Monatsarchive: September 2019

Aus meinem Tagebuch: Was zählt

Drei Schnappschüsse aus einer kleinen Reihe von Bildern, die ich gestern kurz zwischen Stillen, Wickeln, Bilderbuchleserunde und allem anderen geknipst habe: Mein Baby. Mein Junge. Mein süsses, knuddeliges, pausbäckiges kleines Babykind, das jede Minute dieser Tage mit seinem Duft, seinem scheinbar unstillbaren Hunger, mit der ganzen, intensiven, bezaubernden Präsenz des Neugeborenen erfüllt.
Mein Kamera-Chip bleibt dementsprechend leer. Obwohl es so viel Neues, so viel Wunderbares, so viel Wunder-volles gäbe, das ich festhalten möchte… Doch ich halte es anders fest, nicht mit Sucher und Fotoarchiv, dafür mit den Armen, meinen Händen, meinen Augen und einem übervollem Herzen. Ich bin niemand, der eine Kamera im Gebärsaal braucht. Oder im Wochenbett. Nicht einmal mein Handy hatte ich dabei, als dieses kleine Wunder zur Welt kam. Ich brauche diese Freiheit vom Abbilden-Sollen und Verewigen-Müssen. Der Moment vergeht. Immer. Aber zuvor möchte ich ihn erleben. Ganz und gar.
Und später freue ich mich einfach an den Bildern und Memoiren, die entstehen durften, an den wenigen dafür umso mehr vielleicht…?

Im Augenblick bin ich noch mit Haut und Haaren und ganzem Herzen damit beschäftigt, zu verarbeiten, was geschehen ist. Es war eine gute Geburt. Trotz Einleitung. Trotz meinen Zweifeln, damit das Richtige zu tun und einem immensen inneren Widerstand gegen dieses „diktierte Gebären auf Knopfdruck“, „nur“ weil die Medizin aus irgendwelchen Statistiken ein erhöhtes Komplikationsrisiko unter der Geburt aus meiner Schwangerschaftsdiabetes liest. Ich bin sehr obrigkeitsgläubig. Ich vertraue den Ärzten. Sie haben Wissen, das ich nicht habe und Erfahrungswerte, die mir ganz klar fehlen, Bauchgefühl hin oder her. Trotzdem habe ich schwer gehadert mit diesem Beschluss. Mit dieser Art von Geburt. Die Art und Weise, wie heute mit sogenannten Geburts-Risiken umgegangen wird, die permanent wachsende Kaiserschnitt-Rate (in der Schweiz angeblich 25 bis 50 Prozent!) die so manche Hebamme mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis nimmt (auch meine übrigens, erst heute habe ich mit ihr darüber gesprochen), all das verunsichert mich zutiefst. Ich weiss nicht mehr genau, wen ein Arzt schlussendlich im Fokus hat, wenn er sich entscheidet, in eine Geburt einzugreifen und das Ruder an sich zu nehmen; Denkt er an mich als Mutter? An das Baby? An den guten Ruf seines Spitals? An sich selbst?
Ich habe immer mehr den Eindruck; Je weniger die Medizin darauf vertraut, dass der Körper selber agieren, heilen, Kräfte entwickeln kann, dass er über ein intuitives „Wissen“ verfügt, welche Mechanismen er ins Rollen bringen muss, um zu überleben, gesund zu werden oder ein Kind zur Welt zu bringen… desto mehr wird die Natur in uns zum Schweigen gezwungen. Mit Medikamenten. Mit OPs. Mit Eingriffen aller Art. Und dabei bröckelt auch unser eigenes Selbstbild vom kompetenten Menschen mit einem machtvollen Körper und ureigenem Wissen.
Ich bin kein Medizin-Gegner. Im Gegenteil; Ich würde mich durchaus zu den Schulmedizin-Anhängern zählen. Ich impfe alle meine Kinder gegen praktisch alles, was die WHO empfiehlt und habe keinerlei Gewissensbisse, bei Kopfschmerzen eine Schmerztablette zu schlucken oder einem Kind mit Ohrenweh ein Zäpfchen zu geben anstelle der oft gepriesenen Zwiebelwickel. Ich mag Pflanzenheilkraft, Kräutertees und Tinkturen, aber wenn es hart auf hart kommt, greife ich auch mal zur Chemie- und bin wahnsinnig dankbar dafür, dass es diese Möglichkeiten gibt für mich. Dass ich derart frei wählen kann. Dass ein grosses Fachwissen und unglaubliche Fähigkeiten im medizinischen Bereich sich wie ein Schutzschild über uns spannen… oder wie ein sicheres Netz, das uns auffängt, wenn wir fallen.
Bei dieser Geburt allerdings drehte sich der Spiess ein wenig: das Fangnetz wurde zur Fänge. Weil es die Möglichkeit der Absicherung gab, wurde sie vorausgesetzt: Mein Baby sollte fix am errechneten Geburtstermin zur Welt kommen, weil die Medizin der Statistik mehr vertraut als der Weisheit der Natur.
Und ich habe zugestimmt.
Wohl war mir nicht dabei. Überhaupt nicht.
Aber noch unwohler hätte ich mich gefühlt, hätte ich die ärztlichen Kompetenzen radikal in Frage gestellt und darauf gepocht, dass das Baby seinen Zeitplan selber wählen darf. In dieser Beziehung bin ich ein Feigling. Eine Selbst-Zweiflerin. Und es ging ja nicht nur um mich; da war ein kleines Menschlein, das ich auf alle Fälle und mit ganzer Kraft schützen wollte. Auch gegen meinen Willen. Irgendwie.
Nun; falsch war diese Entscheidung sicher nicht. Mein kleiner Junge kam so entspannt zur Welt, so kerngesund und reif für diese Welt wie bisher keines meiner Kinder. Kaum war er da, öffnete er die Augen, nahm all die neuen Eindrücke ruhig und mit stillem Erstaunen in sich auf und strahlte dabei eine unglaubliche Gelassenheit und einen tiefen Frieden aus. Ich glaube, für ihn war alles richtig so, wie es war. Da war Geborgenheit, da war Herzlichkeit, da war so viel Wärme und Menschlichkeit, die mich, meinen Mann und dieses Kind an diesem Tag durch diese so aussergewöhnlichen Stunden begleitet haben. Man liess uns Zeit, achtete auf meinen Körper, griff so wenig in die natürlichen Abläufe der Geburt ein wie nur irgend möglich und fragte vor, während, nach jedem weiteren Schritt nach, bevor man einen nächsten setzte. Die Hebammen waren wunderbar. Mein Mann genauso. Und im Grunde veränderte der Wehentropf die Abläufe dann gar nicht so sehr: 4.5 Stunden nach dem Ansetzen der Infusion, die man nur zögerlich und in kleinen Dosen erhöhte, lag ein rundes, vollkommenes kleines Bubenbündelchen in meinen Armen und suchte nach der Mutterbrust. Ein wenig länger als meine anderen Geburten. Ein bisschen schmerzhafter auch. Aber wahnsinnig bewusst erlebt und fokusiert und aktiv verarbeitet. Eigentlich war es schön. Es fühlte sich eigen an. Nicht eigentlich fremdbestimmt. Obwohl es genau das war.

Die letzten Tage über habe ich viel mit einer sehr guten Freundin gesprochen. Über dieses Erlebnis. Über diese für mich neue Art von Geburt. Über meine Zweifel, mein Erleben, was das alles mit mir gemacht hat. Noch immer macht. (Jede Geburt löst jeweils ungeheure Emotionen und Prozesse in mir aus.) Manchmal nagt etwas in mir und an mir. Sonderbare Gefühle des Versagens. Diese Stimme, die mir trotz allem einreden will, es nicht richtig gemacht zu haben. Etwas Wichtiges ausgelassen, in Dinge eingegriffen zu haben, die irgendwie nicht angetastet gehören. Vielleicht wäre es auch ohne eine Geburtseinleitung gegangen. Vielleicht war alles nur Panikmacherei und ich eine Frau mehr, die sich entmündigen liess davon. Vielleicht wäre es richtig gewesen, der Natur ihren Lauf zu lassen.

Aber schlussendlich kommt es nicht darauf an: während ich diese Zeilen hier schreibe, liegt ein süsses kleines Baby neben mir auf dem Bett und schläft mit geballten Fäustchen in seinem Häkeldecken-Kokon. Es geht ihm gut. Mir geht es gut. Mein Mann und ich teilen die Erinnerung an intensive, aber schöne, bewegende, innige Stunden im Gebärzimmer, an die Anfänge einer neuen Menschengeschichte, die begleitet wurden von wunderbaren Frauen, die es gut mit uns meinten. Diese Zeit trägt ihren eigenen Zauber. Dem bin ich verfallen. Und meinem Babykind. Mit allem, was ich bin.
Das ist, was zählt.

PS. Habt meinen innigesten Dank für die lieben Worte und guten Wünsche zur Geburt meines Kleinen! Dass das erste Foto zuerst auf Instagram veröffentlicht wurde und nicht hier im Blog, das war mir eigentlich gar nicht recht; ich fühle mich hier so wohl und verbunden, dass ich an sich viel lieber hier zuerst diese schöne Neuigkeit verkündet hätte… Aber wie das eben so ist; mit dem Handy geht alles verlockend schnell und unkompliziert. Und ich komme so selten dazu, meinen Laptop aufzuklappen, Fotos zu knipsen, sie auf meinen Computer zu laden und entspannt dazu zu schreiben…
Instagram wird wohl meistens schneller sein.
Aber mein Blog bleibt persönlicher, offener, der Ort, an dem ich wirklich erzählen möchte… Habt Dank für euer Zuhören. Die liebevollen Feedbacks. Das bedeutet mir sehr viel, ehrlich.

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, Dankbarkeit, Kinder | 8 Kommentare

Strata Top

Wie grauschleierig und schattenreich das Licht wird, sobald die Sonne kurz nach vier hinter den Bäumen verschwindet, erkennt man spätestens dann, wenn man versucht, am späteren Nachmittag Fotos im Garten zu knipsen… Aber schlimm finde ich das nicht. Ich mag diese kontrastreichen Momente. Sie sind so friedlich. Ein bisschen Vergänglichkeit und Abschied nach der wohltuenden Wärme dieser freundlichen Septembertage. Die Beete sind halbleer, die Blätter noch knapp grün, die Luft lau und leicht, das Leben scheint einfach.
Nur das mit der Wäsche hätte mir früher einfallen sollen: das Zeitfenster, in dem die nassen Sachen draussen trocknen, wird immer kleiner. Sobald die Sonne sich hinter die Baumwipfel schiebt, bleiben sie über Nacht an der Leine, denn die Restwärme des Tages hat zu wenig Kraft und die Luft wird rasch feucht. Heute Abend wird es also keine nach Garten duftende, frischgewaschene Bettwäsche zum Reinkuscheln geben…
Aber dafür ein paar Bilder meines vor einer Weile fertig gewordenen „Strata-Tops“ von „Sew Liberated“. Ein Shirt, das ich sehr liebe und das mich zuverlässig durch diese Schwangerschaft begleitet hat. Weil es sowohl ohne als auch mit kugelrundem Babybauch unglaublich bequem und -wie ich finde- auch recht schmeichelhaft sitzt. Beim Schnittmuster sind laut (Sewing Liberated) eigentlich alle Nahtzugaben und so quasi auch der „Postitive Ease“ für einen angenehm luftigen, befreienden Sitz bereits integriert, man kann also ganz einfach den eigenen Körper ausmessen und dann nach der Anleitung gehen. Für mich kam Grösse M dabei heraus, was wohl die haargenau richtige Wahl ist, nur schon weil ich es ohnehin lieber mag, wenn ein Kleidungsstück mich mehr umschmeichelt als satt umfasst. Die vordere Kurve am unteren Saum, die war mir aber doch ein bisschen zu stark gerundet. Also habe ich vielleicht 3-4 cm nach unten zugegeben und den Kurvensaum damit ein wenig begradigt. Verlängern geht immer, würde ich sagen. Je nach Kleid oder Shirt, Rock oder Jeans passt mal diese, mal eine andere Länge. Doch den Schnitt an sich, den mag ich richtig gerne. Genauso wie den Stoff, ein feines, dicht gewobenes Leinen. Die Farbe pendelt irgendwo zwischen Aubergine und Weinrot und Braun, eine schöne Mischung meiner liebsten Beerentöne irgendwie.


Ein Teil von mir sehnt sich nach ein paar freien Morgen, um noch ein bisschen weiter zu nähen. Ein Strata Top aus Double Gauze wie Soulemama damals. Oder aus ungebügeltem, olivegrünem Leinen. Noch mehr Herbstfarben und handgemachte Sachen, die mich in eine nächste Phase begleiten; in eine Zeit, in der ich ein winzigkleines, bedürftiges Wesen Tag und Nacht auf meinem Arm herumtragen werde, wo sich alles darum dreht, es zufrieden, sicher und geborgen durch seine ersten Tage, Wochen, Monate zu begleiten… Doch es bleibt nicht mehr viel Zeit. Und da warten ein klitzekleines, braunes Babyjäckchen (Puerperium Cardigan) und ein paar schlichte, braune Stulpen im Perlmuster darauf, noch rechtzeitig fertig zu werden, um dieses Kindlein würdig zu empfangen. Ich spüre; Für mein nächstes Strata Top wird die Zeit wieder reifen müssen…

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Rosy-Green-Pebble in Türkis

Herrliches Wetter lockt draussen. Und ich sitze hier drin am Laptop und tippe so rasch, dass meine Finger nur so fliegen, diesen kleinen Strick-Post hier. Die Mädchen wollen unbedingt noch zum Spielplatz rüber… Wer könnte es ihnen verübeln? Und weil ich nicht immer nein sagen kann (Ich hasse Spielplätze!), habe ich ja gesagt und hoffe nun, dass sie mit dem Zusammensammeln ihrer Puppenkleidchen und Puppenwägelchen immerhin soviel Zeit vertrödeln, damit ich hier fertig werde…

Okay: Diese türkisfarbene Babyweste für das winzigkleine Babymädchen einer Freundin, das in etwa 1 Woche nach meinem eigenen kleinen Strampelkind zur Welt kommen soll, liegt schon länger zum Einpacken bereit. Ich erinnere mich gut, wie ich Wolle (gut 1 Strang Rosy Green Big Merino Hug in der Farbe „Laguna“), Stricknadeln (4.5) und die ausgedruckte Anleitung („Pebble“ von Nikol Lohr, auf Deutsch auch hier in meinem Blog zu finden) damals in den Sommerferien mitgenommen habe zum Fluss, mitten in der allergrössten Hitzewelle und mit schmerzendem Becken, weil der Babybauch so rasant wuchs in jener Phase und der Sommer mich permanent in Bewegung hielt. Das Wasser plätscherte ans Ufer. Die Sommersonne brannte. Die Kiesel unter meinen Füssen waren heiss wie Ofenplatten. Und alles wirkte so ferienhaft, gleissend hell und bunt und luftig und die Farbe meiner Wolle passte einfach wunderbar…
Für die Knöpfe musste ich ein wenig stöbern gehen. Ich hätte mir kleine gelbe Sonnen gewünscht für diese sommerlich meeresblaue Weste. Erdbeeren. Oder knallrote Kirschen auf hellem Grund. Irgendwas jahreszeitlich Prägnantes. Aber Sonnen gab es keine, all die Früchtchen waren beim Strickcafé praktisch ausverkauft, und mit den bunten Knöpfchen (18mm) hier bin ich meiner Vision dieser Weste doch immerhin ganz schön nahe gekommen.
Passend dazu habe ich im Secondhand-Shop eine kleine, leuchtend orange Babyhose entdeckt mit einer absolut hinreissenden Wal-Applikation auf der Rückseite. Ich weiss jetzt nicht, ob ich selber meinem Baby so eine Farbe anziehen würde… wahrscheinlich eher nicht, wenn ich mir die Farbpalette meiner eigenen Babygarderobe mit ihrem Weiss, Braun, erdigen Grün, mit lauter moosig-waldigen Erdfarben so anschaue. Aber die Mama dieses kleinen Mädchens liebt starke Farben. Sie sieht selber immer wie ein Paradiesvogel aus, fröhlich, lebhaft, voller Energie und zieht Rot, Blau oder Gelb meinen Naturtönen ganz klar vor. Ich glaube, diese Hose hat nur auf sie gewartet. Genau wie diese Pebble es tut. Und das lustige Bastel-ABC von Sabine Lohf, das bei uns als Evergreen und ständiger Geheimtipp im Bastelbuch-Regal steht, fleissig durchblättert und als Muse genutzt wird, das muss einfach mit ins Päckchen. Allein schon der Farben wegen. Und weil ich es ganz, ganz toll finde.
Gestrickt: schon lange. Fotografiert: heute nachmittag. Verpackt: heute abend, denke ich. Verschenkt: demnächst!

Und jetzt wird es Zeit, Rutschbahn und Schaukel einen Besuch abzustatten, wie ich von unten her höre. Die Puppen sind eingekleidet, die Mädchen ungeduldig. Nun denn, los geht’s…

PS. Noch kurz die Masse der Pebble: ca 27cm hoch, 20cm breit

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Wimpel-Girlande

Diese Fotos sind alt. Juli-alt. Aus einem Sommer, der sich nun definitiv zu verabschieden scheint. Mit dem September kommen Herbstlichttage, ja, das vielleicht, aber die üppige, schwelgerische Wärme und Fülle des Sommers, die verblasst. Mit jedem neuen Morgen ein bisschen mehr.
Ich weiss nicht genau, wieso ich so wehmütig bin. So nostalgisch. Von „guten alten Tagen“ spreche, zu mir selbst zumeist, aber ihr, die ihr hier mitlest, bekommt gerade auch eine ordentliche Portion dieser schwermütigen Sommer-Sehnsucht ab, ich weiss. Es ist nicht so, dass ich den Herbst nicht mag. Ich vermisse nur irgendetwas. Irgendwas zutiefst… Sommerliches. Leider weiss ich nicht recht, was es ist.

Heute blieb mein Kindergartenmädchen zuhause. Genau wie gestern. Sie quält sich mit Bauchschmerzen, die attackenweise kommen, ihr die Tränen über die Backen kullern lassen- und dann wieder gehen. Manchmal schläft sie. Manchmal spielt und lacht sie, als wäre alles in bester Ordnung. Sie isst und trinkt. Oder liegt matt und traurig auf dem Sofa und rührt keinen Bissen an. „Ich wünsche mir, ich hätte nie mehr Bauchweh.“
Um ehrlich zu sein; ich bin ein wenig ratlos. Es wirkt nicht dramatisch schlimm, das Ganze, aber auch nicht wie etwas, was man in den Kindergarten mitnehmen sollte. Ruhe, ganz viel freie Zeit, Tee, wenn sie mag und so viele Knuddels und Vorlese-Zeiten, wie sie mir möglich sind- ich glaube, mit dieser Medizin kommen wir momentan am weitesten. Und wenn es Montag nicht besser sein sollte, möchte ich, dass der Arzt sich das Kind mal genauer ansieht.
Ich selber bin gerade sehr müde. Diese Woche konnte ich bisher keinen einzigen Abend die Augen länger offen halten als bis zum Ausschalten der Kinderzimmerlampe. Und all meine schönen Pläne von nachmittäglichem Kuchenbacken, Gartenbeete-Aufräumen, Herbst-Socken- oder Babysachen-Stricken verloren sich zwischen weissen Bettlaken oder Sofadecken, weil ich meine Nachmittage mehr verschlief, verdöste oder ziellos vertrödelte als mich um die Dinge zu kümmern, die ich mir eigentlich als Aktiv-Wohlfühl-Programm vorgenommen hatte. Einmal musste sogar Netflix als Babysitter herhalten. Ich brauchte so wahnsinnig dringend eine Runde Schlaf. Mitten am hellichten Nachmittag.

Heute fühle ich mich allerdings nicht schlecht. So gut wie ausgeruht, würde ich sogar sagen. Wäre mein dicker Bauch nicht immer im Weg und mein linker Fuss, der die 15 zusätzlichen Kilo scheinbar nicht mehr recht zu tragen vermag, würde beim Gehen und Bücken nicht so fies zwicken und zwacken, dann wäre ich wohl jetzt der Putz-Derwisch des Hauses und könnte mich in ein paar Stunden über ein paar hübsche Örtchen im Haus freuen. So aber werde ich mich wohl hinsetzen, die Kinder und mich bereits zum 2. Mal in dieser Woche mit Peppa Wutz berieseln lassen und dabei dann doch noch -endlich- zu meinem Strickzeug greifen.
Natürlich, ich könnte auch Bilderbücher erzählen, ein, zwei Runden Memory spielen, den Nachmittag irgendwie pädagogisch sinn- und wertvoll mit ihnen verbringen… aber ganz ehrlich; mir ist einfach nicht danach. Heute ist ein Filme-guck-Tag. Ein wir-machen-jetzt-einfach-mal-gar-nix-Tag. Das muss jetzt einfach sein.
Und diese herrlich aktiven Sommer-Tage, an denen ich scheinbar endlos Energie und Zeit aufbrachte, um meine Näh-Kommode zu entrümplen und gleichzeitig diese süsse, bunte, kleine Wimpel-Girlande als Last-Minute-Einweihungs-Geschenk für meine Schwester A. zu zaubern, so quasi aus dem Stehgreif und an einem einzigen, wonnig-sonnigen Sommerferienmorgen… Diese Tage kommen zwar auch nicht wieder. Aber ähnliche. Solche, die mindestens so elanreich und schwungvoll sein werden. Wo ich elanreich und schwungvoll sein, Kraft verspüren und ganz viel Lust auf alles haben werde.
Alles hat seine Zeit.
Gestern.
Heute.
Morgen.
Auch übermorgen.
Oder so.

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