Monatsarchive: August 2017

ein Hauch von Afrika

Gerade ist es viertel vor sieben abends, wir haben gegessen (Nudelsalat mit Bohnen und Tomaten) und die Mädchen spielen alle zusammen oben im gelben Zimmer mit der hölzernen Brio Bahn, während die Jungs unten im Keller lautstark Goals beim Tischfussball schiessen. Es ist einer dieser selten gewordenen stillen Momente, in denen ich Atem holen kann- und dank Scheuklappen, die das Chaos auf dem noch immer nicht abgeräumten Küchentisch einfach ausblenden, einer der Augenblicke, in denen ich mich hierher schleichen kann, in meine kleine Ecke virtuelle Welt, um zu schreiben und etwas von dem festzuhalten, das meinen Alltag gerade prägt.
Es ist viel los im Moment. Aber das ist es ja eigentlich immer, oder?
Müsste ich alles, was mich so umtreibt und gerade beschäftigt auf einen einzigen klaren Nenner bringen, ich würde… “Sich-einfinden” wählen. Dieser Sommer war unheimlich schön, finde ich. Es gab Hotspot-Phase, klar, aber alles in allem war es ein Sommer, der mich wieder ein wenig zu mir selbst zurückfinden liess und nicht nur meinem Körper, sondern auch meinem Seelenleben so was wie Heilung schenkte. Manches, das ein bisschen gar schief verruscht war in meiner Familie in den Monaten davor, wanderte wieder zurück an sein Plätzchen, Spannungen legten sich, Probleme lösten sich in Luft auf, und ich kam soweit zu Kräften, dass es sich wieder ganz leicht und natürlich anfühlt, rund um die Uhr Mutter zu sein und Augen, Herz und Ohren offen zu halten für die Geschichten, Nöte und Gespräche rund um mich herum.
Und nun ist dieser Sommer vorbei.
Die Schule hat uns wieder. Und mit ihr straffe Stundenpläne, das emotionale Miteingebundensein mit meinem Ältesten am  Gymnasium, wo vieles nicht unbedingt so läuft, wie ich es erwartet hatte und mich der enorme Leistungsdruck manchmal regelrecht schockiert, mit dem diese noch so jungen Menschen heute klar kommen müssen (und das in einer Zeit ihres Lebens, in der rein biologisch doch eigentlich ganz andere Dinge wichtig wären für sie…). Er macht es nicht schlecht, mein Junge, das nicht. Aber ich sorge mich manchmal doch um ihn, sehe seine Augenringe und die Herausforderung, die es bedeutet, den eigenen Platz im Leben zu finden.

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Auch mein fünfjähriges Pausbackenkind (das ihr oben auf dem Kindsgi-Lesesofa seht) läuft nun mit in dieser Tretmühle names Schule, und auch wenn es bei ihr nur der Kindergarten ist, ein Stückchen heile Welt noch, in der so viel Schönes und Märchenhaftes auf sie wartet, habe ich Mühe, zuzusehen, wie sie immer wieder strauchelt und sich aufraffen muss, um weiter zu gehen: Die ersten beiden Kindergartenmorgen waren keine grosse Sache, doch schon am Tag 3 flossen Tränen beim Abschied und ich musste mich regelrecht losreissen, um überhaupt wieder aus dem Kindergarten hinaus zu kommen. Damit hatte ich vielleicht gerechnet, vielleicht auch nicht, aber so richtig vorbereitet war ich nicht auf ihre Traurigkeit und ihre Angst vor dem Weggehen. Ich begleite sie nach wie vor bis zur Kindergartentüre und warte mit ihr, bis die Kinder von der Kindergärtnerin begrüsst werden. Aber dann muss ich gehen, klar. So ist das nun mal, da gibt es kein zurück mehr.
Es ist ja nicht immer so schwer für sie. An manchen Tagen geht der Abschied leicht und schnell, an anderen weint sie schon den ganzen Weg zum Kindergarten.
Was mich aber beruhigt: Ihre Tränen scheinen jedes Mal rasch zu versiegen, kaum bin ich wieder auf dem Heimweg. “Heute habe ich gar nicht geweint im Kindergarten”, erzählte sie mir heute mittag ganz stolz, “nur am Anfang, aber dann hatte ich sogar Spass!”
Ich denke, sie wird ihren Weg machen. Und an den Schwierigkeiten wachsen. Sie war immer sehr verbunden mit mir und stets die zurückgezogene, kleine Träumerin, als die sie geboren ist. Nun gibt es Neuland für sie, in dem sie sich umsehen und zurechtfinden muss- und wo sich alles mögliche Neue entdecken lässt, sobald sie bereit ist, sich darauf einzulassen.

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Irgendwie war klar, dass ich sie nicht ganz ohne ein wenig vernähte Mama-Liebe ziehen lassen wollte. Oder konnte. Ich hatte es lange hinausgeschoben, doch kaum stand der erste Kindergartentag vor der Tür, musste ich mich einfach hinsetzen und ein wenig nähen- zum ersten Mal seit Monaten, und mit einer gehörigen Portion Unsicherheit. Es kam mir alles fremd vor, das Stoffeschneiden, das Nähen, das Stecken und das ewige Hin und Her zwischen Bügelbrett, Tisch und Nähmaschine. Stricken hingegen fühlt sich mittlerweile an wie eine zweite Haut, bequem und ohne grosse Umstände.
Der kleine Turnbeutel, den ich meinem Mädchen dann zusammengeschustert habe (und den das kleine Schwesterchen unerlaubterweise immer wieder stibitzt), passt prima. Er ist rot und stabil, passt bestens zum Znünitäschli, das sie von ihrer grossen Schwester übernommen hat, und der alte Gardinenstoff, den ich hier vernäht habe, steckt voller netter Tiere, Giraffen, Zebras, ein paar Elefanten, ein Hauch von Afrika, der sie nun jedes Mal zum Kindergartenturnen begleiten wird.

Ja, es wird sich alles finden. Einspielen. An Routine gewinnen und irgendwann zur Selbstberständlichkeit werden. Ich bin dankbar, dass ich wieder ich genug bin, um wirklich da zu sein, wenn sie mich brauchen. Auch jetzt. Jetzt besonders.

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Der Kindergarten hat sich aus den Tiefen erfolgreicher Verdrängungstaktiken hinaus in die Realität gegraben. Die erste Woche ist bald um, mit allen Höhen und Tiefen, mein Tochterkind ist nun also ein echtes Kindergartenkind.
Jetzt, da ich (endlich doch noch) nähend an ihrem Turnbeutelchen sitze, glaube selbst ich es so langsam…

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Honey Cowl

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Ich bin jemand, der einfach kein Näschen hat für Trends. Egal worum es sich handelt, ich hinke immer um Monate bis Jahre hinterher. In der Musik zB. wurde ich erst auf Peter Fox’ fantastisches Album “Stadtaffe” aufmerksam, als es längst keiner mehr hörte und sogar mein Lieblingslied “Das Haus am See” restlos aus den Schweizer Charts verschwunden war. “Die Frau des Zeitreisenden” -erschienen im Jahre 2003, verfilmt 8 Jahre später- entdeckte ich gerade mal vor etwas mehr als einer Woche- dabei muss es die Bücherhitparade regelrecht gestürmt haben damals, wenn man die Buchkritiken bei Amazon so liest.
Auch beim Stricken scheine ich so eine Art… Schlusslichtlein zu sein. Denn auch ich wage mich zwar an den bekannten und nicht ohne Grund so oft so gern gestrickten Rundschal “Honey Cowl” von Antonia Shankland- aber erst volle 4 Jahre nach dem grossen Hipe um dieses wunderbar schlichte und sehr hübsch gemusterte Projektchen. Soulemamas Versionen haben mir immer gut gefallen (die hier besonders- ich liebe Braun!), doch irgendwie war der Reiz, selber einen “Honey Cowl” zu stricken lange Zeit nicht stark genug…
Bis da dieser wunderbar grüne Strang “The Yarn Collective Bloomsburry DK” von “Love Knitting” bei mir ankam und ich anfing, die Augen für ein passendes Projekt offen zu halten. Zuallererst liebäugelte ich mit einem neuen Zwergenmützchen für meine Kleinste, doch dann fand ich auf einmal, dass dieses Grün (“Moss”) doch irgendwie haargenau die Farbe sei, die ich mir insgeheim schon lange für mich selbst gewünscht hatte… Und da ich dringendst einen kleinen Schal für zum Rasch-drüberziehen brauchte, verliebte ich mich Hals über Kopf ganz neu in dieses tadellose Strickmuster.
Das Tolle am “Honey Cowl” ist ja, dass er sich supereinfach enger, weiter, länger oder kürzer stricken lässt, und dass die Designerin gleich vier Varianten inkl. Endmasse vorschlägt. Mit Nadelspiel Nr.4 wurde meine Variante, für die ich ganz normal die in der Anleitung angegebenen 110M anschlug, ziemlich genau so, wie ich mir meinen Schal gewünscht hatte: ungemein weich (nach dem Waschen ist die Wolle mindestens doppelt so babybottomzart!) und anschmiegsam aber nicht labbrig. Er behält ein Stück weit seine Form, ist nicht zu eng und nicht zu weit (wobei, ein klitzekleines bisschen enger wäre auch kein Vergehen…).
Die Masse waren vor dem Waschen: 25cm Höhe (also von oben nach unten und umgekehrt) und 48cm Umfang. Jetzt nach einem kühlen Wasserbad und einer Nacht Trocknungszeit aber ganz ohne Blocking misst er 28cm Höhe und nach wie vor ca. 48cm Umfang.
Eine kleine aber in meinen Augen doch nicht unbedeutende Änderung habe ich allerdings vorgenommen: Ich habe die angegebenen 3 bzw. 4 Runden glatt rechts nach dem Anschlagen bzw. vor dem Abketten ausgelassen und stattdessen sofort mit dem Musterstricken begonnen und auch geendet. Ich empfehle ausserdem vor allem für die schmale Schalversion dringend ein elastisches Abketten in der letzten glatt-rechts-Reihe des Musters (das hier von Wollefein finde ich klasse!). Damit wird der untere Rand dehnbar genug für ein bequemes An- und Ausziehen.

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Die Fotos sind jetzt, im Hochsommer, natürlich ein bisschen fehl am Platz. Und überhaupt würde ich mit meinem Selbstportrait ganz klar keinen Schönheitswettbewerb gewinnen (nein, das sind definitiv noch keine grauen Haare, wohl aber erste Fältchen um die Augenpartie)…
Trotzdem hat mir dieser kleine Schal schon wunderbare Dienste geleistet: Ich weiss jetzt, dass er der perfekte Begleiter für Halsweh-Tage ist und ein angenehmer Zeitgenosse, sobald die Temperaturen wieder fallen (so wie letzte Woche *brrr*).
Alles in allem: Willkommen, kleiner Schal in meiner wolligen Sammlung. Ich denke, wir zwei werden uns blended verstehen.

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Ein wunderbarer Morgen: Die Familie ist beim Gottesdient, ich habe mich mit Halsschmerzen entschuldigt und bleibe zuhause. Ganz alleine.
Auf meiner Decke türmen sich ein paar Bücher aus der Leihbibliothek, lauter seichte Ware wie Rosamunde Pilcher oder ein fast schon ungeniessbar lascher Groschenroman über eine Bäckerin auf einer Insel, daneben ein paar alte Ausgaben von “Taproot”, die ich immer mal wieder hervorhole, weil ich die so mag. Nach “Die Frau des Zeitreisenden” konnte ich nichts Schwerwiegendes aufschlagen. Das hätte den Zauber zerstört, der immer noch so ein bisschen über allem liegt, und ausserdem fühle ich mich momentan nicht bereit für noch so eine aufwühlende Story, die mich beim Lesen mit Haut und Haaren verschlingt. Ich scheine, was das betrifft, so ein bisschen ein Sensibelchen zu sein.

Mein “Honey Cowl” aus mossgrüner “Bloomsburry DK” ist so gut wie bereit zum Abketten. Eine schöne Phase; Ich tue nichts weiter als einem immer kleiner werdendes Mini-Knäuelchen beim Verschwinden zuzusehen.
Jetzt, wo sich mein Hals rauh und zerschlissen anfühlt, freue ich mich umso mehr auf warme Wolle um meinen Nacken, und das satte Grün ist mehr als vielversprechend.

So stricke ich also, mummle mich ins Bett, schlürfe heissen Johanniskraut-Lavendel-Tee (fürs innere Licht) und blättere zwischendurch zwischen irgendwelchen Seiten.
Was für ein gnädiger Augenblick.

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