What makes me happy: eine Ringelmütze

„Wow – so viele Socken?????? Wann schläfst du da überhaupt????“, schrieb mir eine liebe Leserin auf meinen letzten Sockenpost hin.
„Wann ich schlafe? -Niemals!“, schrieb ich zurück, aber das war natürlich nicht ernst gemeint, obwohl … schon ein klitzekleines Körnchen Wahrheit darin steckt. Schlaf ist definitiv nichts, was ganz oben auf meiner Prioritätenliste steht, gelinde ausgedrückt. Schlaf ist… ein eher schwieriges Theme für mich, etwas, das wichtig ist und auch gut tut, gut tun würde, wäre bloss der Tag nicht immer so fürchterlich schnell vorbei, der Feierabend vor allem, der, kaum hat er begonnen -ratsch!- schon wieder zu Ende geht. Tagsüber fallen mir beim Vorlesen manchmal fast die Augen zu (okay… nicht nur fast… bisweilen…), aber abends… nachts… da ringe ich mit mir und meiner Vernunft, schinde noch ein Viertelstündchen hier, noch eines da hinaus, bloss noch kurz ein Glas warme Milch, nur noch zwei, drei Seiten lesen, noch ein paar Runden stricken, noch ein paar mehr, ach komm schon, jetzt, wo ich bald fertig bin… Und schon ist es wieder weit nach Mitternacht und meine Chance auf wenigstens ein Gnadenhäppchen Schönheitsschlaf dahin. (Gut, dass es so viel regnet, das wirkt hoffentlich ausgleichend)


Na, auf jeden Fall, was ich euch eigentlich sagen wollte: Ich bin ein Schlendrian. Glaube ich. Ich mag nicht rechtzeitig zu Bett gehen, brauche für vier Paar einfache Kindersocken sage und schreibe über 12 Wochen, mehr als eine volle Jahreszeit also und stricke überhaupt nur sehr langsam, ziemlich unregelmässig und selten wirklich sorgenfrei an meinen in letzter Zeit durchwegs kleinen Projekten (bzw. Projektchen). An mir ist ganz bestimmt nichts Wonderwoman-mässiges, an mir mit Stricknadeln schon gar nicht. Aber Freude macht’s. Das Stricken. Trotzdem. Sehr viel Freude sogar.
Und das Beste daran; Diese Freude darf überfliessen, immer wieder, hinein in eines dieser kleinen, aber irgendwie feinen Dinge, die man ganz zum Schluss dann in Seidenpapier einwickelt, mit einer Schleife versieht und -mit noch mehr Freude sogar- einem besonders lieben Menschen in die Hand drückt. „Hier. Das hab‘ ich selbst gemacht. Extra für dich.“

Die Mütze für meine Schwiegermama jedenfalls war genau so ein Fall, so ein Freuden-Szenario von A bis Z. Natürlich kamen die ersten Maschen erst viel zu spät auf meine Nadeln, zwei Tage nur vor ihrem Geburtstag, hoffnungslos, eindeutig- aber fröhlich und optimistisch und voller Elan, nichtsdestotrotz. Vor allem mit Freude. Genau. Mit dieser traumtänzerischen Freude am kunterbunten Faden-Gnuusch auf meinem Schoss und jenem leisen Gefühl der Verwunderung, das mich immer begleitet, wenn etwas, was ich mache, einfach nur so reibungslos dahinplätschert, langsam und stetig und unerklärlicherweise völlig unversehrt, trotz später Stunde und zu viel Kaffee, zu viel Schokolade, zu viel Koffein und obwohl das Babykind sein Nickerchen bereits nach 40 Minuten wieder vom Bett auf meinen Schoss verlegt hat…

Ich glaube, dass ich diese Mütze so unheimlich gerne gestrickt habe, liegt weder am Garn („Karisma“ von Drops, ein eher … na, sagen wir gewöhnliches Wollgarn) noch an den Farben (Gelb und Orange vor allem gehören nun wirklich nicht zu meinen Favoriten). Ich denke, das Muster ist es. Das Strickmuster (aus „Einfach Stricken“). Dieses ganz schlichte und so herrlich einfache Mützen-Strickmuster, das ich nun schon zum fünften, nein zum sechsten Mal bereits gestrickt habe (hier auf jeden Fall, aber auch hier und hier), ein klein wenig abgeändert diesmal, mit einem durchgehenden Rippenmuster und vielen unregelmässigen, breiten Streifen. Mittlerweile kenne ich jeden Schritt in diesem Projekt. Ich fange mit Zuversicht an, verliere nicht mehr die Geduld beim extra-breiten Krempen-Bündchen, mache geduldig und gelassen meine Runden und freue mich, wenn die Abnahmen kommen, weil ich weiss, der Schluss, der ist schnell und das Resultat eine Freude, ganz bestimmt, eine Freude mehr. Vertraute Dinge sind immer etwas Gutes, finde ich. Das Leben bringt uns jeden Tag so viel Unvorhergesehenes und Neues, da braucht das Herz etwas, das ist wie … jedes Mal, gut wie immer.

Natürlich wurde meine Mütze nicht rechtzeitig fertig. Mit beinahe einer Woche Verspätung kam sie, in eine Schicht hellgrünes Seidenpapier gewickelt und versehen mit einer Karte voller lieben Worten, zur Post, begleitet von meinen besten Wünschen und der Hoffnung, dass sie meiner Schwiegermama und jedem, der sie trägt nur Gutes bringen möge. Wärme auf jeden Fall. Und Freude. Oh ja, Freude. Freude zu finden, auch in den ganz einfachen Dingen des Alltags, und Freude zu verschenken, das gehört wohl mit zu den allerallerschönsten Dingen im Leben, hab‘ ich Recht?

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10 Kommentare zu What makes me happy: eine Ringelmütze

  1. Isla sagt:

    Die Mütze ist ja toll – so schöne Farben!!

  2. Zwergental sagt:

    Eine sehr farbenfrohe Mütze die bringt Freude und gute Laune und genau das richtige für den Herbst .Galina

  3. Kerstin sagt:

    Eine wunderschöne mütze aus einem tollen garn,ich hab daraus eine kanoko pants für meine jüngste tochter gestrickt.ich mag,wie sich das garn anfühlt,so natürlich.deine farbkombination gefällt mir sehr.

  4. Brigitte sagt:

    So eine farbenfrohe Mütze, toll wenn sie der Schwiegermama gefällt. Da du gerade über diese Wolle schreibst, sie sei gewöhnlich, lasse ich es sein. Ich bin da zu verwöhnt, und hatte mir überlegt, daraus einen Pullover zu stricken….

    Dann wünsche ich dir für die nächste Nacht eine gute Ruhe

    Brigitte

  5. Dorothea Dittberner sagt:

    Ach ja, die Sache mit dem Schlafen – genau so gehts mir auch! Aber wirklich exakt. Man sollte öfter vor Mitternacht ins Bett kommen … 😉

    Seelenverwandte Grüße :-),
    Doro

  6. Ramona sagt:

    Die Mütze ist so toll geworden! Schlaf wird überbewertet 🙂

  7. Alexa sagt:

    Eine wunderschöne Mütze! So farbenfroh! Bestimmt wird sie seiner Trägerin viel Freue bereiten!
    Leider klappt bei mir die Verlinkungen zum „Einfach stricken“ nicht…. Ich würde die Mütze nämlich vielleicht gern für meinen Großen nachstricken….
    Viele herbstliche Grüße,
    Alexa

    • kirschkernzeit sagt:

      Ja, ich mal wieder mit meinen Links… 😉 Jetzt sollte es klappen, hoffe ich. Allerdings ist das Buch eh vergriffen, leider…

  8. Miriam sagt:

    Liebe Bora,

    seitdem ich Kind Nummer drei habe, gehe ich sooo früh in`s Bett! ich schaffe es sonst einfach nicht über den Tag!
    Deshalb finde ich dich schon ein klein wenig wahnsinnig, dass du nachts so viel schaffst *zwinker*. Ich kann mich abends nicht mal zum Nähen aufraffen….

    Ich finde die Mütze wieder einmal sehr schön (auch wenn die Farben nicht 100%ig meins sind, aber sie waren ja gewünscht) und diese Freude, etwas selbst gemachtes zu verschenken, die wiegt wirklich die Mühe auf!
    Deine Mütze halten wir übrigens immer noch in Ehren 🙂 Kind 2 und Kind 3 wechseln sich beim tragen ab und Kind 2 weiß auch, dass sie von gaaaanz weit weg kommt von einer gaaaaanz lieben Frau 🙂

    Liebe Grüße!
    Miriam

  9. Rita sagt:

    Deine Mütze ist ja farbig geworden!! Klasse!!
    Solche Mützen liebt meine Schwester. Eine hat es ja sogar auf einen Modeblog geschafft*ganzstolzbin*. Meine Anleitung, die aussieht wie Deine fand ich hier: http://www.brigitte.de/wohnen/selbermachen/stricken-muetze-572696/

    Wünsch Dir noch einen schönen Abend und morgen einen guten Wochenstart!
    Liebs Grüessli, Rita

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