Prioritäten

Manchmal habe ich das Gefühl, nur so mitzuschwappen in meinem Leben, und wenn ich nicht ganz klare Entscheidungen treffe, dann sind die Tage einfach so vorüber und ich plumpse abends ins Bett oder irgendwo sonsthin, wo es still und gemütlich ist, zu Herrn Kirschkernzeit vielleicht oder in meinen Sessel vor dem Screen zum Beispiel, denke nach, schreibe ein bisschen (oder auch ein bisschen sehr viel mehr, je nachdem) und fühle wie meine Augenlider schwer werden. Und „cut“. Wieder eine Szene im Kasten.
Solche Tage sind irgendwie… ganz okay. Eigentlich. Ich meine, so ist das Leben, anstrengend zum Teil und voll, aber auch ganz wunderbar, und nach der Arbeit kommt die Nacht und bringt uns die Ruhe, die wir brauchen.
Andererseits… es kommt vor, dass ich unruhig werde. Ich merke, wie ich nach mehr verlange, nach mehr Zeit, nach mehr kreativem Fluss, mehr Abendstunden, wo die Nähmaschine einen Heidenlärm verursacht und ich mir ein bisschen Zeit stibitze, um zu planen, den morgigen Tag, das Mittagessen, meine kleinen, oftmals ganz schmal abgesteckten Ziele, wie … mal wieder Brot zu backen, Joghurt anzusetzen, eine weitere Brockenhaus-Tasche mit Dingen, zu füllen, die es anderswo einfach besser haben, oder mich endlich zu entscheiden, welches Näh-Projekt jetzt wirklich, wirklich und bittebitte ganz, ganz bald eine Chance verdient hat  (Dieser zuckersüsse Bio-Jeresey-Stoff mit den roten Kirschen und einem kleinen, schnuckligen Mäuschen beim „Kirschkernspucken“ (von Sybille Hein) ist aber auch zu verlockend!)

In solchen Zeiten rumort es tief in mir drin. Meine innere Stimme wird klarer und ziemlich direkt. Sie sagt: „Abschalten, Frau Kirschkernzeit.“ Und das nehme ich dann recht ernst und eigentlich schon wortwörtlich. Abschalten. Deckel zu. Stecker raus. Weg vom Bildschirm, hin zu den wuselnden kleinen Rabauken an meinem Hosenbein, hin zur Kochschürze und all den bisher unerprobten, potentiellen Lieblingsrezepten (wie heute -nach einer Reihe von Sandwich-Mittagsrunden- die schwedischen Pfannkuchen aus Leila Lindholms wunderbarem Buch „Noch ein Stück“– herrlich!). Hin zu meinen Näh-Buch-Reihen und diesen atemberaubenden Stoffen, die sich hier stapeln, und die ich doch so schrecklich gerne mag, fast zu gerne, um sie anzuschneiden… Und dann ist da noch der Seidenschal für meinen Jungen, der über die ersten paar Runden einfach nicht hinauswachsen will. Ein leuchtend grüner, absolut kuschelweicher Seidenschal, der eigentlich mehr ein Kragen ist, perfekt für die richtig klammen Tage des Jahres, wenn selbst Kind2 sich ein bisschen mehr zum Überziehen wünscht („Snuggles“ nennt sich dieser Kragenschal, und etwas, das sich anschmiegt, das ist tatsächlich genau, was ich mir vorstelle für meinen sensiblen Jungen mit dem wirren Krauskopfhaar) Zwei Mal wurde er angestrickt, zwei Mal wieder aufgelassen, aber jetzt, beim dritten Mal, da könnte er passen (hoffe ich). Ich muss mir nur Zeit nehmen dafür.
Und genau das werde ich tun. Prioritäten setzen. Abschalten. Für ein paar Tage unplugged, Tage mit Abenden, die nur mir gehören sollen, den Kindern und ihren Bedürfnissen, meinem vollgehängten Inspirations-Board voller schon ewig geplanter schöner Projekte, die es einfach nie recht hinein schaffen wollten in meinen Alltag, für Strickmaschen auf meinen Nadeln, für Schneiderkreide und süsses Nichts-Tun bei Kerzenschein und für ein bisschen mehr Raum auch zum Feierabendklatsch mit dem Hausherrn Kirschkernzeit… ungestört, konkurrenz-los, ohne Blog-Posts, die in meinem Hinterkopf Karussel fahren. Losgelöst, entwirrt und entkabelt. First things first. Darauf freue ich mich jetzt.
Bis dann, ihr Lieben!

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14 Kommentare zu Prioritäten

  1. amselgesang sagt:

    Liebe Bora,
    „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ (Erich Kästner, glaube ich).
    Ich bin mal gespannt, wie lange du durchhältst…. 😉
    Sehr liebe Grüße, Brigitte
    (…die das mit dem „Mitschwappen“ nur zu gut kennt, aber kein so lustiges Wort dafür gefunden hätte…)

  2. silke sagt:

    mitschwappen, was für ein herrliches Wort hast Du gefunden für das Gefühl 😉
    Wünsche Dir eine wundervolle Freiraum-Zeit, geniesse gemütliche Herbst-Abende und lass es Dir gut gehen!
    Freue mich aufs Wiederlesen, lieben Gruß,
    Silke

  3. Daniela sagt:

    Eine erfüllte, kuschelige und Kraft bringende Zeit wünsche ich Dir aus der Ferne! Ich freue mich schon sehr darauf wieder von Dir zu lesen – Vorfreude ist ja eine der schönsten Freuden 😉 und werde gleich heute abend, nach einem langen vollen Tag, in mich gehen und genau das Gleiche machen wie Du – Prioritäten setzen! Ja das muss sein! Danke für den Anstoß (wieder einmal)!

  4. Rita sagt:

    Ganz schöne Ferien!!
    Herzlich, Rita

  5. Kerstin sagt:

    ich wünsche die eine wunderbare entspannte zeit

  6. sinnvoll sagt:

    Ja, diese Gedanken und Gefühle kenne ich nur zu gut!!!
    Liebe Grüsse und alles Gute wünscht dir
    sarah

  7. missmenke sagt:

    Viel Spaß beim Stricken, Nähen und vielleicht auch mal beim Nichtstun. Ich war zwei Tage in Hamburg und hatte nur einen festen Termin, den es zu absolvieren galt. Die übrige Zeit habe ich mich mit meinem Rucksack und meinem S-/U-Bahn-Ticket durch die Stadt fahren und treiben lassen, das war wundervoll. Bis bald!

  8. Raniso sagt:

    Schön! Ich wünsche dir, dass sich einige Projektchen verwirklichen werden und du die offline Zeit mit deinen Lieben in vollen Zügen geniessen kannst…
    Ganz liebi grüäss und kussis, anja

  9. Tati sagt:

    Bora, ruh dich aus! Mach dir ne Wanne voll mit Wasser und viel Schaum. Das hilft mir immer total.
    Alles Liebe,
    Tati

  10. regina sagt:

    liebe bora,
    das kenne ich auch!!!!
    wünsche dir eine schöne zeit mit deiner familie,
    alles liebe regina

  11. Jenny sagt:

    Liebe Bora,
    ich möchte Dir auch mal wieder einen lieben kleinen Gruß dalassen und wünsche Dir eine schöne, blogfreie Zeit mit genug Freiraum für Dein kreativen Projekte und Mußestunden mit Deinem Mann.
    Alles Liebe,
    Jenny

  12. subs sagt:

    Oh, Recht hast du… Genieß die Zeit!
    Ich merke seit vier Wochen das sie viel zu schnell vergeht. Tausendmal zu schnell….
    Liebe Grüße, Subs

  13. Elke sagt:

    Liebe Bora, das hast du schön durchgehalten. Ich auf der „anderen „Seite, verordne mir auch nur wenige Blogs zum Lesen, weil die Zeit da draußen auch sehr schön ist und viel zu schnell vergeht. Liebe Grüße in das Leben von Elke

  14. MamEla sagt:

    Auch ich wünsche Dir eine entspannte Ruhepause, die ja trotzdem voller Kindertrubel und Alltagsdingen sein wird. Dennoch, die Abende ohne Tastatur sollen mal ganz Dir gehören. Und wenn sich der Sturm etwas gelegt hat, freue ich mich schon auf viele neue Worte und Gedanken von Dir… Bis dahin, alles Gute für Dich und Deine Lieben.
    MamEla

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