berührt: wahr-genommen

„Berührt“ heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

Das hier bin ich.
Man erkennt das an der grossen, grünen Brille (Obwohl meine eigentlich rot ist, weinrot, dem für mich schönsten unter den Beerentönen). Meine Brille, die ist wichtig und dominant, sie gehört zu mir, so wie der lange, schwere Zopf, der zwischen meinen Schulterblättern liegt oder wie die rauen, schmalgliedrigen Hände, die sich in kühleren Jahreszeiten manchmal anfühle wie Sandpapier (laut Kind1 *hüstel*).
Für meine Kinder bin ich wohl so. Ein bisschen laut, ein bisschen launisch, mal fröhlich, mal bedrückt, aber immer wichtig und gross in ihrem Leben, immer dairgendwie, und mit grossen, weit offenen Augen, die versuchen, zu sehen(manchmal aber trotzdem blind bleiben, ich weiss, ich weiss), mit ebenso grossen, kräftigen Händen, die mit anpacken können, wenn es sein muss, die sehr viel streicheln und Halt und Schutz geben- oder auch mal eine Türe lautstark ins Schloss schlagen lassen (*doppelhüstel*), dass die Wände nur so zittern.

Ja, das bin ich. Unter anderem. Mein Mädchen jedenfalls hat mich genau so gezeichnet, mit riesengrossen Hände, einem Wusch an braunen, dicken Haaren auf dem Kopf und einer Brille, die das halbe Gesicht bedeckt. Bloss der Mund fehlt. (Möglicherweise bin ich für sie doch nicht so laut und schnauzig wie ich mir manchmal vorkomme, da besteht also vielleicht noch Hoffnung.)

Ich mag dieses Bild. Es ist schön, zu sehen, dass ich wichtig bin für mein Kind und dass es mich sieht und wahrnimmt. Und mehr noch; Seht ihr die weit ausgestreckte, grosse Hand rechts? Und den etwas kleineren, schmalen Arm links? Das eine Bein ich kürzer als das andere und meine Brillenaugen sind ganz verwackelt. Ich renne, müsst ihr wissen. Ich renne, nein, hechte im Spurtsprintsprung hin zur Treppe, wo das Babykind gerade dabei ist, die steilen Stufen emporzukraxeln und dabei sein kleines Leben aufs Spiel setzt. Hinter mir auf dem Tisch steht noch die Tasse Kaffee, voll bis oben hin, ein einziger Schluck fehlt vielleicht, vielleicht aber auch nicht, denn Zeit zum Kaffeetrinken bleibt nicht, jetzt wo das Babykind die Welt unsicher macht und mich, die Mama mit den Argus-Augen und den grossen, Schutz-bietenden Händen auf Trabe hält wie ein Kutscher sein Zugpferd.
Ich bin auf dem Sprung, fast immerzu. So ist das Leben mit einem lebhaften, wissbegierigen Kleinkind (Ha! Da haben wir es! Aus dem Baby wird ein Kleinkind!), herrlich, zuckersüss, wunderschön und einfach einmalig. Aber auch anstrengend, kräfte-zehrend, voll und ganz einnehmend.
Und mein Mädchen sieht das. Sie beobachtet und nimmt auf, nimmt wahr, mit den Augen, vor allem aber auch mit dem Herzen. Auch mich, ihre Mama.
Ich glaube, das ist das ganz Besondere für mich an diesem Bild.

PS. Mein allerallergrösstes und innigstes DANKESCHÖN an Raniso (dieser Schatz, also wirklich…), die für mich eine Kopie dieses Textes wiedergefunden und ihn mir  in Windeseile zugeschickt hat, nachdem ich Schussel den Post versehentlich gelöscht hatte und ganz und gar verzweifelt war… DANKE, Raniso! Du bist ein Goldstück!

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2 Kommentare zu berührt: wahr-genommen

  1. Pingback: Mal wieder Blog-Probleme | Kirschkernzeit

  2. Raniso sagt:

    Ui Börli, da krieg ich vor lauter Lobhudelei ganz roti Öhrli… 😉 Aso echt jetzt, ich habe ausser 3 Klicks nicht wirklich viel dazu beigetragen! Und in diesem Fall finde ich es auch wunderbar, dass auch verschollene Post noch tagelang im Blogroll zu finden sind. In anderen Fällen finde ich es aber eher bedenklich, wenn ich zB einen Post lösche, andere in aber immer noch lesen können… Naja, das zu wissen, macht dafür doppelt aufmerksam, was man veröffentlicht und was nicht…
    Ganz liebi grüäss und müntschis, anja
    P.S. Muäsch mr sicher nüt bache wegä däm! Freu mi scho nur, di bald wiedermol zgseh! 😀 Bi froh, ha dr chöne hälfe!

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