Aus Woll-Resten: Eine Anleitung für verfilzte Schalen

Also eines muss ich jetzt gleich zu Anfang loswerden; Ihr seid einfach unglaublich! All die lieben Sachen, die ich auf meinen letzten Post hin zu lesen bekam… die machen mich direkt sprachlos. Sprachlos glücklich… Danke dafür, hunderttausendmal DANKE. Ihr seid die besten Leserinnen, die es gibt, Ehrenwort.
Und die Filzschalen von Soulemama, die sind natürlich fantastisch, da besteht kein Zweifel. Ich mag es -genau wie ihr- unheimlich gerne, dass aus simplem Woll-Garn, aus Woll-Resten sogar, mit Hilfe von ein bisschen heissem Wasser und Seife, bzw. einer Ladung Wäsche in der Maschine, etwas ganz anderes, neues und wirklich Sinn-volles werden kann. Wirklich magisch fast schon…

Und gerade jetzt, wo die Vögel zu immer lauteren Konzerten ansetzen, die ersten Schneeglöckchen ihre Köpfchen aus der Erde strecken und sich die Früh-Frühlings-Sonne im Staub meiner ungeputzten Fenster bricht, ist so ein bisschen Magie einfach Gold wert: Der Frühlings-Putz-Trieb greift um sich. Und wen er erwischt, den lässt er so schnell nicht wieder los. Nicht ehe die Schränke entrümpelt, die Regale frisch geputzt und der Estrich nach halb vergessenem „Gschmois“ (ein altes Schweizer Wort für „nutzloser Kram“) durchforstet wird. Und die Woll-Körbe, die Woll-Körbe, die kommen auch noch dran. Denn auch hier sammelt sich Ballast, in Form von Knäueln, die sehnsüchtig auf eine neue Aufgabe warten, für grosse Pläne aber einfach viel zu mickrig sind. Ganz besonders wenn es sich um halb verbrauchte Reste-Knäuel handelt, die man aufgehoben hat für den Fall der Fälle, weil wir es nicht über uns bringen, etwas so Gutes wie Wolle einfach weg zu schmeissen.

Von meiner braun-lila gestreiften Strickdecke und den vielen Elfenmützchen der letzten Monate ist tatsächlich eine ganze Reihe solcher Woll-Reste übrig geblieben. Und nichts freut mich mehr, als auch diesen Übrigbleibseln neues Leben einzuhauchen- und gleichzeitig ein wenig Ordung in meine Woll-Vorräte zu bringen. Ordung ist immer gut. Eine guter Grund zum Stricken auch.

Weil ich mir denken kann, dass es euch vielleicht nicht anders geht als mir, Soulemamas verfilzte Strick-Körbchen aber nur auf Englisch zu finden sind (in „The Rhythm of Family“), habe ich hier für euch eine leicht abgewandelte, wunderbar einfache Strick-Anleitung für eine etwas grössere, aber immer noch sehr handliche Strick-Schale. Gestrickt aus zwei Farben „Andes“, die beide ihr Glück als Elfenmützchen gefunden haben (damals war das, wie doch die Zeit vergeht…!)

Ein einfaches Strick-Körbchen zum Verfilzen

Höhe: ungeformt ca. 15 cm, geformt vom Boden zum Rand ca. 10 cm
Durchmesser: ca. 14 cm
Alle Masse und auch die Körbchen-Form sind stark vom Gefäss abhängig, über dem der Strick-Korb nach dem Filzen getrocknet wird.

To have:

  • Garn: etwa 50 gr. dicke Wolle, am besten reine Naturfasern, damit das Gestrick sich gut verfilzt, Garn-Resten eignen sich ganz hervorragend, auch (oder vor allem) in mehreren kontrastierenden Farben. Für einen schönen Farb-Verlauf empfehle ich, dass die 2. Farbe schon ein paar Reihen vor den Abnahmen eingesetzt wird. So sieht man sie von der Seite besser, wenn der Boden nach dem Formen breit und flach geworden ist.
    Ich habe die „Andes“ von Drops verwendet (65% Wolle/ 35% Alpaca) mit der Lauflänge 100m/100gr.
  • Nadeln: eher dickes Nadel-Spiel, in meinem Fall Nadelstärke 7mm
    Zu dick würde ich sie allerdings auch nicht wählen, denn bei mir zB. wurde ein verfilztes Körbchen mit der Nadel-Nr. 10 viel zu weit-maschig und wenig stabil zum Schluss. Für ein gefilztes Puppentellerchen wäre das allerdings ganz okay…

To do:

  1. 48 Maschen anschlagen und gleichmässig auf 4 Nadeln verteilen (je 12 Maschen)
  2. Ca. 13 cm glatt rechts stricken (diese Höhe ist nur ein Anhalts-Punkt, man kann natürlich auch mehr oder weniger stricken, dann wird einfach auch die Filz-Schale höher oder tiefer)
  3. Nach ca. 13 cm wie folgt stricken: 10 Maschen rechts, dann die 11. und die 12. Masche rechts zusammen stricken
  4. 1 Runde rechts stricken
  5. 9 Maschen rechts stricken, die 10. und die 11. Masche rechts zusammen stricken
  6. 1 Runde rechts stricken
  7. 8 Maschen rechts, 9. und 10. Masche rechts zusammen stricken
  8. 7 Maschen rechts, 8. und 9. Masche rechts zusammen stricken
  9. 6 Maschen rechts, 7. und 8. Masche rechts zusammen stricken
  10. 5 Maschen rechts, 6. und 7. Masche rechts zusammen stricken
  11. 4 Maschen rechts, 5. und 6. Masche rechts zusammen stricken
  12. 3 Maschen rechts, 4. und 5. Masche rechts zusammen stricken
  13. 2 Maschen rechts, 3. und 4. Masche rechts zusammen stricken
  14. 1 Masche rechts, 2. und 3. Masche rechts zusammen stricken
  15. Den Faden in eine stumpfe Nadel einfädeln, diese 8 Maschen auffassen und den Faden zusammenziehen.
  16. Auf der Innenseite des Gestricks den Faden ganz leicht vernähen, auch evtl. Fäden, die von Garn-Wechseln noch herausstehen. Da das Verfilzen die Fäden sehr wahrscheinlich gut miteinfilzt, muss man das nicht besonders sorgfältig machen, zur Not kann man die Schale auch ohne zu verstäten filzen und die Fäden dann einfach nahe am Gestrick abschnippeln. Filz ist einfach prima, oder?
  17. Auf die nächste Ladung Wäsche warten und das Strick-Körbchen bei ca. 60 Grad (oder mehr) mit laufen lassen. Ich habe ganz normales Waschpulver genommen und es hat prima geklappt. Demnächst möchte ich mich mal an hausgemachtes Waschmittel wagen. Mal sehen, ob sich damit auch so gut filzen lässt…
  18. Ein grosses Einmach-Glas (bei der kleineren Soule-Mama-Version habe ich normale Gomfi-Gläser genommen) in das verfilzte Strickkörbchen schieben und alles leicht in Form ziehen, vor allem den Rand, der sich beim Waschen leicht eingerollt hat, so rollen, wie er einem gefällt. Auf eine Heizung oder ein Kuchen-Gitter stellen und trocknen lassen. Auf der eingestellten Heizung dauerte das bei mir nur wenige Stunden.
  19. Et voilà! Glas entfernen und das Körbchen mit netten Kleingkeiten füllen. Oder als Plüschtier-Zylinder benutzen…

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14 Kommentare zu Aus Woll-Resten: Eine Anleitung für verfilzte Schalen

  1. Manchmal steht man ja so auf dem Schlauch…. Hier liegen 2-3 Knäuel roter Wolle, für die sich partout keine Verwendung finden wollte. Aber selbst als ich Deine Wollkörbchen gesehen hatte, hat es noch nicht *klick* gemacht. Da musst Du erst eine Anleitung schreiben und das Wort Wollreste dazu schreiben, bevor der Groschen fällt…

    Also, Danke für die Inspiration!
    Lisa

  2. Galina sagt:

    Wie schön so ein Körbchen werde ich um bedingt ausprobieren ,die kann mann super überall einsetzen in der Spiel Küche im Bad .Aber Bora das Bild im Hintergrund mit dem Vogel das ist so schön.Filzen ist eins meine Hobbys ich habe schon so viele Sachen gefilzt und auch Körbe aber noch nie ein gestrickten .Danke das du dir die muhe gemacht hast ,ich stricke gerade das 5 Zwergenmützchen das Köpfchen weckst so schnell Gruß Galina.

  3. Wunderbar!
    Ich will das auch mal machen. Träume schon lange von einer Filzschale, aber aber…
    Liebe Grüße!

  4. Dorothea sagt:

    Ach du bist so lieb. Da braucht man gar nicht nach einer Anleitung fragen. Sie kommt schon frei Haus. Danke, danke, danke.

  5. Manuela sagt:

    Liebe Bora, ich hab schon sooooooo oft so viel von deinem Blogg in meinen Altag übernommen, und wollte schon lange mal DANKE für all deine schönen Worte, Gedanken, Ideen und Anleitungen sagen!
    Diese Anleitung kommt mir ja wie gerufen! Vielen herzlichen Dank(wollte schon selber ausprobieren, was mich wieder Stunden von meiner immer zu kurzen Zeit, wegen zu vielen Ideen, gekostet hätte)
    Danke für alles, ich frag mich oft woher du die Zeit für alles immer nimmst!
    Manuela

    • kirschkernzeit sagt:

      Gern geschehen! Und die Zeit… die stibitz‘ ich mir einfach 😉 Meistens nachts. Vom Schönheits-Schlaf… Wobei ich sagen muss; das Bloggen an sich ist der allergrösste Zeit-Konsument von allen… Aber es gibt mir auch sehr viel.
      herzlich
      Bora

  6. Manuela sagt:

    Das ist so eine tolle Idee, um diese kratzigen Wollbälle zu verbrauchen, die ich noch in der Schublade habe. Und es passt bestimmt immer ein Legoprojekt in so ein Körbchen. Das werde ich auch machen, dass ich da noch nicht selber drauf gekommen bin, wo ich doch schon einen kleinen Henkelkorb gestrickt und gefilzt habe. Du hast ganz recht, es muss keine extra Filzwolle sein.

    LG Manuela

    • kirschkernzeit sagt:

      Die Andes filzt schon ziemlich gut. Bei Drops gibt es aber noch die Eskimo, die wirklich perfekt ist zum Verfilzen und dieselbe Stärke hat wie die Andes. Und dann noch andere Filz-Wollen (im Moment sogar im Angebot *marktschrei*), zB.die ganz diche Polaris… Aber esgeht auch so, da hast du Recht. Schön, dass duhier warst, Manuela! So ein bekanntes Blogger-Gesicht, das freut mich total!

  7. Melonengrün sagt:

    Danke für diese tolle Idee zum Nachmachen!
    Von diesen „Rest-Schätzen“ hat es auch hier noch einige….
    Liebe Grüsse
    Sara

  8. Raniso sagt:

    Ich finde die Körbchen einfach mega! Und die Bilder… Vor allem das mit dem Vogel- und Himmelsbild im Hintergrund – traumhaft!
    Ganz liebi grüäss, anja

  9. Frau Wien sagt:

    Wunderschön sind die geworden! Wolle ist so ein faszinierendes Material! Ich habe das Stricken ja erst letztes Jahr entdeckt und bin jedes mal wieder erstaunt, was man daraus machen kann, aus so einem Faden solche Kunstwerke! Die Schalen werde ich sicher auch mal ausprobieren, denn Reste hab ich auch hier liegen 🙂
    Übrigens bist Du auch irgendwie meine persönlich Soulemama und ich fühl mich sehr sehr wohl hier bei Dir und Deinen Gedanken! Liebste Grüße von Meike

  10. Rita sagt:

    Die sind ja schön!! Ich hätte hier noch 12 Knäuel gelbe Filz Wolle( die ich mal geschenkt bekam)….und ein paar „Zerquetschte“….;)
    Vielen Dank für die Anleitung!
    Herzlich, Rita

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