In diesem Augenblick…

Sonntag 9 Uhr 30
unterwegs

Jetzt, in diesem Augenblick…

  • sehe ich kahle Baumkronen links und rechts an mir vorbeiflitzen, viel Braun und Grau und müde Menschen am Steuer, eine Welt, die nur darauf wartet, dass es endlich losgeht mit Grünen. Und dann, ganz oben in den knorrigen Ästen eines Baumes; ein verlassenes Nest.
  • höre ich Radio-Musik, irgendwelche trübsinnigen Songs vom Verlieren, von schmachtenden Herzen und einem Typen, der so gerne der Erste sein würde, der die Sterne berührt. Und dazwischen die fast andächtige Stille, die entsteht, wenn 4 lebhafte Kinder und zwei rede-bedürftige Erwachsene für einmal nicht plaudern, schwatzen, lachen oder streiten. Sonderbar…
  • denke ich, wie unendlich kostbar diese Zeit doch ist im Grunde. Ich meine, da ist zum Beispiel dieses kleine Händchen neben mir, die Hand meines Babys mit ihren Knubbelchen und Grübchen, die jetzt ganz entspannt daliegt auf ihrem Schoss. Wenn ich sie berühre, dann ist sie warm, warm wie das Leben, das in ihr pulsiert, und genau diese Wärme ist es, an die ich denke, und das Wunder des Lebens, das mir einmal mehr klar wird, diese Flüchtigkeit und Unfassbarkeit und der leichte Anflug von Melancholie, der einem streift, wenn man zu lange darüber nachsinnt…
  • finde ich, das Musik-Programm sonntag-morgens dürfte ruhig ein bisschen erbaulicher sein *hüstel*
  • spüre ich die Schwere meiner Glieder und das Vakuum in meinem leeren Magen, wo einzig der Kaffee ein wenig vor sich hin gluckst. Ich frühstücke so gut wie nie. Das ist wohl ein Fehler.
  • liebe ich den verträumten Blick meines Mädchens, das still nur so dasitzt, die Beine im Takt der Musik an den Vordersitz baumeln lässt und dabei so weltfern wirkt wie eine verwunschene Prinzessin vor ihrem Froschteich (okay, ich bin heute morgen wohl etwas  sentimental)…
  • sehne ich mich nach Weite, nach Freiheit- und nach dem Bauernhaus, nach dem ich schon die ganze Zeit über suche. Wie jedes Mal, wenn ich -wie jetzt von meinem Platz aus- grüne Felder sehe, bestückt mit Höfen, mit grasenden Tieren und grossen Scheunen, Orte voller wunderbarer Möglichkeiten, ein anderes Leben zu führen…
  • wünschte ich, wie könnten einfach weiter fahren. Wir sechs, so zusammen, weiter und immer weiter, unser altes Leben hinter uns lassen (obwohl es ganz gut ist, eigentlich), auf die Schule und die Arbeit pfeifen, einfach abhauen, so ganz spontan und unvernünftig und die Grenzen überschreiten, rausfahren nach Schweden, wo die Wälder so weit sind, dass man sich noch verirren kann darin, ab nach Schottland, zu Nessie und einer rauen See, oder rüber nach Island, weil man da noch an Märchen glaubt…
  • bin ich mir bewusst, dass mein Platz trotz allem hier ist. Und dass wir Menschen manchmal zu rasch ungelduldig werden und vielleicht zu viel erwarten, während wir doch schon längst alles haben, was wir brauchen, um glücklich zu sein.
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13 Kommentare zu In diesem Augenblick…

  1. Pia sagt:

    Schön,wie du die Augenblicke beschreibst…und der Frühling kommt bestimmt;-)
    Übrigens unser Bauernhaus wäre zu verkaufen,die Geschichte findest du bei mir im Blog…
    Ich wünsche dir einen guten Wochenstart.
    Liebe Grüsse aus dem Emmental.Pia

  2. Melonengrün sagt:

    Also wenn Ihr nach Schweden oder Schottland abhaut…..gibst Du mir dann Deine Adresse?
    Spass beiseite…solche Gedanken habe ich auch oft, einfach zu packen und alles hinter sich zu lassen. Wir hatten und haben immer noch eine ganz strenge Zeit, wo ich oft diesen Wunsch spüre….
    Ich wünsche Dir eine tolle Woche!
    Liebe Grüsse
    Sara

  3. Vielen Dank für die schönen Bilder, Bora.
    Liebe Grüße, Kathrin

  4. subs sagt:

    Ja, manchmal könnte man sich das schon gut vorstellen einfach tschüss und ab. Und dann… einen Augenblick später wird man sich bewusst das man ja eigentlich doch gar nicht weg möchte. So geht es mir zumindest. Immer wieder.
    Ich wünsche dir einen wundervollen Tag!

  5. Galina sagt:

    Ich mag es wen wir einen Kurzurlaub für 2 Tage machen, es ist immer so viel vor Freude da und die Fahrt macht viel Spaß das wir Gefühl wird so stark .Heute morgen hast du meine Laune wider gesteigert ,weil ich so gerne dir zuhöre.Galina

  6. Lotta sagt:

    Mir geht es auch manchmal so…da habe ich große Lust auszusteigen…Aber eigentlich ist nur ein Kurzurlaub nötig…und ich bin damit zufrieden, so wie es ist! LG Lotta.

  7. Raniso sagt:

    Und um 10.00 Uhr wirktest du ganz entspannt und zufrieden… 😉 So eine kurze Traumreise mit was wäre Wenns braucht es einfach ab und zu, gell 🙂
    Ganz liebi grüäss, anja

    • kirschkernzeit sagt:

      Um 10:30, um genau zu sein 😉 Hab auch die Uhr gekuckt, hihi. Und Ablenkung in Form von vier wiffen Mädels und einer tollen Schwester im Herrn ist mit die beste Medizin gegen Schwermut, die ich mir so denken kann… 🙂

  8. Steffi sagt:

    Hiermit unterstreiche ich deinen letzten Absatz dreimal dick! 🙂 Das ist der schönste zwischen all den anderen schönen.
    Liebe Grüße!

  9. missmenke sagt:

    Die Sentimentalität, die aus diesen glücklichen Momenten spricht, fühlt sich sehr tiefsinnig an. Du wünscht dir manchmal etwas Anderes und ich wünschte, ich könnte so leben wie du, mit all meinen geliebten Menschen um mich herum.

  10. brigitte sagt:

    Das sind so Gedanken und Gefühle… die ich so oder ähnlich auch manchmal habe, z.B. das mit der leisen Melancholie – vor allem nachts, wenn ich mal wachliege… Aber eins muss ich dir sagen: Wünsch dir nicht, dich in einem schwedischen Wald zu verirren! 😉 Mir ist genau das passiert, ohne Mann, dafür mit drei kleinen Buben, von denen einer fast die ganze Zeit getragen werden musste. Nach etwa zwei Stunden ohne Karte oder Wegweiser kamen wir an eine Straße, wo uns ein Engel in Gestalt eines schwedischen Autofahrers gerettet hat…
    Und den letzten Satz, den unterschreibe ich, gerne und dankbar.

    • kirschkernzeit sagt:

      Ohgottohgott, das klingt ja nach einem echt erlebten Alptraum! Dass du das nicht die Nerven verloren hast ist ja ein Wunder! Das muss wirklich fürchterlich gewesen sein… Also SO was wünsche ich mir natürlich nicht, Brigitte! Bloss ein bissl mehr Wald, OHNE Verirren 😉 Bei uns in der Schweiz ist das nämlich bereits Mangelware; hier sieht man zum Teil tatsächlich DURCH, wenn das Laub fehlt, tztztz…. Das mit dem Wachliegen geht mir auch oft so… Nächstes Mal denke ich dann an dich- vielleicht kreuzen sich ja unsre melancholischen Gedankengänge…?

  11. Diese Gedanken kenne ich auch sehr gut (besonders beim Unterwegssein). Wunderbar beschrieben!
    Lieber Gruß

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