Haus-Ecken: Räuberhöhle

Unser Haus befindet sich ja in ständigem Wandel. Und einrichten fühlt sich immer ein bisschen… sinnlos an…weil vieles nicht bleiben wird… oder nicht blieb bisher… Aber immerzu zwischen Kartons und nackten Wänden zu leben, wird irgendwann unerträglich trist und anonym, und jedes Mal, wenn ich es wieder wage, einem Raum- oder auch nur einer Ecke- so etwas wie Persönlichkeit zu verleihen, ihn zu gestalten, so richtig, mit Gedanken an die Zeit, die hier drin verbracht werden wird, an den Menschen, der sich hier zuhause fühlen soll, mit Nägeln in der Wand, mit Licht und einem Farbkonzept, dann ist das wie fünfzehn Tassen Kaffee kippen; ein unvergleichlicher Muntermacher! Ein klarer Fall für „what makes me happy“…
In letzter Zeit habe ich viel hin-und hergeräumt. Im Estrich, in der Diele oben, wo meine Nähsachen lagerten, im Kinderzimmer und…
in der Kammer von Kind1,
 
 
 
Dieses Zimmer kennt kein Design. Es entsteht langsam, füllt sich mit der Zeit, die mein Junge (oder sollte ich schreiben „meine Jungen“? Kind2 geniesst es in vollen Zügen, seinen grossen Bruder hier ganz für sich alleine zu haben, sozusagen „unter Männern“…?) hier verbringt. Tisch, Regal, Quilt, Stuhl… alles Dinge vom Trödel, aus meinen eigenen Kindertagen oder schon seit Ewigkeiten in unserem Haushalt. Nur das langgezogene, weiss lasierte Wandregal, das die ganze Zimmerbreite unter der Schrägung für sich hat, ist quasi „neu“; entstanden unter den Hände meines Mannes. Für mich eigentlich… ursprünglich… Und statt Teppich auf dem selbst verlegten, weiss getönten Bretterboden einfach zwei Schaff-Felle. Für warme Knie und Füsse beim Lego-Bauen.
Alles ist ziemlich schlicht, maskulin irgendwie. Herb. Wie mein Junge eben.
Dieser Tage kam die schwarze, alte Metall-Truhe dazu, das Geschenk eines Familien-Freundes schon vor Jahren. Kind1 war zwar auf Anhieb Feuer und Flamme für das glänzende Schwarz und die  schweren Metall-Schlösser, aber damals war noch nicht die Zeit für grosse, klobige Möbelstücke, und so hütete sie erst einmal ein paar Jahre Woll-Knäuel für mich.
Doch mein Junge wird grösser, unübersehbar. Aus dem kleinen Wirbelwind wächst ein kluger, wissbegieriger kleiner Mann, der seine Gefühle formuliert und lauthals über die blödesten Witze lacht, der Pfeile schnitzt und Feuerholz hackt, der tagelang fingerhäkelt, um den 10m-Kordel-Rekord seiner Klassenkameradin zu übertrumpfen (mit Erfolg…), der Geolino aus dem Brocki liest, Spick oder Donald Duck aus zweiter Hand, der spart für ein ferngesteuertes Auto und sich wünschte, seine Freunde könnten Schach spielen… die Truhe passt jetzt plötzlich haargenau, oh ja. Lego statt Wolle.
Ich mag, was aus meiner ehemals so hellen, verträumten Kammer geworden ist: ein Rückzugsort für meinen Jungen, wo er sich sein eigene Welt erschaffen kann, ohne Rücksicht nehmen zu müssen auf Mamas…ähäm… Stil-Empfinden…
PS. Die Matratze ist kein Bett im eigentlichen Sinne; Kind1 schläft lieber im -türlos im Familienbett oder im ans grosse Familien-Schlafzimmer grenzenden- Kinderzimmer. Dort steht nämlich ein Kajütenbett, wo er unten, Kind2 oben sein Plätzchen hat. Die Sache mit dem Auf-Matratzen-ohne-Bettgestell-Schlafen wäre dann allerdings eine andere Geschichte…
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9 Kommentare zu Haus-Ecken: Räuberhöhle

  1. Anja sagt:

    Hihi, finde ich super, dass er den Kordelrekord gebrochen hat:-)
    Wunderschönes Zimmer hat er da! Zimmer mit Dachschräge finde ich sowieso urgemütlich, hatte ich bei meinen Eltern früher auch… Ich hoffe, dass auch wir unseren Kindern einmal solche „Rückzugsinseln“ ermöglichen können. Für das brauchen wir aber erst eine neue Wohnung. Habe manchmal das Gefühl, die Zeit vergeht so schnell und die Kinder werden so schnell gross. Nina hat heute schon ihre ersten Zähne bekommen..
    Ganz liebe Grüsse euch allen! Anja

  2. kirschkernzeit sagt:

    Schö Zääh?! Ja, gäll, eigentlich dörfti si ja schon ässä… Bestimmt gibt auch mal ein eigenes Reich für Nina und Raffi, daran glaube ich fest. Und weisst du was' Du kennst den „Freund der Familie“ im Fall: der gute alte René, hihi… damals noch in de Junggesellenbude… Warum er diese schöne Truhe nicht mehr wollte, kann ich heute noch nicht verstehen…
    Bora

  3. mausekind sagt:

    oh wie schön. da möcht ich gleich mit junge sein 🙂 mir gefallen die farben und das nicht alles nach einem vorher gedachten konzept gestaltet ist…wirkt so natürlich und einladend. zum spielen einladend…vielleicht magst du auch mal eure bettgeschichten zeigen…wie ich so eben 🙂 find spannend wie familien schlafen! ich grüße dich sehr.

  4. Das Schiff in der Flasche ist wunderbar… so viele kleine Details für deinen Jungen, die sein Reich zu etwas Besonderem machen. Schön ist es da. Lieben Gruß! maria aus dem Schnee

  5. KB Design sagt:

    Wunderbare Zeilen für mich zum Kaffee heute, die lese ich wieder bei dir- natürlich. DANKE!

    Liebe Grüsse (auch aus dem Schnee)

    Brigitte

  6. Tinki sagt:

    Oh ein kleines Spiele-Jungen-Reich! Oh da hast Du aber ein schlaues Bürschchen in „DEIN“ Zimmer gelassen. -> Also Schach kann man zur Not auch auf dem Computerprogramm Fritz sehr gut spielen – da gibt es verschiedne Schwierigkeitsstufen…
    Und das Ferngesteuerte Auto liebt selbst meine Tochter. Legosteine finde ich persönlich eine super-beschäftigung für lange Winternächte mit Träumen in Konstruktionsbauten umzusetzen.
    Liebe Grüße Tinki

  7. Anja sagt:

    Jo voll scho zäh, got so schnell und bald isch sie erwachse… 😉
    Hm, verstoh dä rené au nöd. Diä chiste isch dä hammer! Aber isch jo um so besser für oi 🙂
    Ganz liebi grüäss, anja

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