Monatsarchive: Juli 2018

ein neuer Boden für den Estrich

Gestern hatten wir Freunde aus Prag zu Besuch, eine ganze Familie, die wir schon seit vielen Jahren kennen. Freundin M. hatte mich damals, als sie in Zürich noch ihre kleine, aber wunderschöne Altbauwohnung bewohnte, immer tief beeindruckt mit ihrer eleganten, hellen Einrichtung, mit ihren zauberhaften Zeichnungen und ihrem Sinn für Kunst und Humor, der sich in Form von perfekt gearbeiteten Handarbeiten und kleinen, pointiert eingesetzten Skurrilitäten niederschlug. Man trank Tee aus auserlesenen Tassen. Auf einem weissen Sofa über weissem Flauscheteppich. An den Wänden hingen selbstgemalte Skizzen und Tierstudien, es gab Pflanzen und Kerzen und dann und wann kleine Hingucker wie Tierskelette, Federn (sie war Ornithologin) oder Postkarten mit einem prägnanten Spruch („Hinter jeder Ecke lauern ein paar Richtungen“) ganz zwanglos aber perfekt platziert.
Ich fühlte mich immer pudelwohl bei ihr. Die Mischung aus Struktur, Sauberkeit, einem ansatzweisen Minimalismus und gleichzeitiger Zwanglosigkeit und Luftigkeit gefiel mir schon immer wahnsinnig gut, und wenn ich heute in meinem vollen, pulsierenden Haus eines vermisse, dann ist das die Leere und Unaufgeregtheit, die Ruhe und Leichtigkeit die jene Art von Wohnstil mir vermittelt. Eine Mischung aus Shabby Chic, minimalistischem Wohnen und moderner Eleganz.
Dagegen sind wir die reinsten Bohemiens. Ich ertrinke in Kinderkunst, Sammelsurien, Werkzeugen und Erinnerungsstücken. Von all den Kinderschuhen, verstreuten Socken und einem gigantischen Plüschzoo ganz zu schweigen.
Aber wir geben unser Bestes, dieses Haus einigermassen wohnlich zu gestalten. Die Team-Kompetenzen sind klar und sehr traditionell verteilt: Mein Mann baut um, ich räume aus und ein und gestalte die Zimmer. So geht das seit 10 Jahren schon und so wird es wohl bleiben, denn kaum ist etwas fertig, bröckelt bereits das nächste Leck, ein bisschen  überspitzt ausgedrückt. Die meisten Leute, die unser Haus zu sehen bekommen bzw. die Baustellen und vor allem -stolz präsentiert- die fertigen Renovationen und Installationen, klopfen meinem Mann wohlwollend auf die Schulter und gratulieren ihn zu seinem Einsatz, nicht ohne mitfühlend anzumerken; „Also, das hast du aber wirklich ganz schön viel zu tun…“ Vielleicht wird mit einem Blick in meine Richtung auch noch nachgeschoben „Du weisst aber schon, was für einen fleissigen Mann du hast.“


Ich nicke dann jeweils, denn, ja, sie haben recht, der Herr Kirschkernzeit ist ein feiner Kerl, der sich hier die Seele aus dem Leib schuftet und so viel für uns alle tut.
Aber insgeheim denke ich immer; eigentlich tun wir das ja beide, gewissermassen. Wir bauen beide um. Renovieren. Versuchen, die Dinge schön zu machen und Mängel zu beheben. Unser Zuhause ist ein echtes Gemeinschaftswerk, auch wenn ich selber keinen Hammer schwinge oder alte Dielen rausreisse (worüber mein Liebster wohl auch eher froh ist, wie ich ihn kenne).
Mein Part sieht einfach anders aus. Mehr so hintergründlich und alltäglich: Ich halte die Kinder von den Baustellen fern, schaffe alles weg, was ihm im Weg steht, putze Staub und Dreck und Sägemehl, halte die Stellung, während er mit seinen Werkprojekten beschäftigt ist und lebe damit, dass vieles, was das Wohnen betrifft, auf Provisorien aufbaut und sich permanent wieder verändert. Natürlich ist das alles weniger schweisstreibend als der aktive Umbau-Part. Aber auch weitaus weniger befriedigend. Und ganz bestimmt kein Job, bei dem man Lob und grosse „Ah“s und „Oh“s einheimsen könnte.

Darum, das muss ich ganz offen zugeben, habe ich mich gestern über alle Massen gefreut, als unsere Prager Freunde mich gestern bei ihrem Hausbesichtigungs-Rundgang geradezu überschütteten mit herzlich gemeinten Komplimenten zur Einrichtung und Gestaltung dieses Hauses. „Dein Mann arbeitet ganz wunderbar, weisst du. Aber das hier trägt trotzdem auch deine Handschrift.“
Ich war ganz überrumpelt. Und richtig gerührt. Nicht nur, weil Freundin M. das sagte. Sondern einfach auch, weil jemand es bemerkt.


Bei der grossen Dachboden-Sanierung dieses Jahres sieht man allerdings eher wenig von „meiner Handschrift“. Mein Liebster hat den gesamten Boden rausgerupft und neue, stabilere Bodenbretter verlegt (tatsächlich gab es gefährlich versteckt regelrecht morsche Dielenbretter!). Darunter eine dicke Schicht Dämm-Material, die die gröbste Kälte und grösste Hitze vom Wohnbereich abschirmen soll, darüber ein völlig unkomplizierter, robuster Laminat, so dass es keine doofe Ritzen mehr gibt im Boden, wo Spinnen und Teppichkäfer ihre Lager aufschlagen oder Wespen sich verkriechen. Sogar staubsaugen könnte man hier jetzt.
Eigentlich mag ich Laminat ja gar nicht. Ich bin ein eingefleischter Laminat-Feind und nehme lieber Dielenspalten, unebene Böden oder höhere Parkett-Preise in Kauf als mit Laminat leben zu müssen. Aber auf dem Dachboden…? Perfekt. Und dieser Laminat hier ist sogar doppelt perfekt, weil wir ihn absolut kostenlos aus den Resten einer Hausrenovation übernehmen konnten. Dass er nicht wirklich schön aussieht (diese Maserung!) spielt rein gar keine Rolle, finde ich; Er ist stabil, pflegeleicht und Familienbudget-freundlich. Ich meine, was will man mehr?


Glücklich machen mich aber vor allem diese letzten zwei Bilder. Auch wenn sie es ganz bestimmt niemals ins „Schöner Wohnen“ schaffen würden. Obwohl es nach wie vor nach Estrich ausschaut und von Ausbau nicht die Rede sein kann. Aber all unser weggepacktes Hab und Gut, die Kinderkleider im Wechselturnus, Skisachen, Zelt, Schlafsäcke, Schaukeltiere und alten Spiegel: alles sauber aussortiert, gereinigt, frisch verpackt und klar beschriftet.
So mag ich es.
Genau so.
Natürlich könnte es gut und gerne noch ein wenig… weniger Zeug sein hier oben, aber, ja, ich bin sehr, sehr dankbar für diese neue Ordnung. Für die Arbeit meines Liebsten, für seinen Einsatz und seinen Durchhaltewillen, ohne den dieses Haus niemals das wäre, was es heute ist.
Und ein klitzekleines bisschen beklopfe ich auch meine eigene Schulter. Wegen dem ganzen Kistengepacke, dem Geputze und Gewasche, vor allem der weggerümpelten Dinge wegen, die ich immer so schwer loslassen kann. Wegen dem Berg an Kram einfach, der hier bezwungen wurde. Von uns beiden. Irgendwie.
Hach, das tut einfach gut…

 

 

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in Bewegung

Wieder so lange Stille hier. Es scheint zur Gewohnheit zu werden…
Die grösste Herausforderung beim Bloggen ist und bleibt das Freischaufeln an Zeit-Nischen, damit ich schreiben, denken, Fotos archivieren, auswählen und einsetzen kann. Das Leben ist so voll, so schnell und bewegt, so alles andere als still in dieser Phase meines Lebens. Ruhige Momente? Raritäten. Kostbar und wunderschön- und so rasch verschenkt an andere Leidenschaften von mir, ans Stricken zum Beispiel, an Hercule Poirot, an meine Blumen und Kräuter draussen im Garten… Und zum Bloggen brauche ich Zeit. Viel Zeit. Viel Stille. Viel gedankliche Wachheit und Energie.
Und den Laptop. Den brauche ich auch. Was immer so eine Sache ist, denn sobald ich den aufklappe, scheinen meine Kinder verrückt zu spielen. Keine Ahnung wieso.
Auf der anderen Seite ist genau das eine Seite des Bloggens, die mir noch immer gut gefällt: Bloggen ist so… fokussiert. Man setzt sich hin, denkt nach, plant ein wenig- und schreibt. Ganz bewusst und konzentriert und mit einem gewissen Mass an Achtsamkeit für die eigenen Gedanken und die Vorgänge im Lebensalltag. Die Zeit, in der ich an einem Blogpost arbeite, ist abgeschirmt vom Rest. Inselzeit irgendwie. Nichts, das ich so schnell, schnell hier reinpflanzen könnte. Und wiederum auch nichts, dass dann einfach so aus dem Nichts in meinen Tag hineinplatzen könnte, so auf einen schnellen Knopfdruck auf dem Handy hin zum Beispiel, was das Bloggen für mich zu etwas Exklusivem und Bewusstem macht, im Gegenteil zu Instagram, wo ich viel zu rasch „nur kurz“ einmal rüberswitche, zwischen Kochtopf und Pflantschbädli- und dann doch wieder zu lange hängen bleibe…
Beides hat seine Qualitäten. Ganz klar. Aber in den paar Wochen, in der ich Instagram-Luft schnuppern durfte, ist mir klar geworden, dass mein Herz hier schlägt, also virtuell, meine ich, hier bei Kirschkernzeit. Dass ich Instagram zwar mag, aber mit Bedacht nutzen werde, langsam, tröpfchenweise, reduziert, ohne dass es zu oft rüber in mein reales Leben schwappt. Reduziert, genau wie das Bloggen, für das mir oftmals schlichtweg die richtigen Momente fehlen. Aber wenn ich hier schreibend kreativ sein darf- dann tue ich es wahnsinnig gerne, mit Herzblut, Freude und Dankbarkeit…
Gerade ist der Augenblick günstig, schätze ich; der Löwenteil meiner Familie geniesst seinen letzten Tag Lagerleben irgendwo im Berner Oberland, Kind1 faullenzt mit meinem jüngsten Bruder in dessen sturmfreier Bude (hiphip hurra!) und die beiden Kleinen puzzlen Bügelperlen-Bilder. Ich wittere eine Gelegenheit und hoffe, mein offener Laptop bringt sie nicht allzu schnell aus dem Konzept…
Wir hatten eine wunderbare Zeit, wir drei. Eine gute Woche. Das Kindertempo dieser Altersstufe gefällt mir. Ich bewundere ihre Selbstvergessenheit, während sie sich in ihren Traumwelten und Zauberfantasien verlieren. Elfen sind. Oder zwei Eulen, die ein Ei ausbrüten. Wie sie sich in ihr kleines Gartenbädli stürzen und zufrieden sind damit, das Wasser zum Rauschen und Schwappen zu bringen.
Richtig ruhig war es hier aber nie; wie hatten so viel Besuch wie noch nie! Den Montag-Nachmittag verbrachten wir mit einem meiner Brüder und seiner Frau quatschend und Kräuter-Tee-trinkend im Garten. Dienstags fuhren meine Mädels und ich raus zu „Frau Krähe“, erlebten ein wirklich wunderbares allererstes Treffen ausserhalb der Blogosphäre und staunten wohl alle ein wenig über unseren Mut und die Sympathie, die augenblicklich einfach da war, fast ein wenig, als hätten wir uns schon vorher gekannt, in echt meine ich, und ganz real (du bist eine ganz tolle Frau, Frau Krähe, echt jetzt!)…
Mittwochs sassen wir drei bei prächtigstem Sommerwetter mit meiner hochschwangeren Schwester J. in einem Strassencafé in der Stadt und schleckten italienisches Sahne-Eis aus kleinen Pappkartons, den kleinen Hund meiner Mutter träge dösend unter unserem Tischchen lümmelte. Urlaubs-Feeling. Zuckersüss.
Die Nacht war kurz gewesen, weil mein jüngster Bruder mir noch ein spätes Besüchlein abgestattet und wir uns bis Mitternacht verquatscht hatten, und so langsam, langsam machte sich ein Marathon-Gefühl bei mir bemerkbar *zwinker*, ausgelöst durch eine ungewohnt hohe Dosis Sozialleben. Schwester A. und Schwager waren mir aber trotzdem herzlich willkommen an diesem Abend. Sie brachten Tortillachips, Schafskäse und ein quietschfideles Kind1 mit, das fröhlich seine Tüte neuer Jungs-Kleider schwenkte; mein Junge hatte sich ein paar Tage bei ihnen einquartiert und mit ihnen -auf meine Anordnung hin- gleich die Ausverkaufs-Auslagen der Kleidershops geplündert (Gottlob! Seine T-Shirts hingen bereits in Fetzen und die wenigen Jeans mochte ich schon gar nicht mehr flicken…).
Es waren gute Tage, wirklich. So viel Betrieb und Bewegung, ein mächtiges Gefühl von… Lebendigsein und Dazugehören. Ein wohltuender Kontrast zu unserem normalerweise eher abgeschotteten, verlangsamten Lebensstil.
Trotzdem schrieb ich Schwester J., die mir Donnerstag-Morgens anbot, mich und die Mädels noch mit zu meiner Mutter zu nehmen, auf Whatsupp zur Antwort: „Vielen Dank, aber ich glaube, heute lieber nicht. Ich bin einfach zu müde nach so viel Sozialisiertheit…“
Und das bin ich auch. Total k.o. Aber zufrieden.
Trotzdem blicke ich dankbar auf meine Kalender-Einträge der nächsten Woche: Leer ist es da. Einfach gar nichts. Nur ich und meine wieder versammelte Crew. Daheim.
Auch das hat seine Qualitäten, oder…?

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sommerlich gemächlich

Sommer.
Ferien.
Zeit und Gemächlichkeit und eine Ahnung von Freiheit, ein Gefühl wie baumelnde Füsse, die in kaltes Seewasser tauchen.
Ich fühle mich wohl und so entspannt, dass ich Kaffee trinken kann, ohne auch nur einen Hauch von Gegrummel in der Magengegend (wobei ich ja auch sehr sensibel geworden bin, was das für mich gesunde Mass betrifft und frische Kräutertees meinen Kafee-Genuss mittlerweile bei weitem übertrumpfen). Ohne starres Zeit-Raster im Nacken, verlässt mich das nagende Gefühl, unbedingt noch rasch etwas Süsses futtern zu müssen, und ich esse bewusster, frischer, noch weniger Zucker als sonst -verglichen mit den Unmengen, die ich noch vor einem Jahr tagtäglich an Schokolade und Co. verdrückt habe- dafür mehr Gemüse oder einfach nochmals ein Extra-Tässchen eiskalten Minzen-Tee zum Nachtisch. Es ist nicht so, dass mir das besonders wichtig wäre. Ich denke nicht gerne über das Essen nach- ich esse einfach. Aus dem Bauch heraus. Für meinen Bauch. Aber ich finde es schon spannend, wie stark Hunger, Appetit und spezifische Gelüste mit unserer Psyche zusammenspielen, wie stark das eine das andere beeinflusst und wie schnell und problemlos der Körper in ein doch relativ gesundes Essverhalten zurückfindet, sobald es dem Menschen, dem ganzen Menschen, wirklich gut geht.
Und ja, es geht mir gut. Ich fühle mich wieder kräftig. Habe zu Mut und Elan zurück gefunden und traue mir auch wieder zu, raus zu gehen, raus in die Welt, Leute zu treffen, mich mit meinen Kindern in einen Zug zu setzen und ein klein wenig zu reisen, kurz vielleicht nur, Ministreckchen, rein regional, aber immerhin; für mich ist das ein grosser Erfolg, denn so viel Nervenkraft und Atem hatte ich schon lange nicht mehr: Genug Puste, um mit dem Fahrrad und zwei kleinen Mädchen im Schlepptau und den drei Grossen im Blickfeld über den Hügel zu meiner Mama zum Baden zu fahren. Die Courage, eine wunderbare Bloggerin, die ich noch nie gesehen habe bisher, demnächst auch einmal in Real zu treffen (das braucht immer enorm viel Überwindung für mich). Die Gelassenheit, mein Haus zu öffnen und auch mal Besuch zu haben, obwohl das Haus niemals, niemals, niemals gästefein aussehen wird, was mich jedes Mal beschämt, weil ich den Schmutz und das Chaos zwar sehe, aber beim besten Willen nicht bezwingen kann.
Und tatsächlich gab es sogar sowas wie zwei echte kleine Geburtstags-Feiern in den letzten Tagen. Nicht nur so im Mini-Familienkreis-Format, sondern schon ein wenig ausgedehnt auf die einen oder anderen Tanten und zwei Grossmütter, was zwar noch immer keine richtige Party hinhaut, sich aber bereits wunderbar gesellig und reichhaltig anfühlt und die Geburtstags-Kinder jedes Mal strahlen liess vor Freude. Hach ja, es waren schöne Tage. Es sind schöne Tage. Süsse Tage. Pavlova-Tage.
Die beiden Torten-Fotos oben zeigen übrigens zwei verschiedene Geburtstags-Kuchen, einmal von meinem Kindergartenmädchen, das andere Mal feierlich beleuchtet vom 16. Geburtstag meines Erstgeborenen. Beide hatten sich Meringue-Torten gewünscht. Mit Sahne-Jogurt-Füllung und Sommerbeeren. Beiden konnte ich diesen Wunsch erfüllen. Pavlovas sind so tolle Backwerke, absolut simpel, aber mit echter Wow-Wirkung und ein kulinarischer Hochgenuss, sofern man Meringues mag. (Ich selber gehöre nicht dazu, muss ich gestehen. Für mich dürfte es gerne jedes Mal einer dieser herrlich matschigen Schokotruffe-Torten sein, yammie…)
Es ist ein wunderbares Gefühl, wieder mehr im Leben zu stehen. Geburtstage auch wirklich feiern und geniessen zu können und sehen zu dürfen, wie glücklich unsere Liebsten sind, zufrieden mit Kleinigkeiten wie einem gelungenen Kuchen, einer Handvoll Kerzen und zufriedenen, herzlichen Menschen an ihrem Tisch, die es gut mit ihnen meinen… So schlichte Dinge. Aber grosse Momente.
Wie der Falter, der heute bei uns im Schmetterlings-Hotel ausgeschlüpft ist. Unser dritter Schwalbenschwanz dieses Jahr, und doch wird man es nie satt, dieses Wunder, trotzdem werden die Augen der Kinder gross und der Blick konzentriert, die Haltung gespannt, die Sinne geschärft für jeden Flügelschlag, den das zarten Tier tut, bis es endlich seine Weg nach oben in die Lüfte findet…
Ja, kleine Dinge.
Ich lerne immer wieder von neuem, mich im Kleinen zu verlieren. Und dankbar zu sein dabei. Wahrscheinlich hat man nie ausgelernt, was diese Kunst betrifft und nur allzu rasch falle ich wieder in mein altes Muster des Hetzens und Klagens und Zweifelns zurück. Weil sich das vertrauter anfühlt als Inne zu halten und den Fokus schmaler zu schnüren. Mit Augen nur für das Zucker-Stück im Augenblick. Wie meine 3Jährige mir mit Begeisterung sämtliche Stoffservietten, Stricklappen und Taschentücher zusammenlegt zum Beispiel. Schön Ecke auf Ecke, drehen, Ecke auf Ecke. Bei den letzten zwei Servietten verliessen sie dann allerdings ihre Kräfte und sie wurstelte alles irgendwie zusammen, was ungeheuer süss aussieht, finde ich, vor allem, wenn ich mir ihren langen Seufzer in Erinnerung rufe, gefolgt von ihrer unter theatralischem Schweiss-Abwischen vorgetragenen Erklärung „Ich bin langsam müed worde vom Zämmeleggä“…
Egal wie wahnsinnig sie mich manchmal machen, meine Fünf, sie sind doch Salz und Zucker meines Lebens, unersetzlich, unglaublich, unaussprechlich schön und wertvoll. Boden, Basis, ein und alles. Familie.
Gerade denke ich, die Gelassenheit und Gemächlichkeit dieser Tage lässt mir endlich auch wieder den Raum und die Luft, diese ganz einfachen Geschenk des alltäglichen Lebens -Essen, Gemeinschaft, Natur, Familie- wirklich wahr zu nehmen und zu zelebrieren… Wunderbar, dass es Sommer ist.

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Zur Zeit…

… zur Zeit habe ich ein Küchen- und Heilkraut, das mir bisher mein ganzes Leben lang eher nicht so zusagte, urplötzlich richtig ins Herz geschlossen: Mit Dill konnte man mich früher ganz bestimmt nicht locken, jetzt aber knabbere ich bei jedem Gartenbesuch ein Blattfitzelchen und finde es ganz wunderbar. Wieso er hier zwischen den Ringelblumen und Sonnenblumen gewachsen ist, weiss ich auch nicht recht. Ich erinnere mich vage an ein kümmerliches Dillpflänzchen, das ich vor vielleicht drei Jahren einmal hier gesetzt und dann fast sofort wieder ausgerissen hatte, weil ich beim besten Willen nicht wusste, was ich damit anfangen sollte… Ich dachte eigentlich, es wäre alles weg. Oder tot. Aber dieses Jahr, just als die grosse Magengrippe-Welle unser Haus erwischte und jeden einzelnen von uns für ein, zwei Tage ins Bett scheuchte, tauchte er ganz unerwartet wieder auf, der Dill. Und noch unerwarteter; ich wusste plötzlich auch ganz instinktiv, wofür er gut ist: für kranke Mägen und grummelnde Bäuche… Willkommen also, lieber Dill! Danke, dass du so hartnäckig warst!

… zur Zeit bin ich völlig verschossen in diese rosa-lila Farbenpracht! Das Hortensien-Beet gedeiht wahnsinnig schön. Sogar ein paar pinkfarbene gibt es darunter, allerdings viel zu wenige für meinen Geschmack, denn bei Blumen mag ich auch knallige Farben sehr gerne, weil das so kraftvoll wirkt und im Dämmerlicht immer leuchtet wie Glühwürmchen-Farbe. Doch auch rein in Pastell ist es hübsch, dieses Beet, dieser Strauch…
Früher einmal wollte ich Gärtnerin werden, damals, kurz bevor ich schwanger wurde mit meinem ersten Kind und nachdem ich für alle ziemlich unerwartet aber sehr entschlossen das Kindergarten-Seminar nach nur 8 Wochen abgebrochen hatte. Ja, Gärtnerin. Nicht das Gemüse war es, das mich lockte. Die Blumen waren es. Noch immer finde ich diesen Beruf faszinierend…

… darum habe ich auch meine helle Freude an diesem ollen Blumenkasten hier: die knitschigen Hochzucht-Petunien sind und bleiben kitschig, ich weiss, aber ihre Färbungen und Muster machen einfach unsinnig viel Spass! Vor allem die „Night Sky“ wuchert wunderschön über die Topf-Ränder, und wenn die anderen Pflänzchen ein bisschen mehr mitziehen würden, dann hätten wir hier bald einen kleinen, bunten Blüten-Wasserfall vor dem Waschküchen-Fenster…

bunt ist es auch immer in meinem Wohnzimmer, egal wie sehr ich mich auch bemühe, mit Weiss und Holz und Saubermach-Aktionen für mehr Luftigkeit und optische Ruhe zu sorgen. Was auch immer ich wegräume oder entrümple, sofort zieht etwas Neues nach. Bei Kinderkunst allerdings bin ich gnädig; da drücke ich gerne auch mal zwei Augen zu. Das grosse Bild von Kind1 zum Beispiel gefällt mir sehr und ich wünschte wirklich, wir hätten noch mehr leere Wände zur Verfügung…

… Was das Stricken angeht, bin ich l.a.n.g.s.a.m im Moment. Mir fehlt irgendwie der Schwung gerade. Dabei wäre dieses blaue Tuch hier für Ende Juli gedacht, als kuscheliges Geburtstags-Geschenk für meine Grosse, die es manchmal nicht leicht hat mit mir als Mama und ab und zu eine mollige Umarmung zusätzlich ganz gut gebrauchen kann, so als kleine Erinnerung daran, dass sie mir wichtig und wertvoll ist, auch wenn vielleicht mal die Fetzen fliegen zwischen uns…

… Just heute nacht schläft sie übrigens mit ein paar Schul-Gspäänli aus ihrer Klasse in der strohgedeckten „Kalberkammer“ im Kuhstall eines glücklichen Geburtstagskindes. Landleben pur. Und genau, was sie braucht. Dieses Mädchen passt so gut in dreckige Gummistiefel und auf den Sitz des kleinen Rasenmäher-Traktörchens auf dem Hof, dass ich mir so gut wie sicher bin, dass ihr Weg eines Tages ganz bestimmt in Richtung Landwirtschaft führen wird. Nirgendwo sonst wirkt sie zufriedener, zentrierter mehr bei sich selbst als zwischen Kuhdung, Hühnerfedern und Heuballen. Meist ist sie ein Gispel. Auf dem Hof aber kommt sie zur Ruhe.
Die Eier für das Vanille-Eis, das ich heute nachmittag gemacht habe, kaum hatten wir sie beim Bauernhof abgeladen, hat sie mir auch alle eigenhändig im Hühnerstall des Biohofes im Dorf eingesammelt. Nestfrisch. Eines davon klaubte sie praktisch noch unter dem Hühnerpo hervor, wie sie erzählt hat… So frische Eier riechen ganz anders als diejenigen aus dem Laden, wenn man sie aufschlägt: nach gar nichts nämlich. Und das Eiweiss ist glasklar und wässrig und fliessend und dünn. Trotzdem war das mit der Glacé eine unsichere Sache; ich habe meine Eismaschine schon ewig nicht mehr hervorgeholt und dann in meiner Begeisterung auch prompt heillos überfüllt. Dabei finde ich das Glacé-Buch („Eis“ von Elisabeth Johansson) das ich gestern beim Trödler für ein Butterbrot gekauft habe, einfach umwerfend gluschtig und wunderschön bebildert. Ein Grund mehr, demnächst wieder auf dem Bauernhof um die Ecke vorbeizuschauen. Nicht nur der frischen Eier wegen; Das Lebensgefühl dieses Ortes ist so herrlich belebend und bereichernd…

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