Monatsarchive: Juni 2017

Little Shore Cardigan

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Darf ich vorstellen: Meine “Little Shore Cardigan”.
Ziemlich rosa-violett, ziemlich handgefärbt, simpel und ziemlich kuschelig. Nicht alle diese Eigenschaften sind nach meinem Geschmack, aber mein bald 5-jähriges Tochterkind wiederum ist begeistert- und im Grunde ist es ja auch sie, die in diesem Moment zählt. Es soll nämlich ihr Jäckchen sein, ein leichtes Sommernachtsjäckchen, das sie später dann hineinbegleitet in den Herbst. In ihren allerersten Herbst als Kindergartenkind.
Eigentlich hatte ich vorgehabt, mit diesem Post zu warten, bis ich ein Foto von Jäckchen und Kind im Kasten habe- aber das Wetter ist schon seit Tagen in vollester Sommerlaune, so heiss und hell, dass ich es einfach nicht über mich bringe, meine Kleine in irgendwelche Stricksachen zu packen, und seien sie noch so weich und duftig. Man findet selbst ein SeaCell-Seidenjäckchen nicht wirklich angenehm, wenn das Quecksilber am Anschlag turnt. Und genau das hat oberste Priorität für mich. Das Angenehm-Finden. Mein Töchterchen ist ganz und gar versessen auf die “Little Shore Cardigan”.
“Oh, wie weich!” rief sie immer wieder, sobald ich sie zur Zwischenprobe herzitierte, “Oh, wie weich! Und so rosa!” Kostbare Worte aus einem ansonsten doch auch recht kritischen Mund. Garn, das sie nicht kratzig findet, ist wirklich eine Rarität…
Genau mit dem Garn allerdings bin ich nie so richtig warm geworden. Das Material ist exquisit, keine Frage, ein wirklicher Schatz, der ganz bestimmt mit Leib und Seele und sehr viel Begeisterung getragen werden wird, aber die Farbe… Gefärbt ist es sehr gekonnt, richtig kunstvoll, aber ich kann beim besten Willen nicht mehr verstehen, wieso ich mir – lang, lang muss es her sein, denn dieser dicke Knäuel lag schon fast ewig in meinem Stash- ein Garn mit derart viel Blassrosa ausgesucht hatte…
Wahrscheinlich habe ich mich einfach verändert. Ein Stück weit immerhin. Manche Farben und Materialien, die ich früher unwiderstehlich gefunden habe, kommen mir heute fremd vor und gar nicht mehr besonders anziehend. Zum Beispiel bei handgefärbter Wolle: Früher konnte es mir nicht bunt und lebendig genug sein, je mehr Farbkombinationen in einem Strang, desto besser, und auch starke Kontraste fand ich schön. Heute wähle ich vor allem semi-solide Handfärbungen, am liebsten nur noch dezent variert, mit einem Hauch von Farbvariation in einem ansonsten ruhigen Tongrund. Und ich habe Angst vor Pooling-Effekten, ein Thema, das mich ganz zu Anfang meiner Strickleidenschaft kein bisschen beunruhigt hat. Damals habe ich einfach frischfröhlich einen Wollstrang an den anderen angestrickt und mich nur kurz gewundert, dass die neue Partie farblich vielleicht doch recht anders ausfiel als die vorherige. Einige meiner selbstgestrickten Sachen sind ziemlich ungleichmässig, was die Tönung angeht. Und es hat mich kaum je gestört. Doch neulich hatte ich ein Paar meiner Handstricksocken in den Händen, Socken, die ihre einzelnen Wollfarb-Komponenten besonders intensiv gebündelt hatten und zu unförmigen Klecksen verlaufen liessen. Mich schauderte beinahe. “Waren die schon immer so?!”, dachte ich ungläubig. Wahrscheinlich ja. Mit Sicherheit sogar.
Mittlerweile verstricke ich handgefärbte Garne nur noch alternierend mit zwei Knäueln gleichzeitig. Sobald für ein Projekt mehrere Strangen Wolle verbraucht werden sowieso, selbst dann, wenn die Farbunterschiede innerhalb der Strangen nur klein sind. (Zum ersten Mal ausprobiert habe ich diese Technik damals an diesem Pullover, und ich war sofort begeistert vom ausgeglichenen Farbresultat.) Beim meiner violett-rosa “Little Shore Cardigan” hatte ich den Eindruck, die einzelnen Farben des verstrickte Fadens würden permanent zu neuen Pools zusammenfliessen, und so wechselte ich die Knäuel bewusst unregelmässig, immer irgendwie nach Gefühl.
Ob es genützt hat, weiss ich nicht so genau. Das Muster kommt mir auch so sehr unruhig vor und der Kontrast zwischen dem wechselhaften Körperteil und den fein geringelten Ärmeln ziemlich frappant…

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Aber was soll’s. Die Empfängerin dieses Jäckchens schert sich keinen Deut um Pooling oder sonstige Stilfragen- für sie zählen Weichheit und Farbe, und Blassrosa mit Violett gepaart mit der unwiderstehlichen Softheit des Materials vermögen sie offensichtlich bereits vollkommen zu überzeugen.
Mich wiederum überzeugt der wirklich schöne Schnitt mit seiner leicht gerundeten Vorderseite, die dank verkürzten Reihen ein wenig kürzer ausfällt als der Rückenteil, etwas, das ich selber sehr angenehm finde, weil so der Rücken gut geschnützt bleibt, selbst bei einem bewegungsfreudigen Kind. Carrie Bostick Hoge’s Anleitungen sind unglaublich gut geschrieben, immer ausführlich und mit vielen Zwischen-Maschenangaben, so dass man jederzeit nachkontrollieren kann, ob man noch immer alle nötigen Maschen auf den Nadeln hat. Sie zeigt Liebe zum Detail, ohne einem mit allzu vielen Ausführungen zuzupacken, und fast immer baut sie zusätzlich Charts und genaue Massangaben mit ein.
An meiner kleinen “Little Shore Cardigan” habe ich auch unglaublich gerne gearbeitet. Alles ging ganz leicht und locker voran, eine wahre Strickfreude, die mir richtig gut getan hat. So gut… dass ich, kaum hatte ich die letzten Maschen abgekettet, einen virtuellen Abstecher zum Strickcafé machte. Um neue Wolle zu bestellen. 5 Strangen “Tosh DK” in der herrlichen Farbe “Stargazing”. Für noch ein Jäckchen von Carrie Bostick Hoge: für eine feine “Canvas Cardigan” diesmal aus dem wunderschönen (wenngleich auch ziemlich teuren) Magazin “Making Nr.3″.  Erst vorgestern habe ich Käuel gewunden und mich in die ersten paar Reihen vertieft.
Schön.
Ich denke, auch mit diesem Wolljackenprojekt habe ich etwas gefunden, auf das ich mich vorfreuen kann. Jeden Tag aufs Neue. Stricken gehört einfach schon so sehr mit dazu zu meinem Leben…

Und die Trage-Fotos vom Jäckchen in Aktion? Die kommen noch. Versprochen. Gelegenheit dazu werde ich ganz bestimmt noch haben, so freudig wie meine Kleine ihr neues Jäckchen in Empfang genommen hat…

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ein Bild erzählt: Knöpfe

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Und manchmal hilft ein Bild auch, Worte zu finden, Dinge neu zu sehen, den Moment besser zu erfassen, den Alltag zu ent-wirren, Alltags-Erinnerungen zu schaffen. So wie hier.
Ein Bild erzählt

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Dieses Bild sagt: Meine “Little Shore Cardigan” ist fertig!
Mit Knöpfen sogar.
Dabei waren genau die Knöpfe ein bisschen ein Problem, denn die Wolle war unruhiger als gedacht und die Farbe knopfmässig schwieriger zu ergänzen als erwartet. Meine drei bestellten Knopfvarianten werden wieder zurück gehen ans Strickcafé, denn sie passen nicht recht, und ich muss sparen, für meine 5 (!) Knäuel Tosh DK, die ich gleich mit derselben Sendung erhalten habe, und aus denen ich so wahnsinnig unbedingt gerne ein neues Wolljäckchen stricken möchte, in ganz ähnlichem Stil wie die kleine, rosa melierte Cardigan hier, nur sehr viel grösser und mit noch mehr verkürzten Reihen, Carrie Bostick Hoges “Canvas Cardigan”, ein Jäckchen für mich selbst.
Die Knöpfe, die ich gestern Nacht noch angenäht habe, stammen übrigens aus meinem Fundus, wo es nur wenige Knöpfe gibt, dafür umso mehr Wolle und noch sehr viel mehr Stoffe. Es sind niedliche kleine, grauglänzende Perlmuttknöpfchen, von denen ich gar nicht mehr genau weiss, woher ich sie habe. Ein liebes Leserinnengeschenk vielleicht?
Die Postkarte finde ich umwerfend. Es zeigt einen Reliquienbeutel aus dem 8. Jahrhundert., ganz aus Seide gewoben und wirklich verblüffend gut erhalten. Das schlichte Design, die feinen Quasten, das edle Material und die herrliche Farbzusammenstellung des Gewebes erwecken in mir ein ganz… ja, ein eigentlich ganz modernes Gefühl. Richtig kombiniert würde so ein Täschchen wahrscheinlich gar nicht gross als “altmodisch” auffallen, denke ich. Passt bestens zum Etno-Style. Und war Senf nicht erst Farbe der Saison oder so?… Mein Gotti, das mir diese Karte geschickt hat, scheint meine Liebe zu geschichtsträchtigen Textilien (und zu Stoffen überhaupt) jedenfalls ziemlich gut zu kennen (Merci!). Wie schön, sind sie- trotz Instagram und all dem modischen Zeugs- noch nicht ausgestorben, die guten alten Postkarten.

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Mit Gemüse aus dem Garten ist es so eine Sache… Salat zum Beispiel ernte ich gar nicht gern. Das Waschen dauert immer eine gefühlte Ewigkeit. Und ausserdem weiss man nie, was drin ist. Trotzdem hüte ich mich davor, das Salatwaschen zu delegieren; Beim letzten Mal hatte ich eine Assel im Teller, die frischfröhlich von meiner Gabel krabbelte. Beim vorletzten Mal eine Fliege. Die krabbelte allerdings nicht mehr.
Als ich heute Kefen fürs Abendbrot geerntet habe, fiel mir auf, wie ungeheuer schön diese Zuckerschoten doch sind. Zart geschwungen, angenehm handlich, wahnsinnig grün, lecker obendrein- und wunderbar sauber.
Keine Frage; diese Art von Garten-Gemüse mag ich.

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kleine Segnungen

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Ich hätte grosse Lust gehabt, diesen Post hier einfach nur mit einem Datum zu betiteln. So wie es Soulemama immer macht seit Anfang Jahr. Ich finde, diese Art des Schreibens kommt dem Tagebuch unheimlich nah und fühlt sich entspannter und freier an als jede andere Blogpostform, die ich kenne… Eine wunderbare Idee. Und konsequent von ihr umgesetzt. Aber andererseits… Ich mag Texte, die einen gemeinsamen Nenner haben. Und ich habe es gerne einfacher, wenn ich einen meiner Posts im Archiv suche, was sehr viel schneller geht, wenn ich so in etwa eine Erinnerung habe an den grossen Zusammenhang, in den ich ihn gestellt habe… Und sowieso; Auch wenn ich am liebsten einfach nur geschrieben hätte “10.06.2017″- meine Fotos stammen leider meistens nicht aus einem einzigen Tag, sehr selten sogar alle aus derselben Wochenhälfte, weshalb das heutige Datum nicht mehr ganz so gut passen würde als Überbegriff. Andererseits schreibe ich ja nur heute meinen Eintrag und fasse bildlich so ein bisschen zusammen, was ist, nicht nur heute vielleicht, aber trotzdem jetzt gewissermassen…

Nun, wie dem auch sei. *räusper*

Im Moment scheint hier ungeheuer viel abzulaufen. Nicht unbedingt im gehetzten Sinne, was sehr erleichternd ist für mich, denn das Gefühl des Gehetztseins und des “Zu viels” hat mich viele Monate lang begleitet und offen gestanden stärker belastet als ich es mir eingestehen wollte. Der letzte Herbst und der ganze Winter war irgendwie… überwältigend für mich. Zermürbend und erschöpfend. Und der kleine Friede, der sich über uns gelegt hat in diesem Frühjahr, ist der grösste Segen, den ich mir vorstellen kann. Ich bin noch immer sehr müde, ja. Manchmal bin ich vielleicht sogar müder und weniger belastbar, als in der eigentlichen … Kriese (?) selbst. Aber in gewisser Weise fühle ich mich auch regeneriert, mehr wieder ich selbst, wieder “ich lebendig” und nicht mehr nur diese (eher harzig) laufende Maschine, die vor allem eines wollte: Jeden Tag überstehen. Und es morgen besser machen.
Das letzte Wochenende zum Beispiel war eines der harmonischsten überhaupt. Und auch dieses hier fühlt sich schön an, gesund, nach Familie. Kaum Krach (nur Lärm), ganz viel Miteinader und Umeinanderherum. Kinder, die spielen und reden und lachen. Konkurrenzkampf oder Sich-aneinander-Reiben sind sicher auch richtig in einer Familie, sie müssen sein, genauso wie die grossen und kleinen kindlichen Erschöpfungsmomente, die Tränen, das Jammern, die verlorenen Nerven. Ich weiss, dass es meine Aufgabe ist, diese schwachen Augenblicke aufzufangen, die Trösterin und Führerin zu sein, die im Herzen des Mutterseins liegt. Und ich tue es gerne. Ehrlich.
Aber manchmal… manchmal kann es einfach auch zu viel sein. Vor allem, wenn die schwierigen Momente anhalten, gleich mehrere Kinder ihre anspruchsvolleren Phasen gleichzeitig haben und sich darin abwechseln, mich bis ins Mark zu brauchen. Dann- irgendwann- kippt etwas in mir. Und nichts geht mehr, wie ich es mir wünsche.

Aber das ist jetzt nicht mehr wichtig. Was jetzt ist, zählt. Und das “hier und jetzt” ist gut zu mir. (So gut, dass ich es sogar ab und zu zum Backen und richtig Kochen schaffe. Das Foto mit der selbstgebackenen Focaccia und dem grünen Salat aus dem eigenen Garten repräsentieren meine Freude über diese kleinen, jedes Selbstwertgefühl stärkenden Erfolge…)
Ich habe heute beim Jäten eine Strauss dieser sonderbaren, margarithen-ähnlichen Blumen gepflückt, die in meinen Beerenrabatten wachsen. Sie breiten sich aus, versamen sich ganz von selber und spriessen Jahr für Jahr an neuen Stellen wieder. Zuerst habe ich mich gefreut über diese unerwartete Beblumung. Dann aber habe ich einen Radioartikel über invasive Neophyten gehört, und beim Nachlesen im Netz dann entdeckt, dass diese süssen und sogar leicht nach Jasmin duftenden Pflanzen im wahrsten Sinne des Wortes “Un-Kraut” sind, das “einjährige Berufskraut”, eine invasive Neophytenpflanze, die sich hier eingeschlichen hat und unseren heimischen Gewächsen nun den Platz streitig macht. Einen Teil habe ich abgeschnitten und in einer Vase eingestellt. Doch der Rest kam in die grüne Tonne, bereit für die Biomüllabfuhr. Schade eigentlich. Ein bisschen zumindest.

Auch ein klitzekleines bisschen schade finde ich es ja immer, wenn meine Kleinste sich hingerissen ganzen Washitape-Rollen widmet, die gerade innert kürzester Zeit Puppenpfännchen und Holzwürfel und eigentlich alles, was ihr gerade in die Finger kommt, verzieren. Ich habe die verfügbaren Kleberollen ein wenig reduziert, aber ganz alle wollte ich ihr dann doch nicht wegnehmen; die unglaubliche Hingabe und Begeisterung, mit der sie dieses Material und ihre neue Fingerfertigkeit erkundet, rührt mein Mutterherz einfach zu sehr…

Eine Freude ist auch die wunderschöne Glockenblume, die gerade bei mir in der Küche prangt. Meine Mädchen haben sie auf einer Wiese entdeckt und heimgebracht, und ich träume nun insgeheim von einer kleinen Glockenblumenecke in unserem kleinen Gärtchen. Vielleicht anstelle des “Berufskrauts”? Doch wahrscheinlich würde es den Glockenblumen zwischen Johannisbeer und Stachelbeeren nicht wirklich so gut gefallen…

Was mich auf das nächste Thema bringt: Mein ozeanblauer Knäuel “Bloomsburry DK” von “The Yarn Collective”, den ich kürzlich von “Love Knitting” zugeschickt bekommen habe, ist ein wahrer Traum an Wolle! Ich konnte die Finger nicht davon lassen und musste ihn einfach aufwinden und zur Maschenprobe verstricken. Das Ergebnis ist ein buchstäblich butterweiches, herrlich fliessendes Gestrick, das mein Tochterkind geradezu ins Schwärmen brachte. “Ist das Kaschmir ?” fragte sie. Ist es nicht. Fühlt sich aber so an. Sie wünscht sich diese Mütze daraus. Und ich hoffe nur, dass ich das mit der Grösse irgendwie hinkriege. “Quill” gibt es nämlich leider nur in einer einzigen Erwachsenengrösse…

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