eckig und rund

Phu. So viele Tage, seit meinem letzten Post hier… Zwei Abende, fast drei, wo ich mich kurz wie von unsichtbaren Fäden zum PC hingezogen fühlte, zum Tippen und Antworten, aber nur kurz, wie gesagt, dann schnitt ich sie ab. Denn immerhin gehörten diese Abende zu freien Feiertagen, und die wurden durch ein wenig (ein wenig?) Screen-freie Zeit ganz und gar unplugged nur noch schöner. Den Tag erleben, so voll und lebendig wie er nur sein kann mit 4 Kindern und einem manchmal ganz schön ausser Puste kommenden Elternpaar, ihn ausklingen lassen irgendwann spät abends, wenn auch das letzte Kind seine Ruhe gefunden hat, im Bett sitzen und schmökern, blättern, stricken, nachdenken und Pläne schmieden… so rund mag ich es, mein Leben. Und so rund war es auch, die letzten paar Tage über.

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Natürlich lief nicht immer alles rund. Ganz im Gegenteil. Es gab da schon den einen oder anderen hitzigen Augenblick, das dürft ihr mir glauben… Gestern zum Beispiel. Da zuckelten wir -viel zu spät mal wieder- in unserer Lotterkiste durch den Nachmittag mit dem Ziel: Sonnenuntergang im Schnee, oben auf der Bergspitze.
Nun ja.
Bis wir es geschafft hatten, alle rein in ihre Wintersachen, hinein ins Auto und dann wieder raus zu packen, stand die Sonne schon merklich tiefer als geplant und spätestens Mitte Bergwanderweg -die Kinder bereits schlapp und ich ordentlich gestresst- wurde klar, dass a) der Sonnenuntergang sehr wahrscheinlich ohne uns stattfinden würde, b) die Kinder für so ein Unterfangen viel zu ausgehungert waren und c) meine Gummistiefel (!) auf den zugeschneiten Wegen ordentlich schlitterten. Kind 2 weinte schon seit 10 Minuten, weil er einen Schneeball ins Gesicht bekommen hatte (Brüder!), ich konnte gar nicht mehr aufhören zu nörgeln (jaja, ich weiss, nicht sehr nützlich) und Herr Kirschkernzeit, normalerweise bekannt für seine geduldige, ruhige und besonnene Art, drohte langsam aber sicher, die Geduld zu verlieren… Eine Ecke meines Lebens. Scharfkantig und nicht eben präsentabel, aber so unsagbar typisch für uns alle, weil wir sind wie wir sind, genauso ungeschliffen manchmal, mit Ecken und Kanten und einfach nur menschlich.
Aber wisst ihr was? Ich bin das gewohnt irgendwie. Ich weiss, wie wir sind und dass wir nicht einfach auf Knopfdruck funktionieren können wie Familie Ingalls, nett, adrett und harmonisch, nur weil Feiertage sind. Ich weiss, dass ich mir mehr Bedeutsames wünsche, mehr Rituale und besinnliche, gewichtige Momente, wo wir gemeinsam um ein Lagerfeuer sitzen, das alte Jahr verabschieden, uns von unseren Träumen erzählen und Zettelchem verbrennen mit notierten Gewohnheiten, an denen wir arbeiten wollen im nächsten Jahr („Ich will weniger nörgeln und meckern“ würde auf meinen stehen). Aber ich weiss auch, dass all so was nur langsam in mein Leben tröpfeln kann, Zeit und Freiraum braucht zum Entstehen, und zwar dann wenn alle bereit sind dafür und nicht nur weil ich uns so gerne in diesem harmonischen, lyrischen Licht sehen möchte. Die Kinder sind klein, schnell an ihren Grenzen, wir selber sind ziemlich beansprucht von allem, und nicht jedem entspricht es, still und bedeutungsvoll sein zu dürfen/müssen. Die Zeit wird es richten. Und bis dahin habe auch ich Zeit, zu lernen und zu wachsen. Selber weniger zu verlangen und geduldiger, gelassener, nachsichtiger zu werden mit mir und mir anderen. Ich arbeite daran. Immer wieder, immer noch. Und ich glaube, es trägt Früchte; Zu wissen und zu akzeptieren, dass wir sind wie wir sind und auch Feiertage nicht perfekt sein müssen, sondern vor allem echt und authentisch und geprägt von einem liebevollen Umgang miteinander, mit Fehlern und schlechten Launen, das macht mich innerlich gelassener. Zufriedener. Und wie durch Zauberhand schleichen sie sich dann doch noch ein, diese Familie-Ingalls-Momente, die wärmen und glühen bis hinein in die Zehenspitzen…

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Es gab viele davon in den letzten Tagen. Und sie machten diese Zeit reich und rund für mich, zum Insel-Dasein, wo es nur uns gab, uns sechs, abgekoppelt vom Rest der Welt, unberührt von Arbeit und Schule und all den Pflichten, die normalerweise um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Essen, Lesen, im Schnee Spazierengehen (und den Sonnenuntergang dann doch noch sehen!), die Familie besuchen, Lego bauen, Hörspiele hören, Geschenke machen, Geschenke bekommen, reden, kuscheln, Creme Caramel kochen, Pralienen naschen und lange, lange ausschlafen- dieser Art von Dingen gehörte unser Tag.

Jetzt ist das Haus ein Desaster an verstreutem Zeug, Schneematschwasserpfützen im Flur und ungewaschener Wäsche vor leeren Kleiderschränken. In meinem Hals kratzen die ersten Anzeichen einer Erkältung und bis all die Fotos auf meiner Kamera wieder ordentlich im Computer abgespeichert und sortiert sind, werden Stunden vergehen… Aber das ist okay. Vollkommen. Alles hat seinen Preis, das Inseldasein hat diesen.
Und den bezahle ich gern.

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8 Kommentare zu eckig und rund

  1. zwergental sagt:

    Ach da bin ich ganz neidisch auf den Schnee den ihr habt würdest du dich für mich ihn den Schnee legen und einen Schnee Engel machen hi hi einfach toll deine Bilder schlicht und einfach und vor allem ehrlich .libe grüßchen aus dem Zwergental

  2. missmenke sagt:

    Ich schick dir eine große Portion Abwehrkräfte!!! 🙂 Ja, Schnee wäre schön, aber wird hier in Norddeutschland wohl ein Traum bleiben…

  3. Raniso sagt:

    Schön liest sich das und so bekannt… Alles irgendwie 🙂
    Ganz liebi grüäss, von einer nörgeltante zur anderen

  4. Sanne sagt:

    allerliebste Bora,
    nur kurz: du schreibst mir wie fast immer aus dem Herzen, Gedanken,die ich fühle, aber oft nicht würdige oder denen ich nciht dei zeit und den Raum gebe, wirklich bis zu mir durchzudringen. Danke für diese „Hebammen“arbeit bei mir……ich wünsche dir von Herzen, dass deine Weisheit (welche du schon in deinen jungen Jahren hast) dich immer trägt und dir und deiner Familie Gutes schenkt.
    Ein Grund , meinem Mann deine heutigen Bilder zu zeigen:
    wir wickeln auch in Geschirrtücher, Zeitungspapier und in diesem Jahr auch recyceltes, exakt das gleiche Geschenkpapier ein! ist das nicht lustig?
    allerherzlichste Grüße an dich und ein gesegnetes neues Jahr wünsche ich dir und deiner Familie.
    Sanne

  5. Rita sagt:

    Liebe Bora
    Es tut so gut, zu lesen, dass Eure Feiertage so familiär* abgelaufen sind;)
    Deine Creme brulé sieht wunderbar aus und die Geschenkverpackungen finde ich toll! Ich recycle auch so gerne, Papier oder auch die netten Maschen darauf;)
    Ich wünsche Euch weitere schöne Beisammenseintage, mit allem, was dazu gehört;)Denn erst das verbindet!
    Ganz liebs Grüessli, Rita
    *täglicher Familienwahnsinn;) Aber gut gemein gell!

  6. Edna sagt:

    das hast du sehr schön geschrieben, danke für die Ehrlichkeit!

    Edna

  7. Alexa sagt:

    Ich musste heute, nach Tagen den Müßiggangs, ersteinmal aufräumen! Wäsche waschen! Staubsaugen! Bad wienern! Irgendwie für mich mal wieder Ordnung in unserer ganzen Chaos bringen, dass viele Tage gut tat, sich jedoch heute nicht mehr „gut“ anfühlte! Doch dann wurde ganz schnell die Nähmaschine herausgeholt und an unserem „familienprojekt“ weitergearbeitet….. Ganz schnell herrschte wieder Chaos, doch diesmal fühlte es sich so gut und richtig an! Ferienzeit ist schon eine besondere Zeit, oder? Viele wunderschöne Stunden wünsche ich Euch und ein wundervolles neues Jahr.
    Viele Grüße,
    Alexa
    Wunderschöne Bilder hast Du wieder eingefangen, danke Dir dafür!

  8. Sarah sagt:

    Liebe Bora,
    schön von euch zu lesen. 🙂

    …bei Familie Ingalls gab es auch jede Menge Streit – ich erinnere mich an Laura, die sich gern mal mit anderen prügelte, oder Eifersucht zwischen ihr und Mary, etc. Da gab es doch allerhand, was total menschlich ist und normal, eben dazu gehört. Gerade da gefiel mir Charles immer, der gern mal die Augen verdrehte, aber immer offen war für ein Gespräch, für aufbauende Worte und nie verlegen war um eine Entschuldigung. (Ja, ich hab das als Kind förmlich aufgesogen und fand ‚Pa‘ einfach ganz toll :-D)

    Jedenfalls ist es ja überall eigentlich ähnlich – und ich bin froh, dass ich meine Erwartungen an die Feiertage schon längst loslassen konnte. Das nimmt so viel Stress von mir, den ich mir immer selbst gemacht habe. Dieses Jahr dachte ich mir sogar: das ist auch nur ein Tag. Wir gestalten ihn zwar anders, aber im Grunde ist es ein Tag wie jeder, und nur das, was wir draus machen zählt. Also… wir machen alles so, wie es Spaß macht und passt. Am 1.Weihnachtstag gab es ein englisches Frühstück, aber das geplante Essen am Abend wurde nur eine ganz normale Gemüsesuppe, weil ich keine Lust hatte in der Küche zu stehen, und die Kinder wegen dem vielen Süßkram garnicht viel Hunger hatten. Aber egal. 😉 Ich erwarte auch garnicht mehr, dass sich meine Kinder bei der Verwandtschaft vernünftig benehmen (wie ich das früher gern gehabt hätte), sondern lasse sie sein, wie sie sind – eben auch mit ihren Ecken und Kanten und manchmal mit den falschen Worten, oder viel zu laut, oder überempfindlich, wenn alles zu viel wird.

    Auf deinen Fotos sieht es übrigens sehr kuschelig und gemütlich aus, und ich beneide euch um den Schnee, den wir diesen Winter vielleicht garnicht mehr bekommen werden (ab und an haben wir solche, die recht warm und mild sind).

    Ich wünsche euch noch eine gute Zeit für den Rest des Jahres 2013 und alles Liebe für das Neue, 2014!

    Liebe Grüße,
    Sarah

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