What makes me happy: Oasen

Alltag im Hause Kirschkernzeit. Mit 4 Kindern in vollkommen unterschiedlichen Kindheits-Abschnitten und einem grossen, nimmermüden Familienhaushalt scheint sich mein Hamster-Rad zu drehen und zu drehen und niemals still zu stehen.
Ich laufe. Ich laufe und laufe darin – und immer kommt mehr. Weil… so ist das Leben. Es drängt nach vorn, stellt Ansprüche, legt Bedürfnisse frei bei jedem Einzelnen. Es verlangt immer wieder frische Mahlzeiten (wobei das Wort „frisch“ bei uns momentan nicht allzu wörtlich zu nehmen wäre *räusper*), hinterlässt Schmutzwäsche, dreckige Teller und sehr viel Lachen, Lärm und aufgebrauchte Luft. Und Kinderzeichnungen. Lego-Kunstwerke. Puppenkinder, die überall (wirklich!) ihre Schläfchen abhalten. Gemeinsame Erlebnisse. Erreichte Meilensteine. Pläne für die Zukunft. Gesprächs-Fetzen, die noch lange im Raum hängen bleiben.
So ist es, das Leben. Mein Leben.
Und in all dem Trubel stehe, bzw. laufe ich. Und halte Ausschau nach jenen kostbaren Momenten der Ruhe, der Hast-Losigkeit und Schönheit. Es gibt sie. An eigentlich jedem noch so gewöhnlichen Tag. Irgendwo mittendrin…

drinnen

Es gibt sie, ja. Aber ich muss mich trauen, sie zu sehen und auch zu ergreifen. Das Strickzeug hervorholen, obwohl ich ganz genau weiss, dass ich es allerspätestens nach 5 Minuten wieder weglegen werde. Eine kleine Patchwork-Arbeit wagen (wie verwegen!), ganz in Etappen zerlegt und auf mehrere Tage (und Nächte) verteilt, wo andere vielleicht 2 Stündchen freies Wochen-Ende dafür brauchen würden. Meinem Baby beim Schlafen zusehen und die Stille geniessen. Mich durch neue Bücher blättern und ein wenig vor mich hinträumen. Mir nachts ganz insgeheim noch eine weitere Episode „Bill Cosby-Show“ gönnen und die Welt sich drehen lassen…
Diese Momente sind so ungeheuer wichtig und gross-artig für mich. Sie nähren und beleben mich, und das ist manchmal bitter nötig. Ein klitzekleines Stückchen … Idylle, das kurz sich kurz für mich auftut.

draussen

Wo die Blätterdecke unter meinen Füssen raschelt und die kühle Luft sich wie eine schützende Decke zwischen mich und meine dummen Sorgen, meine endlosen Wünsche schiebt … auch da finde ich immer wieder wirkliche Alltags-Oasen. Zum Ankommen, Auftanken, die Dinge neu ordnen und die Gedanken reduzieren. Hier draussen bin ich für einmal wieder Wunsch-los Ich. Alles andere bleibt zuhause. Oder verflüchtigt sich irgendwo zwischen den Wolken am Himmel.

Vieles von dem, was ich mir erträume, ist im Moment nicht möglich, das sehe ich ein. Ein schöner, neuer Patchwork-Quilt? Muss warten. Eine Baby-Strick-Decke? Muss warten. Richtig geputze Küchen-Schränke? Ein Tag für mich ganz alleine? Nächte ohne Unterbruch? Mein Bauernhaus mitsamt Schaf-Herde? -All das wird seine Zeit finden, eines Tages, daran halte ich mich fest, aber im Moment stehen einfach ganz andere Dinge im Vordergrund, und ich sage mir wieder und wieder: „Hey, it’s the little things.“ Das grosse Glück im Winzigkleinen, Oasen mitten im allergewöhnlichsten Hausfrauen-Alltag mit Schnupfennasen-Kindern und zahnendem Baby, mit Geschwister-Zwist und schmuddeligem Badezimmer. It’s the little things. Ganz bestimmt.

Also halte ich die Augen weiterhin offen und versuche, sie zu erkennen
und -für einen Moment- festzuhalten und zu geniessen,
meine Oasen.

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12 Kommentare zu What makes me happy: Oasen

  1. Marta sagt:

    Oh Bora, Du bist (schon wieder) PERFECT! Was Du schreibst passt genau zu meiner Stimmung und obwohl ich NUR 2 Kinder habe….na ja…Hamster sagst Du? Hmmm….Ich denke ich weiss was Du meinst!
    Liebe Grüße, suche Deine Oasen, wir finden die, immer wieder, bestimmt!

  2. Frau nima sagt:

    Oooooh die Cosby-Show – da werden Erinnerungen wach! Da wünsch ich euch ganz viel Spaß beim Anschauen und behalte dir deine Oasen – sie sind soooo wichtig!

    Alles Liebe nima

  3. Tinki sagt:

    Ach – ich denke, daß sind ganz normale Bedürfnisse, die als Mutter wohl öfter vorkommen. Man möchte etwas erschaffen und macht doch so viel, man möchte etwas erreichen und hat doch eigentlich schon fast alles erreicht, ABER wenn man keine Träume mehr hat, dann hat man kein Leben mehr! Also vergiss nie zu träumen, aber liebe das Leben, welches Du führst. Das ist wohl gar nicht immer so einfach ( Denn jedem geht es wohl mal so, daß man zweifelt, daß man neidet, daß man zu sehr wünscht ). Ich wünsche Dir Kraft, weiter das schöne in dem Leben zu sehen, die Ziele nicht aus den Augen zu verlieren und das Leben zu genießen!
    Ganz liebe Grüße Tinki

  4. Maria sagt:

    Liebe Bora, wie wahr deine Worte wieder sind und wie sehr sie berühren. Danke dafür. Liebe Grüße von Maria

  5. Raniso sagt:

    Jajaja! Danke Bora wieder einmal von Herzen für das in Worte fassen meiner eigenen Situation! Eigentlich wollte ich längst einen Post darüber schreiben, aber ich glaub, ich verlinke einfach deinen, darf ich?! Da wäre Zeit gespart und ausserdem hätte ich nie so treffende Worte gefunden… Und die Bilder! Sie sind zauberhaft!
    Weisst du, meine Mutter hat mich letzthin gefragt, ob ich mir nicht eine Entlastung suchen möchte, zum Beispiel in puncto Putzen. Du kannst dir also etwa vorstellen, wie unser Bad, die Küchenschränke oder der Kühlschrank aussieht im Moment *schauder*… Dabei wäre ich ja eigentlich eine ziemlich pingelige Hausfrau… Nur, wenn ich nicht arbeite, verbringe ich sie Zeit viel lieber mit den Kindern, bin in einem seeehr beschränkten Rahmen kreativ tätig oder mache auch mal gar nichts.
    Schön wie du deinen Blick auf die süssen Momente im gewöhnlichen Alltag lenkst! So wertvoll und überlebenswichtig, nicht?!
    Ganz liebi grüäss und än knuddel, anja

  6. Rita sagt:

    Ich getrau mich ja hier kaum zu posten, durfte ich doch erst drei wunderbare Auftanktage verbringen. Kaum Daheim, war der Alltag schon wieder präsent…..;)
    Ich wünsch Dir ebenfalls ganz fest mal DIE Gelegenheit, dass Du mal raus kannst!!! Kopf verlüften, ect.
    Alles Liebe, Rita

  7. Sanne sagt:

    liebe Bora,
    hattest DU Geburtstag????
    wenn ja, von Herzen alles Gute, wenn nein, dann trotzdem oder auch!
    Bill Cosby mag ich auch so furchtbar gern.
    heute war ich mit meinem Mann in „die Wand“, das Buch kennst du sicher von Marlen Haushofer.
    eine kleine Zeitinsel für uns und die wünsche und gönne ich dir auch, du bist da schon auf einem sehr guten Weg.
    herzlichst
    Sanne (wieder mit vieren daheim, viereinhalb)

  8. Sara sagt:

    Hallo Bora
    Du schreibst es wieder mal genau auf den Punkt.
    Oasen, wie ich mich im Moment danach sehne!!! Wir sitzen hier immer noch mit Kranken, nichts läuft so rund wie es sollte…..
    Ein Untersuch mit der Grössten beim einem Kinder-Cardiologen liegt mir auch noch auf dem „Herzen“ (ach wie passend) im Dezember…
    Wir müssen unsere Oasen geniessen!
    än schöönä Tag
    Sara

  9. Ina sagt:

    Ja, Du hast völlig recht. Ich muß nur hingucken & mich nicht dauer-antreiben lassen. Danke, so rückt es wieder mehr in meinen Vordergrund – die Schönheit im Leben mit den Kindern.
    LG Ina

  10. diese feinen kleinigkeiten zu sehen, sehen zu KÖNNEN im hamsterrädchen-alltag, das ist so wichtig fürs wohlergehen! und wie zauberhaft es dir immer wieder gelingt, dies zu beschreiben.

    was mich besonders freut, ist, daß ich die kleinigkeiten in meinem vor-mama-leben zwar gesehen habe, daß sie aber neben größeren zielen eher aus dem blickwinkel gerieten. wie dankbar bin ich dem leben mit meinen kinder, daß es mich den blick auf die kleinen dinge zu lenken gelehrt hat! (jaja, und manche mag denken, tsss, diese mütter, die sich mit so kinkerlitzchen zufrieden geben… ICH finde es großartig!)

    alles liebe!

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