Zum Selbermachen: Glücks-Stoff

Mein Mädchen ist in der Spielgruppe, zum allerersten Mal in ihrem Leben (und von nun an also einmal pro Woche für 2.5 Stunden). Sie hat sich absolut unbädnig gefreut, den ganzen Weg lang wurde an meiner Hand gezupft und gezerrt, als hätte ich einen jungen Hund an der Leine, und es war pure Freude, die da so rupfte, Hüpfkindfreude, denn richtige Schritte konnte sie keine mehr machen, nur noch Hüpfer und Hopser. Und ich habe jetzt Muskelkater in den Wangen. Vom Dauerlächeln. Fröhliche, glückliche Kinder sind Glückstoffe, die besser, länger und intensiver wirken als jede Confisserie-Praline. Und das will was heissen.
Um mein Glück noch voller zu machen; Mein Baby schläft. Tatsächlich. Einfach so. Mitten am heiterhellen Vormittag. Ich habe Zeit. Ein klein wenig (also 30 min, aber wir wollen jetzt mal das volle Glas sehen, ja?), Zeit zum Schreiben und für mich, mit noch wachem Geist und energievollem Körper fühlt sich das sehr viel besser an als nachts um zehn, wenn der grösste Teil von Bora Kirschkernzeit schon halb ins Schlummerland enrückt… Wunderbar ist das, hier so zu sitzen und zu tippen! Wie Ferien vom Dienstagmorgenleben. Hach.
Ich bin ja von Natur aus eher der Pessimist, ich rechne -aus Prinzip- schon mal mit Stolpersteinen im Weg und sehe die Kathastrophen kommen, noch bevor sie sich abzeichnen, wie ein Wach-Hund der angibt, weil er von weit her Verdächtiges wittert. Auf diese Art werde ich weniger enttäuscht, seltener überrumpelt – und erlebe eigentlich hauptsächlich positive Überraschungen *grins*. Als Pessimist kannman sich ja noch richtig schön freuen. Weil es oftmals doch viel besser kommt als erwartet.

So wie vor ein paar Tagen, als ich mit meinen beiden Mädels vor drei (!) pappvollen Bananenschachteln mit alten Kinderkleidern vom Speicher kniete und -halb begraben unter Hosen, Pullis, T-Shirts und Ringelsocken- aussortierte. Das meiste davon stammte noch von Kind2, ein paar Sachen von ausserhalb, wo nette Frauen mir die abgelegten Sachen ihrer Kinder zum Durchsehen geschenkt hatte, bevor daraus Kleidersammlungsgut wurde. Mein Mädchen ist gewachsen. Das tun sie ja immer, unsere Kleinen; wachsen, wachsen wie junges Getreide, schlank und hoch und biegsam. Und die Kleidertürmchen im Schrank fallen immer öfters zusammen, weil vieles gar nicht mehr passt, bloss Platz verbraucht, und weil gewühlt werden muss, bis man fündig wird.
Wir sassen also da und teilten die Kistenkleider in drei Haufen, in „Ja, super!“, „Nein, bitte nicht“ und „Hm. Daraus lässt sich doch bestimmt noch was machen“ (letzteres nach alter Crafter-Manier). Vieles wanderte in Haufen Nr. 2 (nicht weil die Kleider so schrecklich waren, nein, aber wir sind ja hier in „Simplify-your-life-Stimmung“), zwei, drei Sachen kamen in Haufen Nr. 3 und, doch, ja, ein paar Kleider fanden sich auch im ersten Haufen wieder. Unter anderem auch ein blütenweisses, einfaches Mädchen-T-Shirt.
Und genau das war so eine dieser schönen, durch und durch positiven Überraschungen des Lebens. Also nicht unbedingt das T-Shirt selber- aber das, was daraus wurde

Ein weisses Shirt ist ja nun nicht gerade der Stoff aus dem Mädchenträume sind, als „Traumlandkulisse“ aber sind sie einfach unschlagbar! Irgendwann fiel nämlich das Wort „malen“ bei uns, mitten ins grösste Kleiderschaos hinein, und „drucken“ und „Marienkäfer“ und „Jetzt, sofort? Au ja!“. Schon sassen wir unten in der Küche mit Freezer Paper, Stoffmalfarben, Schere und Bügeleisen. Und machten meinem Kind ein ganz spezielles T-Shirt; eins mit einem Marienkäferchen drauf. Mein Mädchen liebt nämlich Marienkäfer. Wie die meisten kleinen Mädchen mag sie auch Hello Kitty ganz gerne, aber Marienkäferchen…? Eine ernst zu nehmende Konkurrenz (Gott sei dank!).

Weil Schablonieren mit Freezer Paper so herrlich einfach ist, konnte mein Mädchen fast alles selber machen, und sie war wirklich mit Herz und Seele dabei; Die Marienkäfer-Silhouette auf die matte Papier-Seite zeichnen, das ging ganz fix, wenngleich etwas … ähm … kritisch („Was? Nicht ausmalen? Aber ein Marienkäferchen braucht doch Punkte!“).  Das Ausschneiden habe dann ich übernommen, die Ränder müssen nämlich sehr sauber sein, dürfen keine Risse haben und auch auf gar keinen Fall gerissen werden. Nach dem Aufbügeln der Schablone auf die Shirt-Oberseite und mit einem zusätzlich eingebügelten Extra-Blatt Freezer Paper als Durchdruck-Schutz in der T-Shirt-Innenseite, kam dann aber mein Kind wieder an die Reihe, zum Malen. Sie pinselte den oberen Teil mit schwarzer, den unteren Teil mit knallroter Textilfarbe aus, seelenruhig und schön von Seite zu Seite (Das heisst- da wir in Rot bloss noch Stifte hatten, wurde hier eben gestrichelt. Geht auch. Prima sogar.) Eine schwarze Mittel-Linie markiert die Flügel, Punkte werden entweder mit der Rückseite des Pinsels oder mit einem schwarzen Textilstift aufgetupft bzw. aufgemalt. Voilà. Einfach und gut. Und doch so raffiniert. Aber  sind die besonders guten Dinge das nicht meistens? Einfach, gut und raffiniert?

Über Mittag musste der Käfer dann trocknen. Vorerst noch ohne Fühler oder Beine. Die kamen erst nach dem Entfernen des aufgebügelten Papiers dazu -schwupps, schwupps- mit ein paar knappen, beherzten schwarzen Strichen aus der Hand meines Mädchens.
Wo wir gerade von Glücks-Stoffen sprachen; Auch Kinderkunst macht mich glücklich. Bis über beide Ohren. Und spazierengetragene Kinder-Kunst macht sogar noch glücklicher, und nicht nur das; sie kann sogar richtiggehend süchtig machen. Wappnet euch also Freunde…

Ach ja,ehe ich’s vergesse; ratet mal, was mein Mädchen heute trug für ihren allerersten, heiss ersehnten, voller Freude erwarteten Spielgruppen-Morgen?…

Vorfreude + Marienkäferchen + Kinderkunst + die Gunst der Stunde
= Glücksstoffe en masse.
Neu sogar mit lila Sommerblumenwiese.
Könnte sein, wir haben gerade den Glücks-Code geknackt.

 

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7 Kommentare zu Zum Selbermachen: Glücks-Stoff

  1. Rita sagt:

    Sooo schön ist das Shirt geworden!!¨Wunderbar und grosses Kompliment an die kleine Künstlerin. Bei uns fängt erst nächste Woche wieder die Spielgruppe an, unser Kleinster kann’s jetzt schon kaum mehr erwarten. Die Morgen ohne seinen Bruder sind plötzlich so still geworden….
    Ich wünsch Euch eine ganz gute Woche und ganz liebi Grüessli, Rita

  2. sinnvoll sagt:

    So goldig ist das Shirt geworden! Da hat deine Kleine sicher grosse Freude daran! Marienkäfer gefallen mir auch als Erwachsene noch sehr gut!
    Mein Sohn ist auch soeben in die Spielgruppe gekommen und ist so begeistert, dass er beim Abholen kaum nach Hause möchte und am liebsten noch länger spielen würde!
    Freezer Paper, noch nie gehört, tönt aber genial. Bestellst du das Freezer Papier per Internet oder gibt es das auch hier in der Schweiz im Handel also in einem Bastelladen oder Handarbeitsladen?
    Liebe Grüsse
    Sarah

  3. Galina sagt:

    Das ist ja schön das habe ich schon auf Taschen gemacht aber diesen Glücksstoff brauche ich auch .Mit den Kleidern bin ich auch schon durch alles zu klein ,aber bald ist Basar ich kaufe viel gebraucht wen es noch schön ist .Eine schöne Woche für euch

  4. Raniso sagt:

    Hmm, dieses Papier kannte ich noch nicht aber: Muss ich haben 🙂
    So ein hübsches T-Shirt an einem noch hübscheren Mädel!
    Ich habe mich gestern auch wie in den Ferien gefühlt. Meine Mittlere besucht jetzt zwar schon ein halbes Jahr die Spielgruppe, gestern aber war das erste Mal ich zuhause und nicht die Schwiegermama… Der Kleinsten und mir war es fast ein wenig zu still. 😉
    Ganz liebi grüäss, anja

  5. Ein supertolles Traumkäfershirt!

    LG Doro

  6. Alexa sagt:

    Einfach wunder-, wunder-, wunderschön!
    Liebe Grüße,
    Alexa

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