Monatsarchive: Juli 2017

Phoenix aus der Asche

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Seit einer Woche weiss ich, dass ich an einem ziemlich verheerenden Eisen- und Folsäuremangel leide, eine Diagnose, die mich aufatmen liess, weil all die diffusen und immer stärker werdenden Symptome mir das Leben wirklich massiv erschwert hatten und ich mich je länger je mehr nicht mehr wie… wie ich selber fühlte. Ich dachte schon an Burn Out oder Krebs und wusste nicht mehr ein noch aus…
Ein Eisen- und Folsäuremangel lässt sich zum Glück mit minimstem Aufwand wieder beheben (Da die Krankenkasse Infusionen nur bezahlt, wenn Tabletten nicht vertragen werden, schlucke ich brav meine Pillchen). Trotzdem habe ich mir vorgenommen, an meiner Ernährung zu arbeiten, meinen reduzierten Kaffeekonsum von 1 Tasse morgens eisern beizubehalten und mir mehr Obst, mehr Gemüse, mehr Samen und Vollkornprodukte zu verordnen. Mit Obst fange ich an. Heute: ein erster Smootieversuch aus Apfel, Nektarine und vollreifer Honigmelone.
Naja, begeistert bin ich nicht unbedingt, aber was sein muss, muss sein.
Dafür bin ich überglücklich über die kleinen, braunen Kuchenstückchen, die ihr im Hintergrund des Fotos seht: meine misslungenen Hilts Brownies (aus dem Hiltl-Globikochbuch, nur mit weniger Zucker), die wie durch ein Wunder doch noch was wurden, auferstanden wie Phoenix aus der Asche.
Gestern nacht hatte ich nämlich vollkommen vergessen, nebst Zucker, Eiern, Butter und Schokolade auch Mehl in den Teig zu mischen. Wahrscheinlich lag es am Radio-Programm. Die Reportage vom roten Kreuz aus Lybien war wohl doch einen Ticken zu vereinnehmend… Jedenfalls fiel mir kurz vor Mitternacht, als ich die Brownies in Stücke schneiden wollte, plötzlich auf, dass der Teig total pampig und richtiggehend butterdurchtränkt war. Fett-triefend und völlig überzuckert und schlichtweg ungeniessbar. Das süsse Dankeschön für meinen Schwager würde also ins Wasser fallen. Ich war schon recht enttäuscht. Und ziemlich beschämt.
Heute mittag wollte ich das ganze Desaster fast schon in den Kompost werfen, da fiel mir plötzlich meine Mutter ein. Vor einiger Zeit war ihr in etwa dasselbe passiert, einfach mit Schokoladencake. Patent wie sie ist, knallte sie die halb gebackene Masse noch warm wieder zurück in die Schüssel, mischte das vergessene Mehl und nochmals ein Ei darunter- und buk es einfach noch einmals wie gehabt. Voilà.
Genau das habe ich dann heute auch probiert. Und was soll ich sagen; Sie schmecken wunderbar! Kein Mensch würde merken, dass er da gerade Phoenix aus der Asche auf seinem Kuchenteller liegt, hihi…

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Revue passieren

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Kind1 liegt schon im Bett. (Deshalb komme ich unerwartet zum Tippen und den Tag-Festhalten.) Das lange Stehen und die an sich ja nicht übermässig schwere körperliche Arbeit machen ihn müde, “anders müde als in der Schule, aber… trotzdem müde”.
Es war eine grossartige Woche für ihn. Er mag schnelle Autos und ist fasziniert von allem Technischen, von Schrauben und Schräubchen und wie die Dinge im Inneren funktionieren, und das obwohl er mit ziemlicher Sicherheit kein Automechaniker werden wird in absehbarer Zeit, denn eigentlich ist er ja im Gymnasium, wo er freiwillig nicht so schnell mehr weg will. Dass er trotzdem Motorenduft schnuppern durfte, war schon eine feine Sache und eine Art kleines Abenteuer für ihn. Ausserdem lernte er Onkel und Tante, Cousins und Cousinen ein Stückchen besser kennen, denn mein Schwager, dem die Werkstatt gehört, hat (genau wie seine Frau) ein riesengrosses Herz und nahm meinen Jungen ganz selbstverständlich jeden Mittag mit nach Hause an den Familientisch.
Ich mochte  ihn schon immer.
Jetzt mag ich ihn sogar noch ein bisschen mehr.
Gerade warte ich darauf, dass die Brownies im Ofen fertig backen. Brownies für morgen, für den letzten Werkstatt-Tag meines Grossen,  eine kleine Geste nur.

Mein Besuch heute war übrigens richtig schön. Und durchaus überraschend. Die liebenswerte alte Dame, die mich und die beiden Kleinsten besuchen kam, wünschte sich rundheraus eine “richtige Hausführung”, worauf ich natürlich rein gar nicht vorbereitet war. Den halben Morgen hatte ich im Erdgeschoss gewerkelt, Böden gesaugt, Geschirr gewaschen, das kleine Waschküchen-Gäste-Klo geputzt, Sachen verräumt. Aber all die anderen Zimmer sahen natürlich dementsprechend aus… Ich tat so, als wäre mir der Anblick der vielen schauderhaft zugerichteten Zimmer und ungemachten Betten (sogar mein eigenes war wild zerwühlt und nur halb bezogen- dabei bin ich hier normalerweise ziemlich eisern mit Aufräumen und so). In Wahrheit fühlte ich mich aber nackt und ertappt. Ich bin einfach keine tolle Vorzeige-Hausfrau.
Sie aber, die alte Dame, die ich mir bis anhin immer superpropper mit Staubwedel und Desinfektionsmittel vorgestellt hatte, schien das alles gar nicht zu bemerken. Sie lobte ohne mit der Wimper zu zucken unsere Umbaufortschritte, die Schreinerarbeiten, das neue Bad, die bunten Zimmerwände, den vielen Platz und schien schwer beeindruckt, als ich eher kleinlaut erklärte, dass ich jedes Zimmer maximal einmal pro Woche sauber kriegen würde, mehr läge einfacht nicht drin. Schelmisch lächelte sie mir zu und offenbarte rundheraus, dass sie sich für ihre kleine Wohnung eine Putzfrau gönne und selber nur putze, “wenn man den Dreck auch sieht”. Ich musste herzhaft lachen und fühlte mich sofort nicht nur verstanden, sondern gleich richtig verschworen. Was stecken die Menschen doch voller Überraschungen! Vor allem auch die älteren Generationen, die wir oftmals kaum noch wahrnehmen im Lebensgetümmel und nur allzu rasch in festgefahrene Vorurteils-Schubladen versorgen… Nun, er soll mir eine Lehre sein, dieser Tag. Und diese Gemeinschaft.
Und jetzt werde ich mich hinsetzen und kurz noch ein wenig stricken. Mein Jäckchen und die Ahnung vom Herbst, ihr wisst schon. Andererseits sind es nur noch wenige ungelesene Seiten von Ilse Gräfin von Bredows’ “Glückskinder”, und das Buch finde ich… angenehm, leicht trotz der Schwere mancher Schicksalsschläge in der Geschichte. Vielleicht ist Lesen bei Dämmerlicht, zwischen den von meinen beiden kleinen Mädche vorgewärmten Laken, sogar noch einen Ticken verführerischer als Stricken, jetzt wo der Browniesduft so schön durchs Haus zieht und ich so langsam müde werde…

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aus dem Leben

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Wenn ich nicht genau wüsste, dass wir Juli haben und so gut wie mitten in den Hundstagen stehen, ich würde kaum glaube, dass Sommer ist. Draussen klöpfelt der Regen gegen die Fensterscheiben und die regenscheuen Meerschweinchen rennen von Häuschen zu Häuschen, um das frisch gesprossene Gras der Wiese zu knabbern. Es ist kühl. Mich zieht es zu Wollsocken und heissem Tee und ich lege einen Zahn zu beim Stricken meiner blauen Wolljacke.
Gestern abend überfiel mich eine leise Melancholie. Eine Ahnung von Herbst.
Herr Kirschkernzeit ist zu einem Lager aufgebrochen und hat zwei unserer Kinder mitgenommen. Das Haus ist unvertraut still und wirkt viel zu gross für mich und das Übrigbleibsel meiner Schar. Dankbar registriere ich die eingespielten Spätabendschwätzchen mit Kind1 auf dem Sofa, wo wir uns alles mögliche zu Knabbern in der Küche zusammensuchen und zusammen auf den Polstern fläzen und plaudern und Sprüche klopfen (eine Eigenart von uns beiden, der Apfel fällt ja bekanntlich nicht weit vom Stamm.) Diese Zeit ist mir heilig. Sie kommt vor allem anderen. Auch vor dem Stricken (Multitasking ist nicht so meine Stärke). Und vor dem Schreiben.
Trotzdem fehlt mir die stille Zeit fürs Texten. Ich habe Fotos geknipst von meiner blauen “Quill”, die längst schon fertig geworden ist (aus diesem traumhaften Garn hier). Ein Mützenpost steht auf meiner wie immer ellenlangen Todo-Liste, von dem ich nicht weiss, wann ich ihn fertig bringen soll. Die Fotos sind keine Kunstwerke. Genausowenig wie meine Posts in letzter Zeit. Sie bleiben klein und spontan und ein wenig unfokusiert, eingequetscht zwischen den turbulenten Lebensmomenten, die diesem Lebensabschnitt wohl eigen sind.
Aber nun zurück zum Alltag. Meine beiden daheimgebliebenen kleinen Mädchen spielen gerade recht friedlich mit ihren Kuscheltieren und einem grossen Korb Puppenwäsche. Ein rarer Moment der Einingkeit, denn sie zanken sich sonst meistens wie Waschweiber *grins*. Ich bin also auf der Hut. Und heute erwarte ich Besuch. Von einer alten Dame, die sich saubere Böden und ein tadelloses Bad wohl gewöhnt ist. Es gibt also noch viel zu tun…

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like Instagram 183

Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Ich habe meinen Jungen wieder! Nach all den wilden Zeltlagertagen in Wald und Feld musste er natürlich gleich nach einer Schüssel Knuspermüsli mit Joghurt (“Darauf habe ich mich die ganze Zeit schon gefreut!”), einem grossen Glas Wasser (“Ah, nicht mehr aus dem Gartenschlauch!”), ein paar Knuddels für die kleinen Schwestern (der Rest ist bereits im nächsten Lager) und einem ausführlichen Erlebnisbericht all seine Insta-Abos updaten (*grins*). Aber ich bin wirklich glücklich, dass er wieder da ist, hier bei mir. So stolz es mich auch macht, zu erleben, wie er auch ohne mich auskommt (ja, wie eigentlich?), wie er sich einfügen kann in eine Gruppe und mit anderen gemeinsam etwas Tolles auf die Beine stellen, ohne dass jemand verhungert oder verloren geht (und ohne dass das Feld des Bauern abbrennt)- am liebsten ist es mir doch, ihn um mich herum zu wissen. Daheim. In Sicherheit. Die Abende waren sehr viel leerer ohne ihn und den so vertrauten Schwatz auf dem Sofa, wo ich ja eigentlich Radio hören wollte und er bittedanke seine mal wieder viel zu spät angefangenen Hausaufgaben zu erledigen hätte…
Heute schnuppert er den ersten Tag Autowerkstatt-Luft bei meinem Schwager. Spannend für seine Tüftler-Seele. Und ich muss ihn wieder teilen. Bis zum Abend.

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