Monatsarchive: September 2018

in der Vergangenheit

Ich wollte zuerst „gewöhnlich“ über diesen Post schreiben. Und auch davon berichten. Dass nichts geschieht. Im Moment. Alles ist so normal und langweilig wie eh und je. Aber gleichzeitig stimmt es nicht, das mit dem „gewöhnlich“, denn irgendwie geschieht gerade auch sehr viel, einfach innerlich, nicht aussen.
In den letzten Tagen war ich immer ein wenig… abwesend. Mental und emotional. Nicht so recht bei der Sache und auch öfters am Handy als sonst, als normalerweise, wo ich nicht wirklich oft darauf herumtippse, sondern versuche, den Fokus auf das zu legen, was vor mir liegt und wirklich wichtig ist im Augenblick, also auf die Kinder hauptsächlich und auf so ordinäre Dinge wie eine Mahlzeit, die gekocht werden will und ein Bett das noch rasch in allerletzter Minute vor dem Schlafengehen bezogen werden sollte, während die Bettwäsche noch immer draussen in der Dämmerung flattert (oh ja, es wird früher dunkel, ich sehe es und ja, ich fange allerlei an und vergesse es dann).
Ich kenne solche Phasen. Seifenblasentage. Sie haben keinen offensichtlichen Grund, nur Auslöser. Ich verschwinde ein wenig in mir selbst. Denke nach und werde still dabei, versunken in einer sonderbaren Welt, die sich in sich selbst einigelt, ohne einsam zu sein dabei. Meistens begleitet mich ein Grundgefühl von träger Sinnlichkeit, entrückt, sensitiv und beobachtend und empfänglich für alles, was emotional stärker schwingt. Und fast immer muss ich über irgendwas sinnieren. Übers Landleben. Über das Muttersein. Über den Mut historischer Figuren, anders zu sein, ihr Leben gegen alle Konventionen nach ihrem Herzen zu leben. Über fremde, mir schier unvorstellbare Möglichkeiten, zu leben und zu werden und der Realität völlig neue Wendungen zu geben.

Im Augenblick ist es gerade der englische Bürgerkrieg der 1640er Jahre, der mich regelrecht fesselt. Ich bin wie besessen, lese alles dazu, was ich finden kann, Internetseiten hauptsächlich, deshalb auch meine exzessivere Handynutzung. Die Ideen dieser Zeit, unglaublich grosse und bahnbrechende, ja irrsinnige Ideen für diese Phase der Geschichte, bewegen mich, auch wenn Themen wie persönliche Freiheit, Rechtsschutz und Gleichheit vor dem Gesetz und den Menschen für mich ja heutzutage selbstverständlich sind und mich nicht mehr gross in Begeisterung versetzen können.
Aber wenn ich mir vorstelle, was damals in England vorgegangen sein muss… bekomme ich Gänsehaut. Dieses radikale Umkrempeln in den Köpfen und Tagen der Menschen, für die ein König Gott sein konnte, abgekoppelt von Gut und Böse, das eigene Leben winzig und vergänglich wie ein Regenbogen. Plötzliche Möglichkeiten in buchstäblich alle Richtungen. Und keiner weiss, wann der Wind umschlägt, wer das Rennen macht,  ob bald die ganze Welt in Flammen steht. Ich möchte nicht tauschen, auf keinen Fall, aber der Tumult dieser Revolution vor der eigentlichen Revolution (die in Frankreich, meine ich), fasziniert mich zutiefst. So wie die 68er Bewegung es tut. Woodstock. Die Studentenbewegung. Der Exodus in die „Neue Welt“.

Der Film „The Devil’s Whore“, in dem es gar nicht um Huren geht und an sich auch nicht um den Teufel, obwohl er darin vorkommt, hat genau dieses Gewichtige, dieses Alles-oder-Nichts beeindruckend in Bilder und Lebens-Geschichten gefasst und dem Thema „English Civil War“ für mich ein Gesicht gegeben. Er ist extrem blutrünstig, dieser Film, keine Frage, wirklich zu grausam und anschaulich für eine Frau wie mich… aber das Gefühl stimmt. Und fliesst. Macht Hunger nach mehr. Wissensdurst.
Historische Filme wie dieser sind zwar eigentlich too much für mich. Aber nicht ganz unmöglich.
Wenn, dann schaue ich sie mir übrigens folgendermassen an: Ich klicke mich zuerst in grossen Steppstich-Schritten voran, springe sofort weiter, wenn es zu viel wird für mich. Bis ich in etwa weiss, ob ich es wagen kann, genauer hinzuschauen und ob es sich überhaupt lohnt. Manchmal lasse ich es ganz sein. Manchmal sehe ich mir auch bewusst das Ende zuerst an, nur um vorgewarnt zu sein. (Ich brauche zumindest einen Hauch von Happy End! „The Devil’s Whore“ hat keines.). Manchmal habe ich aber auch Feuer gefangen und muss es unbedingt wissen. Dann spuhle ich den Film behutsam voran, in kleineren Schritten und versuche, mir zu merken, wo es schlimm wird oder unheimlich oder Bilder kommen, die ich gar nicht sehen will. Vielleicht habe ich jetzt bereits genug Informationen bekommen und mein gefilterter Einblick reicht aus. Vielleicht aber auch nicht. Dann setze ich mich nochmals hin und sehe mir den Film richtig an, überspringe aber dabei aber all meine persönlichen Delete-Szenen und hoffe, nichts Gravierendes dabei zu verpassen. Wenn ich Pech habe, klappt das allerdings nur mässig und ich rätsle nachher wie wild an nun doch irgendwie schleierhaften Windungen herum oder an Anspielungen auf Momente oder Dialoge, die ich ausgelassen habe. Es kommt tatsächlich vor, dass ich mir den Film deswegen nochmals anschaue (Himmel, ja ehrlich! Auch ich finde das krass) oder dass ich wie vergiftet in Rezensionen oder Summaries nach den Auflösungen suche (ich kann sehr verbissen sein).
Bei „The Devils‘ Whore“ kam ich echt ins Rotieren; zu viele Kriegs- und Kampf- und Hinrichtungsszenen, bei denen ich mit geschlossenen Augen und den Händen auf den Ohren dasass, hinterliessen schlussendlich mehr Fragen als Antworten, und da mir das englische Fach-Vokabular zu geschichtlich-politischen Dingen nahezu völlig fehlt, bekam ich zuerst wirklich nur einen Bruchteil der Handlungen mit, obwohl ich mich bereits ein wenig eingelesen hatte ins Thema und nun auch in etwa wusste, was ein „Leveller“ war oder ein „Roundhead“ oder so. Aber egal; Noch mehr Nachlesen, Schmökern, Nachdenken, Vergleichen, die Lücken füllen.
Ich brauche das gerade.
In fremde Zeiten entschlüpfen.
Manchmal bin ich recht extrem.

Ich glaube, es ist die Aufbruchstimmung an sich, die mich anzieht in all dem. Leidenschaften, hehre Ziele und der Mut zur Tat. Zu wissen, dass Unmengen an Menschen die Geschichte dieser Welt, meiner Welt, zu dem gemacht haben, was sie heute ist, manche unwissentlich, rein durch ihr kleines, scheinbar bedeutungsloses Leben, andere mit voller Hingabe einer Idee verpflichtet, die sie für das Beste hielten, was uns allen geschehen konnte. Ich meine… alles, was heute ist, was wir haben oder sind, hat seine ureigene, lange, lange, lange Geschichte. Und für jede Freiheit, jede Wahrheit, jeden Neu-Anfang wurden Opfer gebracht. Opfer verlangt auch, was ich nicht verherrlichen möchte, denn Krieg ist immer schrecklich, und Revolution nichts anderes als Krieg, eine Macht, die das unterste zuoberst kehrt und Veränderungen erzwingt, für die niemals alle bereit sind. Und doch folgen alle nach. Oder gehen unter. „Was sich nicht beugt, wird brechen.“
Das stimmt mich nachdenklich.
Aber auch dankbar in gewisser Weise. Dankbar für alle jene Menschen, die für mehr Gerechtigkeit, für die Befreiung und den Schutz der Schwachen gekämpft haben, für das Gute (nur was ist es, das Gute?) Gerade für mich als Frau wäre das Leben ein vollkommen anderes, ein engeres und leidvolleres, würde ich die Uhr zurückdrehen bis ins Jahr 1642… Und doch; wieviel Blut geflossen ist, selbst für jeden „guten“ Sieg, kann man sich wohl kaum vorstellen. Und will es auch nicht. „So many blood for so little.“

Die Fotos oben sind übrigens absolut nicht verlinkt mit diesem Text hier. Wie denn auch? Es gibt keine Bilder zu den drehenden Rädchen in meinem Kopf oder zu der Seifenblase, die mich gerade umgibt. Aber es sind Einblicke in das Leben, das ausserhalb von alldem weiterläuft, rings um mich herum, die Kinderspiele, die welkenden Blumen und das Licht der Sonne, das nachmittags warm ist und abends so schnell blass und blau. Langsam tröpfle ich zurück. In meinen Alltag. Seifenblasentage sind nicht dafür gemacht, lange zu bleiben. Sie bewegen sich ständig entlang ihrer Hülle, fliessen an sich selbst hinunter, werden dünn und dünner, bis sie zerplatzen.
Und alles wieder so ist.
Wie immer.

 

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dies und das

Ich habe mir überlegt, wieso die Pausen zwischen meinen Posts mittlerweile konstant lang und länger bleiben. Die Zeit. Die Zeit ist es. Sie fehlt an allen Ecken und Enden. Aber das ist nur ein Teil des Ganzen; manchmal habe ich auch einfach das Gefühl, nichts zu sagen zu haben. Es geschieht so wenig hier, so wenig, was zu erzählen sich lohnt, denke ich manchmal. Ich führe ein unspektakuläres Leben, eines, in dem sogar eine Zugreise zu meiner Patentante sich anfühlt wie ein waschechtes Abenteuer, über das ich am liebsten gleich Seitenweise schreiben würde, wäre da nicht… eben… die Zeit, die fehlt. Im Grunde ist das schade. Ein Blog ist so etwas Feines, gerade auch weil es keine grossen Inhalte braucht, um einen Grund zum Schreiben zu haben, ganz anders als bei Kolumnen oder Zeitschriften-Artikeln, wo es ausgefeilt sein soll und gut erzählt, am liebsten mit Pointe oder Augen-öffnenden-Erkenntnissen.
Ein Blog darf auch trivial sein.
Das ist eine enorme Freiheit.
Eigentlich.
Man muss sie nur nutzen, sich daran freuen, berichten zu dürfen ohne Leistungsdruck. (Gottseidank gibt es hier keine „Thumbs-up“-Buttons!) Und manchmal muss man sich auch wieder ganz bewusst daran erinnern, wie frei diese Freiheit tatsächlich ist, und dass es auch Kurz-Posts sein dürfen, „like Instagram“, kurz und knapp und alltäglich und keine grosse Sache, für die man ewig braucht und erst noch einen klaren Kopf (den kaum einer noch beisammen hat, so nach Feierabend).
Ich habe also so überlegt und nachgedacht und mir wieder einmal vorgenommen, mich öfters hinzusetzen für ein paar Zeilen und ein, zwei Bilder, und mit der Kraft der Gewohnheit auch die Hemmschwelle, die sich bildet, wenn zu viel Zeit blog-los verstreicht, niedrig zu halten, niedrig genug, um beschwingt einen Schritt darüber zu machen, „kurz nur“, und mehr von dem festzuhalten, was gerade geschieht.
Ob es gelingen wird?
Keine Ahnung.
Wenn nicht, dann soll es wohl so sein. Instagram ist auch schön. Mit einer Hemmschwelle, die keine mehr ist, so fix geht es und so banal dürfen die Inhalte sein. Für einen Blogpost pro Kirschkernzeit-Woche reicht es bestimmt und allemal, selbst mein einfaches Kuchenkrümelleben.

Was im Augenblick so geschieht hierzulande: Der Sommer geht. Langsamst. Minischrittchen für Minischrittchen, so quasi quasistationär (bei diesem Wort kommt mir immer mein Physiklehrer vom Gymnasium in den Sinn mit seinem lustigen Papa-Moll-Schnurrbart und dem niedlichen Aargauer-Dialekt). Ich bin nicht erpicht darauf, ihn ziehen zu lassen (den Sommer), auch in diesem Jahr nicht. Der Herbst ist wunderbar, keine Frage, und ich liebe ihn heiss und innig, doch ich weiss auch, was danach kommt und auf den Winter könnte ich gut und gerne verzichten, er betrübt mich von Jahr zu Jahr mehr und wer will das schon, selbst wenn es Weihnachtsplätzchen gibt…
Die Sonnenblumen weinen schon leise mit mir. Ich sammle ihre Tränen ein und nehme mir vor, im nächsten Jahr noch mehr von ihnen zu pflanzen. Eine ganze Garde der Solidarität.
Die Kinder basteln und malen und spielen wie wild. Mein ganzes Haus gerät ausser Kontrolle, weil eine Legion von Buntstiften, Zeichnungen, Spiel- und Kuscheltieren das Kommando übernommen hat, und ich kann von Glück reden, wenn ich abends auf dem Sofa noch ein freies Plätzchen finde für mich und meinen Laptop und Hercule Poirot. Gestern habe ich „Der Tod wartet“ gesehen und war ein wenig erschrocken; sobald es um Gewalt an Kindern geht, ist meine Schmerzgrenze überschritten, egal wie angedeutet sie auch sein mag. Überhaupt gehört die „Collection 10“ nicht unbedingt zu meinen Lieblingen. Zu viel Verbrechen und zu wenig Romantik. Ich mag es, wenn es zwischendurch ein bisschen knistert, ein klitzeklein wenig nur, das reicht schon aus. Meine allerliebste Folge Poirot ist vielleicht auch darum „Das unvollendete Bildnis“, bisher zumindest, aber es fehlen ja noch ein paar Episoden („Collection 11“ ist unterwegs!). „Der Orientexpress“ und „Der Wachsblumenstrauss“ finde ich auch besonders besonders, aber der Künstler-Haushalt in „Das unvollendete Bildnis“ hat einfach meinen soft Spot berührt…
Was sonst noch?
Hm…
Ich habe sonntags ein 2.Strickprojekt angeschlagen, ein silbergraues Zwergenmützchen aus dem Rest „Asia“ von Lang Yarns, den ich noch hier hatte, und sonderbarerweise überlege ich seit gestern nacht hin und her, ob ich nicht  -für mich äusserst untypisch- ein 3. Projekt anfangen soll. Ich stricke niemals 3 Dinge gleichzeitig. Mich macht das nervös. Aber irgendwie habe ich gerade Lust darauf. Auf ein bisschen Abwechslung und mehr Woll-Variation auf meinen Nadeln. Ausserdem; Zwergenmützchen und Hercule Poirot? Geht nicht. Da wäre ich vollkommen überfordert. Beides verlangt meine volle Aufmerksamkeit und ich glaube, keiner will teilen in diesem Fall. Darum bleibt das Zwergenmützchen (für meinen winzigen Neffen L., oh er wird entzückend darin aussehen!) ein Fall für die Mini-Pausenmomentchen tagsüber. Und der grüne „Tama“-Pulli meiner Kleinsten, der gerade so schön glatt rechts zu stricken ist (kurz vor dem Abketten des Körperteils!) gehört ganz dem lieben Hercule, denn da brauche ich kaum Augen oder Konzentration fürs Arbeiten, da werkeln meine Hände schon fast von selbst. Aber ein kleines, einfaches 3.Projekt für wenn’s auch bei „Tama“-kopflastiger wird, wäre schon ganz nett.
Schal?
Decke?
Mütze? Soulemama hat gerade so ein schönes Mützen-Muster gestrickt, da könnte ich tatsächlich schwach werden… Allerdings sieht klein und einfach anders aus, wenn ich es mir so recht überlege. Mehrere Farben und Fäden übersteigen definitiv meinen Bereitschaftsgrad an Fokus und Gedankenkraft im Augenblick, also… vielleicht doch eher Schal? Oder Decke? Oder Beinstulpen?
Fragen über Fragen.
Herbstanfangsfragen wohl.

PS. Ach ja, wieso ich das Foto meines Tochterkindes mit einem ihrer Schützlinge eingereiht habe, wollt ihr wissen? Keine Ahnung. Weil ich es so hübsch fand vielleicht? Es erzählt so viel. Ganz ohne Worte.

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Ich mag…

… wie Kind1 mit ein paar seiner Kumpels Kochvideos von Youtube als Grundlage nutzt, um selber ein wenig am Herd zu experimentieren und seine Versuche via Audio mit den anderen zu teilen. Das macht einfach Spass. Schon beim Zusehen. Und auch beim Probieren und Diskutieren. Immerhin ist Kind1 der erste in diesem Haus, der jemals irgendwas fritiert hat. Was mich echt ein bisschen stolz macht. Die russischen Teigtaschen jedenfalls, die Kind1 eines Nachts ziemlich spät aber souverän in seiner Pfanne voll Öl gebrutzelt hat, werde ich wohl niemals mehr vergessen (Danke, Boris aus Russland!). Dass er mir danach auch noch brav und aus absolut freien Stücken die ganze Küche wieder aufgeräumt hat, auch nicht. Gut gemacht, mein Sohn.

Ich mag… dass Kind2 seinem grossen Bruder insofern nacheifert, als dass er dessen Leidenschaften für sich selber prüft und dann vielleicht das eine oder andere mitmacht. Oder einfach selber ausprobiert. Indem er russischen „Kompot“ macht zum Beispiel, einen erstaunlich köstlichen und tadellos hausgemachten Frucht-Drink aus reifem Obst, Wasser, Zitronensaft und genügend Zucker (aber nicht zu viel, es soll ja kein Sirup werden). Ich war zuerst sehr skeptisch, doch jetzt bin ich ein erklärter „Kompot“-Fan, der sich von nun an ganz neu auf jede Himbeer- und Zwetschgen-Saison freuen wird- und endlich weiss, was aus den tiefgekühlten Früchten im Keller werden wird, sobald kalt und grausig der Winter einzieht (nochmals dank an Boris!)…
Kind2 hat seine kulinarische Neu-Entdeckung übrigens gleich nach dem Testlauf nochmals gekocht und unseren Milch-Kessel damit gefüllt; für den nächsten Schultag. Damit sein Lehrer (und die Klassengspäänli) auch einmal probieren können. Irgendwie rührend, oder?

Ich mag… die Freude, die einem überkommt, wenn man glaubt, das perfekte Geschenk für einen lieben Menschen gefunden zu haben. Oder zumindest ein ziemlich gutes.
An diesem kleinen Geschenk-Korb voller hausgemachter Dinge für meine Schwester E. hatte ich selber grosse Freude. Waschmittel aus eigener Produktion ist darin, Holunderbeeren- und Blütensirup, Thymian-Honig und Zitronenverbene-Tee aus der Kräuterspirale, ein Glas Johannisbeer-Gelee von dieser Ernte und das kleine Einhorn-Lavendel-Kissen, in das ich mich selbst ein bisschen verguckt habe beim Nähen (oh, dieser Print!). Es hätte noch mehr darin Platz gehabt und ich bin sicher, beim nächsten Körbchen wird noch das eine oder andere dazu kommen…

Ich mag… die Freude, die es macht, selber schöne Post zu bekommen. Ich meine, schaut euch das an; die zauberhaftesten Blüten-Ladies ever! Mamaniflora kann nicht nur wunderbar von Pflanzen, Wald und Feld erzählen, sie zeichnet auch ganz grossartig! Ich bin schlichtweg hingerissen von ihren Bildern (und ihrem Blog, ihrem Wesen) und musste einfach einen kleinen Satz Postkarten bei ihr bestellen. Die Idee ist, jeweils ein 3er-Set in meine nächsten Kräuter-Kraft-Geschenk-Körbe zu packen, als schöne Ergänzung zu Teemischungen, Kräuterhonig, Tinktur und Sirup, aber auch sonst… wie hätte ich widerstehen können?
Im grauen Päckchen liegt übrigens bei einem Extra-Set Karten (die ich ganz für mich behalten werde!) eines von Mamanifloras Traum-Kissen. Kräuterduftig. Und einfach zauberhaft. Genau wie ihr süüüüüüüssssssses, selbstgemaltes Anhängerchen, das mich an Russland, Matroschkas und die herrlichen Stickereien des Ostens erinnert… Hach…

Ich mag… wenn die Dinge sich bewegen. Wenn Räume sich verändern. Besser werden. Organisierter, angepasster an die Menschen, die darin leben, an ihre Bedürfnisse und die Art und Weise, wie sie leben. Über dem weissen, selbst gezimmerten Board, das in der Stube beim Basteltisch steht, hingen bisher grosse Rahmen mit Kinderzeichnungen. Das war zwar hübsch, aber wenig praktisch, denn eigentlich, eigentlich fehlt uns vor allem Stauraum, Platz für all das Bastelzeug, die Bügelperlen und Pinsel und Papierstapel und Scheren und Stifte und so, die hier tagtäglich benutzt werden. Das weisse Board reicht nie und nimmer. Und in der Kommode steckt bereits all mein Nähkram (oder ein Teil davon *hüstel*).
Unten im Keller lagert gerade die Lösung für unser Dilemma; ein von Herrn Kirschkernzeit gezimmerter Holz-Aufsatz, der nach dem Streichen noch lackiert werden muss und später dann, ganz ähnlich dem alten Buffet in der Küche, als Aufbewahrungs-Ort für allerlei Vielbenutztes dienen soll. Und als kleiner Show-Room für diejenigen Bastelarbeiten -hauptsächlich die 3-Dimensionalen wahrscheinlich- die irgendwie nirgendwo sonst ein gutes Plätzchen zu finden scheinen (alle Fensterbretter sind längst besetzt). Ich freue mich wie verrückt darauf! Auf mehr Ordnung, mehr System. Und darauf, dass dieser Tisch auch mal wieder frei wird…

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Start in den Septmember

Oje… wie konnte nur so viel Zeit vergehen, ohne dass ich es auch nur ein (!) Mal (!) an den PC zum Texten oder Fotos rüberladen geschafft hätte…
Ich kann es mir selbst nicht erklären.
Oder doch?
Ja, es war viel los hier. Unheimlich viel. Aber im positiven Sinne. So viel Leben und Lebendigkeit und so viel Bewegung und Hand-Werk und Geselligkeit! Das Hin- und Her des Schulalltages hat auch seine schönen Seiten, finde ich;
Kinderfreunde, die sich nachmittags treffen zum Spielen oder -so wie heute- zum Fussball-„Grümpi“-Sonntag auf dem Schulhausplatz.
Eine Regelmässigkeit in der Tagesstruktur, die ich alleine wohl nicht unbedingt hinkriegen würde.
Die Vormittage nur mit meiner Kleinsten ganz alleine zuhause, wo wir zusammen gemütlich in der Küche Kaffee trinken und ein Croissant essen, das wir auf dem Heimweg im Dorfladen noch rasch gekauft haben für uns.
Der Besuch auf dem Bauernhof, wenn die Bäuerin ihren Verkaufsmorgen abhält, Gemüse aus dem Gewächshaus holt, Eier frisch aus dem Hühnerstall und immer Zeit hat für ein Pläuschchen und eine Tasse Tee.

Und ich freue mich über die Gespräche mit anderen Schulkind-Müttern (und ab und zu auch mit einem der Papas), wenn wir denselben Weg zum Kindergarten haben oder uns bei Einkaufen über den Weg laufen.
Das tut gut. Das alles.
Ich versuche, mich mitziehen zu lassen mit dem Rythmus dieser Tage, weil es schwierig wird, sobald ich mich dagegen sträube und das Tempo verlangsamen will.


Aber müde bin ich.
Absolut geschafft.
Vor gar nicht so langer Zeit habe ich bei Instagram noch eine Lobeshymne gesungen auf meine wiedergewonnene Lebenskraft nach meiner letzten Eisen-Infusion. Aber dann brach die Kurve wieder ein. Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Benommenheit und ein starkes Gefühl der Erschöpfung waren wieder da, und nach einem Besuch im Arztlabor ist klar; Das Ferritin ist schon wieder völlig im Keller, Hämoglobin und ein paar weitere Werte rasant im Abwärtskurs. Wieder eine Infusion. Aber das ist okay. Es war schön, wieder Kraft zu haben, Elan und einen klaren Kopf. Wieder genug Eisen im Blut. Mehr Optimusmus, die Gelassenheit eines genährten Körpers. Und ich bin einfach dankbar für schnelle Resultate in dieser Hinsicht, darum diese Wahl…
Trotzdem geniesse ich das Leben gerade wirklich sehr. Es scheint mir gut und voll und reich. Wie das Regal in der Küche, wo sich all der Kram und die Kinkerlitzchen versammeln, die mir gerade in die Hände kommen, weil jemand sie ausgerechnet auf dem Küchentisch liegenlässt (wo wir essen sollen) oder auf der Anrichte, an der ich gerade Zwiebeln schneiden soll. Kleine Zeichen des Alltages. Ein Abbild der Treibens um mich herum. Irgendwie herrscht Chaos -auf dem Board und in meinem Leben- aber gleichzeitig passt alles zusammen, ergänzt sich, macht mich, macht uns aus, so wie wir sind in dieser Lebensphase.

Von der Pfefferminze habe ich schon bei Instagram geschrieben, von ihr und all ihren Verwandten, die unser Mini-Gärtchen bewuchern und zu einem besseren Ort machen. Ich liebe Minze. Müsste ich aus allen Tee-Kräutern ein einziges auswählen… Ich glaube, ich würde die Minze nehmen. Momentan zumindest. Vielleicht liegt es daran, dass mir oftmals Klarheit fehlt. Physisch wie psychisch. Und der frische Geschmack auf der Zunge, lässt mich nach mehr verlangen, mehr Tee, mehr Pause, mehr Leichtigkeit, mehr… Minze.
Ich habe ein grosses Einmach-Glas gefüllt mit den verschiedenen, namenlosen Minze-Typen, die ich im Garten gefunden, geernten und getrocknet habe. Für den Winter. Für Zeiten, wenn die Natur sich zurückzieht und nur noch im Kräutertee-Regal in meinen Gläsern und Dosen zu finden ist. Ich kann nicht sagen, dass ich mich darauf freue.
Aber an dieser Schüssel voller frischem, duftendem Heilkrautgrün freue ich mich.

Im Rahmen einer grossangelegten Küchenreinigungs-Aktion (die noch immer im Gange ist), habe ich neues Waschmittel gemacht. Waschpulver diesmal. Weil mich nach raschen Resultaten und minimem Aufwand gelüstete. Und weil ich ein bisschen Motivation brauchte und das Gefühl, die Dinge im Griff zu haben. Waschmittel und überhaupt Reinigunsgmittelchen, Salben und Wässerchen selbst zu machen, kann so was: Mich glauben lassen, ich hätte die Fäden fest in der Hand. Das Gute-Hausfrauen-Gefühl, mit dem sogar der Abwasch Spass macht. Oder das Wäschewaschen.
So ein Mommy-Potamus-Gefühl.
Und von ihr habe ich auch das Rezept, sowohl für ein gutes, einfaches Waschpulver als auch für ein wirklich grossartiges Geschirrspülmittel-Rezept mit dem unentbehrlichen hausgemachten Klarspüler (den man auf keinem Fall weglassen sollte; sonst trägt jedes Glas dichte Schleier).
Supersimpel -beides- und genauso supereffektiv.
Wirklich eine Freude.
Eine Hausfrauen-Freude.

Was ich aber noch überhaupt nicht geschafft habe, nicht einmal nach einer Extra-Portion-Hausfrauen-Selbstbewusstseins-Politur; Mich um meinen Garten-Quilt zu kümmern. Dazu reicht es nie. Das Patchwork-Deck ist längst fertig und setzt langsam Staub an, aber das Zusammensetzen und Quilten schiebe ich permanent vor mir her, als wäre es eine lästige Angelegenheit und kein eigentlicher Spass.
Vielleicht liegt es daran, dass mir die Stoffe der Decken-Oberseite nicht besonders gut gefallen? Sie sind hier nicht zu sehen, doch es sind vor allem dunkle Töne, Braun, rostiges Rot, Schwarz, ein paar an sich hübsche Blumenprints, eingeklemmt zwischen rein weissen Baumwollstreifen. Anfangs war ich sehr angetan, aber mit der Zeit…
Ganz anders verhält es sich mit dem Rückseiten-Stoff; sehr ihr das süsse orange-gelbliche Blumensträusschen-Muster, das ich beim Trödler auf einer alten Bettwäsche entdeckt habe? Zucker, oder? Ich finde es ungeheuer mädchenhaft, so unschuldig und bescheiden. Vielleicht lasse ich dann einfach die Rückseite Oberseite sein, das könnte die ganze Sache retten…

So, und jetzt mache ich Schluss für heute. Ich hätte noch ein paar weitere Fotos und Alltags-Schnipsel, die mich hinüber in diese ersten September-Tage begleitet haben, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass es jetzt Zeit ist für ein wenig Rückzug und das Ruhenlassen meiner Gedanken. Die sind so rasch wirr und matt gerade. Vor allem abends. Dann fällt es mir schrecklich schwer, meine Sätze klar zu strukturieren und mich in einem Gespräch auf das zu konzentrieren, was gesagt wird oder gesagt werden möchte. Es ist, als würde mir langsam der Kopf einschlafen, während der Rest meines Körpers noch hellwach den Feierabend einläutet. Wobei, so ungeheuer hellwach ist meist auch der nicht mehr; wenn ich den grünen Pullover meiner Kleinen ansehe, an dem ich doch auch schon seit einer ganzen Weile arbeite, dann wird schnell klar, dass eigentlich wohl alles an mir so langsam in Dämmrigkeit versinkt. Gross gewachsen ist der nämlich nicht. Meist mag ich nicht einmal mehr stricken…

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