Poesie gets cozy

Hmmm… So kann man mich seufzen hören. Ganz entspannt. Ich an der Wärme, drinnen, wo ich mich sicher fühle und so behaglich daheim. Und draussen rieselt der Schnee.
Manchmal duftet es nach Frischgebackenem, nach Grittibänzen mit ganz viel Butter und einer Prise Safran oder nach Cookies, wenn Kind1 ein Gspäänli mit nach Hause gebracht hat und ihnen die Ideen ausgehen. Dann winke ich die Kinder jeweils in die Küche und lasse sie in meinen Back-Büchern blättern, vor allem in denen mit Keksen und Kuchen drin… Buttrige Plätzchen, eine Tasse Kaffee oder Tee, meine Stricksachen, lebhaft prasselndes Feuer und eine kleine Schar spielender Kinder… Ist das schon Poesie? Alltags-Poesie? So gemütlich und auf banale, aber berührende Art und Weise poetisch, weil es Dinge in uns anspricht, die wir alle irgendwie gemeinsam haben: Ur-Bedürfnisse. Nach Nahrung, Geborgenheit, Sinn und Liebe.

Während die Schneedecke weiter wächst, spüre ich mit einem Mal, wie wenig wir Menschen im Grunde brauchen, um uns so richtig wohl zu fühlen. Einen zufriedenen Magen, Wasser, geliebte Menschen um uns herum, ein Projekt, das uns erfüllt und nach vorn blicken lässt- und Wärme. Von aussen und innen. That’s it. Für den Moment.

Mir scheint, der Winter bringt genau das ans Tageslicht, viel stärker noch als seine Jahreszeiten-Brüder. Zwischen all der Kälte, dem Schnee und der Einöde, in die die Natur sich eingebettet hat für eine Weile, blitzen die Gedanken und Gefühle auf wie Kristalle in der Sonne. Mir kommt es manchmal so vor, als wäre alles reduzierter, aber irgendwie auch intensiver und klarer erleb-bar. Vielleicht, weil wir auf engerem Raum zusammenleben, mit sehr viel weniger, was uns ablenkt, ganz anders als noch im Herbst, im Sommer oder Frühjahr, wo alles immerzu nach vorne drängt und die Natur uns ruft, zum Pflanzen, Ernten, Erfahren, Entdecken, zum Werken und Wirken…
Jetzt, im Winter, ist es still geworden. Nur das Feuer knistert. Die Ofen-Uhr pfeift und will geöffnet werden. Grittibänzen. Hungrige Kinderbäuche, die auf ihr Zvieri warten. Ein Baby, das in meinen Armen schläft und atmet. Stricknadeln, die ihre immer schwerer werdende Last tragen. Geduldig. Ruhig. Gelassen. Im Winter-Rhythmus.
Poesie, die das Herz erreicht, ganz ohne Umwege.

PS. Wenn ihr euch jetzt fragt, wie um alles in der Welt ich zu so vielene wohligen Seufzer-Momenten komme, als Mama von 4 Kindern, dann lasst mich euch versichern: gar nicht. Also schon… aber nicht permanent. Das bleiben nach wie vor kostbare Oasen in meinem nach wie vor ziemlich banalen, normal-verrückten Familien-Alltag. Doch so ist das nunmal mit der Poesie; sie bleibt rar am allerallerschönsten. Zu viel davon und sie wird begwöhnlich. Oder kitschig. *zwinker*

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15 Kommentare zu Poesie gets cozy

  1. Pünktchen sagt:

    Ach Bora, wann immer ich Dein zuckersüßes Babymädchen sehe, werde ich von wohligen Wogen durchflutet. Bilder können solch‘ unglaubliche Sehnsüchte auslösen. Mich trifft das mitten in mein Herz. So schön.

  2. Raniso sagt:

    Danke Bora für diesen Post, diese Bilder…aber vor allem für das P.S. Ich habe mich nämlich gerade zu fragen begonnen, was ich falsch mache… 😉 Ich merme auch gerade, wie ich mich mit meinen Lieben am liebsten den ganzen Tag gemütlich drinnen einrichte. Nicht immer zur Freude meines Grossen, den es nach draussen zieht und so lange stürmt, bis ich nachgebe und 20min Kinder anziehe, um 1std draussen zu sein und wieder 20min auszuziehen 😉
    Aber eigentlich möcht ich nicht klagen, ich liiiiiebe den Schnee 🙂
    Ganz liebi grüäss, es hat so gut getan am Sonntag! anja

  3. Marianne sagt:

    Liebe Bora, Dein Post… DAS ist (auch) Poesie! Wunderschön geschrieben! Liebe Grüsse, Alchemilla

  4. Rita sagt:

    Wie schön! Das finde ich auch so wunderbar! Dieses Daheim-Gefühl, irgendwie nur im Winter richtig da oder? SChnee deckt alles zu und reduziert auf das Wesentliche;)
    Wir hatten eben Magen-Darm-Grippe. Da wird dann die Welt noch etwas kleiner;) Aber nun ist’s vorbei.
    Wünsch Dir bei Deinen vielen tollen Strickprojekten viel Zeit und Muse!
    Herzlich, Rita

  5. Klara sagt:

    Danke danke danke, für diese schönen Worte! Mein Tag began heute schon um 4.30 h, und immer wenn ich denke, jetzt jetzt hast Du wenigstens eine Stunde ohne all die Kinder, schwups ist das Baby wach und fröhlich, der Vierjährige ist wach, obwohl er immer erst 5vor7auf-die-letzte-Minute wach wird… Seufz!
    Wir sind hier auch viele, und ich fühle mich immer wonnig, wenn ich bei Euch mitlese! Es hilft mir endlich meine dummen Gedanken: nur bei uns ist das so schräg, wenigstens etwas zur Seite zu schieben.

    Viele Grüße
    Klara

  6. Klara sagt:

    Ups: das war zu schnell.
    Lieber Schräg und lustig, als Einsam und traurig! So, jetzt müssen wir los. Habt einen schönen Tag miteinander!
    Grüße Klara

  7. itto sagt:

    solche moment kenne ich – totaler frieden, die geben einem so viel, selbst wenn sie manchmal nur fünf minuten andauern – das sind die kleinen oasen des mutterseins…. wünsche dir viele dieser oasen diese woche.

  8. Steffi sagt:

    Liebe Bora,
    ich komme gerade von draußen rein: Habe den Jungen im Kindergarten seinem Abenteuer des Tages überlassen, das er mit seinen Freunden und unzähligen Lego-Raumschiffen erleben wird. Bin dann mit unserem Hund spazieren gegangen. Raus in die weiße Winterwelt, bepudert von vielleicht zwei Zentimetern Neuschnee. Die Sonne ging über dem Fluss auf, glutrot und in seltsamem Kontrast zum weißen Schnee und den schwarzen Bäumen und Ästen. Die Kormorane glitten übers Wasser, hoch über mir rauscht eine Schar Wildgänse Richtung Süden. Ich denke, jetzt aber schnell, ab in den Süden. Auch im Winter liebe ich es, draußen zu sein, aber auch das Heimkommen, wenn der Mann den Ofen angeheizt hat und mich diese Urwärme empfängt….
    Heute nachmittag werden Weckmänner gebacken, mit der Hilfe zwei kleiner Männer, die sich schon seit dem Sommer auf diese Aktion freuen. Es ist so schön zu sehen, wie leicht man Kinder glücklich machen kann. Das gibt Kraft fürs Mamasein.
    Derweil wächst mein Kind im Bauch schön heran, der Countdown hat begonnen, es sind noch 9 Wochen oder weniger….
    Wie immer hast Du uns einen wunderschönen, poetischen Post beschert! Vielen Dank, liebe Bora.
    Liebste Grüße von Steffi aus Bremen

  9. Roswitha sagt:

    Nur im Winter kann man so weit schauen, innen wie außen;-)

  10. isa. sagt:

    grad gestern habe ich an dem rumstudiert, was du unter “ps“ vermerkt hast. wie du das wohl schaffst, als mutter von vieren, mit einem ganzen haus… wie du das schaffst, nebenbei noch hurtig spinnen zu lernen, zu bloggen wie verrückt, huschhusch hier eine socke und da einen pulli zu stricken, nebenbei wieder mal patchworkkissen zu zaubern, and so on… ja, wie geht das? bei mir ist jeweils schon wieder abend, bevor ich erst in schwung gekommen bin, die wäscheberge ähneln den schneebergen draussen, ach und schon sollte ich wieder einkaufen gehen, in der stube siehts aus als hätte eine bombe eingeschlagen….und mein kläglicher blogversuch scheitert auch immer wieder, weil die zeit so an mir vorbeirauscht. und ich habe nur EIN kind!!! kann man mehr zeit irgendwo ersteigern, erspielen? tipps bitte daher! 😉
    liebi grüess, isa.

  11. ulma sagt:

    wunderschön, wie du mit deinen sätzen ein wohlgefühl zauberst, sodass ich mich – leider (fast) ganz ohne schnee draußen – auch gleich ganz idyllisch-winterlich-vorweihnachtlich fühle. danke dafür.

  12. Kathrin sagt:

    Hallo Bora,
    ich bin schon gespannt, was du da schoenes in Braun- und Altrosatoenen strickst!
    Liebe Gruesse,
    Kathrin

  13. mia lause sagt:

    Hach,deine Worte sind Poesie.Und ich bin so glücklich über sie.Ich liebe es,dass du in den kleinen Dingen das Große sehen kannst und es so schön beschreibst,dass ich es fühlen kann.Ich sehe mich um in unseren vier Wänden und mich durchströmt ein Glücksgefühl.Ich danke dir von Herzen dafür,dass du mich erinnerst.An das erinnerst,was wirklich zählt.

    Liebste Grüße,Mia

  14. Susanne sagt:

    Der Titel des posts hat mich gerade an die Website der Mamabloggerin „Posie gets cozy“ erinnert! Kennst Du das? Ich fand diesen Blognamen immer intrigierend

  15. Pingback: Für mein Baby: Eine Wolldecke | Kirschkernzeit

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