Nicht wegwerfen (!): aus alten Memory-Karten

Frühlingszeit, Hausputz-Zeit. Nicht, dass man es meinem Haushalt ansehen tät‘, aber ich habe tatsächlich das eine oder andere Zimmer oder Aufbewahrungs-Möbel ein klein wenig kritischer beäugt und auch mal was weggegeben oder -und das ist nun wirklich eher eine Seltenheit bei Frau Kirschkernzeit- sogar weggeworfen. Viel mehr Platz und Ordnung kam dabei leider nicht zustande, wahrscheinlich, weil ich schlichtweg zu lasch bin und mir die Energie fehlt für mehr Radikalität, aber die paar Tage (manchmal auch bloss Stunden), die der leergeräumte Platz sich durchsetzen konnte, waren wirklich Gold wert, gleichgültig dass sich da schon wieder hundettausend Dinge tummeln, die Lücken füllen. Ein Haus mit nur wenigen, dafür sorgfältig ausgewählten Dingen, geschmackvoll arrangiert auf sauberen Flächen, freundlich beleuchtet durch schlierenlose Fensterscheiben, die dann und wann geöffnet werden, so dass der luftige Vorhang sich fröhlich bauscht im Wind- das wäre ganz nach meinem Geschmack, schätze ich. Ich mag stilvolles Wohnen. Ich mag Sauberkeit und Sorgfalt und einen bewussten Umgang mit Material und Besitz, und ich glaube, ich finde auch, dass „weniger doch mehr“ ist. Aber meine Realität sieht ganz anders aus.

Hier geht es meistens drunter und drüber. Ich nehme mir nur selten Zeit fürs Putzen, dafür lümmle viel zu oft viel zu lange mit meinen Kindern auf meinem grossen Bett im lila Zimmer herum, lese wahllos alles vor, was das Kinderzimmer-Bücher-Regal so hergibt und verstreue dabei Comics, Bilderbücher und „das Magische Baumhaus“ im ganzen Zimmer- ach was, im ganzen Haus! Immerhin die Staubmäuse mögen das alles ganz gerne.
Ich vergesse auch ständig, die Fenster zu putzen. Wahrscheinlich, weil ich dafür den Tatsachen ins Auge sehen müsste: Meine Fenster sind (an einigen Orten zumindest) wirklich allerschäbigst, behängt mit ratzfatz zugeschnittenen Stöffchen ohne Säume, festgeklebt mit Abdeckband, und das schon seit 2 Jahren oder so… Keine Chance also für den Vorzeige-Haushalt meiner Träume. Er passt wohl einfach nicht zu mir im Augenblick… Denn zu meiner natürlichen Trägheit und Schlampigkeit hinzu kommt meine Liebe zu schönen Sachen. Ich liebe Altes, Lottriges, alles mit Geschichte und Charakter, die Spuren der Vergangenheit und solides Handwerk jeder Art. Da kann ich einfach nichts wegschmeissen. In solchen Dingen steckt noch so viel Potential…

Genau das dachte ich auch, als mir an einem Sonntag im Kinder-Raum meiner Kirche diese Kiste in die Hände kam; ein altes Memory, aus den 60er Jahren vielleicht, noch komplett und kaum ramponiert. Um ein Haar wäre es in der Mülltonne gelandet, doch irgendwie brachte ich es einfach nicht übers Herz, etwas, das schon so viele Jahre so wohlbehalten überstanden hat, mit nur einem Handgriff aus der Welt zu schaffen. Also kam es mit mir nach Hause.
Und seht es euch an, diese Illustrationen, diese arglosen Sujets, diese Naivität und Unbeholfenheit… Irgendwie rührt mich das richtig an, keine Ahnung warum. Es erinnert mich an die Zeit meiner frühen Kindheit, an enge Hosen, heile Welt, Knallorange und Schokobraun, an „Heidi“ und „Pippi Langstrumpf“ und klebriges Wassereis, das mir in kleinen Bächlein die Finger hinabfloss.
Nein, wegwerfen konnte ich dieses Memory beim besten Willen nicht.
Also aufheben und spielen? Öhm… so retro bin ich nun auch wieder nicht veranlagt. Schliesslich stehen bereits drei Memory-Spiele in unserem Spiele-Schrank, mindestens. Für ein viertes ist nun wirklich kein Platz mehr. Und Bedarf schon gar nicht.

Aber deshalb gleich wegschmeissen?

Wie wär’s mit zweck-entfremden und umfunktionieren? Ich kenne da nämlich eine gewisse Person (mich), die hat mal irgendwo (hier) dafür plädiert, jedem Zimmer seine ganz eigene Wimpelgirlande zu schenken. Und wenngleich so eine Memory-Karte nicht gerade das Potential für die ganz grosse Gartenparty besitzt (zu klein, zu eckig, zu unscheinbar); als kleine, feine Regal-Girlande macht sie sich doch gar nicht mal so übel, oder?

Eine kleine Anleitung dazu
(einfach, weil’s so viel Spass macht):

Girlande aus alten (oder neuen) Memory-Karten

Ihr braucht:

  1. Memory-Karten aller Art, oder auch andere Spielkarten, Postkarten, Tickets, Fotos und was ihr sonst noch so ins Herz geschlossen habt
  2. eine Lochzange (prima Teil!) oder eine Ahle
  3. ein Stück stabile Schnur, so lange wie ihr die Girlande haben möchtet plus ca. 1 Meter zum um-die-Pfosten-binden
  4. evtl. eine stumpfe, dicke Näh-Nadel (Stopf-Nadel)

Ihr macht:

  • Karten zwei Mal oben lochen, wenn möglich in den beiden oberen Ecken, aber nicht zu nahe am Rand, damit das Loch nicht ausreisst
  • mit der Schnur immer von vorne in das erste Loch stechen und den Faden durchziehen, dann beim 2. Loch von hinten nach vorne stechen (prima auch für Kinder zum Mithelfen)
  • alle Karten auf diese Weise locker auf die Schnur aufziehen und gleichmässig arrangieren, so dass einem die Abstände gefallen
  • aufhängen und sich dran freuen!

Sogar in unserem kunterbunten Durcheinander fand sich noch ein Plätzchen dafür. Für alte, nutzlos gewordene Spielkarten, die erst keiner mehr haben wollte, und die mir jetzt so viel Freude machen mit ihrer unkonventionellen, unbeschwerten Ausstrahlung. Ein bisschen wie diese alten Kinderbücher, in denen ich manchmal ganz gedankenverloren blättere, mich erinnere und die aufkommenden, leicht sentimentalen Gefühle geniesse, dieses  Nicht-mehr-ganz-jung-aber-doch-auch-noch-nicht-ganz-angekommen-sein, mit Vergangenheit und Geschichte, aber auch noch mit ganz viel Zukunft und Ge-träume… Memory…

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22 Kommentare zu Nicht wegwerfen (!): aus alten Memory-Karten

  1. Galina sagt:

    Meine Realität ist auch anders ich hatte mal eine Zeit nach meinem erstem Kind ich wollte alles perfekt haben bis ich nicht mehr konnte .Es ist so richtig wie es gerade ist ,das Leben ist nicht wie eine Zeitschrift .Ich liebe alte Kinder Bücher ,suche auf dem Flohmarkt danach die sind so Kindlich geschrieben wie aus meiner Kindheit .mein tipp 27 Suppengeschichten und Onkel Tobi .Dein Memory ist so schön als Girlande .

  2. mme ulma sagt:

    wunderhübsch. genau dasselbe memory-spiel habe ich wohl hunderte male gespielt – leider war es nicht meins …
    liebe grüße von ulma

  3. mumintroll sagt:

    Die Idee mit der Memorykette finde ich toll!
    Lieber Gruss
    bettina

  4. Birte sagt:

    Liebe Bora, ein wunderbare Idee – was soll ich sagen! Meine Kinder spielen mit genau diesem Memory. Es ist mein altes, ich habe es von meiner Schwester geerbt und irgendwie war es wohl schon länger in Familienbesitz. Es ist immer noch wunderschön, ich mag diese Illustrationen und ich finde Deine Idee daher wirklich klasse. Unser Memory werde ich aber nicht dafür hergeben, dazu hänge ich zu sehr daran! Aber vielleicht findet sich ja auf dem nächsten Flohmarktbesuch was passendes?
    Sei lieb gegrüßt! Birte

    • kirschkernzeit sagt:

      Man kann so ja auch verwaiste Karten noch weiter-geniessen. Das gefällt mir, glaube ich, sogar am allerbesten, so richtig hardcore-Restenverwertung 😉

  5. linnea sagt:

    ich habe mich gerade so über die bilder gefreut, denn sie zeigten genau das memory-spiel, mit dem wir als kinder immer gespielt haben. zu jedem motiv dachten wir uns damals geschichten aus und jeder hatte so seine favoriten, über die er sich beim aufdecken dann besonders freute – egal, ob man damit ein paar gewann oder nicht…
    liebe grüße
    linnea

  6. Katharina sagt:

    So wunderschön! Einige der Memorybilder kommen mir irgendwie sehr bekannt vor. 🙂 Alles Liebe, Katharina

  7. Raniso sagt:

    Hahaha Bora, jetzt hast du mich aber sehr zum Lachen gebracht! Zum Glück hast du es aus meinen wegwerfwütigen Händen gerettet! So eine lustige Idee und es passt wunderbar als Girlande in euer bezauberndes Haus! Also ich würde als Kind ganz klar das staubige Chaoshaus mit einer liebenden sich für das Wichtige (also mich) zeitlassende Mutter dem sauberaufgeräumten Katalogheim vorziehen!! Schau nur das Bild mit deinen drei Kleinen an, da geht mir das Herz auf!!!
    Ganz liebi grüäss, anja
    P.S. Habe den Nachtrag deines letzten Posts erst jetzt gesehen und da ging mir wieder einmal rin Lichtlein auf – kein Wunder ist meine Statistik explodiert… 😉

  8. Stefanie sagt:

    Das ist eine wirklich tolle und so simple Idee! Danke für die Anregung. Genau dieses Memory habe ich mal aus einer Kleiderkammer mitgenommen, weil ich die Bilder so schön fand und mir irgendwann sicher eine gute Idee über den Weg läuft, wie ich dieses Memory verwenden kann. Jetzt brauch ich nur noch den passenden Platz für solch eine Wimpelkette 🙂
    LG Stefanie

  9. Hach ja, das mit dem Chaoshaushalt kommt mir so bekannt vor … 😉

    Die Memory-Girlande ist wirklich eine hübsche Idee. Sieht fast aus wie die Girlanden, die ich mit den Kindern für ihr eigenes Weihnachtsbäumchen gebastelt hatte. http://3.bp.blogspot.com/-KTo2ADY9SAc/UMJRjAxiKFI/AAAAAAAAB2M/FfXbNMYTSlw/s320/20121206_nikolaus2_500.JPG

    Herzliche Grüße,
    Doro

  10. Kerstin sagt:

    Wundervoll!!! Dieser Post spricht mir sooo sehr aus der Seele, wie oft lasse ich mich von irgendwelchen Hochglanzheften die Laune verderben, glaube, im Chaos zu versinken und übersehe dabei, wie viel Spaß so nette Kleinigkeiten machen und wie viel glücklicher sind, die uneingeschränkt spielen. Die Girlande ist allerliebst und herzig!!

  11. Steffi sagt:

    Ich finde deinen „Putzstil“ sehr sympathisch 🙂 Ich bin ja die typische Quartalsputzerin. Wenn nötig oberflächlich drüberfeudeln, damit der Besuch nicht abgeschreckt wird und alle paar Monate juckt es mich und dann richtig 🙂
    Und die Karten! Ich bin entzückt! … da fällt mir ein… in irgendeiner Schublade lag doch…
    Liebe Grüße zu euch!

  12. lena sagt:

    schöne idee……..

  13. Barbara sagt:

    Genau so ein Memory-Spiel habe ich mir in dieser Woche ersteigert und warte darauf, dass es der Postbote bringt. Die Bilder sind mit Erinnerung gespickt und ich möchte sie auch aufhängen!
    Viele liebe Grüße Barbara

  14. Steffi sagt:

    Liebe Bora,
    das ist eine super Idee. Werde ich bald umsetzen.

    Lieben Gruß von Steffi

  15. Manuela sagt:

    Ich bin ganz hingerissen von Deiner schönen Idee. Genau dieses Memory ist das Modell meiner Kindheit, im Gegenteil zu Dir suche ich aber schon so lange mein Sohn Memory spielt, auf sämtlichen Trödelmärkten danach. Bisher allerdings ohne Erfolg.

    Ein schönes Wochenende wünsche ich Euch, LG Manuela

  16. Pünktchen sagt:

    Liebe Bora, ich weiß nicht, wie regelmäßig Du Deine Emails abrufst. Ich habe eben gerade eine an Dich geschickt. Liebe Grüße…

  17. Biba sagt:

    Das ist MEIN Memory! Ich habe dasselbe hier zu Hause, aber das loche ich nicht, wir spielen es noch!
    Aber sehr gute Idee!
    Liebe Grüße von Biba!

  18. Barbara Karl sagt:

    Mein Memory – ich lieb die Bilder so wie die Schreiberinnen vor mir….es ist bei uns noch in Gebrauch…….deine Idee ist sehr lieb!
    Du bist überhaupt so eine nette Person – ich lese deinen Blog immer wieder gerne – Putzen? Das ist einfach nicht das Wichtigste im Leben!
    Liebe Grüße, deine Barbara aus Wien

  19. brigitte sagt:

    Auch ich habe mit genau diesem Memory gespielt, irgendwo müsste es das zuhause (in meinem Elternhaus) noch geben. Ich werde nachschauen. Die Bilder sind übrigens z.T. Illustrationen aus einem ganz tollen, schönen, großen Bilder- und Geschichtenbuch, das ich als Kind sehr geliebt habe. Ich glaube, es liegt in einem Karton im Keller… Wenn ich’s finde, mache ich einen „memories“ – Post darüber…
    Sei herzlich gegrüßt von Brigitte

  20. Frau Wien sagt:

    Ein wunderschönes Spiel und endlich sieht man mal die ganze Pracht auf einmal! Großartig! Ich habe mal ein altes Dominospiel auf Magnetfolie aufgezogen und das verschönert jetzt unseren Kühlschrank und das Trollkind „spielt“ liebend gern damit! Memorykarten habe ich auch einige hier liegen, vielleicht ist es wirklich Zeit für eine Girlande!!!
    Liebste Grüße von Meike ♥

  21. Nina sagt:

    Oh, wie süß! Upcycling der ganz besonderen Art. Ich bin begeistert von so viel Kreativität und Deinem schönen Blog. Liebe Grüße, Nina Hundertschnee

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