Monatsarchive: September 2018

wollig gute Zeiten

Mir geht es gerade rundum gut.
Ehrlich!
Obwohl ich meinen Eisen-Infusions-Termin nun schon wieder um eine Woche oder mehr verschieben musste (Babysitting-Probleme), fühle ich mich einfach… zufrieden. So ausgefüllt irgendwie. Aber nicht überlastet. Meine Nächte sind besser geworden; die Mädchen schlafen nun alle beinahe durch, was ein Novum ist, eine Neuheit, ein erste Mal seit über 16 Jahren nun… Und es tut so dermassen, wahnsinnig, unsagbar gut, wisst ihr! Einfach schlafen, wann ich will. Und so tief, wie Schlaf eben sein soll. Ich fühle mich mindestens 10 Jahre jünger! (Auch wenn das keiner sieht.) Sogar, wenn es spät wird -und das tut es, glaubt mir nur, meistens bringe ich die Selbstdisziplin nämlich nicht auf, vor 23 Uhr ins Bett zu gehen- bin ich niemals mehr so gerädert und durch den Wind wie früher… Das ist wunderbar. Ein neues Lebensgefühl, das mich wahnsinnig dankbar macht und richtig glücklich.
Ich bin wieder ich.


Gestern habe ich übrigens zum allerersten Mal einen Abend mit Netflix verbracht. Strickend selbstredlich, denn Wolle und Nadeln, das muss schon sein. Mein Liebster hat mir alles eingerichtet und ich bin vollauf begeistert über das Programm hergefallen, um alles mögliche an historischen Filmen und kitschigen Serien zusammenzusammeln und auf meine Liste zu setzen. Ich liebe Kostümdramen. „Downton Abbey“ wäre schön, „Mr. Selfridge“ oder die „Miss Marple“-Serie, aber da es all diese Schätzchen leider bei Netflix nicht zu haben gibt, tröste ich mich vorerst mit „Landgirls“.
„Du bist ja richtig modern geworden!“, meinte meines Schwester J. gestern nachmittag, als sie mit meinem kleinen Neffen (süüüsss!!! Für ihn stricke ich auch das silbergraue Zwergenmützchen) spontan zu uns zu Besuch kam und mich erzählen hörte. Sie ist das nicht gewohnt, ich weiss. Es hat 38 Jahre gedauert, bis ich „Ja“ sagen konnte zu einem Handy, und bis gestern habe ich DVDs gekauft, wenn ich mir einen Film ansehen wollte. (Was für ein Unsinn! Das Zeug stapelt sich nachher ungenutzt in meinen Schränken, weil ich mir nur wenige Filme mehrmals ansehe, „Hercule Poirot“ und „Chocolat“ mal ausgenommen).
Aber wisst ihr was? Ich finde es grossartig, dieses moderne Zeug! Ich und mein Handy zum Beispiel, sind ein prima Team. Wir lassen und gegenseitig leben und jedem seine Zeit, aber wenn ich es brauche, dann ist es da. Für kurze Grüsse oder ein Foto an eine Freundin dann und wann. Für ein Kinder-Interview an Oma. Für Sprachnachrichten oder spontane Einladungen und all die Dinge, die einem so unheimlich gut tun, aber sofort vergessen gehen, wenn man sie zu lange aufschiebt. Ich fühle mich den Menschen sehr viel… näher, jetzt, wo ich auch einfach mal nur „kurz anklopfen“ und einen Gruss oder eine Randnotiz mit etwas besonders Schönem hinterlassen kann, statt gleich anrufen zu müssen und dann eine halbe Stunde am Telefon zu sitzen, obwohl ich dazu eigentlich gar keine Zeit habe… Mir macht das so viel Spass. Das Vernetztsein. Es muss ja nicht gleich rund um die Uhr sein; die meiste Zeit liegt das Handy ohnehin einfach bloss still und stumm in einer Ecke.


Den zauberhaften Blütenkranz auf dem Bild oben mit all den Blüten meines Gartens, hat mir übrigens mein Kindergartenkind gemacht. Einfach nur so. Als ich zum Kaffeetrinken in die Küche kam, hatte sie bereits alles für mich vorbereitet, liebevoll und aufgeregt, weil es ja eine Überraschung war, und Überraschungen sind immer aufregend. Ich fand das so süss von ihr!
Die grüne Strickwolke neben meinem Blütenreigen ist der „Tama“-Pulli meiner Kleinsten. Er ist mittlerweile fertig. Aber noch nicht so richtig fertig. Die Fäden sind noch zu vernähen und das Waschen und Blocken stehen kurz bevor. Ich hoffe inständig, dass die Passform dann irgendwie besser aussehen wird. Bis jetzt schaut es mehr aus wie ein grüner Kartoffelsack und ich bin ein wenig enttäuscht. Vor allem der Armausschnitt ist ziemlich voluminös geraten, die Ärmel ungeheuer geräumig. Weil ich unbedingt einen Pulli für meine 3jährige wollte und keinesfalls einen für meine 6jährige (der er wohl besser gepasst hätte), habe ich die Ärmel für ihren Umfang eher kurz gestrickt und mit einem langen Bündchen versehen, damit er sich umklappen lässt und mitwächst. Beim Bauch habe ich nochmals aufgelassen und ebenfalls ein Bündchen gemacht statt der angegebenen Krausrippe. Jetzt ist alles ein wenig schief und sonderlich… Mal sehen, wie das noch herauskommt. Manchmal ist ein Bad allerdings alles, was ein Strick-Projekt braucht, um einem schlussendlich doch noch positiv zu überraschen…


Und da wir gerade von „überraschen“ sprechen; seht euch dieses Paket hier an! Ein Wunder! Ein Häkelwunder!
Rita hat ein ganzes Jahre lang geschuftet und kreiert und eine wahre Flut an kunterbunten, absolut perfekten Häkelfrüchtchen und Häkelgemüse geschaffen… und sie alle mir und meinen Mädels geschickt! Unfassbar! Habe ich etwa den Jackpot geknackt?!
Ich kann mein Glück kaum fassen… So viel Schönheit, so viel Grosszügigkeit und Herzlichkeit macht mich einfach sprachlos…
Eines ist jedenfalls schon mal klar; von diesen herrlichen Schätzen wird nur ein Teil in der Puppenküche landen- Birnen, Kürbis, Apfel, Radieschen, Kirschen und Co. (sogar Erbschen gibt es!!!) sind nämlich einfach viel zu schön, um im Kinderzimmer zu verschwinden. Die kommen auch auf den Esstisch. Aufs Fensterbrett. Zu meinen Filz-Engeln. Neben mein Bett. In Nischen und freie Plätzchen zu all den Szenerien, die sich hier immer wie von Zauberhand zusammenfinden mit Zeichnungen, Sammelsurien aus Postkarten, Spielfiguren und Jahreszeitenkram, ein Abbild vom Alltagstrubel und dem ständigen Wechsel im Jahreslauf. Gerade lachen mich die entzückenden Fliegenpilzchen an. Der dicke, orange Patchwork-Kürbis (*schmacht*). Ein roter und ein grüner Schneewittchenapfel. Ach was… da lacht alles. Die ganze Obst-Gemüse-Box.
Mein ganzes Herz.
Ich freue mich so, dass wir jetzt mit Ritas zauberhafter Häkelkunst leben dürfen!

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Filzmäuse

Die Mädchen und ich haben diese Woche ein bisschen freie Nachmittagszeit mit Filzen verbracht. Supersimples Basic-Filzen nur, aber es hat Spass gemacht und mich motiviert, ein wenig mehr mit diesem Medium zu arbeiten, zu spielen vielmehr. Früher kam mir jeder umfilzte Stein enorm langwierig und schwierig vor. Ich weiss nicht genau weshalb, aber irgendwie hatten wir immer Probleme damit, die Filzlagen auch wirklich dort zu behalten, wo wir sie haben wollten, am Stein nämlich, nicht irgendwo abgelöst in langen Zotteln. Nun ja… Seither haben wir die Seifendosis erhöht und es klappt heute definitiv besser und geht rascher vorwärts als zuvor.

Die Idee für unsere beiden Filzmäuschen mit den viel zu grossen Perlenaugen, die ihr unten auf den Fotos seht, kommt aus dem Kindergarten meines Pausbackenkindes; Jedes Mal, wenn eines der Kinder Geburtstag hat, bekommt es während einer feierlichen Zeremonie eine kleine, goldene, wunderschön verzierte Spanschachtel mit einer winzigen Filzmaus darin, die die Kindergärtnerin für jedes Kind selber herstellt. Ich war sehr beeindruckt, als ich dieses süsse Geschenk sah und völlig hingerissen von dieser Idee und vom liebevollen Engagement der Kindergärtnerin. Solche Gesten sind einfach Zucker. Wahnsinnig wertvoll. Nicht nur für mein Tochterkind, das sehr, sehr gerne mit ihrer kleinen Maus spielt, sondern auch für mich als Mutter. Ich schätze sowas einfach enorm und hebe diesen Moment in meinem Herzen auf.
Dass die Geburtstagsmaus aus dem Kindergarten erst noch so richtig schön schlicht ist, erhöht ihren Charme für mich. Und die einfache Konstruktion macht Mut, selber auch einmal ein wenig mit Filz, Seifenlauge, Nadel und Faden zu experimentieren. Ich denke, sonst hätten wir uns nicht wirklich an dieses Projekt gewagt, aber so…

Meine Kleine fand irgendwo im Garten einen alten, vertrockneten Pfirsichkern, meine Kleinste einen ovalen Stein, und beides liess sich, wie sich herausstellte, wunderbar mit Märchenwolle umfilzen. (Mein Kindergartenkind ist immerzu mit irgendwelcher Farbe oder Klebstoff beschäftigt, wie ihre bunten Hände verraten. Oh, und die Nägel müssten auch geschnitten werden *hüstel*).
Als alles trocken war, kamen heute nachmittag die Ohren (einmal aus rosa Filz, einmal aus einem Rest hellbraunem T-Shirt-Jersey) und die überdimensionalen Perlenaugen dran (wir hatten einfach keine kleineren Perlen!). Schnäuzchen und Schnauzhärchen sind mit 2 Fäden Stickgarn gemacht, das Schwänzchen aus einem Streifen T-Shirt-Stoff improvisiert.
Alles ist ein wenig schräg geworden, die Augen kugelrund und mächtig wie in einem Manga-Comic, die Ohren sonderbar verfaltet, der Schwanz wenig elegant und eher stümperhaft angenäht. Aber ich finde, diese beiden lustigen Wesen strahlen Spass aus und laden zum Spielen und Überall-hin-Mitnehmen ein, etwas, was mich im Grunde mehr freut, als die kostbare Ausstrahlung mancher nahezu perfekt geratener Dingen, die man sich kaum anzufassen traut, aus Angst, sie könnten schäbig werden dabei…

Fazit: eine lustvolle, spontane Sache, die motiviert und für die wir uns ganz bestimmt wieder einmal Zeit nehmen werden. Das Kartonhäuschen, das mein Kindergartenkind gerade für die beiden Filzmäuschen gebastelt hat, (sie teilen es mit zwei alten IKEA-Plüschratten, wie man sieht),  hätte auf alle Fälle noch reichlich Platz für eine üppige Mäusekolonie…

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in der Vergangenheit

Ich wollte zuerst „gewöhnlich“ über diesen Post schreiben. Und auch davon berichten. Dass nichts geschieht. Im Moment. Alles ist so normal und langweilig wie eh und je. Aber gleichzeitig stimmt es nicht, das mit dem „gewöhnlich“, denn irgendwie geschieht gerade auch sehr viel, einfach innerlich, nicht aussen.
In den letzten Tagen war ich immer ein wenig… abwesend. Mental und emotional. Nicht so recht bei der Sache und auch öfters am Handy als sonst, als normalerweise, wo ich nicht wirklich oft darauf herumtippse, sondern versuche, den Fokus auf das zu legen, was vor mir liegt und wirklich wichtig ist im Augenblick, also auf die Kinder hauptsächlich und auf so ordinäre Dinge wie eine Mahlzeit, die gekocht werden will und ein Bett das noch rasch in allerletzter Minute vor dem Schlafengehen bezogen werden sollte, während die Bettwäsche noch immer draussen in der Dämmerung flattert (oh ja, es wird früher dunkel, ich sehe es und ja, ich fange allerlei an und vergesse es dann).
Ich kenne solche Phasen. Seifenblasentage. Sie haben keinen offensichtlichen Grund, nur Auslöser. Ich verschwinde ein wenig in mir selbst. Denke nach und werde still dabei, versunken in einer sonderbaren Welt, die sich in sich selbst einigelt, ohne einsam zu sein dabei. Meistens begleitet mich ein Grundgefühl von träger Sinnlichkeit, entrückt, sensitiv und beobachtend und empfänglich für alles, was emotional stärker schwingt. Und fast immer muss ich über irgendwas sinnieren. Übers Landleben. Über das Muttersein. Über den Mut historischer Figuren, anders zu sein, ihr Leben gegen alle Konventionen nach ihrem Herzen zu leben. Über fremde, mir schier unvorstellbare Möglichkeiten, zu leben und zu werden und der Realität völlig neue Wendungen zu geben.

Im Augenblick ist es gerade der englische Bürgerkrieg der 1640er Jahre, der mich regelrecht fesselt. Ich bin wie besessen, lese alles dazu, was ich finden kann, Internetseiten hauptsächlich, deshalb auch meine exzessivere Handynutzung. Die Ideen dieser Zeit, unglaublich grosse und bahnbrechende, ja irrsinnige Ideen für diese Phase der Geschichte, bewegen mich, auch wenn Themen wie persönliche Freiheit, Rechtsschutz und Gleichheit vor dem Gesetz und den Menschen für mich ja heutzutage selbstverständlich sind und mich nicht mehr gross in Begeisterung versetzen können.
Aber wenn ich mir vorstelle, was damals in England vorgegangen sein muss… bekomme ich Gänsehaut. Dieses radikale Umkrempeln in den Köpfen und Tagen der Menschen, für die ein König Gott sein konnte, abgekoppelt von Gut und Böse, das eigene Leben winzig und vergänglich wie ein Regenbogen. Plötzliche Möglichkeiten in buchstäblich alle Richtungen. Und keiner weiss, wann der Wind umschlägt, wer das Rennen macht,  ob bald die ganze Welt in Flammen steht. Ich möchte nicht tauschen, auf keinen Fall, aber der Tumult dieser Revolution vor der eigentlichen Revolution (die in Frankreich, meine ich), fasziniert mich zutiefst. So wie die 68er Bewegung es tut. Woodstock. Die Studentenbewegung. Der Exodus in die „Neue Welt“.

Der Film „The Devil’s Whore“, in dem es gar nicht um Huren geht und an sich auch nicht um den Teufel, obwohl er darin vorkommt, hat genau dieses Gewichtige, dieses Alles-oder-Nichts beeindruckend in Bilder und Lebens-Geschichten gefasst und dem Thema „English Civil War“ für mich ein Gesicht gegeben. Er ist extrem blutrünstig, dieser Film, keine Frage, wirklich zu grausam und anschaulich für eine Frau wie mich… aber das Gefühl stimmt. Und fliesst. Macht Hunger nach mehr. Wissensdurst.
Historische Filme wie dieser sind zwar eigentlich too much für mich. Aber nicht ganz unmöglich.
Wenn, dann schaue ich sie mir übrigens folgendermassen an: Ich klicke mich zuerst in grossen Steppstich-Schritten voran, springe sofort weiter, wenn es zu viel wird für mich. Bis ich in etwa weiss, ob ich es wagen kann, genauer hinzuschauen und ob es sich überhaupt lohnt. Manchmal lasse ich es ganz sein. Manchmal sehe ich mir auch bewusst das Ende zuerst an, nur um vorgewarnt zu sein. (Ich brauche zumindest einen Hauch von Happy End! „The Devil’s Whore“ hat keines.). Manchmal habe ich aber auch Feuer gefangen und muss es unbedingt wissen. Dann spuhle ich den Film behutsam voran, in kleineren Schritten und versuche, mir zu merken, wo es schlimm wird oder unheimlich oder Bilder kommen, die ich gar nicht sehen will. Vielleicht habe ich jetzt bereits genug Informationen bekommen und mein gefilterter Einblick reicht aus. Vielleicht aber auch nicht. Dann setze ich mich nochmals hin und sehe mir den Film richtig an, überspringe aber dabei aber all meine persönlichen Delete-Szenen und hoffe, nichts Gravierendes dabei zu verpassen. Wenn ich Pech habe, klappt das allerdings nur mässig und ich rätsle nachher wie wild an nun doch irgendwie schleierhaften Windungen herum oder an Anspielungen auf Momente oder Dialoge, die ich ausgelassen habe. Es kommt tatsächlich vor, dass ich mir den Film deswegen nochmals anschaue (Himmel, ja ehrlich! Auch ich finde das krass) oder dass ich wie vergiftet in Rezensionen oder Summaries nach den Auflösungen suche (ich kann sehr verbissen sein).
Bei „The Devils‘ Whore“ kam ich echt ins Rotieren; zu viele Kriegs- und Kampf- und Hinrichtungsszenen, bei denen ich mit geschlossenen Augen und den Händen auf den Ohren dasass, hinterliessen schlussendlich mehr Fragen als Antworten, und da mir das englische Fach-Vokabular zu geschichtlich-politischen Dingen nahezu völlig fehlt, bekam ich zuerst wirklich nur einen Bruchteil der Handlungen mit, obwohl ich mich bereits ein wenig eingelesen hatte ins Thema und nun auch in etwa wusste, was ein „Leveller“ war oder ein „Roundhead“ oder so. Aber egal; Noch mehr Nachlesen, Schmökern, Nachdenken, Vergleichen, die Lücken füllen.
Ich brauche das gerade.
In fremde Zeiten entschlüpfen.
Manchmal bin ich recht extrem.

Ich glaube, es ist die Aufbruchstimmung an sich, die mich anzieht in all dem. Leidenschaften, hehre Ziele und der Mut zur Tat. Zu wissen, dass Unmengen an Menschen die Geschichte dieser Welt, meiner Welt, zu dem gemacht haben, was sie heute ist, manche unwissentlich, rein durch ihr kleines, scheinbar bedeutungsloses Leben, andere mit voller Hingabe einer Idee verpflichtet, die sie für das Beste hielten, was uns allen geschehen konnte. Ich meine… alles, was heute ist, was wir haben oder sind, hat seine ureigene, lange, lange, lange Geschichte. Und für jede Freiheit, jede Wahrheit, jeden Neu-Anfang wurden Opfer gebracht. Opfer verlangt auch, was ich nicht verherrlichen möchte, denn Krieg ist immer schrecklich, und Revolution nichts anderes als Krieg, eine Macht, die das unterste zuoberst kehrt und Veränderungen erzwingt, für die niemals alle bereit sind. Und doch folgen alle nach. Oder gehen unter. „Was sich nicht beugt, wird brechen.“
Das stimmt mich nachdenklich.
Aber auch dankbar in gewisser Weise. Dankbar für alle jene Menschen, die für mehr Gerechtigkeit, für die Befreiung und den Schutz der Schwachen gekämpft haben, für das Gute (nur was ist es, das Gute?) Gerade für mich als Frau wäre das Leben ein vollkommen anderes, ein engeres und leidvolleres, würde ich die Uhr zurückdrehen bis ins Jahr 1642… Und doch; wieviel Blut geflossen ist, selbst für jeden „guten“ Sieg, kann man sich wohl kaum vorstellen. Und will es auch nicht. „So many blood for so little.“

Die Fotos oben sind übrigens absolut nicht verlinkt mit diesem Text hier. Wie denn auch? Es gibt keine Bilder zu den drehenden Rädchen in meinem Kopf oder zu der Seifenblase, die mich gerade umgibt. Aber es sind Einblicke in das Leben, das ausserhalb von alldem weiterläuft, rings um mich herum, die Kinderspiele, die welkenden Blumen und das Licht der Sonne, das nachmittags warm ist und abends so schnell blass und blau. Langsam tröpfle ich zurück. In meinen Alltag. Seifenblasentage sind nicht dafür gemacht, lange zu bleiben. Sie bewegen sich ständig entlang ihrer Hülle, fliessen an sich selbst hinunter, werden dünn und dünner, bis sie zerplatzen.
Und alles wieder so ist.
Wie immer.

 

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dies und das

Ich habe mir überlegt, wieso die Pausen zwischen meinen Posts mittlerweile konstant lang und länger bleiben. Die Zeit. Die Zeit ist es. Sie fehlt an allen Ecken und Enden. Aber das ist nur ein Teil des Ganzen; manchmal habe ich auch einfach das Gefühl, nichts zu sagen zu haben. Es geschieht so wenig hier, so wenig, was zu erzählen sich lohnt, denke ich manchmal. Ich führe ein unspektakuläres Leben, eines, in dem sogar eine Zugreise zu meiner Patentante sich anfühlt wie ein waschechtes Abenteuer, über das ich am liebsten gleich Seitenweise schreiben würde, wäre da nicht… eben… die Zeit, die fehlt. Im Grunde ist das schade. Ein Blog ist so etwas Feines, gerade auch weil es keine grossen Inhalte braucht, um einen Grund zum Schreiben zu haben, ganz anders als bei Kolumnen oder Zeitschriften-Artikeln, wo es ausgefeilt sein soll und gut erzählt, am liebsten mit Pointe oder Augen-öffnenden-Erkenntnissen.
Ein Blog darf auch trivial sein.
Das ist eine enorme Freiheit.
Eigentlich.
Man muss sie nur nutzen, sich daran freuen, berichten zu dürfen ohne Leistungsdruck. (Gottseidank gibt es hier keine „Thumbs-up“-Buttons!) Und manchmal muss man sich auch wieder ganz bewusst daran erinnern, wie frei diese Freiheit tatsächlich ist, und dass es auch Kurz-Posts sein dürfen, „like Instagram“, kurz und knapp und alltäglich und keine grosse Sache, für die man ewig braucht und erst noch einen klaren Kopf (den kaum einer noch beisammen hat, so nach Feierabend).
Ich habe also so überlegt und nachgedacht und mir wieder einmal vorgenommen, mich öfters hinzusetzen für ein paar Zeilen und ein, zwei Bilder, und mit der Kraft der Gewohnheit auch die Hemmschwelle, die sich bildet, wenn zu viel Zeit blog-los verstreicht, niedrig zu halten, niedrig genug, um beschwingt einen Schritt darüber zu machen, „kurz nur“, und mehr von dem festzuhalten, was gerade geschieht.
Ob es gelingen wird?
Keine Ahnung.
Wenn nicht, dann soll es wohl so sein. Instagram ist auch schön. Mit einer Hemmschwelle, die keine mehr ist, so fix geht es und so banal dürfen die Inhalte sein. Für einen Blogpost pro Kirschkernzeit-Woche reicht es bestimmt und allemal, selbst mein einfaches Kuchenkrümelleben.

Was im Augenblick so geschieht hierzulande: Der Sommer geht. Langsamst. Minischrittchen für Minischrittchen, so quasi quasistationär (bei diesem Wort kommt mir immer mein Physiklehrer vom Gymnasium in den Sinn mit seinem lustigen Papa-Moll-Schnurrbart und dem niedlichen Aargauer-Dialekt). Ich bin nicht erpicht darauf, ihn ziehen zu lassen (den Sommer), auch in diesem Jahr nicht. Der Herbst ist wunderbar, keine Frage, und ich liebe ihn heiss und innig, doch ich weiss auch, was danach kommt und auf den Winter könnte ich gut und gerne verzichten, er betrübt mich von Jahr zu Jahr mehr und wer will das schon, selbst wenn es Weihnachtsplätzchen gibt…
Die Sonnenblumen weinen schon leise mit mir. Ich sammle ihre Tränen ein und nehme mir vor, im nächsten Jahr noch mehr von ihnen zu pflanzen. Eine ganze Garde der Solidarität.
Die Kinder basteln und malen und spielen wie wild. Mein ganzes Haus gerät ausser Kontrolle, weil eine Legion von Buntstiften, Zeichnungen, Spiel- und Kuscheltieren das Kommando übernommen hat, und ich kann von Glück reden, wenn ich abends auf dem Sofa noch ein freies Plätzchen finde für mich und meinen Laptop und Hercule Poirot. Gestern habe ich „Der Tod wartet“ gesehen und war ein wenig erschrocken; sobald es um Gewalt an Kindern geht, ist meine Schmerzgrenze überschritten, egal wie angedeutet sie auch sein mag. Überhaupt gehört die „Collection 10“ nicht unbedingt zu meinen Lieblingen. Zu viel Verbrechen und zu wenig Romantik. Ich mag es, wenn es zwischendurch ein bisschen knistert, ein klitzeklein wenig nur, das reicht schon aus. Meine allerliebste Folge Poirot ist vielleicht auch darum „Das unvollendete Bildnis“, bisher zumindest, aber es fehlen ja noch ein paar Episoden („Collection 11“ ist unterwegs!). „Der Orientexpress“ und „Der Wachsblumenstrauss“ finde ich auch besonders besonders, aber der Künstler-Haushalt in „Das unvollendete Bildnis“ hat einfach meinen soft Spot berührt…
Was sonst noch?
Hm…
Ich habe sonntags ein 2.Strickprojekt angeschlagen, ein silbergraues Zwergenmützchen aus dem Rest „Asia“ von Lang Yarns, den ich noch hier hatte, und sonderbarerweise überlege ich seit gestern nacht hin und her, ob ich nicht  -für mich äusserst untypisch- ein 3. Projekt anfangen soll. Ich stricke niemals 3 Dinge gleichzeitig. Mich macht das nervös. Aber irgendwie habe ich gerade Lust darauf. Auf ein bisschen Abwechslung und mehr Woll-Variation auf meinen Nadeln. Ausserdem; Zwergenmützchen und Hercule Poirot? Geht nicht. Da wäre ich vollkommen überfordert. Beides verlangt meine volle Aufmerksamkeit und ich glaube, keiner will teilen in diesem Fall. Darum bleibt das Zwergenmützchen (für meinen winzigen Neffen L., oh er wird entzückend darin aussehen!) ein Fall für die Mini-Pausenmomentchen tagsüber. Und der grüne „Tama“-Pulli meiner Kleinsten, der gerade so schön glatt rechts zu stricken ist (kurz vor dem Abketten des Körperteils!) gehört ganz dem lieben Hercule, denn da brauche ich kaum Augen oder Konzentration fürs Arbeiten, da werkeln meine Hände schon fast von selbst. Aber ein kleines, einfaches 3.Projekt für wenn’s auch bei „Tama“-kopflastiger wird, wäre schon ganz nett.
Schal?
Decke?
Mütze? Soulemama hat gerade so ein schönes Mützen-Muster gestrickt, da könnte ich tatsächlich schwach werden… Allerdings sieht klein und einfach anders aus, wenn ich es mir so recht überlege. Mehrere Farben und Fäden übersteigen definitiv meinen Bereitschaftsgrad an Fokus und Gedankenkraft im Augenblick, also… vielleicht doch eher Schal? Oder Decke? Oder Beinstulpen?
Fragen über Fragen.
Herbstanfangsfragen wohl.

PS. Ach ja, wieso ich das Foto meines Tochterkindes mit einem ihrer Schützlinge eingereiht habe, wollt ihr wissen? Keine Ahnung. Weil ich es so hübsch fand vielleicht? Es erzählt so viel. Ganz ohne Worte.

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