für den Sibirischen Winter

Im Moment bin ich absolut und uneingeschränkt strick-verliebt. Ich könnte den lieben langen Tag nur dasitzen und stricken, stricken, stricken. Von Morgens bis abends rechte Maschen, linke Maschen und all die Variationen, die es so gibt davon und dazwischen. Aber weil meine Tage den Kindern gehören und weil es sich nur schwer stricken lässt mit einem Arm voller Babykind, verschiebe ich mein Strick-Vergnügen auf den Abend, wo ich dann Nadeln und Garn hervorkrame, mir ein Hörspiel aussuche (Youtube ist voll davon, ehrlich. Eine wahre Fundgrube!) und mich nach einem Tag voller Dinge, zu stillender Bedürfnisse und nicht erledigter Aufgaben einfach fallen lasse. Mit dem Strom der Bewegungen davontreiben während die Reihen erblühen… Schön. Und so einfach.  So winterlich gemütlich.

Nur… Als ich heute Morgen das Fenster öffnete, traute ich meinen Augen kaum; die ganze weisse Pracht der letzten paar Tage -tropftropftropf– in nassen, glitzernden Pfützen am Dahinschmelzen… Natürlich, wir haben Februar, Winter, statistisch stecken wir mitten im kältesten Monat des Jahres, und doch… es ist nicht mehr dasselbe.
Ich stand bestimmt vier, fünf Mal am offenen Fenster und besah mir den Garten; die dünne, grün-fleckig gewordene Schneeschicht am Boden, die Äste der Büsche und Bäume, die so langsam ihr Dunkel zu verlieren scheinen, und mir war plötzlich, als könnte ich zwischen dem Rufen der Vögel das Rauschen der Säfte hören, die sich im Inneren von Hölzern und Erde regen… Noch ist es Winter, noch, aber da liegt ein Glimmen in der Luft, das sich nicht mehr ganz vertreiben lässt, weder von Frost, noch von Nebel oder Wolken. Der Frühling naht, er schickt bereits seine Vorboten. Es kommt die Zeit für frische Dinge, wie frühlings-bunte Wimpelketten (Mir fehlt noch eine Frühjahrs-Girlande für die Küche, fällt mir da ein), neue, saubere Tischwäsche oder das allererste Sommerkleidchen der Saison… Aber Woll-Sachen? Im Frühling? Wer will die dann noch sehen…?

Nun ja, um etwas drei Uhr nachmittags verschwand ein Teil meiner Frühlings-Vorahnung hinter einer dicken Schicht Hochnebel, der Wind frischte eisig auf, und die Welt schien wieder in Ordnung für einen Tag Mitte Februar. Meine Strickerinnen-Seele atmete auf.
Und sowieso; Ich bin wild enschlossen, mein Strickglück auszukosten bis zu allerletzten Schneewehe. Mindestens.

Sehr viel länger könnte man diese Mütze hier auch gar nicht tragen. Die Schneewehen gehen, die Sonne kommt, und unter der doppelt gestrickten Woll-Schicht wird es dann bald einmal zu warm. Zweimal aus reiner Merinowolle gestrickt (wirklich kuschelweich: „Merino +“ von Lang), gibt sie Wind und Kälte absolut keine Chance. Sie ist wie geschaffen für eisige Wintertage mit sibirischen Temperaturstürzen. Nur der Frühling kann ihr wirklich etwas anhaben. Aber naja…
Ursprünglich hatte ich diese Mütze (die „Herrenmütze“ aus „Einfach stricken“) für Herrn Kirschkernzeit gemacht, passend zum schwarz-grau-bordeauroten, handgewobenen Schal, den ich ihm zum Geburtstag geschenkt hatte. Ich wollte das Muster möglichst schlicht halten, konnte mich aber nicht gegen die Streifen wehren, die da kommen wollten, und die eine Seite unregelmässig, die andere in breiten Blockstreifen bevölkern.

Die Nadeln waren nicht eben dünn, die Maschen sind auch eher locker, darum strickte ich -für eine Extra-Portion Schutz und Wärme- an die fertige Mütze einfach eine zweite, indem ich unten bei der Anschlags-Kante mit einer Häkelnadel alle Maschen auffasste und damit eine zweite Mütze nach genau demselben Muster strickte, die sich zum Schluss (wie beim Taschennähen) in die andere hineinschieben lässt. Nur das Bündchen zum Umkrempeln habe ich beim zweiten Mal etwas kürzer gemacht, weil ich mir nicht sicher war, ob eine so dicke zwei-schichtige Mütze sich überhaupt noch schön anliegend umschlagen lässt… Tut sie aber. Gottseidank.

Mittlerweile ist sie in regem Gebrauch, meine gestreifte Doppel-Mütze. Die letzten kalten Wochen mit viel Schnee schenkten ihr eine wunderbare Anwärm-Zeit in ihrer neuen Aufgabe… Wenn auch nicht unbedingt bei Herrn Kirschkernzeit. Dem ist sie leider ein klein wenig zu eng um die Ohren (*snif*). Aber auch das ist nicht weiter tragisch, denn Herrn Kirschkernzeits Ohren sind absolut hardcore was Kälteresistenz angeht, und was die Mütze betrifft; Abnehmer finden sich immer. Täglich eigentlich… denn diese Mütze passt -wie durch ein Wunder- tatsächlich jedem in der Familie. Von ganz klein (Naja, der gaaaaaaanz Kleinen nun auch wieder nicht. Noch nicht.) bis fast ganz gross (a.k.a ich).

Wenn wir das Haus verlassen, stülpe ich sie jeweils dem Kopf über, der gerade vor mir steht, und irgendwie kommen so alle mal dran mit Doppelmützetragen. Kind1 geht damit zur Schule (Aber nur wenn es auch richtig schlotterbittereisigkalt ist. Alles andere ist uncool.) Kind2 nimmt sie mit in den Wald. Oder auch mal zuhause. Beim Spinnenbücher-Lesen. Mein Mädchen trägt sie auf dem Weg ins Brocki. Und ich ziehe sie mir huschhusch hurtig über, wenn ich mit dem Baby im Tragetuch noch ganz knapp vor Ladenschluss im Dorfladen die Milch holen will, die wir fürs Abendbrot brauchen, und keine Zeit bleibt für Jacke und Schal. Mit warmem Kopf hält man ja vieles aus. Selbst den sibirschen Winter in der Schweiz. Der ja nun bald vorbei ist.

So und nun geh ich mal wieder. Weiterstricken. Bei Hörspiel und Dämmerlicht, unter einer mollig warmen Winterwolldecke (Mein Baby teilt ganz gern). Den Winter geniessen, solange er noch bleibt.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Dieser Beitrag wurde unter Jahreszeiten, Stricken veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Kommentare zu für den Sibirischen Winter

  1. tinki sagt:

    Also die idee mit der doppelten mütze ist super. Hier haben sie in den nächsten tagen auch sibierische temperaturen angesagt… lg tinki

  2. Galina sagt:

    Ich komme aus Sibirien, und die Mütze ist toll so wie all die schönen dinge die du da Zauberst. Hallo

  3. Pünktchen sagt:

    Was für eine wunderschöne Mütze das geworden ist…

  4. ulma sagt:

    so eine nette mütze. und die idee ist ganz großartig.
    schön, wenn etwas selbst gestricktes so angenommen wird von den (zumindest implizit) bestrickten. das macht freude.
    frohes weiterstricken dir in schweizibirien!
    alles liebe °°°u., die trotz stricklust doch schon recht intensiv den frühling herrbeisehnt.

  5. Raniso sagt:

    Wirklich die Tage erinnern ein wenig an Frühling, wobei die Temperaturen eindeutig noch bibbern lassen.
    Auch ich finde die Doppelmütze grossartig, die möchte ich gerne mal von Nahem bewundern… 😉
    Ganz liebi grüäss und guät Nacht, anja
    P.S. Die Schürze ist tatsächlich fertig genäht, nur bestickt muss sie noch werden 😀

  6. missmenke sagt:

    Bora, ich wünschte, ich wüsste, wie man so eine schöne Mütze strickt. Das hast du wieder einmal richtig toll gemacht!

  7. Rita sagt:

    Doppelt gemoppelt;) Super Idee!! Mir fällt gerade auf, bei Dir gibt es immer wieder mal was „doppelt“;) Bei Socken, bei der süssen Weste, bei der Mütze und alles ist wunderschön und sooo kuschelig warm;)
    Eine ganz tolle Idee und so für alle (ok fast) alle einsetzbar!
    Wünsch Dir noch einen schönen Tag, bei uns schneits auch wieder, mpf….
    Liebs Grüessli, Rita

  8. Frau Krähe sagt:

    Und jetzt hast Du ihn ja wieder, Deinen Winter. Alles weiss… Ich wünsche Dir viel winterliches Strickglück. Bis zur letzten Schneeflocke.
    Lieber Gruss, m.

  9. nima sagt:

    Ich finde ja Wollsachen gehen immer – ausser vielleicht wenn es weit über 30°C draussen hat 🙂
    Deine Familienmütze find ich toll ♥

    Alles LIebe nima

  10. Ramona sagt:

    Die Mützen sind wunderschön geworden. Hier hat es über Nacht auch nochmal eine dicke Schneedecke geschneit. Der Wolf freut sich schon, daß er dann gleich im Kindergarten wieder „Snowboard“ fahren kann. Vielleicht machen wir am Sonntag einen Rodel-Ausflug in die Berge.

  11. mir gehts wie dir: so schön ich die frühlingsahnungssonnentage demletzt fand, so freu ich mich über die wollnotwendigkeit der wiedergekehrten eiseskälte. (hier ist sie bloß bisher ohne schnee.)

    frohes stricken!

  12. isa. sagt:

    Ach, mir gehts genau gleich, bin total im winterendspurtstrickmodus, nach einer shalomjacke musste noch schnell ein gilet daher, dann in den letzten paar tagen 2 neue mützen für den junior, 1 mütze für mich, jetzt noch ein schlauchschal…. Sollte eigentlich darüber bloggen, aber eben… 😉
    Und draussen schauen schon kleine spitzchen von den tulpen, die ich im spätherbst gesetzt hatte, aus der erde! Ich muss sagen, ich freu mich auf den frühling!

  13. Valrike sagt:

    Hallo,
    hihi, eine gestrickte Wendem+tze also. 🙂 Sieht kuschelig warm aus.
    Liebe Grüße UIrike

  14. Pingback: Ein Baby Raglan Pulli | Kirschkernzeit

  15. Pingback: What makes me happy: eine Ringelmütze | Kirschkernzeit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.