# 4: „Lunch Bag“ aus „Linen, Wool, Cotton“ von Akiko Mano

Im Moment scheine ich in einer Art Energie-Hoch zu schweben. Keine Ahnung warum, aber ich fühle mich plötzlich (fast) allem gewappnet in letzter Zeit, so kraft-voll und motiviert und ausgeschlafen trotz den knappen Ruhestunden (wobei, das, erst nach meinem Morgenkaffee). Ich weiss wirklich nicht, woran das liegt. An meiner Ernährung ganz bestimmt nicht. Da überwiegen momentan mal wieder leere Kohlenhydrate (sprich: Zucker) und Fett, in Form von Schokolade innigst vereint. An regelmässiger Bewegung draussen an der frischen Luft liegt es wohl auch eher nicht; Ich stecke so viel drinnen, dass ich schon fast gar nicht mehr weiss, wie so ein Himmels-Zelt überhaupt aussieht (weit, nehme ich an).
Aber vielleicht, ja vielleicht liegt es ein klein wenig an meinem Vorsatz Nr. 6 (Nr. 5 hingeben wird so ziemlich vernachlässigt, fällt mir gerade auf), an meinem Wunsch/Ziel, aus jedem meiner vielen Kreativ-Bücher wenigstens ein Projekt nach zu arbeiten…

Der Punkt ist nämlich der; aus den allermeisten dieser Bücher habe ich fast rein gar nichts ausprobiert bisher. Das Lesen, Bildergucken und Vor-mich-hinträumen alleine war schon Balsam, doch irgendwie passiert es auf diese Art nur allzu schnell, dass mein Bücherboard zum Staubfänger wird, wo Bücher sich sammeln und sammeln und sammeln und eins das nächste anzieht, ohne dass der ganze kreative Ideen-Schatz seine Schönheit und Kraft auch wirklich in meinen Alltag einfliessen lassen könnte. Bücher sind Schätze, und ich bin Sammlerin und Leserin aus Leidenschaft. Aber ich möchte auch nicht nur horten und Besitz anhäufen. Ich möchte eine Macherin sein. Mit beiden Händen zupacken lernen und mein Leben nicht nur so vom Sofa aus vor mich hinträumen…

Meistens glaube ich ja, dass ich weder Zeit noch Energie frei habe zum Kreativ-Sein. Ohne ein klares Ziel und den einen oder anderen sanften Schubser von Seiten meines Pflichtgefühls (Deadlines wirken Wunder, Geburtstage, Wichteltermine, nachdrücklich geäusserte Kinderwünsche ect. die ein bisschen gesunden Druck ausüben) liegt mein kreatives Seelentier häufig faul und missmutig in seiner Ecke.
Mein Jahres-Vorsatz Nr. 6 aber, der scheint mir Kraft zu geben. Wann immer mich der Hunger nach ein bisschen kreativer Freiheit überkommt, meldet er sich zu Wort, noch bevor mein Verstand all die hunderttausend ach so wichtigen Kleinigkeiten aufzählen könnte, die meinen Tag für sich in Anspruch nehmen wollen. „Tut mir leid“, spricht Vorsatz Nr. 6 und plustert sich ein bisschen auf dabei, „Tut mir leid, Lady Abwasch und Misses Badezimmer-Putz, das passt im Augenblick leider wirklich ü-b-e-r-h-a-u-p-t nicht. Frau Kirschkernzeit hat ein ganz furchtbar dringliches Meeting mit ihrer Nähmaschine. Vielleicht lassen Sie sich einen anderen Termin geben?“

Das Wort „dringlich“ ist hier wirklich goldrichtig. Ich brauche diese Art von Meetings. Ehrlich. Und ich geniesse sie mit jeder Faser meines Seins. Letztes Wochen-Ende zB. da war ich auch wieder verabredet mit meiner Nähliesel. Und mit „Linen, Wool, Cotton“. Viel Zeit blieb uns zwar nicht (eine Runde Vater-Söhne-Runde „Rummikub“, um genau zu sein), aber das kleine Projekt, das ichfür mich ausgesucht hatte, versprach ohnehin High-Speed-Potential…

Der „Lunch Bag“, ein einfacher Beutel mit zwei langen Seiten zum Verschnüren und Verpacken von Äpfeln, Brötchen und anderem Reiseproviant, lagerte schon recht lange bei meinen Wunsch-Projekten. Er ist unheimlich einfach in der Konstruktion und zeigt, wie wunderschön und sauber auch die allereinfachsten Gebrauchs-Gegenstände sein können. Zakka in seiner pursten Form. Wunderbar. Ich mag ihn, meinen (ersten aber ganz bestimmt nicht letzten!) Lunch Bag. Und ich träume jetzt schon von einer ganzen Reihe weiterer Lunch Bags, in allen möglichen Farben und Designs, für alle Lebenslagen einen…

Auch wenn es nur kleine Dinge sind, die ich bisher gemacht habe, eine Kinderhose, vertraut und fröhlich, eine simple Patchwork-Matte für die neue Waschküche, ein Kindermützchen aus recycletem Woll-Stoff -alles Projekte, die mich zum Lächeln bringen, aber Kleinigkeiten nichtsdestotrotz. Das In-Angriff-Nehmen-und-dann-auch-Schaffen schenkt mir aber jedes Mal ein wunderbar stolzes und hoffnungsvolles Gefühl, etwas, das mir zeigt, wie viel wir doch ins Rollen bringen können, ganz egal was, und ganz egla wann, wenn wir es uns nur mit ganzem Herzen wünschen…

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18 Kommentare zu # 4: „Lunch Bag“ aus „Linen, Wool, Cotton“ von Akiko Mano

  1. Ingrid sagt:

    Ach wie schön, liebe Bora! Das Beutelchen könnte ich mir auch sehr gut als Aufenthaltsort für Handarbeitsprojekte vorstellen. Ein größeres fürs Strickzeug, ein kleineres für die Stickarbeit, das mittelgroße für…. Hihi, dir wird schon etwas einfallen!
    LG
    Ingrid

  2. Galina sagt:

    Eine schöne Idee mit dem Beutel ,es fahlen einem auch gleich tausend Sachen ein wo man den mitnehmen kann.Ich freu mich immer wider etwas auszuprobieren ,und man fühlt sich gut und ausgeglichen .ich bringe mir gerade das Nähen bei, habe mich an ein Schürzen Kleidchen getraut .Ich wünsche dir eine Kreative Woche gruß Galina

  3. Pünktchen sagt:

    „Im Moment scheine ich in einer Art Energie-Hoch zu schweben. Keine Ahnung warum, aber ich fühle mich plötzlich (fast) allem gewappnet in letzter Zeit, so kraft-voll und motiviert und ausgeschlafen trotz den knappen Ruhestunden (wobei, das, erst nach meinem Morgenkaffee).“

    Liebe Bora, ich erfreue mich einfach nur an Deinem Energie-Hoch. Warum auch immer es bei Dir dazu kommen mag. Du bist mein letztes Schmankerl zur guten Nacht. So schön und einfach wohltuend. Merci!

  4. Margarete sagt:

    Hallo,

    deinen Blog kenne ich erst seit ein paar Tagen und heute muß ich mich zu Wort melden, weil du so treffend das beschreibst, was auch oft in mir vorgeht.
    Das wundervole Buch kenne ich auch ( es ist so klar und pur, so ästhetisch ) , habe es aber nicht gekauft, da ich genug Bücher habe, aus denen ich noch keine einzige Sache genäht habe.
    Deinen Lunch Bag und die Stoffwahl finde ich sehr schön gelungen.Und dein letzter Satz so wahr.

    Ganz liebe Grüße

    Margarete

  5. ulma sagt:

    wunderwunderschön ist das stück geworden, liebe bora. ich habe anfangs gedacht: ah, ok, das ist jetzt noch eine abbildung aus dem buch. so ein hübscher stoff, so großartig fotografiert.
    viel energie und möglichkeiten, sie wirken zu lassen, dir weiterhin!
    alles liebe °°°ulma

  6. Jenny sagt:

    Liebe Bora,

    das sieht wirklich simpel, raffiniert und super praktisch gleichzeitig aus. Mmh, noch ein Buch, das ich auf Deinen Tip hin kaufen möchte? 😉

    Liebste Grüße aus Norddeutschland,
    die Puppen-Jenny

  7. Pia sagt:

    Toll! Genau solche Beutel hat meine Grosi immer genäht…ich hatte einen mit Biene Maja Stoff für den Kindergarten. Und vor allem lassen sich damit Apfel und Co. ohne Plastikdose transportieren!

    Liebe Grüsse Pia

  8. Tinki sagt:

    Das ist ja toll. Ein Lunchbag. So eine Idee habe ich wirklich noch nie gesehen! Ja und solch ein Vorsatz ist wirklich prima! Ich versuche solch einen auch immer wieder umzusetzen, damit meine Bücher nicht nur zum Träumen dienen, sondern wirklich gebraucht werden!.
    Ich habe noch einen Vorsatz, – unfertige Dinge zuende bringen und dann auch benutzen! Es geht ja nicht nur um das Nähen an sich, sondern – so schön wie bei Euch – auch darum, sinnvolle Dinge herzustellen, die auch sofort ihre „Bestimmung“ finden. Ich glaube, daß ich auch eher solch ein „Nutzen-Sinn-Näherin“ bin. Daher gibt es auch momentan so wenige Puppen zu sehen. Ich sehe den Sinn momentan nicht darin Puppen herzustellen, die keinen Bestimmungsort vorgesehen haben…Ich finde es schön, daß Du Dir Deine Momente der Kreativität schaffst. Andere machen Sport oder sonst irgendwas und wir ( ich schließe mich mit ein ) sitzen dann an den Stricknadeln oder an der Nähmaschine ( die sich bei mir ein wenig vernachlässigt vorkommt!).
    Ganz liebe Grüße Tinki
    PS: Danke für die Tolle Idee!

  9. Das spricht mir mal wieder aus der Seele. Das Angucken und inspiriert fühlen, die mangelnde Energie und Zeit, tatsächlich was zu nähen und auch der Wunsch, ein paar mehr Projekte wahr werden zu lassen. Dein Projekt „eine Kleinigkeit aus jedem Buch“ ist jedenfalls eine gute Motivation!

    LG Doro

  10. amberlight sagt:

    Ich finde deine Idee des ein-Projekt-pro-Buch richtig toll. Vielleicht mach ich das in meiner Elternzeit auch …

  11. melanie sagt:

    Wie fein!
    Und – das ist ja GENAU so ein Beutel, den man dann an einen Stock hängt, um ihn lässig über der Schulter zu tragen. Wer tat das noch mal? Hänschen klein?
    Wirklich allerliebst!
    Und schick mal etwas Energie rüber, mir fehlt sie etwas gerade, trotz länger werdender Schlafstunden…. Komisch, als würde der Körper jetzt merken, was ihm fehlte, wo er es zurückbekommt. Mehr, mehr, mehr! schreit er.
    Liebe Grüsse!

  12. Frau Flovimo sagt:

    Liebe Bora,
    ganz wunderbar und zauberhaft dein Beutelchen, wir scheinen ziemlich viele Bücher gemeinsam zu haben 😉 ich stecke allerdings noch in dem -auf dem Sofa träumen-Modus fest…. jeden Tag schau ich voller Spannung bei dir vorbei, was du wieder tolles Gewerkelt hast…. ein Augenschmaus… Danke
    Ute

  13. Steffi sagt:

    Liebe Bora,
    das Lunchbag sieht super aus! So schön frisch und rein, toll. Auch schön, dass man es einfach immer wieder waschen kann und es mal nicht aus Plastik ist. Toll!

    Liebste Grüße von der heute starken Steffi

  14. Maja sagt:

    Liebe Bora,
    du schreibst mir immer wieder aus der Seele. Auch wenn wir uns in völlig verschiedenen Lebenssituationen befinden, schöpfe auch ich die Energie für die Bewältigung des Alltags (bzw. des Abiturs, in dem ich gerade stecke) im Moment mehr aus dem Machen, als aus dem Frischluftschnuppern. Die Verlockung ist manchmal einfach zu groß, die Klausur Klausur sein zu lassen und sich völlig den kreativen Träumereien hinzugeben, Und erstaunlich gut verlaufen die Prüfungen, wenn man entspannt ist, weil man sich auch mal ein paar Minütchen handfestes Schaffen gönnt…
    Danke fürs Teilen!

  15. Rita sagt:

    Dieses Täschli ist ja cool! Könnte ich mir auch als Geschenksverpackung gut vorstellen. Dann sind es gleich zwei in einem;)!
    Ganz toll auch die Stöffchenwahl!
    Viel Freude mit dem praktischen Teil;)
    Liebs Grüessli, Rita

  16. Birte sagt:

    …. da schließe ich mich an: wunderschön ist Dein neuestes Projekt geworden! Ob als Lunchbag, mit-Stock-über-Schulter-Tasche oder als Geschenkverpackung – ein echter Allrounder! So schlicht und so schön. Und schöne Worte dazu! Nutz Deine kreative Energiephase weiterhin so schön!
    Allerliebste Grüße von der Birte

  17. Melonengrün sagt:

    Lässige Idee!
    Und wenn es kein „Znünibeutel“ mehr sein will, einfach oben Knopf und Knopfloch rein tun, dann haben Deine Mädels sicher eine tolle Tasche zum Umhängen;-)
    Toll, wie Du vor Energie sprudelst! Wäre froh, wenn es auch ein wenig auf mich abfärben würde.
    Liebe Grüsse
    Sara

  18. Es ist Februar und Du hälst Dich immer noch an die Vorsätze!? Großartig!
    Und das Beutelchen ist süß und macht bestimmt Spaß zu packen. Überhaupt bin ich ein großer Fan von Vesper-Beutelchen. Ich brauch auch ein Neues…
    Weiter so!

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