Monatsarchive: März 2018

aus meinem Tagebuch: Karwoche

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Es ist so eine Sache mit den guten Momenten; auch sie vergehen -so wie alles- und was nachher kommt… kann sie oftmals nicht gleich wieder toppen.
Der gute Wochenfrühlingsstart entpuppte sich als Mogelpackung, denn die Tage, die darauf folgten, waren lauter Karfreitagstage, eine wirkliche Karwoche, die eine Prüfung nach der anderen bereithielt…
Meine beiden kleinsten Mädchen schnappten so gut wie gleichzeitig die Grippe auf, heftigen Husten und Schnupfen mit teils sehr hohem Fieber, das ihnen und mir den Schlaf raubte und die frische Frühlingsfreude genauso zerfrass wie mein so schön aufgepäppeltes Kräftehoch.
Heute sind die beiden auf dem besten Weg und bestimmt bald wieder vollkommen gesund. Kinder stecken sowas offenbar leichter weg als ich, und ich hoffe, dass ich es auch irgendwie schaffe, mich wieder hoch zu hieven und weiter zu gehen, doch im Augenblick fühle ich mich völlig zerschlagen und leer.
Es waren ja nicht nur die happigen Pflegetage und die schlafarmen Nächte; Donnerstag wurde ich ans Sterbebett eines lieben Menschen gerufen, ans Sterbebett einer Tante, mit der mich viele gute Kindheitserinnerungen und einfach… Familie verbinden. Ich war noch nie in dieser Situation, jedenfalls nicht in dieser Art und Weise, und ich bin verwirrt und betäubt und dankbar zugleich, denn dieses Erlebnis war… gleichzeigig schrecklich und schön, obwohl ich jetzt zögere, das Wort „schön“ in diesem Zusammenhang zu benutzen. Aber, ja, doch, es gab beide Aspekte, das Traurige und Entsetzliche, genauso wie eine sonderbare, schwer erklärbare Reinheit und Schönheit, und sie färbten diesen Abschied in sehr sonderbaren, intensiven Tönen, die nachhallen wie ein langgezogenes Echo, das sich wieder und wieder irgendwo bricht.
Man spricht viel über die Grausamkeit dieser Welt. Jeden Tag höre ich von neuen Hässlichkeiten, in denen die Menschen da draussen sich austoben, und man kann leicht Angst bekommen und überall nur Gefahr, Lüge und Sadismus wittern. Doch ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie ein Mann seiner Frau in ihren schwersten Stunden beisteht, buchstäblich keinen Augenblick von ihrer Seite weicht, wie ein Sohn sich kümmert und sorgt und das alles mit einer Zärtlichkeit, einer Intensität und mit einem Feingefühl, dass es mir den Atem raubte. Auch das ist Realität und Welt und Leben; Hände, die halten und lindern, ein Lächeln auch wenn es einem zum Weinen ist, menschliche Wärme und Nähe und Liebe, Zuhören, Hinsehen, Einfühlen, Trostspenden und Mutmachen, füreinander da sein, sich gemeinsam dem Unfassbaren stellen und den Schwächeren stützen, ausharren im Angesicht des Todes bis zum Schluss. Meine Achtung vor der Grösse, die ich miterleben durfte, bleibt ohne Worte und fest in mir verankert. Auch die Achtung vor der Tapferkeit und dem wahnsinnig zähen Humor, mit dem meine Tante ihr Kreuz trug. Dafür gibt es keine Worte, nur stille, demütige Bewunderung.
Ja, Schönheit und Schrecken gehen manchmal Hand in Hand. Vielleicht, weil manche Menschen gerade im Schlimmsten die wahre Schönheit der Menschlichkeit zur Geltung bringen?

Heute habe ich mir zwei Stunden Auszeit organisiert. Ich brauche einen Moment für mich. Ein wenig Stille im Haus. Eigentlich war geplant gewesen, dass ich und mein Mann dieses Wochenende zum allerersten Mal seit wir Eltern sind, seit 15 Jahren also, ohne kleine Kinder zu einem christlichen Ostertreffen fahren, wo ich mich -so hatte ich es mir zumindest ausgemalt- kopfüber in gutes Essen, ungestörten Schlaf, geistige Nahrung und nährende Gemeinschaft stürzen wollte. Soweit der Plan. Bis Freitagmorgen stand er noch, wenngleich auf wackligen Füssen, doch dann übergab sich eines meiner Kinder zum vierten Mal in 8 Stunden, und mir war klar, dass ich jetzt hier gebraucht werde und Krankheit, Trauerarbeit und Erschöpfung ein Vetorecht zu haben scheinen, das in allen Lebenslagen gilt, während menschliche Pläne eben sind, was sie sind; Pläne, nichts weiter.

Was es mit dem Foto oben auf sich hat? Nun, ich weiss, es wirkt irgendwie deplatziert, hier Schokolade und ein Osternest einzustellen, Süsses Seite an Seite mit den wirklich dunklen Themen des Lebens, doch seht ihr, dieses kleine Häkelnestchen war ein Geschenk, das mir gestern erst auf der Türschwelle von einer wunderbaren Frau überreicht wurde, die selber ihren Rucksack zu tragen hat und trotzdem niemals müde wird, ein Licht zu sein für die Menschen um sich herum. Ihre offene, aufrichtig wohlwollende Art und die Tatkraft, mit der sie die Dinge immer wieder zum Besseren wendet, für sich wie für andere, sind Lichtpunkte, die für mich auch im Dunkeln scheinen.

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ein Bild erzählt: frischer Wind

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Und manchmal hilft ein Bild auch, Worte zu finden, Dinge neu zu sehen, den Moment besser zu erfassen, den Alltag zu ent-wirren, Alltags-Erinnerungen zu schaffen. So wie hier.
Ein Bild erzählt

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„Alli Farbe, wonich gärn ha, hanich gmaaled“, erklärte meine Kleinste, als sie dieses Bild hier mit mir besprach. („Alle Farben, die ich gern habe, hab ich gemalt.“)
Es ist das allererste Bild, das sie gezielt mit Farbe füllt und ich finde die Ausstrahlung dieser simplen Komposition ungeheuer hübsch. (Mal ganz abgesehen davon, dass sie offensichlich einfach alle Farben mag *zwinker*)
Ich habe ihre Zeichnung in der Küche aufgehängt und eine Vase mit den Zweigen einer geschnittenen Weidenhecke, die ich gestern bei einem Waldspaziergang unter strahlend blauem Frühlingshimmel gesammelt habe, dazugestellt. Die Sonne schien und alle Welt war unterwegs, um soviel Licht und Grün zu tanken wie nur irgend möglich. Abends spannte meine Haut vor lauter ungewohnten Sonnenstrahlen, doch das war mir einerlei, denn dieses Frühlingserwachen tut so unwahrscheinlich gut nach dem langen, harten, verlustreichen Winter, der hinter uns liegt…
Mein Kindergartenkind pickte Federn vom Waldweg, sie rannte voraus und liess ihre langen, glatten Haare flattern. Meine Grosse legte sich flach auf den Boden, schmiegte die Wange an die Erde und schloss versonnen die Augen: „Ich muss einfach Energie tanken“.
Wie recht sie haben. Alle beide. Wir sammeln und trinken uns satt an Licht, Leben, Natur und neu entpupptem Freiheitsgefühl. Und irgendwie erwacht nicht nur das Leben da draussen von neuem, auch in uns spriessen neue Hoffnungen, frisch gewagte Pläne strecken ihre Köpfchen wie Blattknospen an kahlen Zweigen…

Ich habe viel vor die nächsten Tage. Kleinigkeiten nur, wie die Wiedereinführung eines Menuplans oder ein Besuch beim Brockenhaus, um alten Gerümpel loszuwerden. Heute habe ich ein Raumspray gemacht aus Wodka und ätherischen Ölen, denn ich möchte mich vermehrt mit der Kraft der Kräuter (dieses Buch hier ist gerade unterwegs zu mir), mit hausgemachten Pflege- und Haushaltsmittelchen beschäftigen, einfach um die Energie fliessen zu lassen, die viel zu lange gestockt hat, und weil ich spüre, dass ich einen Schritt weitergehen möchte im Thema „grün und einfach leben“.

Ja, grün und hell und leicht- so wünsche ich mir meine Frühlingstage.
Sie haben wunderbar begonnen…

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gemacht

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Es war keine Faulenzer-Woche. Ich glaube, zum ersten Mal seit langer Zeit, habe ich es geschafft, in einer einzigen Woche sowohl alle Badezimmer zu putzen als auch jedes Stockwerk zu staubsaugen, alle Wäschekörbe zu leeren und sogar -jipie!- ein paar Bleche frischer Kekse zu backen. Das ist weit mehr als ich mir erhofft hatte und steht in keinem Vergleich zu dem, was ich normalweise in einer Woche zustande bringe. Dass es trotz allem nach wie vor unordentlich aussieht bei uns und mich das Backen heute dem Ziel „saubere Küche“ nicht unbedingt näher gebracht hat, ist irgendwie verständlich; So scheint es einfach auszusehen bei uns.
Ich habe auch ein wenig gestrickt, weiter an meinem Blockstreifen-Schaltuch. Allerdings war es weit weniger erfreulich als zuvor, wo wirklich nichts mein Strickglück trüben konnte. Weil mir nach ein paar Dutzend Maschen in der Abkettreihe klar wurde, dass das restliche Garn offenbar nicht aussreichen würde, um alle Maschen korrekt abzuketten, musste ich auflassen, alle Maschen wieder richtig ausgerichtet auffassen- und dann gleich nochmals auflassen, weil ich in den Reihen irgendwie ganz komisch verrutscht war. Nach sicher 1.5 Stunden Herumgewurstel war ich soweit, dass ich mich endlich wieder ans Abketten machen konnte. Nur um etwa 30 lästige Maschen vor Schluss zu entdecken, dass das Garn auch diesmal nicht ausreichen wird *argh!*…
Vom Aufribbeln und Maschenfischen habe ich nun definitiv genug; Ich werde wohl ein Päckchen beim Strickcafe ordern müssen mit einem einzigen läppischen Knäuel „Seta Tweed Schwarz“, von dem ich dann tatsächlich nur einen Bruchteil brauchen werde- doch so wie ich mich kenne, werde ich der Versuchung nicht widerstehen können und bestimmt noch den einen oder anderen Strangen Wolle ins Warenkörbchen einschmuggeln… Vielleicht nochmals „Rosy Green Big Merino Hug“? Neulich habe ich mich mit der wunderbaren Farbe „Gartenteich“ angefreundet“, doch auch „Schatztruhe“ oder „Holz“ sind wunderbare Töne und nachdem sich meine „Homestead“ als mein absoluter Strickliebling aller Zeiten entpuppt hat, träume ich von einer dicken, lockeren Wolljacke aus diesem grandiosen Kuschelgarn… Nun ja, so langsam bin ich jedenfalls froh, wenn das Blockstreifen-Tuch seinen Abschluss findet. Es ist ein gutes Tuch, ganz bestimmt, aber ich wünsche mir einfach ein Happy End. Dann gibt es auch die Fotos, die in diesem Post hier fehlen…
Happy machen mich heute auf alle Fälle: Die süsse, kleine, rosa Papierkatze, die mein Kindergartenkind sich gebastelt hat. Ich meine; habt ihr diese fantastischen bunten Krallen gesehen?! Erinnert mich an die Nagellack-Sammlung meiner Schwester J. … Und dann meine Kleinste, die mittlerweile stundelang mit unserem Kuscheltier-Zoo spielen kann, am Puppenkochherd die köstlichsten Drei-Gänge-Menus zaubert und mit ein paar Holzklötzen und einem orangen Seidentuch ganz spontan ein „Feuerchen“ für ihren Panda entfachte. Ich bin fasziniert von der Fantasie, die in ihr schlummert, so wie in allen Kindern wahrscheinlich, und mir scheint, je weniger wir hier haben an fixfertigen Spielsachen, gerade auch im Puppenküchen-Bereich, desto grenzenloser werden ihre Möglichkeiten und die Dinge, die sie ganz von sich aus für sich herbeifantasiert oder wie selbstverständlich aus den Materialien bastelt und baut, die sie gerade findet…
Hach ja, es tut einfach gut, ein paar Dinge selber gemacht zu haben. Geputzte Duschtüren, von Staubmäusen befreite Böden, ein beinahe schon so gut wie gelöstes Abkett-Problem (inkl. der Vorfreude auf noch mehr schöne Wolle!), herrlich duftende Cookies mit Schokosplittern, ein frisch aufgebrühtes Tässchen Kräutertee nach eigener Mischung (angelehnt an Mamanifloras „Winterlicht“ aber ohne Fenchel, dafür mit Lavendel und Rose) und ein dickes Glas ofenfrische Granola… gepaart mit etwas Kinderkunst und dem zauberhaften Spiel kleiner Freigeistiger… so kommt mir das Leben reich und gut vor und mein Tag sinnvoll und von Licht erfüllt.

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Aus „Hand-Stitched Felt“: die Mini-Maus

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Die Tage sind vergangen und haben mir etwas mehr Distanz und Ruhe gebracht. Meine Gedanken sind heute weniger belastet und es fällt mir leichter, mich auf die Dinge zu konzentrieren, die vor mir liegen, ganz real in meinem eigenen kleinen Leben. Manches braucht einfach seine Zeit.
Im Augenblick komme ich mir stark vor und ausgeruht. Die Grippe schleicht sich zwar durch unser Dorf, es wüten Fieber und Husten und ich weiss nicht, ob wir verschont bleiben werden, doch ich habe das Gefühl, den Anforderungen des Alltags momentan gewachsen zu sein- ein Zustand, der sich mit einem Fingerschnippen schon wieder verändern kann, also freue ich mich daran, solange ich darf…
Und ich freue mich an den Früchten dieser zuversichtlichen, geerdeten Phase: Diese niedliche Maus aus reinem, pflanzengefärbten Wollfilz (von Ariadne) entstand als kleines Gemeinschaftswerk zwischen mir und meiner Grossen und passte ganz wunderbar in die eine oder andere stille Zeitnische hinein. Die Grundidee, sowie und ein grobes, etwas verkleinertes Schnittmuster stammen aus dem Buch „Hand-Stitched Felt“ von Kata Golda, ein Buch, das schon seit eh und je in meinem Handarbeits-Bücher-Regal steht und auch bei all meinen Reduzier-Anfällen einfach nie weg wollte. Die Projekte darin sind so simpel wie süss und erklären sich eigentlich quasi von selbst, aber es ist wohl vor allem die Inspiration, die zählt für mich…
Mein Mädchen hatte viel Freude an dieser Arbeit. Sie zeichnete, schnitt ihre Filzbögen zurecht, wählte Filz aus und versuchte sich zum ersten Mal am Blanket Stitch (Himmel, wie nennt sich dieser tolle Versäuberungs-Stich für Kanten eigentlich auf Deutsch?), was sie ein wenig kifflig fand, mir aber selber so grossen Spass machte, dass ich nur zu gerne verhedderte Fäden entwirrte und ein paar Zentimeter für sie weiterstickte. Beim Gesicht hat sie sich viel Mühe gemacht und sich über das gelbe Schleifchen und die weissen Barthaare gefreut, die ich später noch hinzugefügt habe. (Ich hätte das sonst natürlich wieder entfernt, klar, doch ich war froh, dass sie es mochte. Ohne Schnauzhärchen sah dieses Mäuschen einfach zu sehr nach nach Bär aus.) Das Schwänzchen aus einer dicken Luftmaschenschnur haben wir mit einer spitzen Wollnadel einfach in den Filz gezogen und so verknotet, dass man es kaum sieht (der grössere Knoten soll den Schwanz nur kürzer machen, lässt sich aber wieder lösen, kein Problem).
Mausi sollte ein Geburtstagsgeschenk für ihre beste Freundin werden (so ein Glückspilz!), und daher brauchte Mausi natürlich auch ein Festtagskleidchen in fröhlichem Kanariengelb und eine girly rote Umhängetasche inklusive darin verpackter Geheimbotschaft, die sich mit einem knalligen Knopf verschliessen lässt. Damit Mausi allenfalls später einmal ihre Garderobe wechseln könnte -sollte sie neue Kleider genäht bekommen, man weiss ja nie- haben wir hinten zwei Druckknöpfchen angenäht, mit denen sich das Kleid an- und ausziehen lässt. Und weil es gerade wieder unglaublich winterlich ist hierzulande, kam gleich noch ein Schal aus Wollresten um den Hals.
Um ehrlich zu sein; ich hätte ewig so weitermachen können und die kleine Maus am liebsten von Kopf bis Fuss ausstaffiert und mit einem riesenvollen Mäusekoffer voller Anziehsachen ziehen lassen- aber da war dieser Geburtstagsfeier-Termin, der irgendwie urplötzlich da war, und die Zeit lief uns zum Schluss wirklich buchstäblich davon.
Immerhin; Mausi kam pünktlich zum Fest und hatte einen perfekten Start in ihrem neuen Daheim. Und wir wiederum haben bereits eine wachsenden Bestell-Liste für weitere Mausis. Meine beiden kleinen Mädels, die Oma, eine meiner Schwestern… alle wollen sie auch so eine Filzmaus haben. Mit Röckchen und Schleifen und Schnauzhärchen.
Klar, ich verstehe das.
So etwas verstehe ich immer.

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