Monatsarchive: November 2016

berührt: unvorhergesehen

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Sehr nur, was mir gestern nachmittag ganz unverhofft über die Türschwelle gereicht wurde! Ein Strauss so traumhaft wie drei Nüsse für Aschenbrödel, rosa und weiss und grün und mit Korbgeflecht, blühend und unheimlich schön… Ich kann mich kaum sattsehen dran. Will ich auch nicht. Schönheit soll fliessen und nähren, grenzenlos.(Raniso, du Goldstück, du…!)
Und heute dann, wieder eine Überraschung. Unvorhergesehen. Nochmals von Feinsten. Diesmal in akustischer Form via Telefon und von neuem eine richtige Freude, die mich jetzt so richtig ein kleines bisschen aufgekratzt und euphorisch zurücklässt: Frau Krähe hört sich genauso inspirierend authentisch und sympathisch an wie sie sich liest… Und ich bin ehrlich dankbar, diesen kleinen und doch so grossen Schritt vom reinen E-Mail-Kontakt zum Hörer am Ohr gepurzelt zu sein. Zeit für den nächsten. Schritt. Ich freue mich schon mal vor, Frau Krähe! (Na, das wird ein Kaffeeklatsch!)

Gerade heute tun mir diese beiden „Überraschungspäckchen“ unheimlich gut. Weil sie mir helfen, ganz andere Gedanken ein Stück weit zur Seite zu schieben, Gedanken, die weh tun und diesen Tagen einen stockschwarzen Stempel aufdrücken…
Erst diese Woche ist nur wenige Meter von meinem Zuhause entfernt ein junges Leben erloschen. Und die Tragödie und Tragweite, die ganze Unfassbarkeit und Traurigkeit dieser Geschichte macht mich sprachlos und halb wahnsinnig. Ich hörte die Sirenen. Wunderte mich, dass Polizei und andere Blaulichter auch zwei Stunden später noch beim Bahngleis standen… Heute weiss ich wieso.
In Gedanken bin ich immer und immer wieder bei jener Mutter, die nun innerhalb weniger Jahre gleich zwei ihrer Kinder beerdigen muss. Zwei Mal am Grab der eigenen Kinder zu stehen… das ist zwei Mal zu viel. Zu viel. Zu hart. Zu gnadenlos und sinnlos. Zu unfassbar.
Nicht zu ertragen.

So. Ich werde mich noch ein bisschen meinen Blumen zuwenden. Mir ihr unschuldiges Rosa ansehen und das unverblümt Lebensbejaende. Mir eine Tasse der wunderbaren Tee-Sammlung aufbrühen, mit der Rita, dieser Schatz, mir neulich eine so grosse Freude gemacht hat. Unvorhergesehen. Mich erinnern an das nette, sprühende Gespräch mit Frau Krähe heute nachmittag. Ein bisschen in der Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen baden und mich einigeln in meiner eigenen so unverdient heilen, kleinen Welt…
Man weiss nie, wann es sich von seiner anderen Seite zeigt. Das unvorhersehbare Leben

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Deep

Im Moment habe ich schwer den Eindruck, kaum noch dazu zu kommen, meinen Laptop aufzuklappen, geschweige denn irgendwas einzutippen. Irgendwie schneit mir das Leben permanent Wichtigeres herein: Das Hühnchen, das ich rupfen musste zum Beispiel. Mit einem gewissen von mir an sich von Herzen geliebten, aber leider ganz schauderhaft unorganisierten Gymnasiasten, der seinen Schulkram am liebsten in allerletzter Minute erledigt- und dann natürlich auf die Nase fällt, weil er (unter anderem) frühmorgens vor der Französisch-Prüfung entdeckt, dass er die falschen Vokabeln gelernt hat *hüstel*. Oder dieses schampar abstrakte Mathethema doch nicht so ganz begreift… Nicht wirklich mein Problem, ich weiss, das sagen mir alle (und mit Recht!). Aber irgendwie hänge ich ja doch immer mit drin, wenn etwas schief läuft im Leben meiner Kinder, mitgehangen, mitgefangen und als Familie ist man vernetzt wie sonst kaum etwas und unberührt bleibt man schon gar nicht (Und mal ehrlich; wer sitzt schlussendlich neben dem Kind beim schulischen Elterngespräch? Eben.)
Dann ist da meine Kleinste. Die Zappelliese. Ein Goldkind, das sprüht und leuchtet vor Lebensliebe. Und vor Energie. Denn schlafen? Nein. Nicht mit ihr, schon gar nicht nachmittags oder am frühen Abend. Dabei war das bisher immer mein Notgroschen in Sachen Energiehaushaltung…
Aber. Auch das geht vorüber. Und eigentlich hatte ich eine sehr schöne Zeit die letzten Tage über, eine wirklich unverschämt schöne Zeit, mit Geburtstags-Aufmerksamkeiten, lauter lieben Worten und Gesten und einem netten abendlichen Tète-a-tète mit dem Herrn Kirschkernzeit. Auswärts. Nur wir beide. Ein Glitzersternewohlfühlmoment.

Und, seht mal…

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Hosen!
Wollstrickhosen. Die mag ich einfach wahnsinnig gerne. Supersimpel, superpraktisch, superbefriedigend- wenn man einen so überquellenden Wollvorrat hat wie ich und ihn mit Inbrunst sowohl aufstockt wie abträgt *zwinker*
Mit „Tosh DK“ in der Farbe „Deep“, von der ich vor einer Weile einmal einen Strang bestellt hatte, wusste ich eigentlich erst gar nichts anzufangen. Auch wegen seiner Farbe. Die nicht so wirklich meine ist… Es ist ein tiefes Blau, aber weniger im Sinne von Tiefblau als vielmehr eine Art Tiefseeblau, dunkel und mit ganz viel Schwarz darin. Ein wenig erinnerte es mich an ein Paar dunkle Jeans- also wurde es zu einer Hose. Gestrickt nach dem ehrlich gut gelungenen Drops-Strickmuster „Drops Baby 18-19“, das ursprünglich nach zwei Fäden Sockenwolle verlangt. Ich habe es einfädig verstrickt, mit den Nadeln 4 beim Bündchen -das ich extrahohe 9 cm gearbeitet habe für einen umgenähten Gummizugbund- und Nadeln 4.5 für den Rest des oberen Körperteils. Versehentlich sind mir die kleineren Nadeln auch beim Beine-Stricken reingerutscht, so dass die Beine jetzt eher eng anliegen, was mich aber überhaupt nicht stört, sondern eher freut, weil die Hose so richtig schön kompakt geworden ist. Prima auch, wenn man ein Kleidchen oder eine kleine Tunika darüberzieht, so ein klein wenig mehr… Leggins-style.
Passen wird sie sicher noch lange. Auf jeden Fall. Die Bündchen bleiben momentan noch dick umgekrempelt, denn mein Mädchen ist ein schmales, kleines Ding, das beinahe ertrinkt in „altersgemässen“ Sachen. Für an sich 12 bis 18 Monate gestrickt, rutschen sie ihr mit ihren 19 Monaten noch fast runter, und würde ich die Beinbündchen nicht immer wieder satt umkrempeln, könnte sie glatt Schlittschuh laufen darauf auf unseren rutschigen Holdböden…

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Ich geniesse das Strickhosenstricken noch für eine Weile. Es macht mir einfach wahnsinnig viel Freude. Und ich weiss nur zu gut; Es kommt eine Zeit, wo auch das ein Ende hat. Mit fünf zum Beispiel. Oder schon früher. Dieses Hosenmuster hier werde ich mir auf alle Fälle ganz gut aufheben. Und wieder hervorkramen. Bestimmt. Es ist ein echter Evergreen, finde ich.

Ironisch ist nur die Garn-Menge, die nach dem Abketten und Vernähen zurück geblieben ist: über 80gr. Etwa Dreiviertel des zweiten Stranges „Tosh DK Deep“, den ich extra nachbestellen musste, weil mir mitten beim Stricken klar wurde, dass mein einer Vorrats-Strang alleine nicht ausreichen würde.
Dabei wollte ich doch eigentlich Wolle wegstricken…

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Söckchen

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Zuerst einmal; Entschuldigt bitte die miese Fotoqualität. Das Licht ist nicht mehr allzu hell in letzter Zeit und viel zu früh schon am Erlöschen. Herbst hald, Winter fast schon, es wird düster und klamm und ungemütlich draussen. Keine feine Foto-Session-Zeit. Da muss man fix sein, wenn man gutes Licht haben will. Oder sich eine bessere Kamera zutun.
Nun ja.
Wir haben, was wir haben, und eigentlich bin ich gar nicht gross unglücklich oder wehmütig, was das Abtauchen dieses Jahres in seine minimalistischeren Gefilde angeht. Auch der Winter hat seine Gold-Seiten. Auch die Düsternis. Sie reduziert alles auf das Wesentliche. Und bringt Mängel ans Licht, an denen man arbeiten kann…
Manchmal bin ich ein wenig bedrückt in letzter Zeit. Auch so ein Mangel. In mir. Eine Baustelle, an der ich einiges zu regeln habe, ich weiss, aber ich arbeite daran. Bewaffnet mit Stricknadeln unter anderem *zwinker*. Das süsse kleine Engelchen mit den dunklen Wuschelhaaren soll mich übrigens genau darin begleiten. Es ist winzigklein, ein Hämpfelchen bloss, aber so schnuckelig und charmant, dass es einem unwillkürlich warm wird ums Herz. Ich sammle sie, die kleinen, feinen Filz-Handwerke von Allerleirauh, soviel ist mir inzwischen klar geworden. Ich sammle sie wie altes Blümchen-Teegeschirr. Ich sammle sie und lasse ihren Zauber genauso überall dort einfliessen, wo es mir Freude macht, immer wieder anders platziert, beim Telefon (wenn ich einen bedrückenden Anruf erwarte, sowas kann vorkommen), auf dem Bücherboard bei all den Donald Duck Comics der Kinder, bei meinen Woll-Vorräten im Schlafzimmer, weil sie so immer etwas vom Ersten sind, was ich sehe am frühen Morgen… Und so ein Engelchen (oder eine kleine Allerleirauh-Pünktchenfee) zu sehen, tut einem einfach wohl.
Auf diese Art überbringe ich mir selber eine Botschaft. Eine gute. Sie heisst: „Lächle mal wieder. Dafür gibt es immer Zeit und einen Grund.“

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Im Augenblick steht dieser kleine Engel-Winzling in der Küche. Auf der schäbigen, düsteren Anrichte. Und hier ermahnt er mich, die Dinge nicht immer ganz so ernst zu nehmen, wie sie mir erscheinen. Auch mal fünfe gerade sein zu lassen. Besonders mittags oder abends beim Essen, geht es oft, viel zu oft wahnsinnig turbulent zu. Das Kochen macht mich manchmal halb wahnsinnig (kein Wunder, wenn meine kleinste Zappelliese überall ihre Fingerchen mit drin haben muss!), und das gemeinsame Essen, wo das Zappelkind eigentlich kaum je etwas in seinem Mund verschwinden lässt, sondern viel lieber matscht und patscht und von einem Schoss auf den anderen klettert, braucht nicht weniger Kraft und Geduld… Ich weiss, es sind nur Phasen. Meine Mutter sagt das auch immer wieder zu mir, und ich weiss, sie will mich trösten damit.
„Das geht nicht mehr lange so. Nur noch vielleicht ein Jahr.“ Aber wenn es anstrengend ist, dann ist es anstrengend. Punkt. Da hilft nur eines; den Fokus verschieben. Die Nerven neu bündeln, mit allen Tricks und Mittelchen, die einem einfallen: Stricken, viel schlafen, mir auch mal dekadente zwei Me-Only-Vormittage in der Stadt gönnen, alles zulassen, was mich entspannt und entlastet, selbst wenn es in Form eines Berges an Schokolade oder massenweise You-Tube-Strickpodcasts daher kommt…
Und ja, Sockenstricken kommt auch immer gut. Vor allem, wenn sie klein sind und fix gehen, sich aus wunderbarer (von Brigitte) handgefärbter Wolle winden und absolut keinerlei Probleme machen, sondern einzig gute Laune und warme Kinderfüsschen…

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram

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Nach einem eher … spirituell angehauchten letzten Post hier ein vollkommen geerdetes Bild, ein Alltags-Schnappschuss, der mir einfach gefallen hat, weil er, so wie er ist, ein klein wenig der winzigen Nettigkeiten zeigt, die mich unerwartet freuen; ein Stilleben aus Kinder-Lieblingstasse (Migros), Post vom WWF, Holzschale („Waschbär“, by the way) Obst und Crackern vom Znüni-Tisch meiner Kleinen, wo alles irgendwie zusammenpasste, farblich und gefühlsmässig…
Heute haben wir es gut. Zusammen. Zuhause.

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