# 3: „Family Sweater Hat“ aus „Handmade Home“

Fast hätte ich hier ein Märchen gepostet, ein BabyWollMützchenMärchen.
„Es war einmal ein sehr kleines Mädchen“, hätte ich begonnen, „Das hatte kugelrunde Backen, Augen so dunkel braun und grün wie der nasse Grund eines Waldsees. Aber Haare, die hatte es kaum. Seine Mama sorgte sich ständig deswegen, auch wegen der Kälte und dem Wind und der Zartheit eines so kleinen Wesens -ganz wie Mütter das eben tun- und war immerzu damit beschäftigt, dem kleinen Mädchen Sachen überzuziehen, die es warm halten sollten. Oder auch damit, die Sachen, die es warmhalten sollten, überall zu suchen und aufzusammeln, denn Söckchen wie Mützen gingen nur allzu gern verloren. Dann ärgerte sich die Mutter, suchte und schimpfte und bekam schlechte Laune. Das noch sehr kleine Mädchen sah sie dann nur an mit seinen dunklen Augen und runzelte wortlos die Stirn… „

Leider komme ich an diesem Punkt nicht mehr weiter und ein rechtes Ende will mir irgendwie auch nicht einfallen. D’rum lassen wir die Märchenstunde heute ausfallen…

… und wenden und der Mütze zu, derjenigen, die die Mama des noch sehr kleinen Mädchens eines Tages radibutz zusammennadelt, aus einem alten, verfilzten Wollpulli, als sie wieder einmal nichts findet in ihrem *hüstel* Schlampenhaushalt und der Kopf des kleinen Mädchens ihr gerade ganz besonders haarlos vorkommt. Was wahrscheinlich daran liegt, dass draussen die Flocken tanzen und der Winter seine eisige Hand ausstreckt bis durch die Ritzen ihres alten Hauses.

Diese Mütze, ein Mützchen vielmehr, trägt einen Namen –„Family Sweater Hat“ heisst es- und auch eine Herkunft, nämlich Handmade Home“, mein allerallerliebstes Buch von Soulemama, ein Buch, das mir im Laufe der Zeit immer mehr ans Herz gewachsen ist, weniger wegen der einzelnen Projekte (über die kann man durchaus geteilter Meinung sein, finde ich), sondern vor allem wegen der Seelenwärme, die darin liegt.

„Handmade Home“ ist ein eine leise sprudelnde Quelle der Inspiration, ein unaufdringlicher Berater, wenn es darum geht, das Leben ein klitzekleines bisschen kreativer und gelassener anzugehen und mein Bedürfnis nach Ruhe, Ordnung und lebendiger Schönheit auch im alltäglichsten Hausfrauen-Alltag ein wenig mehr zum… Strahlen zu bringen.
Und es ist ein Trostspender, immer wieder. Dann nämlich, wenn ich -wie so oft, sehr oft sogar- einfach nicht die Zeit und Musse zu finden scheine, die ich bräuchte, um meinen Hunger nach Kreativität stillen zu können. Wenn ich mich zerrissen fühle zwischen all den Dingen, die ich noch sollte und dem, was ich im Grunde meines Herzens so gerne tun würde…

Die Projekte in „Handmade Home“ sind meistens eher schlicht, sehr stark vereinfacht und buchstäblich auf das Wesentliche reduziert. Kein Futter, kaum Verzierungen, keine einzige Naht zu viel, oftmals kaum exakte Linien. Das hat dem Buch nicht nur Sympathie eingebracht (In einer amerikanschen Rezension gebrauchte jemand einmal das Wort „ratty“, also „schäbig, verlottert“, was ich schon ein bisschen nachvollziehen kann) aber für mich persönlich ist genau das so unheimlich wohltuend: Man sieht, selbst Soulemama, die Blogger-Queen und meine heimliche Heldin, die alles und jedes zu schaffen scheint und das mit Leib, Seele und Bravour, selbst Soulemama hat keine Zeit für Kinkerlitzchen.

Auch sie muss sich Zeit zusammenstehlen, für sich und ihre Bedürfnisse. Und das tut sie auch. Fest entschlossen, aber mit einem Augen für die Realität; als Mama kleiner Kinder bleiben einem nur selten ganze Nachmittage zum Werken und Wirken, sondern die meisten Projekte müssen ganz geduldig und bewusst eingefädelt eingefädelt werden in den Alltag. Und zwischen Nudeltopf, Unkrautjäten und Wocheneinkauf werden die Dinge nur selten perfekt. Dafür authentisch. So wie das Leben, dem sie entspringen.
Genau das macht mir Mut. Weil ich beim Durchblättern dieses Buches einmal mehr daran erinnert werde, dass es vielleicht oftmals gar nicht so sehr darauf ankommt, wie beeindruckend und ausgefeilt etwas wird, sondern dass es überhaupt wird, dass ich mir Zeit und Energie zusammensuche, um meinen inneren „Künstler“ (naja, ein anderes Wort fällt mir gerade nicht ein…) zu nähren und zu pflegen. Denn auch der ist wichtig. Sehr sogar.

Genauso wie das kleine Köpfchen meines Babys, mit fast keinen Haaren und der weichen, pulsierenden  Delle oben über der Stirn. Ich möchte nicht, dass es friert, ich möchte, dass es all die Wärme und Kuschligkeit bekommt, die es braucht. Und ich möchte, dass ich es bin, die ihm dieses Bedürfnis stillt.

Muttersein und Kreativsein, ein wenig Nähen und Kreieren und dabei meinem Kind etwas Gutes tun- Das ist pures Glück, so richtig und erfüllend und besänftigend für mein viel zu oft zweifelndes, unruhiges und unzufriedenes Herz.

Danke, Soulemama für dein Vorbild, danke für die Schritte, die du vorangehst und die Ermutigung, die du mir schenkst. Danke, für dieses kleine, unglaublich einfache Mützchen, das einem noch sehr kleinen Mädchen mit kugelrunden Backen, dunklen See-Grund-Augen und fast keinen Haaren auf dem Kopf den Winter ein klein wenig wärmer macht. Und danke dafür, dass eine gewisse Mama in ihrem Schlampenhaushalt nicht länger zu suchen braucht, sondern gut gelaunt mit ihrem Baby im Arm durch einen weiteren ganz gewöhnlichen Hausfrauen-Alltag schlendert und irgendwo zwischen den Momenten schon von ihrem nächsten Projekt träumt…

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Dieser Beitrag wurde unter Bücher, Familienalltag, Nähen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

22 Kommentare zu # 3: „Family Sweater Hat“ aus „Handmade Home“

  1. Marja sagt:

    hach… was für schöne Worte wieder. Die Mütze passt wunderbar zum Baby mit den tiefdunklen Augen. Schön, dass Du den „Moment“ nutzen konntest. Nutzen im Spüren, im Tun, im Kreativsein, im Mamasein… Dir viele solcher Momente wünschend, Marja

  2. Marianne sagt:

    Schlampenhaushalt…. :-)! So einen hab ich auch, aber noch nie habe ich das so….unverblümt… gelesen! Ich hätte eigentlich gern keinen, ich hätte gern einen Haushalt, in dem die Wäsche gewaschen und gebügelt in den Schränken liegt, der Flickkorb leer ist, die Bäder geputzt und die Böden aufgewischt, die Möbel abgestaubt und die Fenster blitzblank. Ich würde dann mit meinen Kindern am grossen Tisch sitzen und mit ihnen zusammen etwas machen, Basteln vielleicht, Hausaufgaben, und dazu etwas stricken…. Aber eben, wenn man darauf wartet, dass die vermeintlichen Voraussetzungen gegeben sind, sich einfach nur hinzusetzen und das zu tun, was man gern tun möchte, dann wird man es nie tun können. Bei uns wird eben gelebt…. kein Haus für „Schöner Wohnen“, kein Ort für eine Jemako-Putzparty ;-), aber dafür dürfen sich alle Bewohner so bewegen, dass ihnen wohl ist. Mit herzlichem Gruss, Alchemilla

  3. Marianne sagt:

    PS: Ganz vergessen… Das Käppchen ist absolut zauberhaft! Mit der Blumendeko scheint Dein Mädchen direkt aus dem Waldsee zu kommen, an den Dich seine Augen erinnern…. Liebe Grüsse, Alchemilla

  4. Raniso sagt:

    Hihi, beim Wort Schlampenhaushalt musste ich ziemlich giggelä… 😉
    Das letzte Bild ist ja wieder einmal besonders süss und dein Mädel wie immer zum Fressen (ich wiederhole mich, ich weiss…) 😉
    Die Mütze habe ich ja gestern schon bewundert, steht ihr ausgezeichnet!
    Ui und jetzt muss ich allerdringendst ins Bett! :-O
    Ganz liebi grüäss, anja

  5. Lumamma sagt:

    ich liebe deinen Blog, du versetzst mich in eine Märchenwelt wo alles völlig in Ordnung scheint…
    dein Gegenwartsbewustsein, dein auskosten jeden Augenblicks so klein er auch scheint (jeder ist sehr besonders) bewundere ich an Dir….
    einfach schön …
    du bist so eine besondere Person, wenn du die bist, die sich hinter diesen Worten und Bildern versteckt….

  6. Rita sagt:

    Ohhh, Dein Post ist erst knapp 8h alt (wann bist Du denn wieder in’s Bett??) und schon 5 (ok gleich 6)! Nachrichten;)
    SChlampenhaushalt, schon fast ein hartes Wort. Ich würde da eher „Spontaner Haushalt“ sagen;)
    Und stimmt, einfach hinsetzen und machen, der Rest des Haushaltes wird schon mal gemacht werden….Wenn‘ s sein muss, ganz schnell;)
    Die Mütze ist allerliebst und die kleine zarte Decko drauf so passend! Ganz viel Freude mit der tollen Mütze!!!
    Viel Wärme und Geborgenheit, herzlich, Rita

  7. sinnvoll sagt:

    So süss deine Kleine wie sie am Boden liegt mit der tollen Mütze und den selbstgenähten Hosen, die farblich sehr gut zur Mütze passen! Mütze auf, Socken ab 🙂 Musste schmunzeln wie deine Jüngste mit schelmischem Blick sich die Söckchen von den Füssen abstreift, ein unermüdliches Spiel kann ich mir vorstellen … 😉
    Deine Idee den Pullover umzufunktionieren gefällt mir sehr und deine Gedanken dazu auch! Du hast recht, es müssen nicht immer die ganz grossen perfekten Projekte sein, die man vom zeitlichen Rahmen fast nicht erreichen kann, dann lieber was „Einfaches“, etwas was man zwischen Windeln wechseln und Kinder gesund pflegen erreichen kann und sich dann aber auch darüber freut.
    Liebe Grüsse
    Sarah

  8. Birte sagt:

    Bezaubernd, liebe Bora! Die Mütze passt perfekt zu Deinem Mädel, eine kleine Waldelfe mit wundervollen Augen!
    Danke, für Deine feinen Worte, die auch meine Seele gestreichelt haben. Du hast das Buch wunderbar beschrieben, genauso ist es. Auch mich erden die Bücher von Soulemama immer wieder.
    Es grüßt Dich herzlich: die Birte

  9. Was für herzerwärmende Worte und Bilder!!! Was wäre das für ein Haushalt, der perfekt (nach außen) glänzt und innen das Leben vermissen ließe… Lieben Gruß Ghislana

  10. Barbara sagt:

    Das ist einfach Liebe !

  11. Kathrin sagt:

    Hallo Bora,
    was fuer eine huebsche Muetze. Und du hast Recht; die Augen deines kleinsten Maedchens sind wirklich unglaublich tief und maerchenhaft.
    Liebe und warme Gruesse,
    Kathrin

  12. Andrea Teigky sagt:

    ach was schaue ich so gern auf deine seite,ich werde morgen 51 jahre jung!!! und bin selbst mutti von fünf kindern.einen junge heute 29 und vier mädchen32,27,23,21 und einer enkeltochter 9 und ich frage mich immer öfter wo sind diese zeiten geblieben.heute sitzen wir auch alle an einem tisch z.b. am samstag zur geb.-feier, aber da wird nicht mehr gebastelt da gibt es ein gutes essen, sekt und tolle gespräche und es wird immer viel gelacht.die kreativität ist aber erhalten geblieben. jeder hat so seins,einen tollen garten,eine künstlerin an der nähmaschine,eine mit super viel geschick für wundervolle torte, eine tolle hobbyköchin und eine mit goldenen händen an der gitarre mit gesang.drei stehen fest im berufsleben und die anderen zwei studieren noch. bei deiner fürsorge und liebe wirst du immer mit freude und stolz auf deine kinder sehen, denn der grundstein für ein erfülltes leben ist von euch gelegt.ich wünsche euch viel gesundheit und kreativität mit eurer bande. schnell noch ein paar worte zu deinen handarbeiten, ich finde alles toll, bin selber viel und täglich am stricken und häkeln. ich wünsche einen schönen februar andrea

  13. mme ulma sagt:

    ich mag den märchenanfang, ich mag das mützchen (mit applikationen!), ich mag das beruhigende, das von deinen texten ausgeht. danke dafür.
    liebe grüße °°°u.

  14. da stimmt einfach alles, heute mal wieder in deinem post! so schön geschrieben, so stimmig, dieses wunderbare mützchen, das dem kleinen babymädchen so toll passt .. hach, ich könnt mich glatt verlieben in dieses wunderbare kleine wesen mit den dunkelsten augen und dem zartesten lächeln! 🙂
    alles liebe! selina

  15. Sumama sagt:

    Sehr schön und auch schnell gemacht. Kleidung die nicht mehr passen, haben wir genug. „Schnell mal rumwühl“.
    LG Sumama

  16. melanie sagt:

    Seegrundaugenmädchen…..wie süss!
    Und wie schön dein Text.
    Viel kommt mir bekannt vor….
    Liebste Grüsse!

  17. Micha sagt:

    Solche Mützen habe ich auch gemacht und ich muss sagen, dass wir sie imer noch gerne tragen. Einfach und kuschelig!
    LG, Micha

  18. *hach*
    ich liebe solche recycling-nähereien, gerade solche aus kleingewaschenen wollpullovern. ich hab schon babyhosen, westen (mit halsausschnittsbauchtasche), armstulpen und wärmflaschenhüllen daraus genäht, aber noch nie eine so herzige mütze!
    und schäbig oder verlottert ist sowas nun wirklich nicht. keine hochglanz-design-teil, aber wer will das schon 😉
    herzliche grüße!

  19. Pingback: # 4: “Lunch Bag” aus “Linen, Wool, Cotton” von Akiko Mano | Kirschkernzeit

  20. Frederike sagt:

    Liebe Bora,
    die Decke, auf der Dein Mädchen liegt – das ist der Stoff meiner Kindheit! 🙂 Meine Oma hat mir als kleines Mädchen ein Kissen daraus gemacht und ich hüte dieses Kissen bis heute wie meinen Augapfel. Ich habe die Decke schon ein paar mal in Deinen Posts aufblitzen sehen und habe mich immer gefreut. Kannst Du mir sagen, wie der Stoff heißt? Ich würde noch so gerne ein zweites Kissen machen, bevor das alte vollends zerfällt…
    Ganz liebe Grüße,
    Frederike

    • kirschkernzeit sagt:

      Oh, sie ist auch die Decke MEINER Kindheit! Lustig, nicht? Nur leider habe ich absolut keine Ahnung wie der Stoff heist… Ich glaube, den Stoff an sich hat es vielleicht gar nie zu kaufen gegeben (?), denn meine Mutter hat mir erzählt, dass sie die Decke damals für mich gekauft un regelrecht dafür gespart hat. Ich drücke dir die Daumen, dass du trotzdem eines Tages auf ein Kissen daraus stösst. Wer weiss…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.