Monatsarchive: September 2017

berührt: ausmustern und so

“Berührt” heisst für mich;
Ab und zu möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

DSC00506
Ich habe es gerne ordentlich. Ausnehmend gern sogar. Und gerade in meiner Küche versuche ich immer wieder, das anscheinend Unmögliche möglich zu machen und loszukommen von den Dingen, um mehr Raum für uns Menschen zu schaffen. Gerade bei den Kochbüchern sortiere ich immer wieder aus, was ich nicht oft benutze, und in meinem Rezepteordner bin ich eisern, wenn es darum geht, Sosolala-Rezept-Ausrisse nach dem ersten nicht wirklich überzeugenden Nachkochversuch auszumustern.
Aber. Ich merke auch, dass es Dinge gibt, gerade auch Bücher oder Rezepte, die ich einfach gerne um mich habe, obwohl ich kaum je Verwendung für sie finde. Manche englischsprachige Kochbücher zum Beispiel, machen mir das Kochen zwar schwer mit ihren Cups und Ounzes und all den merkwürdigen und einfach unpraktischen Masseinheiten, trotzdem mag ich sie. Manchmal ist es einfach ihre Inspiration, die mir gut tut, die kleine Möglichkeit, für einen Augenblick Seiten-blätternd in eine andere Welt zu verschwinden und von guten Dinge oder anderen Lebensentwürfen zu träumen. (Bei diesem Buch z.B. ist das so. Ich gebrauche es nie. Doch ich lese so gerne darin.)

So geht es mir mit vielen Dingen in diesem Haus. Ich stolpere permanent über irgendwelchen Kram und raufe mir die Haare, weil ich einsehen muss, dass ich dem Chaos niemals Herr werden kann. Einer der Gründ dafür ist mein mangelndes Durchhaltevermögen, wenn es darum geht, den Kindern so was wie Ordentlichkeit beizubringen, ein anderer der, dass das Haus unfertig, riesig und verwinkelt ist und man jedes Mal gefühlt meilenweit laufen muss, um die Dinge wieder an ihr rechtes Ort zu bringen.
Vielleicht haben wir auch einfach zu viel Zeugs.
Weil der KonMari-Ansatz des “schnellen Ausmmistens in einem Rutsch” bei uns nicht funktioniert (zu wenig Zeit, zu viele involvierte Persönlichkeiten), habe ich angefangen, mir kleinere Wegschaff-Happen vorzunehmen. Dann steht einfach mal wieder “10 Dinge weg” auf meiner To-do-Liste.
Ob es jemand ein Ende findet?
Na, ich weiss nicht recht…
Auf der anderen Seite denke ich manchmal auch: Der ganze Hipe ums Reduzieren ist vielleicht -bei mir auf jeden Fall- auch einfach nur ein weiterer Versuch, von anderen Mängeln und unerfüllten Bedürfnissen im eigenen Leben abzulenken, den Blick umzuleiten, weg vom Menschen, hin zum Ding, was dann einmal mehr in die Irre führt und doch irgendwie sinnbildlich ist für unsere Gesellschaft… Im Ablenken sind wir Menschen doch irgendwie ziemlich gut, oder? Fakt ist nämlich: Sobald ich mich wohl fühle und zufrieden und ausgefüllt bin, fällt mir das ganze Tohuwabohu in meinem Haus eigentlich gar nicht mehr gross auf, und ich käme wohl nie auf den Gedanken, meine Zeit zum wiederholten Mal mit dem Aussortieren meiner gerade mal 14 Kochbücher zu vertrödeln…

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, berührt, Zuhause | 8 Kommentare

like Instagram 192

Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

DSC00389
Mensch, wie müde ich bin. Die superspecialfeiertägliche Phase hat ihr Tribut natürlich umgehend nach Kind2′s Geburtstag eingefordert und mich absolut erschöpft zurück gelassen. Ich hätte es wissen müssen; Nach einem Hoch folgt fast immer ein (kleines) Tief… Trotzdem war ich ab und zu draussen, was keine Selbstverständlichkeit ist bei mir altem Stubenhocker, aber gerade die Zappelliese verlangt immer wieder lautstark nach frischer Luft und ihrem heissgeliebten Spielplatz (“Mami, Piipatz!”), und fast jedes Mal, wenn sie es geschafft hat, mich aus der Haustüre zu bugsieren, bin ich ihr dankbar dafür.
Der Herbst hat alles fest im Griff. Er schmeisst mit Kanadarot, Pumpkinorange und warmem Gelb um sich und rüttelt die Blätter von den Bäumen. Die Kastanien sind schon bald kahl, der Boden unter ihnen dafür umso weicher gepolstert, und wenn ich vor dem Schulhaus stehe, steigt mir der Geruch von Herbstwald in die Nase.
Ja, es lohnt sich, in die Schuhe zu schlüpfen und mir mit meinen Kleinen unterm Arm einen Weg durch das Chaos nach draussen zu suchen, vorbei an herumliegenden Schultornistern und achtlos im Flur liegen gelassenen Jacken. Der Herbst ist so schön. Wahrscheinlich ist er sogar der Beste.
Bin ich einmal draussen, merke ich, dass ich eigentlich so schnell gar nicht wieder rein will…

Veröffentlicht unter Augenblicke, Dankbarkeit, Jahreszeiten, Natur, Themen-Reihen, this moment, what makes me happy | Hinterlasse einen Kommentar

In Feierlaune

DSC00365 DSC00373 DSC00402 DSC00487 DSC00400

Wir hatten volle Tage. Reiche Tage. Und sind noch immer mittendrin in Festtagsstimmung und Feierlaune.
Zuerst zwei Tage Marktgetümmel und ein wirklich einmalig heimeliges Dorffest rund um die Uhr. Sie sperren hier immer die Strasse vor unserem Haus, und es ist unendlich schön, dann Tag und Nacht darauf herumspazieren zu können, zu sehen, wie die Marktfahrer ihre Buden aufstellen und Schätze auspacken wie handgestrickte Socken, Bergkäse und Bündner Salsiz, Kürbisse in allen Formen und Farben, Getöpferte Hexenhäuschen und Taschen und Täschchen aus Wachstuch (Genau das hab ich mir dann auch gekauft. Ein Picknickbeutelchen aus abwaschbarem Stoff, schön türkis mit Sternen drauf). Es gibt immer Unmengen zu Essen, von Thailändisch (die Mama eines ehemaligen Schulgspäänlis von Kind1 kommt aus Thailand und kocht selbst) über Eritreisch (oder wie das heisst), von Kebap bis Öpfelchüechli. Wir geben jedes Mal unsinnig viel Geld aus und mampfen uns immer querfeldein durchs Sortiment, aber das geniessen wir dann auch in vollen Zügen- es ist ja schliesslich ein Fest und nur einmal im Jahr. Die Kinder waren oftmals auf eigene Faust unterwegs, allein mitten im Getümmel ihres Heimatdorfes, je nach Alter kürzer oder länger, nur die beiden Kleinsten wurden natürlich von uns begleitet und zogen uns wieder und wieder mit einem spitzbübischen Grinsen aus dem Haus. Wieder los, untergetaucht in der fröhlichen Menge, die unsere Gassen plötzlich bevölkerte. Abends wird mir dann jeweils klar, dass ich kaum je Zeit hatte, einfach nur zu sitzen. Aber es macht mir nichts aus. Ich lebe normalerweise ein eher zurückgezogenes Leben, obwohl ich im Dorf wohne und die Menschen liebe. Ein paar Tage Vollblut-Herdenmitglied tut mir an sich sehr gut. Ich freue mich, wenn jemand mich anspricht und tauche dann nur zu gerne ein in Klatsch und Tratsch oder schaue einfach nur zu, wie die Welt um mich herum farbenfroh pulsiert.
Nicht vergessen werde ich: Das Strahlen meiner Grossen, als das Sesselkarussell sie höher und höher fliegen liess. Kind2 und sein Dürüm, auf den er sich ein ganzes Jahr lang schon gefreut hatte. Kind1 mit seiner Jugendgruppe und wie er so ganz selbstverständlich an der Kasse des Marktzügleins stand, um Tickets zu verkaufen oder sich als junger Fahrbegleiter auf einen der kleinen Waggons schwingen liess. (Er ist so gross geworden. Männlich. Und auch ein klitzekleines bisschen vernünftiger. Schön.)
Ich erinnere mich daran, wie mir der Wirt der Beiz vis-à-vis jedes Mal, wenn ich auch nur in der Nähe seines Tresens stand, mit einem Zwinkern ein Glas in die Hand drückte, mal mit einem schaurig hochprozentigen CaiPirinha mal mit süssem Apfelwein- und wie sehr mich diese Geste gerührt hat, obwohl ich jedes Mal nach zwei, drei Schlückchen den Inhalt meines Glases diskret irgendwo verschwinden liess. Ich denke zurück an den Karussell-Mitarbeiter, der meinen Kindern ein Extrabillet geschenkt hat. An die grandiose Fasnachtsgugge, bei der von Kind (7 Jahre alt vielleicht und mit kleiner Pauke) bis Oma alles vertreten war und die Schlagzeuger einem den Rythmus in die Beine fahren liessen. An die dorfeigene Musikgruppe, die Andreas Gabaliers “I sing a Liad für Di” gespielt hat, und zwar so schön, dass es sogar mir gefallen hat, obwohl Andreas Gabalier mich normalerweise nicht unbedingt vom Hocker haut.
Ja, es war ein schönes Fest.
Und heute auch wieder; Kind2 wurde elf. Und irgendwie ging einfach eins ins andere über, kaum waren draussen die Zelte und Budern wieder abgebaut und meine Beine wieder einigermassen erholt, ging’s an Cookiesbacken für den Geburtstagsznüni in der Schule, Geschenke wurden last-minute-zusammengesucht oder fertig gebastelt und ich gab mir alle Mühe, ihm einen hübschen Gabentisch zu richten und wenigstens der Küche so was wie einen Hauch Feierlichkeit einzuhauchen (der Rest des Hauses sah dafür natürlich umso schlimmer aus *hüstel*). Zum Zmittag hat er sich Riz Casimir gewünscht, und alle waren glücklich. Er besonders. Aber auch ich. Es war ein wunderbarer Tag, gemächlich und wohlwollend, sehr einfach in seiner Art, aber mit diesem ganz besonderen Grundgefühl. Immer wieder gab es Augenblicke, wo Unerledigtes mich ansteuerte, die nasse Wäsche auf dem Waschküchenboden, das ungemachte Bett, meine Haare, die dringendst eine Dusche benötigt hätten, der schon wieder dreckige Pulli meiner Kleinsten- doch immer dann, wenn mir alles über den Kopf zu wachsen drohte, schnappte ich kurz nach Luft und machte mir wieder und wieder klar, worum es geht, so ganz genau genommen: Um die Freude an diesem Kind, um die Freude am Leben, um die Dankbarkeit für diesen ganz besonderen Tag und all die Tage, die wir gemeinsam verbringen dürfen. Und wenn das Haus auch starrt vor Dreck und auch diesmal das Mittagessen alles andere als pünktlich auf dem Tisch stand, heute wollte ich vor allem eins sein: zufrieden und heiter und guter Dinge.
Ich glaube, das ist mir auch gelungen. Und es hat allen gut getan, Raum geschaffen für gute Laune und fürs Entspannt- und Glücklichsein.
Das war wohl sogar eines der schönsten Geschenke, das ich meinem Kind an diesem Tag machen konnte.

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, besondere Tage, Dankbarkeit, Jahreszeiten, Kinder | 4 Kommentare

What makes me happy: Kunst von Rita

DSC00324
Bei uns gab es heute Mittag Fleischkäse, gekauft und bloss noch im Ofen fertig gebacken, Nudeln aus der Tüte und Bohnen, die ich nicht selbst angebaut habe, nur von Hand entfädelt. Kein Salat. Kein Extra-Gemüse für meine Kleinste, die Bohnen nicht mag. Die Kohlrabi- und Rüeblischnitze auf dem Tisch gaben immerhin den Anschein von einem erfolgreichen “Take 5″-Rohkostmanagement.
Zwischen dem Weg zum Kindergarten und zurück, Spielplatz und einem Telefonat mit meiner Mutter blieb -wie immer- einfach nicht viel Zeit fürs Kochen. Ausserdem hätte meine Jüngste grosses Geschnetzel und Gerüste ohnehin bald mit ihrem immensen Zuwendungsbedürfnis boykottiert, jetzt, wo sie ihre Schwester wieder im Kindergarten zurücklassen muss und vormittags so gut wie geschwisterlich verwaist ist.

Die Kuschelhunde meiner Mädchen essen hier offensichtlich ganz ähnlich wie wir heut’ mittag. Bohnen mögen sie nicht sonderlich, aber gegen ein Spiegelei und Nüdelchen haben sie nichts einzuwenden, und ganz hinten sehr ihr noch so knapp die beiden Fleischbröckchen, die mein Pausbackenkindergartenkind ihnen aus zerknülltem, rot bemaltem Papier und Klebestreifen gebastelt hat…
Und auch hier habe ich nichts hinzugetan: Das Fleisch kommt vom Kinderbasteltisch und diese superklasse Häkelnudeln und die knuffigen Spiegeleier hat Rita gezaubert- und damit nicht nur meinen Puppenmuttis, sondern auch mir eine Riesenfreude gemacht! Ich finde, so ein Teller voll Häkelfood könnte glatt als Kunst durchgehen…

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Dankbarkeit, ein Bild erzählt, Familienalltag, Häkeln, what makes me happy | 2 Kommentare