noch so ein Socken-Post

Ach, ihr Lieben… Ich komme mir gerade furchtbar langweilig und einseitig vor; schon wieder ein Sockenpost. Schon wieder Wolle und hangdefärbtes Garn (unter anderem) – und das alles noch immer mit derselben alten Begeisterung. Zumindest meinerseits *grins*.
Diese Liebe rostet nicht und jetzt schon gar nicht, denn mittlerweile ist es hier bitterkalt in den frühen Morgenstunden oder abends, wenn die Sonne untergeht. Die Wärme des Tages reicht nicht mehr aus, um das Haus aufzuheizen. Die Kälte bleibt einfach kleben in den dicken, alten Steinmauern, aber für die Zentralheizung ist es doch noch ein bisschen zu früh. Also dicke Wollpullis und Socken, manchmal sogar zwei übereinander, das hilft selbst gegen die allerfrostigsten aller Herbst-Tage, drinnen wie draussen.

Ausserdem ist das Socken-Stricken zur Zeit so ziemlich das Einzige, was sich irgendwie zwischen diese hunderttausend kleinen aber gewichtigen Aufgaben meines Hausfrauen-Tages schieben lässt. Vielleicht spielt mein Mädchen ja tatsächlich für eine fröhliche Viertelstunde ganz zufrieden mit ihren vielen Puppenkindern, und die Jungens lesen ganz versunken ihre Donald Duck Comics, und vielleicht habe ich sogar das seltene Glück, dass mein Babykind sich neben mir hinlegen lässt, sogar Gefallen findet an den klappernden Nadeln und dem langen Wollfaden, der sich so schön langsam zwischen seinen Fingerchen durchschlängelt, wenn es ihn zufällig zu fassen kriegt…
Vielleicht, vielleicht, wer weiss…

So eine Wollsocke ist rasch und geduldig; schnell ausgepackt und problemlos wieder angestrickt, sogar wenn das letzte dieser glücklichen Viertelstündchen (oder Fünfminütchen) schon etwas länger zurückreicht. Lebens-Elixir in kleinen Happen. Aber auch das macht satt und ist besser als gar nichts.

Und das Gefühl, wenn sie dann fertig ist, die 2. Socke (aber auch nur schon eine einzelne, man lernt ja bescheiden zu sein, nicht wahr?), dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich gut, warm und erfüllend. Man kommt sich fast schon erfolgreich vor mit einem Paar selbstgestrickten Woll-Socken an den Füssen (auf den letzten drei Fotos übrigens meine allerersten Woll-Socken in Grösse 39, doppelfädig gestrickt mit Brigittes handgefärbter Sockenwolle „Herbstfeier“, nach dem genial einfachen Strickmuster “ Foggy“)…

Etwas, das ich geschafft und geschaffen habe, ein kleiner Erfolg inmitten einer Horde nimmermüder Anforderungen, die immer wiederkehren, kaum glaubt man, ihnen endlich Herr geworden zu sein. Mein Wäschekorb könnte ein Liedlein davon singen, glaube ich *zwinker* Oder mein Fussboden, besonders in der Küche, wo ich meistens staubsauge, kurz bevor er von neuem mit Brosmen und sonstigen Essens-Partikeln bekleckert wird, weil es mir beim Tisch-Decken erst so richtig auffällt, wie schmutzig er schon wieder ist… Besonders, wenn ich neue Wollsocken an den Füssen habe. Dann werde ich nämlich urplötzlich und ganz gegen meine Gewohnheit etwas pingelig, was Schoko-Kuchen-Krümel oder Ovi-Pulver am Boden angeht… Wenigstens die ersten paar Stunden, bis ich mich an den Gedanken gewöhnt habe, dass auch Woll-Socken -und sind sie noch so selbstgestrickt- schlussendlich zum Benutzt-Werden da sind. Auch sie leben nicht ewig. Dafür intensiv. Und bei mir wohl noch ein bisschen intensiver

Zu Kinder-Socken habe ich eine sehr viel entspanntere Beziehung als zu denjenigen in grossen Grössen. Vielleicht weil sie sehr viel rascher gemacht sind, gerade bei so kleinen Füssen wie denen meiner beiden Mädchen, vielleicht aber auch deshalb, weil Kinderkleider für mich wirklich absolute Verschleiss-Artikel sind, die man zwar flicken und blätzen und stopfen wird, die aber vor allem zwei Dinge tun sollen: Warm halten und bequem sein. Sehr. Was gestrickte Socken ja bekanntlich bestens hinkriegen.

Mein Mädchen mag ihre auf alle Fälle ganz gerne, ihre roten Erdbeer-Socken. Von denen es eine ganze Weile lang bloss eine einzelne einsame Erdbeer-Socke gab. Weil für eine 2. Socken so auf die Schnelle kaum Zeit blieb… Wie gesagt, diese glücklichen Pausen vom Alltag, in denen das Strickzeug hervorgeholt wird, sind zwar herrlich, aber ziemlich rar.

Keine Ahnung übrigens, warum ich sie so nenne, „Erdbeer-Socken“. Das Rot mit dem orangen Einschlag und den feinen hellgrünen Partien erinnern mich einfach ganz unheimlich an frische Sommer-Erdbeeren mit einem Klecks Schlagrahm. Die Wolle dazu heisst nämlich eigentlich ganz anders, viel feuriger und gar nicht mal süss : „Red Chili“, eine „Fabel“ von Drops.
Spannend, die Assoziationen, die so ein Knäuel bunte Wolle in einem weckt. Das ist wie Bilderwandern vor dem geistigen Auge.

Bei dieser blauen Wolle zum Beispiel musste ich sofort ans Wasser denken, an blaue Lagunen, laue Nächte und frische Gischt, die der Wind einem ins Gesicht weht. Tatsächlich heisst sie auch „Blue Lagoon“ und ist ebenfalls eine „Fabel“ von Drops.
Kind2 hat sie ursprünglich für sich ausgesucht. (Das gemeinsame Socken-Wolle-Aussuchen mit meinen Kindern gehört  für mich immer zu den absoluten Highlights meines Mama-Alltags. Ich meine, Wolle und Kinder und gemeinsames Tagträumen von Stricksocken und dergleichen- wie könnte mein Herz da unberührt bleiben?)

Als das Babykind sich dann immer deutlicher ankündigte und mich der allerheisseste Monat des Jahres damals buchstäblich nach Luft schnappen liess, holte ich eines der beiden Lagunen-Knäuel hervor und schlug ganz spontan ein paar Maschen an. Grösse Extra-Klein für mein kommendes Babykind. Für ein bisschen Frische und Zentrierung in all dem Gewühl jener Tage.

Mittlerweile ist mein Babykind drei Monate alt, und ich kann es  kaum fassen, dass diese Söckchen, die ich -so kommt es mir vor- vor langer, langer, vor unglaublich langer Zeit einmal begonnen habe, voller Vorfreude auf dieses neue, unbekannte Wesen und mit der ganzen Unsicherheit einer sich langsam vollendenden Schwangerschaft, meinem kleinen, kugeligen Mädchen jetzt gerade noch knapp an seinen Füsschen passen. Eben noch schwammen sie darin und schienen so zerbrechlich… und heute… ?
Es wird nicht mehr lange dauern, schon wird ein neues, grösseres Paar nötig werden, um diese süssen, runden Knubbelzehen darin einzupacken…
Wohin all die Zeit wohl fliesst?

Und gibt es wirklich keinen Knopf, um sie einmal kurz anzuhalten, die Zeit? Nur für eine kleine Weile, nur solange bis ich mich sattgesehen habe am kleinen Wunder, das jetzt hier bei mir (in meinen Armen mehrheitlich) lebt und atmet und mit seinen kleinen, wollsockenbefinkten Babyfüsschen strampelt…

Oder für eine dieser kurzen goldenen Strick-Pausen, in denen ich gleichzeitig Socken herannadle und Glücks-Stoffe tanke…

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11 Kommentare zu noch so ein Socken-Post

  1. Rita sagt:

    Wie schön Du wieder schreibst! Ich hab es erst kürzlich selbst erfahren dürfen, wie schön doch das Sockenstricken und das Danach sein kann;)
    Und was mir besonders gefällt, der Nutzen, das ist das Grösste gell. Mir wird es immer wichtiger, dass aus meinen selbst hergestellten Sachen auch ein „Nutzen“ darin steckt. Die Socken sind doch das Beste! Und für mich ist das Stricken der Socken eine wunderbare Sache! Es gibt nicht mehr viele, die das können!
    Drum bringe nur noch mehr so Socken-Posts! Mich freut jeder!
    Ganz herzlich und schau gut zu Dir, Rita

  2. Sanne sagt:

    liebe Bora,

    das letzte Bild ist einfach entzückend! Ich sitze hier strahlend vor´m Rechner und freue mich mit dir.
    Oh, sie sieht euch sooo ähnlich, ja, ein richtiges Bora-Familien-Kind!
    herzlichste Grüße und immer öfter kleine Strick -oder andere Kreativmomente für dich, weil alle Kinder gesund, munter und zufrieden mit sich und der Welt sind
    Sanne

  3. Pünktchen sagt:

    Liebe Bora, ich schrieb ja schon einmal, daß wenn dieses zauberhafte Wesen in’s Bild rückt, ich blind werde für alles andere. Auch wenn ich zugeben muß, daß auch ich sehr gerne immer mal wieder Socken stricke. Nur seltsamerweise mag ich sie überhaupt nicht tragen.Und ja, bitte gib‘ mir unbedingt Bescheid, wenn Du den Knopf gefunden hast,mit dem man die Zeit anhalten kann. Ich suche seit Jahren vergeblich danach.

  4. amberlight sagt:

    Die immer-nur-eine-Socke-pro-Winter-Strickerin könnte täglich Sockenposts von dir lesen … durch deine Privattür schauen zu können, ist immer wieder großartig.

  5. Anu sagt:

    ..habe gerade ein bisschen bei Dir gegüxlät–nett ist es bei Dir! Liebe Grüße von der Insel, Anu

  6. Frau nima sagt:

    Also ich finde deine Posts überhaupt nicht einseitig 😉 Und ausserdem – kann man denn über selbstgestrickte Socke jemals zuviel schreiben? Sie wärmen doch nicht nur die Füsse 😉

    Ich wünsch dir viel Spaß in deinem Sockenfieber – und dein Babykind ist einfach zuuuu süß!

    Alles Liebe nima

  7. Raniso sagt:

    Aaaah ja, habe gerade auch über die rasende Zeit geschrieben… Es geht alles sooo schnell 😮
    Dein Baby und auch die Söckchen sind entzückend! Nur weiter so, ich mag deine Posts, ausnahmslos alle!
    Und jetzt muss ich dringendst ins Bett, es ist höchste Zeit! 😉
    Ganz liebi grüäss, anja

  8. Stefanie sagt:

    Socken stricken können ist doch ein Schatz und davon kannst du doch gerne berichten =) Ich les da gerne mit.

  9. mia lause sagt:

    Ich denke,wir bekommen nicht genug von deinen Socken,der handgefärbten Wolle,deinem niedlichen Baby und den fabelhaften Bildern.

    Liebe Grüße,Mia

  10. Elli sagt:

    So schöne Bilder vom Sockenstricken und vom Baby.
    Dieser Blog gefällt mir sehr gut.

    Ganz liebe Grüße von den Internetfreaks.

  11. Pingback: Mein Februar … | Kirschkernzeit

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