Einblicke # 9

„Einblicke“; Eine Themen-Reihe, eine kleine Pause, einfach, weil’s gut tut. 10 Posts wie eine Bonbon-Dose, gefüllt mit ein bisschen Lebens-Alltag in kleinen, feinen Etappen-Happen. Bruchstücke eines Tages wie jeder es sein könnte…

Morgen

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Es ist Samstag. Wir schlafen lange, oder sagen wir, mitte-llange, denn eigentlich könnte ich es ja länger im Bett aushalten, wenn man mich nur lassen würde… Irgendwie vertrödeln wir den Morgen, frühstücken ausgiebig und schlürfen literweise Kaffee (nein, gar nicht wahr, zwei Tassen waren es, aber Kaffee stimmt mich immer so euphorisch und verschwenderisch) Irgendwann, kurz vor Schalterschluss, raffe ich meine Siebensachen zusammen und schlüpfte durch die Haustüre, raus unter den niesel-grauen Winterhimmel, rüber zur Post, wo ich ein kleines Geschenk abschicke für eine Freundin, die eben ihr allererstes Baby zur Welt gebracht hat und sich hoffentlich freuen wird über das selbstgestrickte Mützchen in dschungel-grünen Melange-Tönen… Und einzahlen will ich auch. Das eine oder andere. Ich war… ähm… ziemlich in Kauflaune in letzter Zeit. Aber manchmal muss es einfach sein, endlich frische Stempelkissen, ein neues Kleid, weil ich ich die alten Gammelsachen langsam satt habe, die Flecken, die tristen Farben und die ausgeleierten Pulli-Ausschnitte (ja, so kann es gehen, wenn man ständig ein kleines, gieriges Babykind auf dem Arm hat, das haargenau weiss, wo sich seine Milch versteckt). Gudrun Sjöden bringt ein klein wenig mehr Farbe und Elan in meinen manchmal doch auch ganz schön grauen Hausfrauen-Alltag. Und mir ein bisschen Verwöhn-Aroma ins Alltags-Einerlei. Man muss sich auch mal was gönnen dürfen, oder?
Wieder daheim treffe ich den Mann an, froh umringt von seiner Kinderschar, wie sie zusammen Holztier-Leitern bauen, in der grossen Schlummerecke liegen und Musik hören, viel zu laut zwar, aber macht nichts; der Anblick ist und bleibt fantastisch.

Nachmittag

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Wir brauchen Feuer, es ist kalt und mittlerweile nicht mehr nur diesig, sondern schon richtig grau und regnerisch. Die Flammen knistern und machen den Tag so gemütlich, wie er nur sein kann. Alles an ihm fühlt sich häuslich an. Der Mann kocht, die Jüngeren spielen und stellen das Haus auf den Kopf, Kind1 stürzt sich kopfüber in ein neues Näh-Projekt aus Filz, weil er sich gerne was kaufen würde, aber kein Geld mehr hat und einfach nicht widerstehen kann, als ich ihm anbiete, eine weitere Wimpel-Girlande bei ihm in Auftrag zu geben. Ich liebe seine Sache, alles, was er macht eigentlich, und er, er mag Lego, und ich zahle nicht schlecht (denke ich), ausserdem ist Nähen offenbar attraktiver als das Badezimmer zu schrubben oder mir den Kühlschrank zu putzen. Diese Art von Job-Angebot wurde nämlich dankend abgelehnt.
Ach ja, und was mache ich? Ich sortiere noch immer Legos (und bekomme diesmal einen Kuchen versprochen. Nach Wahl. Schoko also). Heute aber mit System. Alles wird ausgebeinelt, in beschriftete Boxen verfrachtet und -jetzt kommt’s- in einem Lego-Teile-Parkplatz unter dem Hochbett von Kind2 verfrachtet, aufgereiht entlang der Wand, jedes an seinen Platz und schön sauber markiert, mittels Crep-Band und schwarzem Feinschreiber. Dazwischen liegt Raum und freie Luft fürs Suchen, Bereitlegen und Bauen. Perfekt. Wenn man sich daran hält, was keiner tun wird, wie jeder weiss…

Abend

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Die Lego-Kisten schlafen friedlich hinter ihren Markierungen. Kind1 legt mir abends um zehn seine fertige Wimpelkette in die Hand, aufseufzend, erleichtert, ein wenig stolz aber auch ziemlich geschafft nach fast 4 (!) Stunden (!) ununterbrochener (!) schöpferischer Arbeit, und ich klopfe ihm anerkennend auf die Schulter, drücke das Kind und meine neue Girlande an mein Herz und freue mich. Kind1 auch.
Später, als das Baby schläft (vorerst) und drei Geschwisterkinder sich zusammen im gelben Zimmer in ihre Decken kuscheln und sich zum Einschlafen im Halbdunkeln Hörspiele anhören, zupfe ich eine Handvoll Bücher aus dem Kreativ-Abteil meiner Bibliothek. Unser Winterfest naht, wir wichteln, so wie letztes Jahr, und irgendwie kommt das alles jetzt ganz furchtbar plötzlich. Bisher schien das alles noch meilenweit entfernt zu sein, weit genug, um aufgeschoben und vergessen zu werden, ersetzt durch Dinge, die mir jetzt, in diesem Augenblick wichtiger vorkamen (wie Kuchenbacken, Stempel schnitzen, an meiner pflaumenroten Strickjacke stricken oder das hauseigene Chaos in Schach halten). Die Liste ist endlos, denn immer wieder schiebt sich Neues dazwischen, zwischen mich und all die Vorbereitungen die es noch zu treffen gilt… Wir haben bisher genau *hüstel* Null Wichtel-Geschenke. Also rein gar nichts. Ich weiss das, weil ich alles koordiniere und jedem Einzelnen beim Ideen-Sammeln und Gestalten helfe, wenn es nötig und gewünscht wird… Keine Wichtel-Geschenke? Und das Mitte Dezember? Keine Panik, Bora Kirschkernzeit, kein Panik, das lässt sich alles gerade biegen, ganz bestimmt, das schaffen wir schon, irgendwie. Auch wenn der Mann bald, bald, bald Geburtstag hat. Jawohl. Auch noch. Aber es ist alles eine Frage der Prioritäten. Und eine Frage der Leidenschaft, wie Kind1 heute bewiesen hat. Was man mit ganzem Herzen tut, findet immer Platz zum Werden. Immer. Auch im turbulentesten Familien-Alltags-Trubel, wo man manchmal nicht mehr weiss, wo oben und unten ist. Nähbücher sind gut. Zur Inspiration. Zum Flammen schlagen. Zum Entfachen der Leidenschaft.

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12 Kommentare zu Einblicke # 9

  1. Susi Sorglos sagt:

    Wie immer hat man das Gefühl, irgendwo bei Euch in einer Ecke als stiller Beobachter dabei zu sein und die Wärme und Geborgenheit Eurer Familie zu spüren.

    • kirschkernzeit sagt:

      Lieb von dir. Aber also ganz ehrlich; hier ist es auch nicht immer so harmonisch. Manchmal fliegen hier echt die Fetzen (oder anderes 😉 ) und wir ähnle eher einer Horde Kampfhähne als einer ziviisierten Familie… An diesem Wochenender allerdings hatte ich einfach Glück; so ruhig und friedlich hatten wir es nur selten in letzter Zeit und ich habe das schon sehr genossen, muss ich zugeben…

  2. missmenke sagt:

    Ich bin verliebt in den Satz „Wenn man sich daran hält, was keiner tun wird, wie jeder weiss…“ und musste so lachen! Ich habe für meine mittlere Großfamilie erst ein Geschenk und werde selber am 25.12. noch ein Jahr älter. Beides kein Grund zur Panik, oder? 😉

    • kirschkernzeit sagt:

      *grins* Du kriegst das hin, da bin ich sicher. Zur Not machst du einen Riesenberg Schokoladentruffes, verschenkst sie hübsch eingepackt in alten Einmachgläsern und lässt die Torte dann ausfallen zugunsten einer Pralienen-Party 😉 Ich wünsche dir jetzt schon alles, alles Gute und Liebe und Allerbeste für dein neues (Lebens-)Jahr!

  3. Melanie sagt:

    Wieder ein wunderschöner Eintrag. Gehöre auch zu deinen stillen Lesern und freue mich immer wieder über deine Texte und Bilder.
    Und diesmal habe ich eine Frage: Wo habt Ihr die schönen Holztiere her bzw. von welcher Firma sind sie? Suche für unseren Zwerg auch Tiere und eure haben mir auf den ersten Blick sehr gefallen. Würde mich sehr über eine Antwort freuen.
    Herzliche Grüße
    Melanie

  4. Raniso sagt:

    Hih, ich musste beim Legosatz auch richtig giggele. 🙂 Deine Einblicke sind einfach herrlich!
    Ich bin dieses Jahr ganz früh dran, ich staune selber. Alles erledigt. Leider nur wenig Selbstgemachtes, aber dafür alles ökologisch und fair 🙂
    Ganz liebi grüäss, anja

    • kirschkernzeit sagt:

      Öko und fair ist ja auch super! Ich meine, da steckt oftmals auch ganz viel Handareit drin, und du ermöglichst mit einem gut bezahlten Kauf einer ganzen Reihe Menschen ein besseres Leben… Das ist dann wie doppelt beschenkt. Ich finde das ganz toll, wie konsequent und überlegt du einkaufst und lebst, Raniso! Daswollte ich dir schon lange mal sagen… liebe Grüsse!

  5. amselgesang sagt:

    Ach, wie mich das alles erinnert, angefangen von den Holztieren übers Kind am Ofenloch bis hin zu den Legosortierkisten… Und wie es mir bekannt vorkommt, dieser letzte Abschnitt… und wie es mich tröstet und ermutigt, dieses „Keine Panik… das schaffen wir schon…“!!! Die vielen Prioritäten, jaja, und dass die guten Ideen erst unter Zeitdruck kommen (bei mir ist das immer so)…
    Also ans Werk, lassen wir uns von den Flammen der Inspiration erwärmen! 🙂
    Gruß, Brigitte

    • kirschkernzeit sagt:

      Ich finde es irgendwie total schön, dass du dich so erinnerst. Ich stelle mir dann vor, wie es mir gehen wird, in gar nicht mal so ferner Zunkunft, wenn Kind1 zB. noch flügger wird und sich raus orientiert in die grosse, weite Welt, anstatt hier mit uns seine Tage zu verbringen… Die Zeit ist so flüchtig, oder? Aber sie bringt auch gute, neue Dinge, glaube ich. Und es ist schön, wenn jemand sich mit-freut und … nun ja, sich erinnert… Danke dafür!

  6. Steffi sagt:

    Hach, man „fließt“ immer so mit durch deinen Tag 🙂 So schön geschrieben.
    Ich finds toll, dass dein Großer so gerne (und gut, ganz offensichtlich) bastelt!
    Und da ich auch vermute, dass deine Kinder dein Legosystem nicht lange wertschätzen werden (wenn es bei euch so ist, wie bei uns), kriegst du hier ein bisschen Wertschätzung von mir 🙂 Ich finde die Idee großartig!!
    Ich habe mal etwas ähnliches mit Playmobilmännchen und -kleinteilen angefangen. Zustand heute: Große Schublade auf. ALLES rein. Wenn was gesucht wird, mit Karacho wühlen…
    Liebe Grüße!

    • kirschkernzeit sagt:

      Hihi, ja, genau das steht mir hier wohl auch bevor, schätze ich; eine Wühlkiste für Hintz und Kunz in Sachen Lego… Wir hatten das damals als Kinder auch, glaube ich, und ich erinnere mich, wie scheusslich ich da Geräusch fand, wenn ich dann drinnen in den Tiefen der Versenkung graben musste und wie fies das immer piekste an den Fingerspitzen… Dankeschön fürs Wertschätzen 😉 Status quo ist übrigens; Kisten überall im Raum verteilt herumstehend, garniert mit einem hübschen „Kranz“ einer Auswahl der Inhalts-Teilchen… *räusper*

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