# 5: gefilzte Schalen aus „The Rhythm of Family“

„The Rhythm of Family“ von Amanda Soule ist wohl das erste Buch, das ich  bei Amazon schon bestellt hatte, noch bevor es überhaupt erhältlich war. Soulemama vollbringt kleine Wunder in mir; sie berührt und beflügelt mich, sie verändert mich tiefgreifend, allein durch ihre Worte und Bilder. Wahrscheinlich weil sie meine ur-eigensten Sehnsüchte und Wünsche zum Klingen bringt damit.

Ich glaube, immer wenn wir sehr stark emotional reagieren auf etwas an sich Unspektakuläres, auf eine Geschichte, einen anderen Menschen oder auf etwas, das uns jemand erzählt, dann geht es im Grunde um uns selbst. Vielleicht erinnert uns dieser Mensch, diese Geschichte, dieses Bild daran, dass etwas nicht wirklich so läuft in unserem Leben, wie wir es uns eigentlich wünschen würden und dass wir uns -wenn wir ehrlich sind- in unserer Situation gefangen fühlen. Vielleicht zeichnet dieser Auslöser ein Bild davon wie das Glück für uns ganz persönlich aussehen könnte. Vielleicht braucht es nur ganz, ganz wenig, und wir fühlen uns berührt, verzaubert, aber manchmal auch erschlagen und melancholisch. Grosse Gefühle schwappen hoch. Ihre Bandbreite reicht weiter als wir es rational erklären könnten… Genau das passiert mir immer wieder, wenn ich Soulemamas wunderbaren Blog lese. Oder wenn ich in einem ihrer drei Bücher schmökere. Rein kopfmässig muss ich sagen, finde ich gar nicht so wahnsinnig viel Herausragendes. Schöne Bilder, gute Texte, prima Projekte, doch, aber nichts, was ich anderswo nicht auch finden könnte. Es gibt Blogs und Bücher, die literarisch wie optisch anspruchsvoller sind- aber es kommt nur sehr, sehr selten vor, dass mein sich Herz derart zuhause fühlt wie bei Soulemama. Sie ist eine Zauberin. Alles, was sie anfasst hat diesen Hauch von Magie

Auch bei „The Rhythm of Family“ geht es mir so; Dieses Buch besteht aus je zwei sehr persönlich gehaltenen Essays für und aus jedem Monat des Jahres (Amanda und ihr Mann schreiben jeder eines davon). Anschliessend findet man unter „Make“ und „Do“ drei bis vier meistens ziemlich schlichte, kleine Kreativ-Projekte und (Familien)-Aktivitäten.

Die Essays sind fantastisch. Die „Makes“ und „Dos“ zwar nicht umwerfend, aber irgendwie so authentisch und greifbar, dass sie das ganze Buch gleich noch persönlicher und sympathischer machen. Zusammen ergibt das eine unschlagbare Mischung.
Trotzdem ist es nicht mein Lieblingsbuch. Vor allem die Essays sind manchmal schon fast zu schön für meine empfindliche und zur Schwermut neigenden Seele (von wegen hochschlagenden Gefühls-Wogen *räusper*). Zu viel Idylle macht mich schnell einmal wehmütig…

Trotzdem werde ich das Buch behalten. Ich habe mir überlegt, dass die Bücher, die mich nicht wirklich zum Nachmachen inspirieren einen zweiten, strengeren Blick verdienen und *snif* vielleicht, so schwer es mir auch fällt… aus meiner Heim-Bibliothek ausrangiert werden.
„The Rythm of Family“ gehört gottseidank nicht dazu…

Die „Tiny Felted Treasure Bowls“ von Seite 53 haben es davor bewahrt. Schnell gestrickt und mit ganz, ganz viel Spannung in der Waschmaschine verfilzt, sind diese kleinen, feinen Filz-Schalen echte Seelenschmeichler für eine Frau wie mich, die jeden Augenblick ihres randvollen Tages nach einer Möglichkeit durchforstet, wenigstens ein klitzekleines bisschen … werkeln zu können. Mit dicken Nadeln ( Nadel Nr. 7) und dickem Garn (Andes von Drops) geht so eine Schale so schnell, dass man es kaum glauben kann. Ein bisschen stricken, ein bisschen waschen, ein bisschen trocknen-lassen; fertig ist eine wunderbare, kleine, weiche Schale, in der sich allerhand Kleinkram unterbringen lässt. Stifte, Murmeln, Samentütchen. Oder (improvisierte) Puppenküchen-Utensilien.

Wie bei meinem Mädchen, das sich unten im Wohnzimmer aus ein paar zusammengeschobenen Stühlen eine Art Instant-Küche gebaut hat, mit der neuesten Sammlung verfilzter Schalen, glatten Fluss-Steinen, ein paar Federn, einem alten Holz-Ei und dem beigen Häkel-Deckchen aus meiner Spitzendeckchen-Kiste. Hier „kocht“ sie Suppe und harte Eier für mich. Und Omelette mit Honig, den sie mit dem roten Feder-Messer von der Wabe (dazu nimmt sie eine Bienenwachs-Kerze) schabt und dann hingebungsvoll auf ihren Spitzendeckchen-Pfannkuchen streicht. Sorgfältig, denn jeder Handgriff wird zelebriert. Und jede Schale hat ihre Funktion. Als Kochtopf, Suppenschale, Tee-Tasse oder Sammel-Schüssel. So einfach. So gut.

Das gute, satte Gefühl, das bleibt, beim Selbermachen, beim Verwenden, beim Zusehen, das grenzt einmal mehr an Zauberei.
Keine Frage; Soulemama -Magie

PS. Ich habe mittlerweile schon sechs oder sieben dieser Filzschalen gestrickt und verfilzt und durch Zufall entdeckt, dass mir die Filzschalen eigentlich fast besser gefallen, wenn sie ganz glatt gestrickt werden anstatt mit einem re/li-Rand zu Beginn der Arbeit. So rollt sich der Rand ein bisschen ein, was ich ganz charmant finde. Das Oringinal hingegen bleibt stabil, so wie es auf dem Foto mit den Baby-Patschehändchen und der braunen Schale zu sehen ist.

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19 Kommentare zu # 5: gefilzte Schalen aus „The Rhythm of Family“

  1. Raniso sagt:

    Liebe Bora, so wie dir bei Soulemama geht es mir bei dir auf deinem Blog so häufig… Dafür bin ich sehr dankbar 🙂
    Die Küche und das neuste selbergemachte Zubehör finde ich wunderbar! Du Fleissige, du!
    Ganz liebi grüäss und guät Nacht, anja

  2. Galina sagt:

    Hallo Bora ich mag deinen Blog wie du schreibst ,du verbringst kleine und große Wunder du bist meine Soulemama . Galina

  3. Rita sagt:

    Die SChalen sind ja toll und für eine kleine Puppenmami samt Spielküche soo dankbar!
    Ja, auch ich stecke in einer „Reduktion“ meiner Umgebung. Weniger ist mehr, es wird intensiver gelebt;)
    Wünsch Dir einen ganz schönen Tag und viele kleine Freie Inseln für Dich!
    Herzlich, Rita

  4. Ingrid sagt:

    Was für tolle Schalen! Ich überlege die ganze Zeit, ob man nach dieser Idee nicht auch Mützen oder Hüte herstellen kann!?
    LG Ingrid

    • kirschkernzeit sagt:

      Hm… Ich denke schon. Ich habe sie vor dem Filzen meinem Baby und meinem Mädchen mal übergezogen und sie sassen gar nicht mal so übel 😉 Sie gehen aber schon sehr stark ein beim Filzen, das müsste man einfach mitberechnen- und mal lostesten. Filzhüte wären auf jeden Fall superwarm!

  5. Marta sagt:

    Ich kann nur sagen Bora, das ich oft den Eindruck bekomme das Du unsere deutschsprachige Soulmama bist. Oder sogar besser, weil irgendwie weniger ideal (positive gemeint!!!!), also mehr mehr…hmmm…normal, greifbar…eine gute Bekannte aus der Nachbarschaft halt! Danke Dir dafür!

  6. Mona sagt:

    Diese Schalen sind unglaublich schön… jetzt werd ichmich doch gleich auf die Suche nach einer ähnlichen Anleitung machen, die im Netz hoffentlich zu finden sein wird 🙂
    Hab einen sonnigen Tag!

    • kirschkernzeit sagt:

      Merci! Und, ich verrat dir jetzt schon was; ich habe eine eigene kleine Anleitung für euch vorbereitet… eine Abwandlung der Soulemama-Körbchen… Weil ich die selber auch so toll finde und weiss, dass nicht alle Englisch können… Ich hoffe, ich schaffe es, bald darüber zu schreiben…

  7. Ramona sagt:

    Liebe Bora, mir geht es mit dem Buch ganz ähnlich und trotzdem darf es zusammen mit den anderen beiden soulemama-büchern bleiben. grad vor zwei Tagen nahm ich es wieder zur Hand, um ein bisschen darin zu blättern und zu schmökern. ich möchte als nächstes die Taschen-/Spucktücher nähen. Die Filzschälchen habe ich auch schon gestrickt (und habe noch ein paar in Planung)

  8. Micha sagt:

    Soulemama-Magie kann man wirklich auch auf deinem Blog immer wieder erleben (You are our Swiss Soulemama!) – ich finde es bewundersnwert, wie du immer wieder die Zeit und Muße für so schöne kreative Projekte findest.
    LG, Micha

  9. Jenny sagt:

    Ich habe das Buch noch ganz neu und empfinde es bisher so wie Du auch. Ich werde wohl als erstes die Taschentücher nähen. Und ein paar Servietten und Tischsets, die ich eh schon länger geplant hatte… damit mein Großer dann vielleicht auch mal gerne den Tisch mit deckt…

    Für mich bist Du auch so etwas wie unsere deutschsprachige Soulemama, nur auch nicht so „idyllisch“ (ist vielleicht typisch amerikanisch?), sondern bodenständig, erdverbunden, autenthisch… Natürlich. Und das ist mir immer sehr wichtig. Danke für Deinen tollen Blog.

    Liebste Grüße,
    die „Puppen-Jenny“ aus Norddeutschland 😉

  10. Angela sagt:

    Liebe Bora, ich die Nicht-Kommentarschreiberin, muss schon wieder einen verfassen. Es ist einfach unglaublich. Erst das Spinnen nun die Schalen. Die habe ich schon seit langer Zeit auf meiner Wunschhandarbeitsliste und immer noch nicht in die Tat umgesetzt. Aber wieder mal hilfst Du mir dazu. Danke dafür! Und ich muss mich anschließen, ich liebe den Blog von soulemama, aber Du bist einfach näher „an meinem Leben dran“. Das passt eben irgendwie ganz genau.

    Herzlich,
    Angela

  11. brigitte sagt:

    Liebe Bora, beim Lesen dachte ich gleich nach den ersten paar Zeilen: Genauso geht es mir mit dir, bzw. mit deinem Blog! Dann sah ich die Kommentare und dass ich mit diesem Gefühl anscheinend nicht allein bin (was nicht verwunderlich ist). Ich schreibe es trotzdem nochmal, denn es ist wahr: ich finde so vieles von meinem Leben und meinen Gefühlen meinem Leben und aus der Zeit mit meinen kleinen Kindern bei dir wieder – nur dass ich es kaum so klar und warm und ehrlich hätte in Worte fassen können wie du. Ich konnte mich wohl selber nicht so gut spüren… und ich lerne es auch erst ganz allmählich, liebevoll (und nicht nur kritisch) in mich hineinzufühlen. Deine Art zu schreiben berührt mich sehr.
    Eine kluge Psychologin hat mal zu mir gesagt (als ich fand, dass ich es nicht sehr weit gebracht hätte im Leben): „Es gibt Menschen, die wirken durch die großen Dinge, die sie vollbringen. Und es gibt Menschen, die wirken einfach durch das, was sie sind. Sie tun das Alltägliche auf eine Weise, die allen, die damit in Berührung kommen, gut tut“. Ob ich so jemand bin (oder werden kann) weiß ich nicht. Du bist es ganz sicher. Und dein Blog ist eine Kostbarkeit.
    Ganz herzliche Grüße von Brigitte

  12. Frau Krähe sagt:

    Liebe Bora
    Einmal mehr sprichst Du mir aus der Seele. SouleMama macht mich glücklich und traurig zugleich. Ich will hier gar nicht weiter ausholen, Du hast dies ja bereits wunderbar beschrieben. Und wie bereits von mehreren Kommentarschreiberinnen erwähnt: Auch Du bist eine „SouleMama“, aber eben halt DIE Frau Kirschkernzeit. Mit diesem liebevollen Blick auf ihr Leben, der beeindruckenden Schaffenskraft, dem feinen Gespür für Worte, Stimmungen, Werte, Entwicklungen,… Und zum Glück mit einem guten Schuss Realität: Selbstzweifel, doofe Tage, Sachzwänge wie Stundenpläne, und und und.
    Es ist immer wieder eine Wohltat, Deine Zeilen zu lesen. „Da will ich hin“, denke ich manchmal. „Da stehe ich auch“, stellt sich auch dann und wann ein. Beides ist wunderschön. Danke einmal mehr für Deinen Mut, Dich so persönlich zu zeigen.
    Herzlich, m.

  13. Klara sagt:

    Liebe Frau Kirschkernzeit,

    eigentlich wollte ich gestern schon etwas zu deiner Wolle schreiben, denn es ist genau das: diese wunderbaren Posts, die nicht nach einpaar Worten auch schon zuende sind -wunderbar! Dann das Spinnen: ich finde es herrlich, das Du das machst, wirklich. Und gleichzeitig darf da auch ein kuschelweiches tolles Garn bestellt und dann auch noch gelobpreist werden. Dieses Pragmatische, ich glaube das ist es, was mir am allerbesten gefällt, wenn ich mir Zeit nehme in Deinem Blog zu lesen.
    Deine Kinder lesen Comics, Du gehst mal nicht raus, wenn es nicht passt, Du bleibst wach, und tust irgendwas, obwohl Du dringend schlafen müsstest, Du kaufst Garn, obwohl Du selbst welches herstellen kannst, da sind doofe Gefühle und tolle Tage dabei, da ist die Abneigung gegen Tierkot und der unbedingte Wunsch eine Farm zu haben! Der ganz normale Wahnsinn, Tollsinn, Feinsinn und alles mögliche noch dazu. Toll! Unglaublich mutig. Eine starke Frau.

    Ganz viele Grüße von mir!
    Klara

  14. Dorothea sagt:

    Oh sind die süß, die kleinen filzschalen. Da bekommt man gleich Lust, sie nach zumachen. Das Herz schlägt einem höher. Es ist immer so wunderbar von dir zulegen. Du schriebst so toll.

  15. Karin sagt:

    Bora – weisst du, was du hier geschrieben hat ist auch ganz toll! Du hast mich inspiriert – even in far away Alaska 😉

    • kirschkernzeit sagt:

      Das klingt toll! Alaska… ich staune noch immer, weisst du. Aber woher kannst du denn Deutsch? Das ist ziemlich selten… werd gleich mal deinen Blog besuchen kommen…

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