das gelbe Zimmer

„Und, seid ihr schon fertig mit Umbauen?“
Immer wieder höre ich diese Frage.
(Zuletzt heute morgen bei einem raschen Wortwechsel
über zwei Einkaufswägelchen hinweg.)
„Nein, noch lange nicht.“
Immer wieder gebe ich diese Antwort. Seit 4 Jahren.
(Ich habe nachgerechnet. Ja, es sind 4 Jahre!)
„Aber es wird besser.“
Und es wird besser, wahrhaftig! Nicht immer nehme ich das scheinbar ewige Hin-und Her, das Staubaufwirbeln und Alles-über-den-Haufen-Werfen so gelassen. Nicht immer bin ich dankbar für das, was dieses alte Haus mit seinen Möglichkeiten  mir schenkt, für die Zeit und Liebe, die mein Mann darin investiert oder für sein offenes Ohr, das meine Wünsche hört und für seine unglaublich geschickten Hände, die sie dann auch in die Tat umsetzen, für seine Geduld mit meinen Launen und allem, das immer wieder dazu kommt.
Manchmal sehe ich nur noch Unordnung, Dreck, improvisierte Lösungen auf unbestimmte Zeit und hektisch zusammengeschmissene Einrichtungen. (Lasst euch bloss nicht täuschen von den schönen Bildern in meinem letzten Post: das waren die fertigen Räume! Und es gibt noch einige, die noch längst nicht soweit sind…).
Aber, doch, es wird besser. Küche und Wohnzimmer -seit einem bzw. ca. dreiviertel Jahren mit Hochgenuss bewohnt- haben vieles in mir entkrampft und geben mir immer wieder den Optimismus, den ich (dringend) brauche, wenn mein Mann mal wieder mit Hammer und Meissel auftaucht und alles in eine Wolke aus Bau-Staub hüllt…
Mit diesen baulichen Meilensteinen im Rücken beginne ich so langsam, langsam zu verstehen, wie gut, schön und voller Veränderungs-Kraft genau diese Momente sind, genau diejenigen, die den meisten Staub aufwirbeln und die grössten Löcher reissen.
Sie sind es, die wunderbare Dinge in Gang bringen können, Dinge, die mir schlussendlich so viel Freude und Elan bringen, die Wurzeln schlagen bis in den Alltag hinein, um mich mit neuer Energie zu versorgen.
Was einmal unpersönlich und irgendwie vernachlässigt wirkte, ungeachtet des Lebens, das sich darin tummelte, wird plötzlich selber be-lebt, aus gemeinsamen Gedanken geboren fast schon, betrachtet, beredet, geplant… Unter tatkräftigen Händen gedeiht etwas Neues, Anderes (anders, obwohl vielleicht sehr vieles gar nicht so anders geworden ist). Etwas Besseres. Etwas, das zu uns gehört.
Und dieser genau Prozess ist es, der mich belebt. Das Werden eines Raumes. Aus unseren Ideen, unserer Kraft. (Obwohl, mein Part besteht eigentlich ja nur darin, umzuräumen, sauber zu machen und die Kinder möglichst von der Baustelle fern zu halten… aber hey, einer muss das schliesslich tun.)
Das Kinderzimmer, das bisher schon „All-in-One- Zimmer“ (für 5 Monate lebten wir, damals zu viert, nebst alter Küche und kleinstem Bad in nur einem Raum, weil der Rest des Hauses noch anderweitig vermietet war. Na, das waren noch Zeiten…) und dann „lange“ unser Wohnzimmer.
Jetzt ist es unser gelbes Zimmer. Und ein wunderbarer, heller, freundlicher Raum mit viel Platz zum Werden und Wachsen.
Was soll ich sagen? Ich liebe es! Unser gelbes Zimmer, das ja eigentlich nur zur Hälfte wirklich gelb ist, aber  scheint und strahlt und wärmt, als wäre es reine Sonne…
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Zuhause veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Kommentare zu das gelbe Zimmer

  1. Anja sagt:

    Wooooooow! Kein Wunder liebst du es, es ist wunderschön und gemütlich…und sooooo gross! Ich finde es wirklich einfach toll, wie ihr das macht. Auch wenn ich mir gut vorstellen kann, dass es auch sehr anstrengend sein kann, das Provisorische… Ich bin auch eher der Typ, der sich gerne gleich „richtig“ einrichtet. Das merke ich auch jetzt wieder…

    Hm, könntest du mir vielleicht ein Bild von deinem Tellerboard mitbringen? Habe so keine Vorstellung davon… Das wäre super 🙂

    Ach übrigens, das Bild mit deiner Kleinen ist einfach wieder einmal so entzückend:-)
    Ganz liebi grüäss, anja
    Ich

  2. kirschkernzeit sagt:

    ja, mach ich, liebe Anja! Ich hoffe, du fühlst dich nicht allzu überfordert von den Zügelkisten um dich herum… so nach dem Umziehen ist das ja manchmal wirklich überwältigend, besondes mit einer so kleinen Bohen wie Nina nebenbei… Ich wünsche dir viel, viel Kraft! und Geduld *verstehend guck*. Äs chunnt scho guät!
    *knuddel* Bora

  3. mausekind sagt:

    wunderwunderwundernett siehts im gelben zimmer aus…wow, ein richtiges lese-kuschel-kreativzimmer oder? und was ist denn dieser wandbehang mit baum drauf? toll. ihr habt richtig platz für euer leben…das wünsch ich mir auch. wir sind handwerklich aber nicht soo fit…mal schauen wo wir landen! grüße!!!

  4. kirschkernzeit sagt:

    @mausekind: Danke! Ich wünsch dir natürlich, dass du bald ein zuhause findest, das du liebst! und der Wandbehang ist mein Vogel-Quilt aus alten Kinderkleidern meines Erstgeborenen. hier habe ich einen Post darüber geschrieben:
    http://kirschkernzeit.blogspot.com/2010/08/what-makes-me-happy-vernahte.html

  5. kirschkernzeit sagt:

    Oder google einfach bei mir im Blog: What makes me happy: vernähte Erinnerungen

  6. Wunderbar, dieses Sonnenscheinzimmer! Mit so vielen kleinen Details, die alles so herrlich „bewohnt“ und voller Leben machen.
    Und ich versteh dich so sehr, dieses Hochgefühl, wenn wieder ein Raum fertig ist :))
    Ja… DAS sind Freuden. Ich wünsch dir, dass es weiter so geht und du irgendwann sagen kannst (so von Einkaufswagen zu Einkaufswagen…): „Fast sind wir fertig, es fehlt nur mehr 1 Zimmer…“… alles Liebe!!!! maria

  7. Tinki sagt:

    Ja – es sieht wirklich super schön aus. Wie stolz ist man, wenn man wieder etwas geschafft hat – und ich habe uns 10 Jahre gegeben zum Ende zu kommen ( wahrscheinlich reicht auch das nicht!)…
    Ganz viel Schaffenfreude weiterhin wünsche ich Euch. Und es ist wichtig dieses vielleicht auch noch zu genießen. Wann ist man denn wirklich fertig – ich glaube das gibt es nie?!

  8. micha sagt:

    Das Zimmer ist ganz wunderschön geworden! Besonders die inspiration board-Ecke gefällt mir sehr. Ein wirkliches Paradies!

  9. 19nullsieben sagt:

    Liebe Bora,
    euer gelbes Zimmer ist echt superschön geworden! Ist das Hochbett (ja, ich hab den Patchwork-Polster gesehen 😉 so ein Kuschel-Rückzugs-Ausruh-Ort für euch? Wenn ja, dann ist das je eine tolle Idee!
    Wir wohnen in einem von uns selbst ausgebauten Dachboden (war zu Beginn ein 130 Jahre alter Rohdachboden) und ich weiß, dass man für Baustellen einen langen Atem braucht, vor allem, wenn man´s selber macht und nebenbei noch arbeitet oder/und Kinder hat, so wie du. Wir hatten allerdings zur Bauzeit eine andere Wohnung zum Wohnen und daher bewundere ich euer Durchhaltevermögen seeeehr! Ich kann nachvollziehen, dass es Tiefs gibt und einem der ganze Dreck auf die Nerven geht – aber wenn man danach sooo schöne Räume bewohnen kann, zahlt es sich doch aus…
    Alles liebe, Selina

  10. Holzchnopf sagt:

    Liebe Bora,
    mit diesem Post hast du mir etwas Zuversicht geschenkt,denn auch bei uns geht der Umbau schon bald wieder in eine neue Runde. Wir haben ein fast 150jähriges Emmentaler-Bauernhaus und auch ich schwanke immer zwischen der Vorfreude auf den neuen Raum und dem Schrecken von Schmutz,Staub und Mäusedreck;-)
    Ich wünsche dir und deinen Lieben ganz viele schöne Augenblicke in eurem Sonnenzimmer.Liebe Grüsse Pia

  11. Karen sagt:

    Ist man je fertig mit dem Umbau??? ;-)) Nein, war nur ein Spaß, ich weiß genau, was Du meinst. Wir sind in ein halbfertig umgebautes Haus gezogen und der Bauschutt und Staub haben mich wahnsinnig gemacht, dabei waren es nur drei Monate…
    Gelb ist eigentlich so gar nicht meine Farbe (vielleicht weil bei meinen Eltern sämtliche Wände gelb waren – ungeachtet der sonstigen vorhandenen Farben…), aber Euer gelbes Zimmer strahlt so richtig Wärme und Wohlfühlfaktor aus! Ich würde jetzt gern Deinem kleinen Mädchen beim Lesen Gesellschaft leisten oder in Gedanken auf dem Globus durch die Welt reisen!

    Liebe Grüße,
    Karen

  12. ** sagt:

    ein schönes zuhause habt ihr. so warm und es strahlt ruhe aus, freude und kreativität. schön! ich freu mich über deine zeilen und werde mit dem kleinen mann nach den gelben sternen greifen!
    ich wünsche euch ein wunderschönes wochenende und schicke dir eine große portion guten schlaf und neue power! alles liebe!
    herzliche grüße von *lini*

  13. Bianca sagt:

    Das ist ein tolles Zimmer! Ich denke sehr oft an Euch und wünsche Euch viel, viel Kraft für alles, was haustechnisch noch kommt! Ich bin mir sicher, dass am Ende alles so wird, wie Ihr Euch das erträumt habt!
    Liebste Grüße und ein schönes Wochenende,
    Bianca

  14. tüftelchen sagt:

    Liebste Bora,
    toll zu lesen, wie eure Träume Wirklichkeit werden, alles Farbe gewinnt, wohnlicher wird, Gemütlichkeit, Strahlen bekommt.
    Hab auch innig lieb Dank für deine lieben Worte zum Rumpelchen ;-))
    Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende.
    Herzlichst
    dein treu bei dir lesendes tüftelchen ;-)))

  15. Pingback: das lila Zimmer : vorher… | Kirschkernzeit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.