Heute Morgen, kurz vor sieben…

…bete ich, dass mein Babykind noch ein Viertelstündchen länger schläft und mich diesen Post hier schreiben lässt. Ich bin gerne früh wach, aber keine Frühaufsteherin. Das Aufstehen zieht sich immer hin bis zur allerletzten Minute, und dann bin ich sofort mittendrin, umzingelt von hellwachen, hungrigen Kindern und geltungssüchtigen Aufgaben. Wie ich jetzt so hier sitze, ganz für mich allein, schreibe, nachdenke, den Tag langsam kommen lasse, merke ich, wie gut mir das tut. Vielleicht ein erster guter Vorsatz fürs neue Jahr? Morgen-Zeit in aller Stille…

… werfe ich einen Blick ins neue Zimmer von Kind1. Das er ja schon einmal bewohnt hat, bevor er erst ins jetzige lila Zimmer und dann gemeinsam mit Kind2 ins mit dem Kinderspielzimmer verbundene blaue Zimmer zog. Damals erschien es uns allen noch nicht wirklich stimmig, die Jungens zu trennen, aber manchmal geschehen grosse Dinge in so einem heranwachsenden Menschenkind, und das in gar gar nicht mal so langer Zeit, und jetzt, nicht einmal 1 Jahr nachdem Kind1 mit seinem Bruder die dunkeltürkisfarbene Wandfarbe für das neuen Brüderzimmer ausgewählt hat, ist es ganz und gar richtig, dass er hier seine eigene, kleine Kammer bezieht. Sein Reich. Die Zeit ist reif dafür. Für ein bisschen mehr Rückzug. Freiraum. Abstand vom Kinderspielzeug. Ich spüre; das Locken der grossen, weiten Welt wird stärker… „Mein Zimmer soll ein bisschen aussehen wie eine richtige Studentenbude“, sagt Kind1 heute früh zu mir. Hmm…

…trinke ich meinen Kaffee. Schluck für Schluck. Dankbar. Und überlege, wie ich meinen Tag heute gestalten soll. Ich denke ans Aufräumen und Staubsaugen des Spielzimmers, ans Backen von Grittibänzen, an Wichtelgeschenke, ein Winterfest, an den Advents-Kranz, den meine Mama mir heute vorbeibringen wird und an die herrliche Wolle „Andes“, von der ich wohl noch mehr bestellen möchte. Denn die 5 Knäuel, die in meinem Strick-Korb liegen, werden wohl nicht ausreichen für mein neuestes Projekt…

… frage ich mich ernsthaft, wie lange so ein Zahn wohl brauchen kann, bis er endlich durchbricht. Das Babykind jedenfalls scheint schon seit Monaten zu zahnen und sich schrecklich zu plagen mit dem, was da in seinem kleinen Mündchen vorgeht. Es sabbert und greint und steckt sein Fäustchen in den Mund- und nichts passiert. Mal abgesehen vom kleinen Eckchen Backenzahn (!), das schon nach 8 Wochen spür- und sichtbar wurde. Armer Wicht.

… bin ich dankbar für die langsam heilenden Schnupfen-Nasen hier im Haus Kirschkernzeit. Noch schnieft es zwar da und dort, und abends ist aus manchen Betten noch ein trockener Husten zu hören, aber es wird besser, die Krankheits-Welle ebbt ab. Ich habe gelernt, Tee zu trinken. Mit einem Löffelchen Bienenhonig und einem Scheibchen Ingwer im Kochwasser. Und das Wörtchen „Schlaf“ hat definitiv an Wert gewonnen bei mir…

… blicke ich stolz und zufrieden auf meinen allerersten selbstgesponnenen Strang Wolle. Alpaca. Naturweiss. Ganz simpel. Verzwirnt mit dem, was ich grade zur Hand hatte (ein fester Baumwollfaden oder so). Es ist nicht besonders schön, mein Garn. Als ich es Herrn Kirschkernzeit zeigte,  fragte er, nach ratlosem Schweigen: „Das wird aber schon noch besser, oder? “ Denn es hat Knubbel drin, dünne und dick aufgebauschte Stellen wechseln sich ab. Ich weiss auch gar nicht, ob man da jetzt dünne oder dicke Nadeln nimmt zum Verstricken, oder was man überhaupt damit anfangen könnte. Aber das ist auch gar nicht so wichtig im Moment. Ich freue ich auch so, einfach so, über diese paar unvollkommenen, weissen Fäden. Weil ich sie gemacht habe, und das mit viel mehr Freude und Enthusiasmus, als ich es mir je hätte träumen lassen. Und ja, lieber Herr Kirschkernzeit, das wird bestimmt noch besser. Hoffe ich zumindest…

Habt einen wunderbaren Tag, ihr alle da draussen!

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11 Kommentare zu Heute Morgen, kurz vor sieben…

  1. Tinki sagt:

    Guten Morgen Bora,

    ich finde Dein Garn wunderschön. Es wird immer Dein erstes Garn bleiben und es ist etwas besonderes. Andere versuchen krampfhaft solches „ART-YARN“ herzustellen mit allen Techniken – Also bitte stelle Dich nicht unter den Scheffel – Es ist Kunst-Garn – kann das denn der Herr Kirschkernzeit nicht sehen? Ich würde es mir sehr dicken Nadeln stricken, vielleicht ein Kissenbezug, oder ein kleiner Fußteppich, für warme Füße unter dem Schreibtisch!
    – vielleicht ist ja auch gar nicht so dick, wie es hier aussieht.
    Ganz liebe Grüße an den Großen Jungen, der nun langsam in die Phase des Erwachsen werden kommt. Spielzeug wird wohl weniger und andere Dinge kommen hervor. Ich glaube, daß ihr es richtig macht und ihm einen eigenen Raum gebt!
    Und Deine Kleine hat hoffentlich bald ihr Zahnproblem geschafft!
    Liebe Grüße Tinki

  2. Roswitha sagt:

    Das erste Garn ist immer etwas besonderes! Mir hat man immer gesagt „So wirst Du später nie wieder spinnen können“. Das stimmt. Wenn man es erstmal gleichmäßig kann, ist es schwieriger es wieder so ungleichmäßig hin zu bekommen. Was man dann nämlich eventuell wieder möchte, weil es lebendiger aussieht.
    Es hat einen sehr besonderen Reiz, Dein Garn. Ich kann mich noch genau an meine große Freude und Zufriedenheit erinnern.
    Ich bin gespannt auf Deine nächsten spinn-Fotos.

  3. amberlight sagt:

    Wunderschön ist deine Wolle geworden und genau so, wie sie am Anfang sein sollte – wurde mir in meinem Anfängerkurs zumindest gesagt und später, wenn man’s dann ganz gleichmäßig kann, wünscht man sich wohl, dass man dieses ursprüngliche Knötchengarn wieder hinbekommt. 😉 Ansonsten rate ich dir, dass du deine erste gesponnene Wolle einfach bis Ostern aufhebst und so was machst: http://amberlight-label.blogspot.de/2012/04/osternest.html

  4. Pünktchen sagt:

    Ich spüre die Lust, mit der Du bei der Sache bist. Wie schön das ist, etwas so Wunderbares mit eigenen Händen herzustellen.

  5. Pünktchen sagt:

    Ich spüre die Lust, mit der Du bei der Sache bist. Wie schön das ist, etwas so Wunderbares mit eigenen Händen herzustellen. Viel Freude wünsche ich Dir auch weiterhin beim Spinnen.

  6. Rita sagt:

    Da ist wieder ganz viel los bei Dir;) Der Tag gefüllt mit allerlei Lebendigem. Die Wolle sieht wunderbar aus, ich liebe dieses ungerade, dickwerdende oder einfach insich verdrehte sehr. Lass den Strang einfach mal so, wie er ist. Eine Idee kommt von ganz alleine;)
    Wünsche Dir weiterhin eine kleine Zeitoase, damit Du etwas für DICH machen kannst!
    Herzlich, Rita

  7. Ausgefüllte Tage hast du zu planen. Die Sprünge, die die Kinder manchmal so machen, kommen mir grad sehr bekannt vor. Mein großer Junge ist auf einmal auch so richtig GROSS geworden. Noch vor kurzem konnte ich ihm mir nicht in der Schule vorstellen, und plötzlich ist er fast ein ganz anderes Kind! Auf einmal hätte ich keine Bedenken mehr, selbst wenn er ab sofort allmorgendlich in Richtung Schule marschieren müsste. Er wird das schon machen und darf ja auch noch bis zum nächsten Herbst „reifen“. Manchmal wünsche ich mir auch den Luxus eines Hauses, in dem so viel Raum für alle ist. Wo man Zimmer hin-und hertauschen kann und jeder sein eigenes Plätzchen findet. Das fehlt uns leider. Wir beten gerade für den richtigen Ort für uns, etwas mehr Luft zum Atmen, Platz für die Wäsche im Winter und etwas Eigenes für jedes Kind. Wir müssen einfach mal abwarten, was uns über den Weg läuft. Denn leider wissen wir noch nicht mal selber, was denn nun gut für uns wäre, wo wir auf Dauer leben wollen und wie …

    LG Doro

  8. Raniso sagt:

    Hihi, für eine Studentenbude ist es aber schon noch ein wenig früh 😉 Ich bin sehr gespannt, wann unser Grosser das Zimmer nicht mehr mit seinen Schwestern teilen mag. Bis jetzt findet er es wunderbar. Ich hoffe, das bleibt noch eine Weile so, wir haben schliesslich nicht wirklich viele Zimmer zur Verfügung… 😉
    Deine Wolle finde ich wunderbar. Ich habe einmal welches mit einer Handspindel gesponnen, das sah ganz ähnlich aus.
    Ach gell, diese Zähne immer… So eine langwierige und schmerzhafte Angelegenheit 🙁 aber jedes Mal auch faszinierend.
    Du, dein Cafe-Bild gefällt mir sehr! So stimmig 🙂
    Ganz ganz liebi grüäss und vollständige Genesung im Hause Kirschkernzeit, anja

  9. Papillionis sagt:

    Wie eine Studentenbude? Das geht ja früh los … außerdem nicht wirklich erstrebenswert (oder hatte ich das einfach zu lange?)

    Viele vorweihnachtliche Grüße,
    papillionis

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