordenem Laub und Nüsse und Sonnenblumen-Samen und Blumem-Postkarten, lauter solche Sachen. So aber kam immerhin ein klein wenig Weiss ins Spiel nach all dem Grün und Braun der Herbstes. Die Blätter verschwanden, bis auf den wunderschönen Blätterstab, den mein Mädchen in der Spielgruppe gebastelt hatte und von dem ich mich einfach noch immer nicht trennen konnte, Filztiere wurden aus ihrer Kiste gekramt…
Und dann kam Ingrids Päckchen.
Eine Kiste voller liebgewonnener, selbstgemachter Schätze mit Geschichte, Wichtelchen mit bunten Zipfelmützen, ein dicker, knuddliger Schäfer mit seiner kleinen Herde, Mutter Erde und ihre Wurzelkinder, getöpferte Pilze und ein kleines Buch voller Ideen zum Thema Jahreszeiten-Tisch, alles Dinge, die mit ihrer eigenen Familie mitwachsen durften und nun in ihrer Kiste bis zu mir hergereist sind, extra für mich und meine Lieben, weitergegeben für einen zweiten Frühling, einen neuen Sommer, Herbst- oder für einen nächsten Winter -für diesen Winter- in kleinen Kinderhänden, unter Augen, die staunen und blitzen, denn ich weiss, Dinge wie diese sind einfach etwas ganz Besonderes…

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Und genauso fühlte es sich auch an, sehr, sehr besonders, als ich gemeinsam mit meinem Mädchen unser ganzes Fensterbrett wieder leer räumte und anfing, eine Winterlandschaft zu erschaffen, nicht ganz Schnee-reich, matt braun, kühl und kahl mit nur wenigen Licht-Punkten wie dem schimmernden Windlicht, das mich so intensiv an zugefrorene Fensterscheiben erinnert, die im Schein des Kamin-Feuers leuchten, wie der blanke Berg-Kristall oder die strahlend weissen Steine… Daneben eine Herde gefilzter Schafe und das kleine, nadelgefilzte Eichhörnchen meiner Mama, das fast immer mit dabei ist hier auf diesem Tisch- und dann Mutter Erde. Mit ihren zwei kleinen Wurzelkindern, Wurzel-Babys schon fast, so weich und niedlich und klein wie sie sind. Sie schlafen in ihrer Höhle tief unter der Erde, so wie auch die alte Weinbergschnecke, und warten bis es Frühling wird. Und manchmal nimmt Mutter Erde eines in den Arm, schaukelt es hin und her und singt ihm ihr Wiegenlied, das alte. Oder sie trägt beide bei sich. Einmal mit Brille, einmal ohne, heute in dieser Ecke der Szenerie, morgen in einer anderen und übermorgen vielleicht sogar neben der Farbstift-Schachtel auf dem Stubentisch…

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Ich werde immer wieder mit neuen Arrangements überrascht, mit heimlich, still und leise veränderten Details. Und das finde ich gut so, schön sogar, auch wenn ich ein Auge haben muss auf das Ganze, auf mein Babykind vor allem, das in seiner Bewunderung und Begeisterung schnell einmal alles durcheinander wirbelt, selbst wenn sie sich ehrlich Mühe gibt, sorgfältig zu sein. Sie liebt Mutter Erde und ihre Kinder, wer könnte es ihr verdenken. Und wenn ich auch immer wieder neu arrangieren muss, an Stoffbahnen zupfen, Schafe einsammeln, Steine und das eine oder andere kleine Püppchen zurückbringen muss an ihren Platz- es macht mir Freude. Weil es lebt. Und das ist gut so.

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7 Kommentare zu auf dem Jahreszeiten-Tisch: Winter

  1. Micha sagt:

    Die gefilzten Waldtiere sind wirklich wunderschön! LG, Micha

  2. Rita sagt:

    Ach, so ein Fensterbrett hätte ich auch gerne!! Sieht einfach so schön aus!!
    Und dass es „lebt“, ist ja klar!;)
    Ganz liebs Grüessli, Rita

  3. Ingrid sagt:

    Liebe Bora,
    ich freu mich wirklich sehr, dass unsere Jahreszeitentisch-Püppchen bei euch nochmal zu Ehren kommen-das fühlt sich richtig gut an! Und weißt du was? Mutter Erde hatte bei uns nicht ein einziges Mal ein Wurzelkind im Arm, ehrlich! Die Wurzelkinder lagen immer unter einer trockenen Baumwurzel rum, aber im Arm haben sie es bestimmt viel gemütlicher. Ich musste richtig lachen, als ich das sah!
    Liebsten Gruß in die Schweiz
    Ingrid

  4. Ramona sagt:

    Die Steine sind so wunderschön. Gemütlich mutet es bei dir an.

  5. zwergental sagt:

    Ein schöne Fensterbank mit so schönen liebevollen Sachen ich liebe deine bemalte Steine .lg Galina

  6. Sarah sagt:

    Das zweite Bild von oben – dieses Stück Holz ist total schön – und erinnert mich an ein Lied, dass ich kenne und sehr mag. 🙂

    Euer Jahreszeitentisch ist eine tolle Idee und läd die Kinder sicher zum Mit-spielen ein, oder?

    Liebe Grüße,
    Sarah

  7. Ka sagt:

    OH! Das Glitzerglas!!!!

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