Monatsarchive: April 2016

Ein zweites Stück

Auf ein erstes Mal folgt meistens ein zweites und wenn sich zwischen mir und einer Anleitung -egal ob beim Stricken oder Nähen- erste zarte Bande entspinnen, dann wünschte ich mir oftmals, der Tag hätte endlos viele Stunden und ich könnte mich irgendwie entzweispalten, so dass die handarbeitende, dauerhungrige Macherin in mir genauso zum Zug kommt wie meine häusliche und mütterliche Seite, die momentan fast all meine Wachstunden mit Kindern, Kochen, Putzen und Aufräumen besetzt hält.
Zum Stricken komme ich nur nachts. Zum Nähen gar nicht mehr.
Dafür geniesse ich, was vorrätig ist. An Mamagemachtem.

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Dieses kleine, braun-geblümte leichte Shirt zum Beispiel. Aus einem meiner allerliebsten Stoffe ever, aus dem ich mir einmal selbst eine einfache Tunika gemacht hab’ (hach, das waren noch Zeiten…).
Ich weiss nicht mehr genau, wann dieses Shirt entstand, irgendwann im letzten Frühling, glaube ich, wahrscheinlich noch vor oder ganz kurz nach der Geburt meines Babys und ganz bestimmt später als am 25. März, denn just an jenem Datum schien mich so was wie akuter Nestbautrieb zu erfassen und zur Nähmaschine zu treiben, wo jenes Shirt zusammengeschustert wurde, ein erstes Stück, auf das irgendwann später eben ein zweites folgte, das Braun-geblümte nämlich, das mir mindestens genauso gut gefällt wie sein stern-goldener Zwilling. Den ganzen Winter über lag es einfach in der Kleiderbox, doch jetzt, wo es wärmer und frühlingshafter wird, findet es seinen Weg hinaus in unseren Familienalltag als rasches Überzieh-Shirt für meine Kleine.

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Die Anleitung von Purl Bee ist wunderbar. Simpel und effektvoll und wunderhübsch.
Aber nicht ohne Tücken.
Mit der Grössenangabe bin ich nach wie vor nicht ganz einverstanden; meine Kleine wird vier in ein paar Wochen, und bis 5 Jahre (wie angegeben) passt dieses Shirt hier nie und nimmer, dafür sitzt es momentan viel zu gut. Weil der Stoff gewoben ist und alles andere als elastisch, ist das Reinschlüpfen ein wenig knifflig und ohne eine helfende Hand wohl nur schwer möglich, doch ich liebe Webstoffe, meine Schubladen sind voll davon, und solange mein Kind sich wohlfühlt darin, schwelge ich noch ein wenig in meinen Schätzen…
Ich habe mir notiert, dass ich beim Nähen die Faltlinie (eingezeichnet als “Fold Marking” auf dem ausdruckbaren Schnittmuster für den Halsausschnitt) um ca. 1 cm nach unten verschoben habe, damit sich die überlappenden Partien der Vorder- und Rückseite um etwa 5 cm überragen und der ansonsten viel zu weite Ausschnitt etwas enger wird und nicht mehr über die Schultern rutscht, so wie beim ersten Versuch, dem senfgelben, wo ich mir ernsthaft überlege, kleine Druckknöpfchen zur Fixierung einzusetzen.
Ausserdem habe ich ein bisschen was zugegeben, was die Länge betrifft und den vorderen wie hinteren Körperteil knapp 44cm lang zugeschnitten. In allem anderen war ich brav. Man könnte sich überlegen, den Ausschnitt vorne einen knappen Zentimeter tiefer zu schneiden, doch ansonsten denke ich; Schön so. Schlicht aber gut. Was will man mehr. Jetzt wo wieder Frühling ist…

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Zum Trotz

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Soulemama hat den Nagel auf den Kopf getroffen; Da schwelgten wir schon ungehemmt in Frühlingsgefühlen, setzten Salate ein und freuten uns bäumig am frisch grünen Baumlaub- und dann das! Temperaturen wie im Winter, Schnee und Graupel bis ins Flachland, eine Biese, so steif wie Omas beste Leinenservietten… Nein, so sieht der Frühling nun wirklich nicht aus. Der April aber schon. Dieser zumindest.
Ich würde gerne schreiben, dass mir das nichts ausmacht, dass dieser unerwartete, blitzartige Bruch und das Zurückgescheuchtwerden ins warme, sichere Daheim mein inneres Gleichgewicht nicht zu stören vermag. Tatsächlich habe ich diesen Abschnitt ursprünglich begonnen mit “Es ist okay so, ich hadere nicht damit. Nicht mit der Natur.”
Doch dann fiel mir plötzlich ein, wie ungeduldig und gereizt ich war die letzten zwei Tage über, und dass meine scheinbar unerklärlich schlechte Laune vielleicht gar nicht mal so unerklärlich sein könnte, sondern vielleicht ja genau damit zusammenhängt, mit dem Wetter, der Kälte, der Nässe und all dem. Der Satz wurde gelöscht. Denn ich glaube fast, es macht mir etwas aus.
Ein bisschen jedenfalls.
Auf der anderen Seite aber kommt mir diese Kältewelle auch ganz gelegen. Wintergefühle kehren zurück. Ich backe Devil’s Food Brownies mit ganz dick Guss ober drauf und freue mich daran, drinnen im Warmen zu sitzen und mich noch einmal ein bisschen einzuigeln. Auch das hat seinen Reiz, das will ich nicht leugnen.
Ausserdem ist da diese Mütze. Meine zweite Hackberry (die erste war diese hier), grösser diesmal und mit extra dunklem, kräftigen Nachtblau (Tosh DK in der Farbe “Stargazing”). Ich habe sie für eine meiner Schwestern gestrickt- und zwar, psst… zum Geburtstag. “Hackberry” Nr. 2 passt jetzt natürlich ganz wunderbarst, während ich mir vorher, als alles blühte und schwitzte, schlichtweg nicht vorstellen konnte, wann und wo und mit wem ich sie irgendwie aufs Bild bringen könnte… Nun denn, Aprilwetter sei dank, gibt es jetzt doch noch eine Hand voll Bilder, bevor ich sie einwickle und wegschenke, keine besonders spektakulären Bilder zwar, bloss ein paar olle Schnappschüsse, aber immerhin.
Und zudem… beim Anziehen und Fotosknipsen habe ich gemerkt, wie viel Lust da noch übrig ist, Lust auf mehr, mehr Stricken, mehr “Hackberry”. So ein schönes, einfaches Muster. Ein bisschen slouchy, ein bisschen Perét und passend zu exakt meiner Lieblingsgarnstärke (DK) in meinem Lieblingsgarn (Madelinetosh).
Mein Vorrat an Wolle ist nach wie vor üppig. Meine Stricklaune ungebremst. Und da draussen gibt es massenhaft Geburtstagskinder, die sich vielleicht ja (so hoffe ich) ganz gerne ein bisschen bestricken lassen von mir… Auch jetzt noch, wo der April fast schon um und der Wonnemonat Mai bereits greifbar nahe ist. Wollmützen-Stricken im Frühling? Jawohl, jetzt grad zum Trotz.

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Wochen-Ende: Homemaking

Wie vollkommen mittendrin wir doch sind. Mittendrin im Frühling. Und mittendrin überhaupt…
Wenn ich zurückblicke auf die letzten beiden Tage, dann muss ich sofort an all die gefiederten Freunde da draussen denken, die tagein tagaus damit beschäftigt sind, an ihren Nestern zu bauen, fragile Eier immer schön warm zu halten und kleine, hungrige Kükenkinderchen mit Leckereien zu beglücken und vor allem Übel dieser Welt zu behüten.
In gewisser Weise bin ich wohl auch ein Vogel.
Und auch wenn mich manchmal der Koller packt (meistens zwischen fünf und sechs Uhr nachmittags, keine Ahnung weshalb), spüre ich doch, wie gerne ich bin, was ich bin; Mutter. Nestbauerin. Beschützende, warmhaltende, nährende Glucke.
Und ein bisschen ein schräges Huhn.

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Dieses Wochen-Ende konnte ich mich kaum sattsehen, am Goldgelb des frisch gepflückten Butterblumen-Wiesenstrauss, den meine beiden Mädchen mir ins Haus gebracht haben. Buttrig glänzend, so was von golden, und üppig wie ein bäckerfrisches Brioche dick bestrichen… ein Geschenk, oh ja, ein echtes Geschenk. Und daneben dann das dünne Bündelchen Löwenzahn in seiner Vase. Mein älteres Mädchen zupft immer die grüne Halskrause weg, sobald die Blütenblätter verwelkt sind, und sucht nach den kleinen, weichen Schirmchen-Ansätzen. Die unerwartete Weichheit dieses Zwischenstadiums -nach der Blüte aber noch vor dem vollreifen Samenstand- fasziniert sie. Und mich auch. Wir Frauen sind wohl einfach gepolt auf alles, was weich, zart und schmusig ist… Vielleicht bin ich ja auch deshalb so verliebt in weiche, warme Kuschelwolle?
Der kleine Ball hellgrauer Wolle jedenfalls tut bereits wieder seine Wirkung; kaum habe ich die ersten paar Maschen angeschlagen (für eine weitere “Aibhie’s Hat”- die erste in Lagunenblau ist seit Freitag fertig und ich mag sie mehr als ich beschreiben kann), bin ich wie verzaubert, ganz verwunschen und magisch an meinen Strickkorb gebunden. Auch jetzt beim Tippen ziept und zerrt es in mir und meine Finger sehnen sich nach ein bisschen mehr Ajour…

Herr Kirschkernzeit hat viel gewerkelt dieser Tage, im und ums Haus, hat Böden weiss gepinselt, Wachs aufgetragen und wieder abgerubbelt und ein Gehege für die Meerschweinchen aufgebaut, die diesen Frühling dann, sobald die Temperaturen verlässlich bleiben, draussen auf der Wiese ihr neues Daheim beziehen dürfen.
Ich mag es, wenn die Dinge sich entwickeln. Auch wenn es Zeit kostet und uns allen Opfer abverlangt, auch wenn freie Zeit, Gemeinsamkeit, Ruhephasen stellenweise zu kurz kommen deswegen. Ein Nest zu bauen, für uns und unsere Kinder, ist uns… zur Natur geworden. Zur Aufgabe und Leidenschaft, und ich denke, auch zur ganz grossen Freude…
Ich freue mich an diesem Haus. Ich freue mich an dieser Familie, an der wir bauen und wirken und ein Stück weit vielleicht auch blindlings und blauäugig experimentieren, mehr aus dem Bauch heraus denn mit echter Sachkenntnis. Doch ich glaube an die Intuition. Und an den gesunden Menschenverstand, der, vernetzt mit Mutter/Vaterliebe, wahrscheinlich meistens richtig liegt.
Das grosse Familienaufräumen am Samstag haben wir auf Eis gelegt. Zu viel Druck und Stress, das wurde mir irgendwann bewusst. Dafür tagt seit ein paar Wochen jeden Sonntag zum Dessert die kirschkernzeitsche Familienkonferenz und beratschlagt über Sorgen, Nöte und Wunschlisten aller Versammelten. Eine feine Sache, das. Und wirklich wirkungsvoll. Ich bin mehr als erstaunt, wie gut wir schon das eine oder andere bisherige Dauer-Streit-Thema auf diese Weise in den Griff bekommen konnten- auf eine für alle vertretbare Art und Weise. Vor allem aber fühlt es sich so herrlich besonders an, wenn wir uns alle versammeln, um zu grübeln, zu diskutieren und zu lamentieren- und dazwischen immer mal wieder herzlich zu lachen über diese ganze Ernst-Tuerei *zwinker*.
Es gab viel Gutes dieser Tage. Die ganzen anderen Momente, die weit weniger idyllisch und bullerbü-mässig harmonisch sind, die ignorieren wir jetzt ganz einfach mal und freuen uns an den Perlen.

Hach ja. Knöpfe, die sich lösen. Zimmer, die so langsam, langsam fertig werden, bereit, von einer gewissen, jungen Dame bezogen zu werden. Fröhliche Filzengelchen von Allerleirauh, die mich mit ihrem Charme bezaubern und bald schon nett verpackt zum einen oder anderen Geburtstagskind flattern dürfen (oder soll ich eins davon gleich selber behalten…?). Frühlingsblüher, Tiergehege und Kaffee in kitschig-schönen Trödler-Tassen. Dazwischen ziemlich laute, ein bisschen verrückte, kleine bis grosse Menschenwesen.
Das sind wir. An diesem verregneten Wochenende Ende des Monats April.

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like Instagram 78

Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram

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Beim Foto-Transport von Kamera auf PC kam heute dieses Foto hier zum Vorschein. Ein Bild, das ich nicht kannte bisher und von dem ich keine Ahnung habe, wer es wann aufgenommen hat (Kind1 oder Kind2 wahrscheinlich?). Wo, das kann ich aber ganz klar erkennen; es zeigt den kleinen Rosenbogen (bisher noch ohne Rosen), der unser Gartentörchen überzieht und nur darauf wartet, von den beiden Rankrosen überwuchert zu werden, die Herr Kirschkernzeit dieses Jahr eingepflanzt hat (duftende Sorten, extra wegen mir *freu*).
Als ich dieses Foto hier sah, wurde mir ganz warm ums Herz. Es ist so was wie Heimatliebe, die mich durchflutet dabei…
Ja, ein schönes Bild. Überraschungen wie diese sind für mich wie Zucker im Tee…

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