# 11: „Artsy Clutch“ aus „Bend the Rules“

Jetzt aber! „… Tagträumen zwischen Näh-Buch-Seiten. Ich werde diese Sehnsucht nach ein wenig Zeit an der Nähmaschine nämlich einfach nicht los…“, das waren meine Worte, und die mach‘ ich wahr, jetzt und heute. Nicht weil ich so schrecklich viel Zeit hätte, nein, es ist genau umgekehrt; Weil mich der goldene Käfig manchmal geradezu erdrückt und mir vieles im Moment alles andere als leicht fällt. Darum nähe ich. Wieder. Trotzdem. Jetzt gerade, mit ein bisschen Trotz und dem Mut der Verzweifelten.
Klar, Nähen bringt auch keine Ordnung in meinen Haushalt, ne, das schon gar nicht (im Gegenteil!), auch nicht in mein Leben, es erzieht mir nicht meine Kinder und bringt keine Lösungen für Dinge, die ohnehin vor allem Zeit brauchen, Verständnis, Liebe und ein bisschen klare, aber warmherzige Führung… Nähen ändert nichts. Scheinbar. Aber es hilft mir, bei mir zu bleiben innerlich, und bei Verstand, das Nähen. Glaube ich zumindest.
Und ja, ab und zu rettet es mir auch die Haut…

Meine Freundin Maja zum Beispiel, hat übermorgen Geburtstag. Und ich, ich hab‘ kein Geschenk. Zumindest hab‘ ich keines gehabt, bis heute vormittag, punkt genau halb Zwölf. Da hatte ich dann eines. Dank einer blitzschnell erkannten und wild entschlossen für mich genutzten Pauseninsel, mitten im allersonnigsten und vielversprechendsten Samstag, den man sich denken kann…

Es gibt da so ein paar Projekte, die sind wirklich Gold wert, finde ich. Einfache, schlichte Sachen, im Handumdrehen gemacht und das erst noch mit einer gehörigen Portion Spass und viel, viel Platz für eigene Ideen, Abänderungen, für den ganz persönlichen Stempel. Oder auch für eine „Ohne alles“-Version, für schlichte Schönheit, schnörkellos und ruhig.
Diese Projekte sind wahre Lebensretter. Für den kleinen Notfall, wenn man ganz, ganz schnell und unbedingt, etwas Nettes zur Hand haben möchte, etwas Selbstgemachtes, Brauchbares, das Freude bringt… Nun ja, die „Artsy Clutch“ aus Amy Carols Buch „Bend the Rules“ ist so ein kleiner Lebensretter, ein Nervenschoner und absoluter Glücksgriff, der mich immer wieder versöhnlich stimmt, egal wie hektisch der Tag auch sein mag, und wie schusselig und nachlässig ich mir auch vorkomme, weil ich mal wieder erst knapp 2 Stunden vor der Abfahrt zur Geburtstagsfeier bemerkt hab‘, dass mir noch immer ein Geschenk fehlt…
„Die Artsy Clutch“, die kriegt das nämlich hin, die schon, ganz bestimmt. Auch heute wieder.

Weil sie tatsächlich einfach ist. In Windeseile und vollkommen entspannt gemacht (40 Minuten hab‘ ich gebraucht, inkl. Ablenkungsmanöver von Seiten meiner Jungannschaft. Ich hab die Zeit gestoppt, Ehrenwort.) Weil sie so klein oder so gross sein kann, wie wir sie uns wünschen, so glamourös oder simpel wie der Anlass, für den wir sie schaffen. Ich liebe es, für einmal nur zwei Stoffe zusammen zu kombinieren, und damit trotzdem so … verblüffend viel Eindruck zu schinden. Ich meine, wie das Taschenfutter hervorblitzt, gerade noch so knapp, bevor der Deckel sich schliesst… das hat schon was, finde ich. So was Verführerisches irgendwie. Und dass ich dabei auch kleinere Stoffstücke verwenden kann, solche, die ich an sich sehr gerne mag, für die mir aber immer wieder das richtige Projekt zu fehlen scheint, das macht mich dann richtig glücklich.

Für Majas Clutch habe ich einen dieser herrlichen, bunt gewobenen, leichten Baumwoll-Stoffe von Kaffee Fassett gewählt („Woven Haze Stripes“). Für die Aussenseite. Und für die Innenseite dann einen richtig knalligen Blumenprint voller Schnörkel („Parisville French Lace“ von Tulla Pink). Zuerst wollte ich es andersrum machen, die Schnörkelblüten aussen und das dunkle, matte Violett innen, aber dann verfiel ich dem Charme der Kontraste und gab Kaffee Fassetts zurückhaltendem Streifenstoff den Vortritt. Damit Tullas rote Blumen so richtig schön hervorblitzen können.

Und was da jetzt hinein kommt? Hmm… auch so ein Alleskönner, der irgendwie immer passt (und sei es nur als Wink mit dem Zaunpfahl *zwinker*): Postkarten. In diesem Fall jetzt ganz bezaubernde Natursujets, Wolkenhimmel, Blubbertropfen im See, blühende Kirschbaumzweige, Butterblumenköpfe im Wind… Dazu dann Briefmarken und Couverts und vielleicht noch ein schöner Stift. Ein richtiges kleines Postkartenschreibset, in das noch viel mehr Karten hineinpassen, für den Fall dass der Empfänger dann Feuer fängt und urplötzlich zum Briefeschreiber aus Passion mutiert, zum Poeten und Geschichtenerzähler, zum Grüssesender und Dankeschönsager… Kaum auszudenken, wie viel Freude so in die Welt käme, wieviele neue, gute Gedanken und wie viel mehr Gewicht in die Briefträgertaschen, denn die versendeten Postkarten wollen ja schliesslich erwidert werden… Die Welt wird ein Stückchen besser. Und alles nur wegen einer ganz einfachen, schnell und fröhlich zusammengenähten Postkartentasche.
Auf alle Fälle kann ich jetzt beruhigt zu Bett gehen, um eine Sorge erleichtert.

„Artsy Clutch“, du bist meine Tagesheldin.
Und das gilt ganz bestimmt nicht nur für heute.

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11 Kommentare zu # 11: „Artsy Clutch“ aus „Bend the Rules“

  1. Raniso sagt:

    Ich bin so froh, dass es nicht nur mir so geht mit den Last-minute-Geburtstagsgeschenken… 😉
    So eine schöne Clutch! Und wow, 40min! Kein Wunder, ist das ein Liebling!
    Ganz liebi grüäss und guät nacht, anja

  2. JenMun(a) sagt:

    ..und die stoffkombination, mal wieder einfach unglaublich schön!
    alles liebe!
    sarah

  3. Rita sagt:

    Einfach nur wunderschön und total geniale Idee! Das Schreiben mit Papier und Tinte finde ich sowieso eine schöne Sache.
    Wünsch Dir ein ganz schönes Wochenende!
    herzlich, Rita

  4. Katharina sagt:

    Gefällt mir sehr gut!

  5. Melly sagt:

    Hallo, liebe Frau Kirschkernzeit ;)!

    Deinen Blog habe ich vor ein paar Tagen entdeckt und bin sehr verliebt…in Deine Text, die so offenherzig und charmant, so wortgewandt geschrieben sind und Deine Bilder, die perfekt die kleinen Dinge des Alltags, die so viel Freude bereiten, zeigen.
    Ich habe schon viele Beiträge gelesen…ich lese mich gerade rückwärts durch Deinen Blog und freue mich sehr, das Du Deine besonderen Momente mit uns teilst.
    Dein gebasteltes Werk für Deine Freundin ist wunderschön. 1. ist es selbstgemacht und selbstgemachte Sachen kommen von Herzen und sind deshalb immer wertvoll, 2. ist der Stoff einfach toll und 3. liebe ich Postkarten, da ich selber gerne nostalgisch über den guten alten Postweg kommuniziere. Also, ich hätte mich über das Geschenk sehr gefreut, wirklich sehr.
    Ich hoffe weiterhin auf viele, schöne, inspirierende Blogeinträge von Dir! Und falls Du mal Lust haben solltest, mir eine Postkarte zu schreiben, einfach mal so…(oder sogar ein paar Zeilen mehr in einem Brief), ich würde mich freuen, denn ich schreibe für mein Leben gern…Aber einen eigenen Blog habe ich nicht ;).

    Herzensgruß, Melly

  6. Zwergental sagt:

    Wir hatten wohl den selben Gedanken ich habe mir auch so eine genäht in Grün deine Farben sind sehr schön .Liebe Grüße Galina

    • kirschkernzeit sagt:

      Na, deine Version aus Filz ist auch ganz, ganz bezaubernd (wollte dir das eigentlich gestern noch schreiben, kam dann aber nicht mehr dazu 🙁
      liebe Grüsse!

  7. amselgesang sagt:

    Genial! GENIAL!!! Schlicht und edel und – einfach klasse.
    Und wenn es mal nicht ganz so sehr pressiert, dann könnte man das Ganze ja auch als Wendetasche machen, oder? Mit Doppelknopf… dann können zwei schöne Stoffe abwechselnd außen glänzen oder von innen blitzen…

    • kirschkernzeit sagt:

      Ja, super Idee! Ich hab auch kurz dran gedacht, da ein Wendetäschchen draus zu machen, hab aber denn aufgegeben wegen dem Konopf im Inneren… Aber vielleicht ein Druckknopf? Auf alle Fälle werd ich deinen Gedanken im Kopf behalten_ MERCI!

  8. Pingback: Aus meinem Tagebuch: Fokus | Kirschkernzeit

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