Ein Bild erzählt: Bei mir

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Und manchmal hilft ein Bild auch, Worte zu finden, Dinge neu zu sehen, den Moment besser zu erfassen, den Alltag zu ent-wirren, Alltags-Erinnerungen zu schaffen. So wie hier.
Ein Bild erzählt

Was dieses Bild erzählt…

  • Hier bin ich zuhause, hier bin ich so richtig ganz und gar Ich, in meinem lila Zimmer, dort, wo mein Bett steht und ich mich abends mit meinen liebsten unter blütenweisse Bettwäsche kuschle, mich einigle und einfach… nur bin. Mit einem guten Buch vielleicht (aktuell „Parenting Simplicity“ von Kim John Payne). Oder mit einer Strickarbeit (Socken zur Zeit. Schon seit Wochen und Wochen und immer noch). Ganz bestimmt aber in aller Ruhe, bedacht und gesammelt, innerlich aufzeufzend, aufatmend. Ich liebe diesen Raum. Oh ja, das tue ich.
  • Dieses Zimmer ist das einzige im ganzen Haus, das immer, wirklich immer aufgeräumt ist. Ich schreibe absichtlich nicht ordentlich oder sogar sauber, denn das ist es nicht, also schon, ab und zu, aber ganz bestimmt nicht jeden Tag… Doch aufgeräumt? Ja, das schon, doch. Kaum ein Tag, der nicht damit beginnt, dass ich mich mit dem Babykind im einen und lauter Dingen, die definitiv nicht in mein lila Zimmer gehören im anderen Arm auf den Weg in die Küche mache, wo ich Kind1 ein Glas Ovomaltine hole und mich vom mitgebrachten Plunder befreie. Kein Tag ohne Kissenaufschütteln und Decken glattstreichen, kein Tag ohne (mindestens) einen kritischen Blick in die Runde und einem weiteren Armvoll Sachen, die anderswo besser aufgehoben sind als hier, in meiner Ruhe-Oase. Hier brauche ich Platz und viel, viel Luft. Und Ordnung. Wenigstens in diesem einen Zimmer des Hauses.
  • Mein Spinnrad hat seine eigene Ecke gekriegt. Nur eine kleine, im schattigsten Fleckchen des Raumes, und auch nur für die Zeiten im Jahr, in denen ich nicht daran sitze (meistens also *hüstel*). Ich glaube, es ist vollkommen verstaubt mittlerweile. Aber es dreht sich noch. Da bin ich mir sicher. Die Kinder probieren es nämlich immer wieder aus und freuen sich an seinem schnurrenden Rädchen… Wann ich es wieder wagen werde? Hm… Ich weiss nicht. Ich weiss es wirklich nicht. Da liegt so unfassbar viel fantastisches Garn in meinen Schubladen (und auch rechts an der Wand, handgefärbte Sockenwolle im kleinen altrosa Wandschrank), so viele herrliche Fasern in rauen Mengen, für die ich nur noch den richtigen Moment und das richtige Projekt abwarte… Wie könnte ich da ans Spinnen denken? Das wäre fast, als würde ich Kuchenbacken, wenn der Tisch voller Torten steht, allesamt Lieblingssorten gebacken von Meisterhand, mit Schokolade und Sahne und herrlich viel Butter im Teig… Aber vielleicht lockt es mich ja plötzlich wieder zu sich, mein Spinnrad, vielleicht spüre ich wieder, dass hier nicht das Resultat zählt -jedenfalls nicht von Anfang an- sondern das Werden und Sein und der Genuss der Ruhe, die im langsamen Kreisen und Drehen liegt. Vielleicht. Wahrscheinlich. Also eigentlich bin ich mir fast schon sicher
  • Das Babykind steht. Und das tut sie leidenschaftlich gerne. Sie macht keinen einzigen Schritt, nein, niemals, aber ganz egal, wo ich sie absetze, sie peilt den nächsten Stuhl, die nächste Wand, das nächstbeste Hosenbein an… und steht auf. Oder steigt hoch. Das noch viel lieber.
  • Ich liebe alte Textilien. Der Wandbehang, die gefalteten Häkeldecken auf dem Schrank, das reich bestickte Tischtuch über der Kommode, das blassgelbe, spanische Mädchenkleidchen beim Schrank… das alles liegt mir absolut am Herzen. Auch meine Mama weiss das; Sie hat mir diese kleine, weisse Babystrickdecke aus dem Puschlav mitgebracht, die ganz rechts im Raum auf der niederen Kiste mit dem Alpaca-Vlies drin liegt. Aus der Aussteuerkiste einer alten Dame stammt sie, diese Decke, gemacht von einer alten Frau, die ihr Habe gern in liebevollen Händen wissen wollte und meiner Mutter lauter alte Schätze mit nach Hause gab, zum Teil noch von ihrer eigenen Grossmutter, uralt und wundeerschön, einfach nur deshalb, weil sie hier Wertschätzung und echte Dankbarkeit spürte. Ich glaube, hier ist sie richtig, diese kleine, erstaunlich fein gestrickte Decke mit dem zarten Lochmuster und den aufgestickten, filigranen rosa Blümchen. Mir jedenfalls kommt es vor, als hätte ich sie schon immer bei mir gehabt.
  • In letzter Zeit tue ich mich ein bisschen schwer mit fotografieren. Also nicht wirklich schwer (kein Grund zur Sorge)… aber ich mache nur noch sehr wenige Bilder, und auch dafür fehlt mir oftmals die Ruhe und die nötige freie Hand. Dieses Foto hier ist tatsächlich auch bereits 2 Wochen alt. Damals war es noch heiss und mein Baby ganz glücklich ohne Shirt und Body. Heute hingegen tragen wir dicke Pullis und Wollsocken, und mich fröstelt beim blossen Hinsehen… Allerdings wird mich das kaum davon abhalten, euch nächste Wochen (endlich!) meine zweite bordeaux Summervest zu zeigen, die ich aus diesem Sommer mitgenommen habe. Mein Sommersouvenir. Für mein Baby.
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6 Kommentare zu Ein Bild erzählt: Bei mir

  1. Galina sagt:

    Ich schmelze so schön und gemütlich. Da lebt die liebe

  2. Hach, so ein wunderschönes Zimmer voller Geborgenheit und schöner Dinge. Und so einladende zarte Farben. Ich wünschte, ich würde es auch schaffen, wenigstens ein Zimmer so in Ordnung zu halten …

    LG Doro

  3. Margarete sagt:

    Das Zimmer strahlt eine große Ruhe aus und sieht einfach wundervoll aus.

    Liebe Grüße

    Margarete

  4. Sabine Paulo sagt:

    Liebe Bora,
    …immer wieder verliere ich mich in deinen Bildern, deinen Texten – das ging mir nicht nur bei diesem Post so. Es gehört in der Zwischenzeit zu meinem liebsten Sonntag-Morgen-Ritual, es mir mit einer großen Tasse Kaffee am Tisch gemütlich zu machen, und erstmal ganz in Ruhe in deinem Blog zu lesen – in vielen deiner Gedanken finde ich ein Stück von mir wieder. Danke, dass du sie mit uns teilst..!!

    Alles Liebe, auch für deine Familie

    Pauline

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh, das freut mich jetzt aber ganz, ganz fest! Danke von Herzen für dein liebes Echo und die kleine Beschreibung, wie du meine Texte am liebsten liest; für mich ist so was das allerschönste Geschenk, weisst du, zu hören, dass es jemandem richtig Freude macht, hier mit zu lesen. Das macht mich so ungeheuer glücklich… genau dafür schreibe ich, glaube ich. Danke nochmals!

  5. Rita sagt:

    Das Zimmer ist soo schön und Dein ganz persönlicher Kraftort. Ihn aber so zu bewahren, ist wohl nicht so einfach;)
    Ich wünsch Dir viele schöne Momente im Zimmer, wo Du Du sein kannst, Ruhe findest und Kraft schöpfst!
    Ganz herzlich, Rita

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