Wochen-Ende: Markt

An diesem Wochen-Ende…

… wurde gefeiert. Ganz gross und intenisv, um nicht zu sagen exzessiv. Zwei volle, reiche Tage lang schwelgte dieses Dorf in Festtages-Stimmung, rund um die Uhr beinahe (und für manche wahrscheinlich sogar buchstäblich), und ich liess mich mittreiben in dieser einmaligen Athmosphäre von Fröhlichkeit, Bewegung, Abenteuer und Feierlichkeit, genoss die Menschentraube, die Musik, fremde Dinge, Klänge und Gerichte (indisch haben wir gegessen und thailändisch) und den Ausnahmezustand, der dieses Wochenende so anders macht, es abhebt vom Rest des Jahres. Harmonisch, dynamisch, und einfach perfekt.

… habe ich Ausschau gehalten nach den letzten Rest Sommersonnenstrahlen, versteckt hinter einer meterdicken Nebeldecke, die kaum Licht durchlässt, aber trotzdem irgendwie gemütlich wirkt, wenn ich warm eingemummelt durch die Gassen schlendere. Der Nebelhimmel ist mir so vertraut wie das Grau der diesigen Tage. So bin ich aufgewachsen, so wachsen meine Kinder auf. Und wisst ihr was? Ich mag es. Ganz ehrlich. Und wenn dann unverhofft ein bisschen Himmelblau hervorblitzt- umso besser!

… musste ich staunen, mit wie viel Einsatz und Leidenschaft manche Menschen sich auf so ein Dorf-Fest vorbereiten. Wochenlang, manchmal sogar monatelang wird geplant, organisiert, in den Vereinen und Komitees debattiert, Verkaufsstände werden bestückt mit Stricksocken, Plachentaschen, Kinderlätzchen und Töpferschalen… und alte Schätze werden ausgegraben und auf Hochglanz poliert. Einzig aus dem diesem einen und ganz und gar wunderbaren Grund: Damit andere sich daran freuen. Wie dieser alte, lagunenblaue Traktor (ein Prachtstück!), der eigentlich ein Feuerwehrauto ist, bzw. war, damals in jenen alten Tagen, in denen man das Löschwasser noch aus dem Bach pumpen musste. *hach* Gute alte Zeit. Und gutes, neues Hier und Jetzt.

… wird geschlemmt und getrunken als gäbe es kein Morgen. Alkohol gibt es zwar keinen im Hause Kirschkernzeit (ausser vielleicht ab und zu ein Sommertags-Bierchen für den Hausherrn), aber dafür Zucker in Höchstform: Zuckerwatte, gebrannte Mandeln, weiss-pink geringeltes Softeis, Zartbitterschokolade mit knackigen, kleinen Stückchen getrockneter Aronia, der Rest Geburtstags-Linzertorte meines nun nicht mehr ganz so kleinen Jungen, frisch gebackene Berliner vom hiesigen Beck mit Aprikosenmarmelade oder Vanillecreme- und mehr als ein halbes Dutzend zertrümmerter Mohrenköpfe. Vom Mohrenkopf-Schiess-Stand. Das hat Tradition, lange Tradition sogar. Falls ihr meine Jungens sucht; die findet ihr dort. Ganz bestimmt.

… bin ich einmal mehr entzückt von der absolut betörenden Schönheit einer Reihe bunter Seidenschals. Ich bleibe jedes Jahr davor stehen und vergesse für einen Moment alles um mich herum; diese Farben! Dieser schimmernde Perlmutt-Glanz! Und wie fein und doch stark und robust sie sind, diese hauchdünnen, leicht noppigen Fäden im Gewebe… Am liebsten hätte ich sie alle, alle gekauft, auch die Pinktöne und sogar das Senfgelb… denn zusammen, zusammen sind sie ein Gedicht, diese Farben. Und jeder einzelne Farbton spielt seine eigene, kleine Melodie…
Trotzdem musste ich mich entscheiden. Der Verkäufer brachte mir zuerst ein warmes Türkis, das mir sehr gut gefiel und auch erstaunlich gut stand, aber die ungewohnte, starke Farbe hätte mich überfordert, denn mein Schrank steht voller Erd- und Beerentöne, was hätte ich damit auch anfangen sollen? Ausserdem bin ich so blass wie ein Schweizer Käse, vor allem im Winter, bleich und eintönig, und einem vitalen Türkis wohl nicht recht gewachsen.
„Sie sollten Lippenstift tragen“, meinte der Verkäufer. „Natürlich nicht gerade Knallrot, aber schon ein Hauch von Farbe zaubert Leben in ihr Gesicht. „ Und dann brachte er mir diesen smaragdgrünen Seidenschal. Auch ein „Hauch von Farbe“. Ich kaufte ihn sofort. (Und das mit dem Lippenstift, das merke ich mir…)

 

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10 Kommentare zu Wochen-Ende: Markt

  1. Annette sagt:

    Guten morgen,habe gestern deinen Blog entdeckt wie toll du schreibst unglaublich.Ich weiß was Chaos zuhause bedeutet habe selber drei Kinder.Ich wünsch dir eine gute Woche.Lieben Gruß Annette

  2. Rita sagt:

    Ich liebe solche Dorfmärkte sehr und vermisse hier etwas das dörfliche, wo sich die Leute beim Begegnen mehr kennen würden…. Bei den Seidenschals hätte ich wohl auch nicht einfach vorbei gehen können und ja, Lippenstift hilft ungemein:)Bin ich doch auch e „Bleichmuus“;)

    Wünsch Euch einen ganz schönen und ruhigen Wochenstart!
    Herzlich, Rita

  3. Bianca sagt:

    Wunderschöne Impressionen von einem tollen Wochenende ♥♥♥
    Die Farbe deines Schals sieht toll aus und steht dir ganz bestimmt sehr gut 😉

    Ganz liebe Grüße
    Bianca

  4. Ramona sagt:

    So schön! Die Farbenpracht der Schals hätte mich auch verzaubert, obwohl ich gar keine Trage. Und das mit dem Lippenstift, schön 🙂

  5. missmenke sagt:

    Liebe Bora, die Schalfarbe wäre auch etwas für mich. Und als bekennende „Silberhaarige“ weiß ich nur zu gut, wie frisch etwas Lippenfarbe machen kann. 🙂 Ich habe übrigens eine kleine Fotozusammenstellung meiner Haar-Übergangszeit gemacht, falls du mal schauen möchtest:

    http://missmenke.de/silver-sister-mein-weg-zur-natuerlichen-haarfarbe/

    Da ich ja (wahrscheinlich ähnlich wie du) eher hellhäutig bin, ist etwas Farbe im Gesicht ein Muss. Übrigens, ich glaube dass mir die von dir ausgesuchte Farbe auch stehen könnte… 😉

  6. Raniso sagt:

    Ich freue mich schon auf unsere Chilbi hier… Einmal im Jahr sind solche Menschenmassen okay, gell… 😉
    Du, ich war ja kürzlich bei der Farbberatung und genau diese Farbe steht den Wintertypen sehr gut (wie die meisten stärkeren Farben). Ich bin ein solcher und du bestimmt auch… 😉
    Ganz liebi grüäss, anja

  7. susanne sagt:

    Oh, Seidenschals, Zuckerwatte… es gibt ja Leute die sagen die Wirkung bzw. Abhängigkeit bei Zucker sei ganz vergleichbar mit derjenigen von Alkohol. Wie auch immer, Zuckerwatte bleibt einer meiner Favoriten!

  8. Frau Krähe sagt:

    Ein wunderbarer Schal! Nix am Hals geht gar nicht bei mir, ich kann oft auf die Jacke verzichten, aber eine „Schleife“ muss es (fast) immer sein.
    Auch ich bin ein extremer „Weisskäse“, so weiss, dass einmal in einer Vollmondnacht meine Waden unterm Jupe einem Hinter-mir-gehenden mondspiegelnd den Weg durch das Dunkel leuchteten (kein Witz!). Obwohl die vorgängigen Kommentare Lippenstift loben, ich selbst fühle mich damit immer sehr „bemalt“ (obwohl ich mich ansonsten, dezent zwar, aber umfassend, schminke). Das Gefühl auf den Lippen und vor allem den Geschmack/Geruch finde ich meist sehr unangenehm. Und das letzte, persönlich abschreckende i-Tüpfelchen: Mein Mann findet Lippenstift grässlich. Immer, überall, bei allen Frauen. Naja, und dann lass ich das halt meistens bleiben… Aber wer weiss, vielleicht sollte auch ich mir den Rat des Schalverkäufers zu Herzen nehmen. „Leben im Gesicht“ ist ja schon nicht schlecht… 😉
    liebste Grüsse, m.

  9. Zwergental sagt:

    Hallo Bora du ich versuche immer noch dich zu verlinken es Klappt nicht brauche die URL anders geht es nicht ,wer schön wen du mir da helfen könntest ,Liebe Grüße Galina

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh ja, dieses Problem ist schon oft aufgetreten und ich habe keine Ahnung, wie ich es lösen könnte, denn meine URL ist irgendwie wie „verborgen“ was die einzelnen Posts angeht… Blöd, gell?
      Aber mit diesem Link hier klappt es bestimmt!

      http://www.kirschkernzeit.ch/wordpress/

      Da sollte dann auch jeder Post verlinkbar sein damit (hoffe ich!)
      ganz liebe Grüsse an dich, liebe Galina!

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