Monatsarchive: Mai 2016

Zur Zeit…

Zur Zeit empfinde ich vieles als irgendwie ungewöhnlich.
Nicht weil es wirklich ungewöhnlich wäre, ganz im Gegenteil; die Tage plätschern still und gemütlich (bis langweilig) dahin und das ganz Gewöhnliche findet kaum einen Unterbruch. Und doch… ich denke, genau darin, in der ungestörten Alltäglichkeit findet dieses merkwürdige Gefühl, diese leichte, innere Unruhe ihren Ursprung.
Ich ahne nämlich, dass unter der gemächlich-banalen Oberfläche ein Wandel liegt. Daliegt und wartet. Still. Auf seine Zeit.
Nach den Sommerferien, in wenigen Monaten also schon, wird mein Mädchen aufhören, ein Kindergartenkind zu sein. Sie wird ein Schulkind werden. Ihre eigene Schülerinnenkarriere starten.
Kind2 wechselt Lehrperson und Klassenzimmer.
Kind1 gar ganz das Schulhaus und eigentlich fast alles, was es zu wechseln gibt in diesem Bereich, in seinem Alter. Ein Jahr früher allerdings als gewöhnlich und mir dämmert erst jetzt so langsam, was es bedeuten könnte, plötzlich einen Gymnasiasten zum Kind zu haben… Mehr Zeit ausserhalb unserer Familie. Mehr Energie, die wegfliesst von uns, hin zu noch mehr Wissen, zu weiter gezogenen, immer schwerer greifbaren Bereichen, immer mehr Richtung Berufsleben, Richtung Freundeskreis, Richtung grosse, weite Welt…
Dass unsere Mittage nun bald schon einen plötzlich leeren Stuhl mehr in sich haben, macht mir das Herz schwer. Die Liebe zum Kind wehrt sich wohl gegen jede Art von Trennung. Und weil ich insgeheim weiss, dass dies erst der Anfang eines langen, unaufhaltsamen Loslösungsprozesses ist, der sein muss und sein wird, wiegt das Gewicht, das auf mir lastet, noch schwerer…

Zur Zeit aber… zur Zeit lebe ich.
Den Alltag, in den ich hineingewachsen bin, langsam, stetig, in Verbundenheit mit meinen Menschen hier in diesem Haus.

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Das Baby wächst und gedeiht, bekommt nun doch auch noch das eine oder andere süsse Speckröllchen und hat dieser Tage gerade die allerersten Schrittchen gemacht. Süsse Wackelschrittchen. Begleitet von einem strahlenden Spitzbubengrinsen aus einem noch fast zahnlosen, kleinen Mädchenmund.

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Ich stricke mich vorwärts, mitten hinein in die Kleinmädchengeburtstagsgeschenke, auf die ich mich selber schon vorfreue, mit einem warmen, begeisterten Muttergefühl. Daneben brüte ich über einem neuen, für mich wirklich wahnsinnig komplizierten Strickprojekt (dieses hier), das ich (wenn überhaupt) wohl einzig deshalb fertig bringen werde, weil eine sehr, sehr liebe Leserin mir tatkräftig mit guten Tipps zur Seite steht (du bist super, Alexa!)

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Meine Liebe zu Violett ist neu entflammt. Draussen blüht der Flieder und mein Mädchen hat mir ein Sträusschen vom Kindergartenweg mitgebracht. Lila. Mit Vergissmeinnicht, frech stibitzten Glockenblumen und zwei, drei Dolden Glyzinien von keineahnungwoher. Auf dem Bild stehen sie neben meiner neuen Lieblingsblumendose vom Trödler und sind leider längst verwelkt. Ich bringe es manchmal kaum über mich, diese erwilderten Kindergeschenke wegzuwerfen.

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Ich lese wieder mehr vor. Abends vor allem, weil das Baby momentan ziemlich gut und friedlich einschläft auf meinem Schoss, selbst wenn meine Erzählstimme genau dort, wo sein kleines Gesichtchen liegt und langsam wegdämmert, ziemlich laut klingen muss. Schön finde ich, dass auch meine Kleine sich immer mehr hineinlebt in die Welt der Bücher und Geschichten. Manchmal zieht sie sich ins grosse Bett im gelben Zimmer zurück, bettet all ihre Puppen- und Stofftierkinderchen neben sich- und „liest“ vor. Mit dem Finger auf den Zeilen. *schmelz*

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Es grünt und wächst, der Garten wird lebendiger. Ich glaube, am allermeisten Freude machen mir die Meerschweinchen, die draussen ihr neues Gehege bezogen haben. Ganz fertig ist es noch nicht (und meist sitzt da auch kein Baby mit drin, das sich die Körnerschale über den Kopf giesst), aber es fühlt sich einfach herrlich an, kleine Unterschlüpfe für die Tiere zusammenzusuchen, diesen Bereich mehr und mehr zu gestalten und dann zuzusehen, wie sie neugierig überall herumwandern, um diese für sie noch sehr neue Welt aus Gras, mehreren Stockwerken und frischem Wind zu entdecken. (Sie schaffen es übrigens mühelos, übers Gitter zu hüpfen, wenn sie aus dem Stall nach draussen wollen- und sind ziemlich zahm, so dass sie sogar auf uns zulaufen, wenn wir ihnen zB. eine Möhre übers Geländer reichen oder sie wieder zurück ins Gehege locken wollen für die Nacht)

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Ich reite gerade auf einer kleinen, auferbauenden Welle der Beinahe-Herrschaft über das Chaos dieses Haushalts. Die Wäschekörbe sehen fast leer aus (noch!), die Waschküche ordentlich genug, um sie auch als GästeWC zu nutzen (kein Scherz, Waschküche und WC sind bei uns im untersten Stock kombiniert), die Kinderzimmer haben schon weitaus schlechtere Zeiten gesehen und Küche wie Stube sind frisch gestaubsaugt. Schön, dieses Gefühl. So souverän. Doch leider nicht von Dauer, das weiss ich natürlich längst…

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Für mein lila Zimmer habe ich endlich ein passendes Bücherregal entdeckt. Beim Dorfbrocki. Leider war es mir zu teuer.
Trotzdem steht es nun da, in meinem lila Zimmer und sieht ganz fabelhaft aus. Weil meine Mama sich keine Chance entgehen lässt, ihre Tochter mit einem Überraschungsgeschenk so richtig rundum glücklich zu machen…

Eigentlich, wenn ich diese Zeilen so lese… gibt es doch nichts Schöneres als die gemütlichen Banalitäten des Alltags, oder?

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Ein bisschen Spass muss sein…

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Ich weiss, dass es sich hier um Plastik handelt. Um reinen Plastik. Nicht umweltfreundlich (wahrscheinlich), nicht bio (ziemlich sicher) und kein bisschen „grün“ oder „alternativ“. Aber hey, wir hatten den absolut grössten Riesenspass mit dieser spontan im Baumarkt gekauften Packung Schrumpf-Folie (auch „shrink plastic“ genannt)! Kaum zu toppen war das, das Kleben an der Backofentür vor der hellerleuchteten (und ziemlich dreckigen) Glasscheibe, hinter der die bunt bemalten Folienstücke zu regelrechten Schnipselchen zusammenschnurpften und sich dabei rollten und schmurgelten, dass einem richtig gschmuech wurde in der Magengegend.
Dieser Nervenkitzel! Der reinste Krimi.
Und total unterhaltsam. Selten hab‘ ich so gelacht vor meinem Backofen.
Und selten waren meine Kinder derart fleissig mit ihren Buntstiften beschäftigt. Alle. Jeder einzelne von uns. Auch Kind1, Kind2, sogar ich, öhöm.

Das Ganze grenzt aber auch an Zauberei, ehrlich. Folie mit Bleistift und Farbstiften bemalen, allenfalls mit einem schwarzen Edding Umrisse nachzeichnen, ausschneiden -und losbacken. Was dann nur wenige Minuten später aus dem Ofen kommt, ist um ein Vielfaches kleiner, dicker, härter und farblich sehr viel intensiver. Was auch ein wenig tückisch sein kann; alle Farbpigmente, die sich beim Zeichnen oder Radieren (nicht empfehlenswert) auf der Folie abgelagert haben und zuvor vielleicht nur als ganz, ganz feiner Staubfilm zu sehen waren, sind nach dem Backen ebenfalls viel besser sichtbar.(Siehe Tiger, das allerallererste Probe-Projekt meines Mädchens)
Mein Tipp: Wirklich nur ganz, ganz zart bemalen und so wenig wie möglich verwischen oder gar ausradieren. Es empfielt sich auch, beim Malen von der einen Seite zur anderen zu arbeiten und weniger wild drauflos zu zeichnen. Von oben nach unten oder von links nach rechts (bei Rechtshändern) hat sich bewährt. Aber ansonsten? Einfach malen und zeichnen und schreibseln und kreativ rumtoben. Auch auf den kleinen, übriggebliebenen Stückchen. Irgendwie wird dann doch immer Kunst daraus…

Bei uns sind auf diese Weise jede Menge leichte, bunte, ziemlich fröhliche Magnete entstanden. Und ein paar kleine, feine, sehr persönliche Schlüsselanhängerchen für den Oberstufenrucksack meines jungen Sohnemannes.
Was dieses Jahr zum Geburtstagsgeschenk-Favoriten werden wird -für Omas und andere liebe Menschen im Leben meiner Kinder- ist jetzt wohl klar, oder?

Nachtrag: Meine liebe Leserin Lisa hat mir extra noch diesen grandiosen Link hier zu einem Post von Frau Liebe geschickt. Plastikgeschrumpfe aus hauseigenem Recyling-Material- wie toll! (Dankeschön, Lisa!)

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Aibhie’s Hat

Vielleicht ist es doch keine so gute Idee, mitten im schönsten Frühling dem Strickrausch zu verfallen. Es kommt einem nämlich ganz merkwürdig vor, von Wolle und Ajourmuster  zu erzählen, wenn ein derart prachvoll sonnig-warmer Tag hinter einem liegt, einer, den man in vollen Zügen genossen hat, mit Kokosnuss-Eiscreme, süssem Eiskaffee und einer Runde Meerschweinchen-Beobachten draussen im neuen Freilaufgehege…
Ich spüre noch immer die Sonne auf meiner Haut (wohl eher leichter Sonnenbrand?) und merke, wie wahnsinnig stärkend so was wirkt; Draussensein, Pflänzchen giessen, kleinen Tieren beim Rumrennen und Frohsein zusehen und dem jüngsten Spross nachspringen, weil er ständig überall hochkraxelt oder unermüdlich wieder und wieder den Meerschweinchenzaun zu überwinden versucht.
Wolle? Strickmützen? Wettergrau?
Ähm…

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Genau diese Worte sind es aber, die mir gerade im Kopf rumspuken. Wegen „Aibhie’s Hat“, Ginny’s wunderhübschen Wollmütze mit dem feinem und doch verblüffend einfachen Lochmuster. Ich finde sie nämlich schlichtweg umwerfend. Hauptsächlich wegen ihrer Einfachheit, glaube ich. Und weil sie trotz unkomplizierter Technik irgendwie edel wirkt, komplex und ein klein wenig beeindruckend. Denn das ist manchmal haargenau das, was ich brauche. Der Mann meiner Schwester, für die ich diese „Aibhie’s Hat“ zum Geburtstag gestrickt habe, hält mich jetzt jedenfall anscheinend für „eine tolle Hausfrau“ *geschmeicheltguck*…

Anders als bei Ginny’s „Hackberry“ ist diese Mütze anschmiegsam und dicht gearbeitet und kein bisschen slouchy. Für meine dicken Haare bleibt darunter leider nur wenig Platz, fürs Zopf-mit-Reinpacken stehen die Chance gar noch schlechter, und ich bin ganz schön froh, dass meine Schwester ihre Haare gerade kurz trägt… Doch bei glattgebürsteten Haare geht es. Bei kurzen ohnehin. Und wenn man sie dann noch offen trägt…
Besonders süss sieht die „Aibhie’s Hat“ wohl an kleinen Mädchen aus, kann ich mir vorstellen, aber eigentlich finde ich Form und Muster schmeichelhaft und feminin genug, dass sie wahrscheinlich allen steht, die es gern ein wenig romantisch haben.

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Für diese Version hier habe ich einen Strang „Madelinetosh Vintage“ in der Farbe „Smokestack“ mit Nadelstärke 3.5 und 4.5 verstrickt. Vor einer ganzen Weile schon mehr oder weniger ziellos aber aus Liebe gekauft, entpuppte sich dieser Farbton als absoluter Glücksgriff, weil er wunderbar passt zum aktuellen Farbgeschmack meiner Schwester. Und erst noch zur Lieblingsmütze ihres Mannes, die so in etwa denselben Grauton hat, nur dünner und mit Bommel dran.
Wer weiss, vielleicht gesellt sich ja eines Tages noch ein „Aibhie’s Hat“ Babymützchen dazu… Vielleicht dann in noch zarterem, ganz hellem Grau?

Aber vorerst bleibe ich mal bei handfesteren Farbgebungen für schon etwas grössere und weniger fiktive Menschenkinderchen; Da gibt es zum Beispiel eine lagunenblaue „Aibhie’s Hat“, die -längst schon fertig gestrickt, gewaschen und getrocknet- nur noch darauf wartet, dass endlich Juli wird, wo ein gewisses blau-liebendes Mädchen Geburtstag feiert und sich hoffentlich (drückt mir die Daumen!) freuen wird. Über ein klein wenig Wolle und Ajour. Dann selbst in allerhöchster Sommerhitze.

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram

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Ja, ich mache Werbung. Für Madelinetosh. Unbezahlt allerdings und auch im eigentlichen Sinne unbeabsichtigt. -Aber ich bin einfach jedes Mal hin und weg, wenn ich so einen wohlgeformten, farbintensiven, irgendwie brillianten Strang Wolle in meinen Händen halte. Da kann ich einfach nicht anders, da zückt sich meine Kamera praktisch von selbst und knipst ein Bildchen in Ehren…
Dabei ist Madelinetosh ja nicht allein auf weiter Flur mit seinen handgefärbten Garnen. Da sind -nebst Malabrigo- auch Manos del Uruguay, Mirasol, Noro… so viele andere bunt orientierte Hersteller. Vielleicht sollte ich mir doch endlich ein Herz fassen und einen kleinen Abstecher wagen in andere Garnwelten? Hm…
Ich denke, ja, das sollte ich wohl.
Später dann. Bestimmt. Sobald ich ein klein wenig mehr Leere in meine Garnschubladen gebracht habe *ahem*.
Im Moment liegen meine Ideenfelder aber irgendwie brach. Alles in mir sehnt sich mit aller Kraft hin zu einem neuen Strickprojekt… doch einfallen will mir irgendwie nichts, nicht das Richtige, das mich wirklich packen könnte.
Vielleicht schaue ich einfach noch ein Weilchen meine gehorteten Schätze durch, lasse die Wollkommode einen grosszügigen Spalt weit offen stehen und geniesse den Anblick von Strangen wie diesem hier, der grade ein illustres Plätzchen neben der Obstschale bezogen hat…

PS. Darf ich fragen; Woran strickt ihr gerade? Oder: Mit welchem Projekt liebäugelt ihr schon lange?

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