Monatsarchive: Mai 2017

Für ihre Puppenküche

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Früher, noch bevor ich Kinder hatte, war mir gar nicht so richtig klar, wie sehr es im Leben auf den richtigen Zeitpunkt ankommt. Wahrscheinlich muss man für diese Erkenntnis gar nicht erst Mutter werden, aber nach all den Jahren, in denen ich nun schon kleine Wesen in ihrem Wachsen und Werden begleite, ist es mir mittlerweile einfach in Fleisch und Blut übergegangen: Es kommt nicht nur darauf an, was man tut, sondern mindestens so sehr auch mit wem und vor allem wann. Es gibt gutes und schlechtes Timing, und gerade in der Entwicklung eines Menschenkindes gibt es phasenweise intensivste Interessenthemen, die aber nur für eine manchmal gar nicht so lange Weile bestehen bleiben, ein bisschen wie eine Blume, die nur für einige Zeit blüht oder Samen trägt- und wenn man sie nicht rechtzeitig bemerkt und erntet, ist ihre Zeit, ihre Chance vertan.
Ich denke, meistens ist das kein grosses Drama. Aber schade ist es schon. Mein grosses Mädchen zum Beispiel war mit vier ein leidenschaftliches Puppenmütterchen. Sie schleppte Schmusetier um Schmusetier mit sich herum, bewirtete es mit ihrem kleinen Teddygeschirr am alten Kinderzimmertischchen und konnte sich nicht trennen von den -in meinen Augen- schrecklichen Babyborn Plastikbabies, die sie einmal im Estrichfundus meines Elternhauses entdeckt hatte. Ich hatte lange nach einer Waldorfpuppe für sie gesucht, lange gefahndet und mir alle Mühe gegeben, das perfekte Puppenkind für sie zu finden. Die Wahl fiel mir unendlich schwer. Schliesslich durfte sie ihr ganz eigenes Puppenmädchen sogar selbst zusammenstellen, vom Hautton bis zur Augen- und Haarfarbe. Die lange Wartezeit nahm ich in Kauf, keine Frage, ich dachte mir, je stärker mein Kind sich einbringen kann in den Auswahlprozess, desto inniger wird wohl ihre Beziehung zur Puppe werden…
Schliesslich war die Puppe da, ein wunderwunderhübsches Puppenkindchen, das sofort alle Herzen im Sturm eroberte. Mein Mädchen war glücklich -aber bald, ganz unerwartet bald schon… dem Puppenspielalter entwachsen.
Nur wenige Monate (Wochen?) später blieb die so lang ersehnte und zusammengesparte Traumpuppe im Regal sitzen, Tag für Tag, Woche für Woche- und das bis heute.
Wir waren einfach zu spät.
Ich hätte rascher reagieren und weniger zaudern und abwägen sollen, als ich die Puppenmutti in meiner Tochter erwachen sah… Manchmal wachsen die Kinder einfach einen Zacken zu schnell, nicht wahr?

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Genauso lief es mit dem Thema Kinderküche. Schon vor Jahren hatte ich vor, den Kindern einen Spielkochherd zu kaufen. Doch irgendwie lief ich nie dem richtigen über den Weg, sie waren mir alle zu unschön, zu klobig, zu dominant oder auch schlichtweg zu teuer. All meine hochstehenden Selberbau-Vorhaben verliefen ebenfalls im Sand, teils aus Zeitmangel, teils, weil ich einfach doch nicht soooo gerne mit Holz und Farbe hantiere, wenn ich wirklich ehrlich zu mir bin. Und sobald ich mir vornahm, mich endlich eingehender mit dem Thema zu beschäftigen, war das Kind bereits wieder in neue Interessengebiete entwischt, begann zu lesen oder sammelte leidenschaftlichst Pokemonkarten- und das war’s dann auch schon.
Schade eigentlich.

Jetzt, beim fünften Kind aber, scheine ich meine Lektion gelernt zu haben.
Kurz vor ihrem 2. Geburtstag, kaum hatte ich eine gewisse Hartnäckigkeit im Bekochen von Puppenkindern und Plüschtiervolk bei meiner Kleinsten entdeckt, sah ich im Secondhandshop einen äusserst einfachen, kleinen Kochherd aus Holz, eigentlich nicht viel mehr als eine Herdplatte mit Drehknöpfchen und einem kleinen Rückenregal, das man zusammenklappen kann, wenn man das Ganze irgendwo verstauen will. Zwar keine eigentliche Schönheit, aber simpel und nett und superpraktisch und mit einer klaren Aussage: Hier ist Platz fürs Brutzeln und Kochen, ein guter Ort zum Zusammenpantschen von Filzbällchensuppen und Bauklötzchenburgern.
Als meine Kleinste ihre Miniatur- Kinderküche dann einweihte, stand sie sie bei weitem nicht allein am Herd: Drei ihrer Geschwister klapperten eifrig mit ihr in den kleinen, roten Emailletöpfchen, die ich beim Claro-Weltladen entdeckt hatte, schmissen Holzobst in die Pfanne und gossen imaginäres Wasser in die kleinen, bereits ziemlich mitgenommenen Holztassen auf dem rasch gedeckten Puppentisch.
Seither vergeht kein Tag ohne ein lautes: “Ässä!”, das mich an eine liebevoll mit Platzdeckchen, Geschirr und Besteck hergerichtete Puppentafel ruft, wo ich filzige Eintöpfe löffle und an der halben Spielzitrone in meinem Becher erkenne, dass es Zitronensirup gibt heute…
Ich denke, diesmal war das Timing gar nicht mal so schlecht.

Warum ich euch all das erzähle? Eigentlich nur deshalb: Seht ihr den grossen Filzkorb auf den Fotos? Den hab’ ich gemacht, nach dieser Anleitung und aus lauter Wollresten und einzig aus dem Grund, dass ich gerade Lust hatte, ein paar meiner Vorräte zu verstricken. Ausserdem ist so ein Korb recht praktisch, wenn man, so wie wir, ein stark vereinfachtes, dafür aber ständig zu- und wieder abnehmendes Sortiment an oftmals eher improvisierten Puppenkoch-Zutaten in der Puppenküche stehen hat, die alle einen klaren Ort brauchen, wo sie so rasch und unkompliziert wie möglich darin verschwinden können.

Alles in allem eine wahre Freude, das alles. Vom gestrickfilzten Korb (den ich zwar farblich alles andere als hübsch finde, aber trotzdem mag irgendwie) über die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt bis hin zu meinem seelig spielenden kleinen Puppenmütterchen.

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Veröffentlicht unter Dankbarkeit, Familienalltag, Kinder, Stricken, what makes me happy, Zuhause | 4 Kommentare

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Sommergefühle. So richtige gute, so mit Hängematte, Erdbeeren aus dem Dorf, mit Barfusslaufen und Gummipflantschbädli im Garten. Und wie lebendig die Welt doch geworden ist; Es kreucht und fleucht in den Zweigen und Halmen, dass es eine wahre Freude ist. Eine Sommerfreude. Dieses hübsche Kerlchen (ein Lindenschwärmer) war auch schon zu Gast bei uns…

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Zur Zeit…

DSC_0649 DSC_0443Zur Zeit… fühle ich mich unsagbar wohl und zufrieden. Meistens jedenfalls. Manchmal werde ich zwar nervös und ungeduldig, kann den Feierabend und ein Zusammentreffen mit meinem Strickkörbchen kaum noch erwarten, doch meistens geht der Tag um, ohne dass ich recht weiss wie derart viel Zeit so unglaublich rasch verfliegen kann…
Eben noch waren die Beerenrabatten fast kahl und ich musste wirklich fast gewaltsam an mich halten, um nicht alle möglichen Blumen und Pflanzen in die vielen noch erdbraunen Lücken zu setzen- und nun? Grün, wohin das Auge auch blickt. Und alles, was zwischen den Sträuchern wuchs, ist bereits vom Blätterwerk verschluckt. Auch der Flieder ist schon verblüht. Das wenige, das überhaupt zum Blühen kam. Manches ist wohl noch als Knospe im letzten Frost erfroren, anderes gar nicht erst entstanden, denn dem Flieder geht’s nicht so gut, er ist hoch und dünnstielig und vielleicht allzustark ausgelichtet worden, wer weiss. Dabei habe ich Flieder so gern. Ich wünschte, ich könnte einen Garten haben rein aus duftenden Blumen und Büschen, so einen richtigen Parfumgarten. Eines Tages vielleicht, wer weiss…

DSC_0647 DSC_0637Zur Zeit… liebe ich es, zuzusehen, wie meine Kleinste ihre Reihen aufbaut. Aus allem, was sich gruppieren lässt. Ein Brio-Wagen neben dem anderen. Holztierchen nach Holztierchen. Stoffserviette an Stoffserviette. So wie es schon Tausende von Kindern vor ihr getan haben. Diese Wiederholung der Dinge empfinde ich als ungemein entspannend. Weil sie mir das Gefühl vermittelt, dass so wie es ist, alles ganz und gar in Ordnung ist, organisch gewachsen, stetig in natürlicher, gesunder Entwicklung, genau wie es sein soll und darf. In diesen Momenten scheint es mir, das mit dem Kinderhaben ist doch eigentlich gar nicht so kompliziert… (In anderen Momenten wiederum denke ich das Gegenteil. Dann meistens, wenn ich selber versage und wieder einmal sehen muss, wie viel ich selber noch zu wachsen und zu lernen hätte)

DSC_0632 DSC_0629Zur Zeit… bin ich keine grosse Küchenfee. Es gibt Phasen, da macht es mir nichts aus, jeden Mittag eine Stunde lang die Kelle zu schwingen und danach nochmals fast so lange das von mir angerichtete Chaos zu beseitigen, und dann wiederum… ist mir die Zeit dazu einfach zu kostbar. Weil ich gerade voll im Aufräumfieber bin zum Beispiel, so wie jetzt, und am liebsten bis kurz vor Zwölf noch den Jackenschrank aussortiere, Sachen wegpacke, weggebe oder soweit repariere, dass sie wieder mit gutem Gefühl getragen werden können.
In solchen oder ähnlichen Zeiten gibt es viel Spaghetti mit Gorgonzolasauce, schnelle, aber hoffentlich trotzdem rassige Tortillas oder Hörnli mit Hackfleisch und Apfelmus. Und im äussersten Notfall Sandwiches und Gemüse zum Dippen.
Dass ich es neulich am hellheiteren Nachmittag an den Herd geschafft habe, um Scones zu backen (meine allerersten!), hat mich selber wahrscheinlich noch mehr erstaunt als meine Kinder. Und sie waren -nach einem Rezept aus “Backen mit Leila”- nicht mal schlecht, sehr buttrig zwar, aber äusserst fein und deliziös, so mit geschlagener Sahne und Erbbeermarmelade.

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Zur Zeit… bin ich ganz verschossen in unseren winzigkleinen und an sich ziemlich langweiligen Garten. Nichts daran ist besonders fancy, im Gegenteil, unser Gärtchen sieht recht durchschnittlich aus, mit einer kleinen Gemüserabatte, schmalen Beerenstrauch-Borten, die die Meerschweinchenwiese flankieren, mit ein paar Blumensträuchern wie simplen Rosen, einem Flieder, dem einen oder anderen Obstbäumchen im Babystadium… Offensichtlich hübsch ist nur die Laube, die hat was Anziehendes, finde ich, aber auch so, in seiner ganzen Einfachheit, mag ich meinen kleinen Flecken Natur. Weil es meiner ist. Weil ich jedes Pflänzchen kenne, von klein auf, selbst das Unkraut, das ich jeweils kritisch beäuge, weil ich mir nie sicher bin, ob es nicht vielleicht doch wild versamter Mohn oder ein Akeleien-Nachkomme aus dem Beet meiner Nachbarin sein könnte… Na, jedenfalls macht mich mein Garten sehr glücklich. Gerade auch die momentane Ordnung, jetzt, bevor das Unkraut überhand nimmt und nach dem vielen, matschigen Braun des Früh-Frühlings, wo das junge Grün wirklich noch jung und frisch aussieht und damit irgendwie sauber und gekonnt und gesund, und das obwohl wir ja absolut keine Ahnung haben, wie man richtig gärtnert, sondern einfach irgendwas vor uns hinwursteln, ganz ohne Konzept und grosse Planung. Wahrscheinlich werde ich im Herbst, wenn ich definitiv noch mehr Tulpenzwiebeln pflanze, schon gar nicht mehr wissen, welche Farben ich wo schon gesetzt habe. Aber das wusste ich im letzten Herbst ja auch nicht, und ich fand es ziemlich spannend, die kleinen Stilleben spriessen zu sehen, die der Zufall im Frühjahr dann ergab. Schwarze und weiss-rot gestreifte Tulpen neben Rhabarber und Vergissmeinnicht zum Beispiel. Oder ein lichtes Meer aus Lila, Pink und Violett zwischen den -leider ganz braun gefrorenen- Hortensien. Mal sehen, was sich noch entwickelt…

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Zur Zeit… darf ich Tag für Tag beobachten, wie sich die lange Zeit eher introvertierte Kreativität meiner Zweitjüngste zur vollen Blüte entfaltet. Sie bastelt und werkelt, zeichnet und malt und hantiert eigentlich ununterbrochen mit allem, was ihr in die Finger kommt. Vom Pappkarton der Milchpackungen, aus dem sie einen fliegenden Drachen für ihre Lieblingstierchen zaubert bis zum Tulpenkelch, dem leider ein Stiel fehlte (den klebte sie kurzerhand in Papierform wieder an). Ein innerer Kritiker scheint noch nicht erwacht zu sein, darum gibt es so gut wie kein falsch oder geht-nicht, sondern einzig gut und noch besser. Diese Phase ist kurz und kostbar und ich geniesse jede Minute, in der ich Zeitzeugin dieser herrlichen Entwicklung sein darf. Ich weiss aber auch… bald werden andere Themen kommen. Kindergarten-Themen. Weniger Ich-mit-mir-selbst-Zeiten, in denen dieser kreative Strom fliessen darf dann wenn und solange sie es braucht, mehr Wir-Zeiten, in denen sie lernen muss oder darf, wie es ist, sich einzufügen in eine neue, fremd gesetzte Kindergruppe unter einem klar gesetzten Zeitplan. Auch das hat sein Gutes und ein grosses Potential, ich weiss. Es wird gut sein, so wie es kommt. Daran glaube ich. Jedem Thema seine Zeit, nicht?

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berührt: Lieblingsmoment

“Berührt” heisst für mich;
Ab und zu möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Neu angelegte Lavendelbeete (ich liebe Lavendel!), ein paar Rosen und dies und das. Neben mir ein behandschuhter Herr Kirschkernzeit über einer schon halb gejätete Rabatte, die auch die Nachbarin glücklich macht, weil ihre Rosen und Lilien nun nicht länger von unserem Unkraut zugewuchert werden und mich emotional entlastet, weil ich nicht länger mit einem schlechten Gewissen zu kämpfen haben werde, wenn ich zukünftig aus dem Küchenfenster schaue. Ein milder Frühlingswolkenhimmel zu Gummistiefeln und kunterblauem Jerseyjupe, genäht aus den T-Shirts meines Schwagers. Leuchtwesten fürs Profi-Feeling und eine neugierig zuschauende Pandabiene samt Löwenzahnkränzchen auf einem Kinderstuhl am Strassenrand. Und all das gemeinsam und zusammen, Arbeit und Freude nebeneinander und durch einander, freie Zeit, die sich sinn-erfüllt anfühlt.
Ich denke, das ist der Stoff aus dem rasch einmal Lieblingsmomente werden.

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