Monatsarchive: April 2017

Die Weste „Evelina“

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Nach gut zwei Wochen herrlichsten Frühlingssonnenwetters hat der Winter noch ein kleines Stelldichein hier verabredet, bevor er uns endgültig verlässt für diese Saison: Es ist ausgerechnet über Ostern so kalt und windig geworden, dass es heute sogar geschneit hat. So schön die ersten warmen Tage auch waren, jetzt zeigt sich die Kehrseite des sonnigen Aprils, denn ich bange um unsere Kirschblüten und die ersten Gartensetzlinge, zu denen der Herr Kirschkernzeit sich trotz Eisheiligen und wider besseren Wissens hat hinreissen lassen… All unsere Beerenbüsche, sogar der Flieder hat erste Blütenstände, ganz knapp vor der Blüte, und es wäre ein Jammer, wenn die ganze Frühlingsblütenpracht noch eingehen würde, nach einem derart schönen Auftakt.
Immerhin; Es fühlt sich irgendwie doch natürlicher an, bei tieferen Temperaturen mein Strickzeug zur Hand zu nehmen als bei fast 20 Grad, die einem den Sommer schon hautnah erahnen lassen. Das dunkelblaue „Annabel Babe“-Jäckchen für meine Kleinste ist vorgestern fertig geworden, bereit für weitere klamme Zeiten, nur die Knöpfchen fehlen noch.
Und dann diese Weste hier!

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Ich muss gestehen, ich bin gar nicht mal so unglücklich, dass es der Frühling nun doch noch ein wenig langsamer angehen lässt, so kann meine Zweitjüngste ihre neue, pinkfarbene Wollweste noch geniessen, bevor sie allzu sehr ins Schwitzen kommt darunter.
Die Wolle wurde von einer alten Dame aus der Region von Hand gesponnen und von Hand gefärbt und ist wunderbar weich und urchig. Ich hatte nur diesen einen Strang davon, was die Projektsuche dafür ziemlich erschwerte, aber ich denke, mit der Drops Weste „Evelina“ habe ich so ziemlich das Richtige dafür gefunden. Überhaupt kann ich nur Gutes von diesem Strickmuster berichten und es jeder Strickerin, auch blutigen Anfängerinnen, von ganzem Herzen empfehlen, weil es einfach ist und sich fantastisch dazu eignet, alle möglichen dickeren Wollgarne zu verarbeiten. Ich musste die Maschenzahlen ein wenig anpassen, weil meine Maschenprobe nicht zu 100% stimmig war, doch das hat recht gut geklappt und war auch keine grosse Sache. Und meine Angst, das Garn könnte mir mitten im Projekt ausgehen, war auch unbegründet, es ging bestens auf mit meinem Knäuel.
Ich bin ein grosser Freund der Westentasche und konnte mir ein kleines Extratäschchen natürlich nicht verkneifen. Als ich dann zum Bindeband kam, übermannte mich zudem urplötzlich die Lust, diesem ohnehin schon verspielten Westchen einen Hauch von… Zirkus aufzusetzen, und schon sah mam mich in meinem kleinen Körbchen voller Filzbällchen herumkramen, Filzmurmeln, die ich schon seit Ewigkeiten rumstehen habe, ohne sie je verwendet zu haben bisher. Pompons und bunte Bällchen erinnern mich einfach an Zirkusclowns. Und Zirkusclowns wiederum an unbeschwerte Momente voller Fröhlichkeit und Freiheit. Und davon wünsche ich ihm ganz, ganz viel, meinem kleinen Pausbackenmädchen. Mindestens eine ganze Westentasche voll.

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Ein Bild erzählt: Auf dem weissen Küchenboard

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Und manchmal hilft ein Bild auch, Worte zu finden, Dinge neu zu sehen, den Moment besser zu erfassen, den Alltag zu ent-wirren, Alltags-Erinnerungen zu schaffen. So wie hier.
Ein Bild erzählt

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Uninszeniert und unorganisiert, mit einer halb versteckten Karte aus Prag und kleinen, süssen Ostergeschenken von besonders lieben Menschen (Danke, Susi und Gotti, ich habe mich wahnsinnig gefreut!). Da ist noch die pinke Teeuhr, die ich eigentlich gar nicht behalten wollte und die trotzdem immer noch hier rumsteht und ein wunderhübsches filigran bemaltes Prager Ei , das von der Decke baumelt. Zwei Tulpen, ein Gemälde meiner Kleinen, zwei blaue Wolfsbilder von Kind2.
Voilà.
Irgendwie kommt immer eins zum anderen. Und auch wenn ich euch lieber ein hübsch hergerichtetes, sauber arrangiertes (und heller fotografiertes) Bild eingestellt hätte… so sieht es aus im Moment auf meinem weissen Küchenboard über der Spühle. Und eigentlich im ganzen Haus: bunt zusammengewürfelt- und permanent in Entwicklung.

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Nachdem ich erst gestern allen Ernstes der ganzen Welt verkündet habe, wie ausgeglichen und in mir ruhend ich bin zur Zeit… könnte ich schon heute (wie ironisch) wegen jeder Kleinigkeit ausflippen.
Und tue es auch *schäm*.
Es war wohl doch ein bisschen viel, diese Woche, und dieses Wochenende bin ich schon wieder alleine mit den Kindern… Ich muss zugeben, ich fühle ich mich eher wie ein Drache als wie Buddha. Und empfinde solidarische Sympathie mit der gezeichneten Glumanda meiner Vierjährigen, so feurig wie sie aussieht.
Nur leider bin ich nicht ganz so schnucklig…

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Frieden

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Frieden. Ja, es ist so etwas wie Frieden, der über den letzten, hier so stillen Tagen lag. Ein Frieden, unterbrochen von den ganz normalen Streitereien und lauten Stimmungsausbrüchen, die einfach zu uns als Familie zu gehören scheinen, die zu uns Menschen gehören, denke ich, zu den einen (zu mir) mehr, zu den anderen weniger. Nicht jeder Charakter hat diese wunderbare, aus sich heraus pazifistische, geduldig annehmende Haltung. Was für manche Menschen gut aushaltbar ist, bringt andere bereits in Rage. Friedferigkeit und die Fähigkeit, auch Belastendes aushalten zu können, auszuharren und durchzuhalten, bis die Situation leichter wird… das kann harte Arbeit sein. Und je kaputter das eigene Nervengrüst, je ausgelaugter Körper und Seele, desto härter (bis unmöglicher) wird sie. Ich habe das schon so oft erlebt. Gerade in Extremsituationen wie Krankheitswellen in der Familie, wo ich rund um die Uhr und vollkommen beansprucht bin von kleinen, leidenden, hilfsbedürftigen Menschen. Anfangs geht meist alles gut. Ich tauche ein in die Anforderungen und lasse alles, was sich beiseite schieben lässt ausser acht. Keine Wäsche. Kein Einkaufen. Kein Stricken. Kein Blogpostschreiben. Kein Ich. Nur dasein. Für andere. Aussschliesslich. Man löst sich ein Stück weit selber auf.
Und irgendwann platzt einem der Kragen und all die beiseite geschobenen eigenen Bedürfnnisse krachen ans Licht und verschaffen sich lautstark Gehör, so laut und rücksichtslos vehement manchmal, dass man vor sich selber erschrickt…

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Ich glaube, das ist der Frieden, den ich spüre, im Moment: Dass kein Kragen platzt. Dass ich ruhig bleiben konnte (bisher) und es fertigbrachte, auszuharren, aktiv und still, obwohl es wirklich happige Tage waren und schlaflose Nächte mit gleich drei magendarmkranken Kindern, die buchstäblich nichts bei sich behalten konnten und von Bauchweh und Fieder durchgeschüttelt wurden.
Ich glaube nicht, dass es mein Verdienst war. Diese Gelassenheit, meine ich. Ich bin alles andere als ein Heldentyp. Meine Natur ist zu exzentrisch und viel zu launenhaft, als dass ich Situationen dieser Art lange gewachsen wäre… Ich glaube wirklich, es war ein Segen von oben. Und die Kraft der Gebete. (DANKE!)

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Und ja, vielleicht kam der Frieden auch ein wenig daher, dass mir wieder friedlich ist ums Herz, was meine Meerschweinchen angeht. Flöckli konnte schmerzfrei sterben. Endlich Ruhe finden. Sie hatte es so schwer in ihren letzten Lebenstagen. Mit jedem Tag wurde der Zerfall sichtbarer, aus dem lebenshungrigen kleinen Kämpfer ein mageres Tierchen, das sich selbst aufgab. Und nur noch zu warten schien. Auch ein Ausharren. Ein bewundernswertes. Wie Tiere sich in ihr Schicksal fügen… das macht mich demütig und nachdenklich.
Ich bin irgendwie froh, dass alles vorüber ist. Dass alles ein so rasches, ja irgendwie tatsächlich auch ein friedliches, in gewisser Weise würdiges Ende nahm. Sie wollte nicht mehr kämpfen.

Die Herde hat sich verändert, seit Flöckli weg ist. (Ach, Flöckli… Es fehlt einfach etwas, ohne dich.) Sie kommt mir verschworener vor, und… gelöster. Sie grasen öfters als ganze Gruppe, nicht mehr so zerteilt und in alle Winde verstreut. Tiere, die ich bisher als absolute Angsthasen kennengelernt habe, kommen plötzlich mutig bis ganz zu mir hin, um mir ein angebotenes Löwenzahnblatt aus der Hand zu fressen.

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Ja, Frieden. Ich empfinde Frieden. Und sehe ihn auch. Da und dort, in der Natur vor allem, die draussen im Garten alles Grün färbt und mit kleinen, bunten Farbtupfern um sich wirft. Das Licht ist warm und voller Zukunftsträume, der Wind umsäuselt unsere kleine Welt sanft wie eine streichelnde Hand. Manchmal kommt es mir vor, als gäbe es da ein kleines, verstecktes Paradies, und dieses Paradies, diese sichere Oase öffnet sich für mich. Ein Zuhause. Ein Stückchen Welt, das der grosse Schrecken dieser Welt noch nicht erreicht hat.
Aber ich weiss, das ist nur Gefühl. Jedes Leben ist schlussendlich ungeschützt. Und endlich. Dem preisgegeben, was kommen muss und wird. Und trotzdem bin ich dankbar. Für dieses Gefühl. Schlussendlich sind Wissen, Fühlen und Glauben doch alles, was das Leben ausmacht. Und die Hoffnung. Auch das ist Frieden.

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