giving handmade: Puppendecke

Zu Weihnachten gab es diesmal bei uns ja auch mal  mal so etwas wie eine klitzekleine Bescherung- zum allerersten Mal seit wir Kinder haben. Kleinigkeiten sollten es sein, simple, sorgfältig ausgewählte Dinge, selbstgemacht, je nach Fähigkeiten und Begeisterung.
Um den Zeit- und Arbeits-Druck so klein wie möglich zu halten, hatten wir ausgemacht, dass jeder von uns (bis auf das Baby) nur eines seiner Familienmitglieder beschenken würde- obwohl ich alle begeisterten Geschenke-Macher natürlich überglücklichst dabei unterstützt hätte, Geschenke für das halbe Dorf zu basteln… Aber alles sollte so zwanglos wie möglich bleiben, in kleinen Schrittchen und ohne Erwartungs-Druck.
Vor allem die Kinder wünschten sich das so. Ich spürte im Gespräch relativ rasch heraus, dass sie sich das noch gar nicht richtig zutrauten, das Ausdenken und Umsetzen einer eigenen Geschenk-Idee, die dann auch wirklich passen würde. Gleich für die ganze Familie zu basteln, schien ihnen einfach… zu viel zu sein… Also kam der Vorschlag mit dem Weihnachts-Wichteln auf; Ein Glücks-Pilz pro Wichtelchen. Das Los sollte bestimmen. Und wer immer es wollte und brauchte konnte sich bei Mama Rat und tatkräftige Hilfe einholen. Natürlich. Jederzeit. Denn den Spass wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Kinder und Werkeln und gemeinsame Geheimnisse… Glücksmomente pur!

Bei Kind2 fiel das Los auf … sein Schwesterchen. Wichteln für ein 3jähriges Mädchen, hmm… Ich war gespannt, welche Gedanken er sich machen würde. Über seine Schwester und ihren ganzen Mädchenkram, Dinge, denen er normalerweise nur wenig Beachtung schenkt, obwohl die beiden praktisch die ganze Zeit zusammenstecken.
Er überlegte kurz. „Was mag sie wohl am liebsten? Ah, ich weiss- ihre Puppen!“ Und bald schon war klar; eine Puppendecke für die vielen, vielen Puppen- und Tierkinder sollte es sein. Noch eine. Denn mein Mädchen sammelt zwar Decken und Tücher, überhaupt jedes Stoff-Fitzelchen, das ihr in die Hände kommt und packt ihre Kinderschar immer doppelt und dreifach ein, warm und dick, bis kaum noch die Nasenspitzen zu sehen sind, aber Puppendecken kann man einfach immer gebrauchen. Wenn man Vollblut-Puppenmutti ist. Und Brockenhaus-Gängerin. Kein Brocki-Besuch ohne ein neues Adoptiv-Kind in der Puppen-Ecke. Oder sagen wir, fast keiner…
Die Puppendecke schien also gerade richtig zu sein. Kind2 war entzückt.

Ich ebenso. Puppendecken sind nämlich so ziemlich das Einfachste, was man nähen kann, und dazu so variabel und inspirierend, dass ich mir im Grunde kaum ein dankbareres Anfänger-Projekt vorstellen könnte. Wie geschaffen für ein 6jähriges Kind, das sich zum ersten Mal so richtig ans Nähen wagt.

Kind2 suchte sich die Stoffe aus, Lila mit weissen Punkten so viel er nur auftrieben konnnte. Denn weissgepunktetes Lila, das ist ihr Lieblings-Stoff, dazu noch ein bisschen mehr Punkte in Hellblau und Schwarz, weil, die sind auch schön, fand er. Ausserdem gehören zu Punkten einfach Punkte. Je mehr desto besser.
Nach ein wenig Kramen in meiner Borten-Dose kam noch ein langes Stück Häschen-Spitze dazu. Und Tatis süsse Margarithen-Borte. Die mochte er ganz besonders gerne. Zwei, drei Web-Band-Restchen. Fertig. Der Stoff aus dem Klein-Mädchen-Träume sind. Mit den Augen ihres Bruders betrachtet.

Leider waren all meine Punkte-Stoffe bloss Fat Quarters und damit zu klein für das Puppendecken-Format, das uns so vorschwebte. Zusammengepatcht passte es aber ganz gut. Und sah auch spannender aus, fand Kind2. Für die Rückseite wählte er ein grosses Stück meines allerliebsten violetten Blumen-Stoffes mit dem ich damals meine „Everything Tote“ aus „Weekend Sewing“ genäht habe. Ein Stück davon hängt übrigens noch immer eingerahmt in der Sofa-Nische.
Das Nähen klappte erstaunlich gut: Kind2 nähte Spitze und Borte auf und steppte die beiden gleichgross zugeschnittenen Stoff-Teile rechts auf rechts aufeinander, nachdem ich alles sorgfältig zusammengesteckt hatte. Zusammenstecken, das ist wichtig bei kleinen Nähern. Möglichst dicht, sonst verrutscht alles so schnell. Die vielen Nadelköpfe im Stoff erinnerten meinen zur Raserei neigenden Jungen (Tja, ein Gaspedal ist ein Gaspedal, richtig?) auch immer mal wieder daran, dass er hier kein Rennen fahren, sondern eigentlich eine gerade Naht zustande bringen wollte. Das Bremsen und Herausziehen der Nadeln brachte immer mal wieder ein bisschen Ruhe in das Ganze. Gottlob…

Beim Auspacken war mein Mädchen mächtig aufgeregt. Und Kind2 erst. Wir alle waren mächtig aufgeregt, denn keiner von uns (okay, bis auf mich) wusste, von wem das Geschenk war, das er da in den Händen hielt. Wichtel-Spannung bis zum Schluss… Schön. Auch das Lachen und Geschichten-Erzählen danach, wo jeder erzählt, wie sein Geschenk entstanden ist und welche Gedanken und ganz persönlichen Hoffnungen und guten Wünsche dahinter stecken. Wunderbar, wenn ein Gegenstand auf diese Art wirklich ein Stückchen Familien-Leben in sich trägt.

Mein Mädchen jedenfalls hat ihr Geschenk längst in ihrer kleinen Welt aufgenommen. Sie passt einfach ganz wunderbar zu ihr, diese Decke, zu ihrer Art zu spielen und zu den Dingen, mit denen sie sich umgibt. Ihre neue Puppendecke wirkt schon so vertraut inmitten all ihrer Sachen, dass es mir warm wird ums Herz. Denn ich sehe; Ein klitzekleines Stückchen Bruderliebe im Spiel eines kleinen Mädchens.

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14 Kommentare zu giving handmade: Puppendecke

  1. Marja sagt:

    Die Zeilen und die Geschichte hinter der Decke haben mich sehr gerührt. Wunderbar! So möchte ich es später auch einmal haben… Herzliche Grüße, Marja

  2. Eine so schöne Geschichte vom Nähen & von der Geschwisterliebe! Und eine so schöne Decke für eine Puppenmutti!
    Das hat mich sehr gerührt.
    Herzlichst
    Astridka

  3. Babsy sagt:

    Eine wirklich berührende Geschichte! Ganz besondere Kinder, deine Kinder! Vor Kind 2 kann ich mich nur in Ehrfurcht verbeugen, dass er sich mit seinen 6 Jahren an die Nähmaschine wagt (ich wage mich mit 37 nicht dran :-), hab allerdings auch keine so tolle Nähbegleitung wie er *gg*).
    Ihr entwickelt gerade einen wirklich sehr, sehr schönen Brauch für euch!
    Alles Liebe Babsy

  4. Katharina sagt:

    Liebe Bora,
    danke für diesen schönen Post! Dass Ihr Weihnachten jahrelang ganz ohne Geschenke gefeiert habt, beeindruckt mich sehr. Ich bemühe mich sehr um einzelne, ausgesuchte Geschenke, aber durch unsere große Familie sammeln sich gerade für die Kinder viele, viele „Kleinigkeiten“ an. Ich möchte aber weder ohne die erweiterte Familie feiern noch den Verwandten die Freude am Schenken nehmen… ein ziemlicher Zwiespalt für mich, aber solange es einigermaßen überschaubar bleibt, lassen wir es so.
    Und dann bin ich überhaupt sehr gerührt von dieser süßen Puppendecke, die dein Sohn für seine kleine Schwester gemacht hat. Die ist sooo schön und von oben bis unten voller Zuneigung, finde ich. Die Liebe zwischen den Geschwistern miterleben zu dürfen, ist doch ein großes Mama-Geschenk, nicht?
    Alles Liebe und ein gutes neues Jahr an Euch alle,
    Katharina

    • Ramona sagt:

      Das geht mir hier bei uns ganz genauso. Gerade dieses Weihnachten hat uns das wieder sehr zum Nachdenken angeregt. Hach, und ich hab ja auch selber so Spaß am Schenken…

  5. amberlight sagt:

    Haaach, ich bin ganz gerührt von deinem Familienlebensbericht und werde eure Idee tief im Herzen für die Zeit bewahren, wenn auch bei uns mal eine Geschwisterbewichtelung möglich ist und das Tochterkind nicht mehr als Einzelkind durchs Leben gehen muss. Ein wunderbarer großer Bruder …

  6. Raniso sagt:

    So berührend Bora, echt! Wenn ich das da so lese, wünsche ich mir auch ein Weihnachtswichteln hier, irgendwann 🙂 Ob du uns wohl auch die anderen Wichtelgeschenke zeigst?
    Ganz ganz liebi grüäss, anja

  7. Ramona sagt:

    Ich wollte neulich schon kommentieren, wie toll ich eure Wichtel-Idee finde! Wow. Und jetzt bei der Umsetzung, da wird mir ganz warm ums Herz. Bin bin gespannt auf die anderen Wichtelgeschenke. Welch ein wunderschöner Brauch!

  8. mme ulma sagt:

    die decke ist wunderschön geworden, die geschichte dahinter so herzerwärmend und rührend … ich bin ganz begeistert: von deinen kindern, von deiner familie überhaupt, von der decke, von der wichtel-idee … einfach schön.

  9. Rita sagt:

    Wunderschön einfach alles;)
    Einen guten Alltags-Wochenstart!
    Herzlich, Rita

  10. Jennifer sagt:

    Liebe Bora,

    ich melde mich nach langer Zeit stillen Mitlesens (ich bin Dir immer treu!) hier auch mal wieder wörtlich und wünsche Dir noch alles Liebe und Gute zum neuen Jahr. Ich kann mich allen Vorschreibern nur anschließen, wie wunderbar und herzerwärmend ich Eure Wichtelidee und speziell die Umsetzung zwischen Brüderchen und Schwesterchen finde. Auch ich hoffe, noch etwas über die anderen Wichtel(geschenke) erfahren zu dürfen…

    Bei uns ist es bisher auch so gewesen, dass wir versucht haben, es bei wenig zu belassen, da ich als Einzelkind früher immer mit Geschenken von Eltern und Oma überhäuft wurde und selber schon immer das Gefühl bekam, ich wäre verwöhnt und gar nicht in der Lage, genügend Dankbarkeit aufzubringen, wie das irgendwie dadurch impliziert wird, auch weil mein Vater entsprechende Bemerkungen machte… Ich möchte, dass das EINZELNE noch geschätzt werden kann. Aber viele geben den Kindern ja gar keine Chance. Und wir versuchen auch, immer etwas Selbstgemachtes zu schenken, aber am liebsten würde ich nur dahin. Wie gesagt bei Euch ist es wunderschön.

    Eine Kommentatorin hier meinte, sie weiß nicht, sie sei im Zwiespalt, weil sie den Verwandten die Freude am Schenken nicht vermiesen möchte… genauso geht es mir auch. Zum Glück (in diesem Fall) ist unsere Familie nicht so groß, aber trotzdem ist es schon schwierig, den Omas diese „komische Idee“ wie sie es sehen werden, zu vermitteln. Ich bin da nicht so gut drin offenbar. Wie ist das bei Euch, verstehen es alle, wie sagst Du es? Oder gibt es nicht so viel Familie, die das anders sehen würde?

    Ganz liebe Grüße,
    Jenny

  11. Sou Enim sagt:

    Bezaubernd.

    Ich muss so ein Wichteln auch bei uns initiieren. Das Fest nach Ramadan scheint dafür gut geeignet und die schwesterlichen Bande könnten auch etwas gestärkt werden, das räumt dann etwas mit dem Gezicke durch das ständige Aufeinanderhocken auf. InshaAllah.

    Ich bin jetzt ganz gespannt, was deine anderen Beiden sich ausgedacht haben.

    LG, sou enim.

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