Monatsarchive: März 2016

In diesem Augenblick…

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höre ich… die Sägemaschine unten im Keller, wo Herr Kirschkernzeit Brettertablare zuschneidet für den frisch weiss gestrichenen, grossen Holzschrank in unserem Zimmer. Es wird, dieses Zimmer. Unseres. So langsam.

denke ich… zurück an diesen wunderbar friedlichen Morgen draussen auf dem Bio-Hof. Wir wollten bloss Gomfi holen, Sirup und Mehl, doch aus dem hurtigen Einkaufstrip wurde ein ausgedehntes, gemütliches Schwätzchen mit dem so richtig netten, jungen Bauernpaar. Auch meine Mädchen vergassen für eine Weile die Welt beim Spielen und Toben im Garten mit den drei wilden Jungs. Herrlich. Dort. Idyllisch und wunschlos schön.

weiss ich… wieder, wie wichtig es ist für mich, mich zugehörig zu fühlen. Menschen zu treffen und mich ein Stück weit zu öffnen, damit Berührungspunkte entstehen. Manchmal fehlt mir genau das ein bisschen. Ich lebe einfach zu viel Eigenbrötlertum. Heute nicht. Gut getan hat es mir da draussen.

sehe ich… wie aus der düsterlila Wolle in meinen Händen ein Mützchen wird, an dem ich viel Freude habe. Stricken, Wolle, Hand-Werk- wie sehr mein Herz doch schlägt dafür.

freue ich mich… am Frieden dieses Augenblicks. In dem ich einfach dasitzen darf in meiner noch unaufgeräumten Küche kurz nach dem Mittagessen und jedes meiner Kinder zufrieden, beschäftigt und in Sicherheit weiss. Das Baby schläft eines seiner rar gewordenen Tagesschläfchen. Mein grosses Mädchen hört sich Kinderkassetten an in ihrer geheimen Unter-dem-Tisch-Höhle. Die Jungs verwüsten ihr Zimmer mit Legoteilchen, völlig vertieft ins Konstruieren wie in alten Tagen. Und meine Kleine ist oben im Bad, macht alles nass und spielt mit dem Wasser am kleinen Lavabo.

Ich bin sehr glücklich gerade.
Dieser Moment hat alles, was ich jetzt brauche: Wolle, Luft und ganz viel Frieden.

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Annabel Baby Cardigan. Die zweite.

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Wer jetzt mit einem Babybauch-Foto rechnet, wird leider enttäuscht; diese “Annabel Babe Cardigan” ist nämlich nicht mehr ganz so sehr Baby, sondern eigentlich schon viel näher an der Schwelle zum Kleinkind als mir lieb ist, und unter meinem Herzen rumpelt höchstens mein Magen, kein Babyherzchen trotz der scheusslichen Müdigkeit der letzten Wochen.
Aber noch ist mein Babykind ja ein Baby. Bis hinein in den April jedenfalls. Dann wird sie eins, diese kleine, freche Bohne, ein volles, süsses Jahr alt.
Was allerdings nichts daran ändern kann, dass sie mein Baby ist, ist und bleibt, egal was die Definitionen verlangen…
Babytage. Babyjahre. Babyzeit. Warum nur fällt das Loslassen dieser wunderbaren, ungeheuer anstrengenden und so ganz und gar einzigartigen kleinen Welt derart schwer…?

Meine erste “Annabel” war mir sehr lieb. Gestrickt damals während einer nicht ganz einfachen Schwangerschaft, wuchs sie gemeinsam mit meinem Bauch und dem kleinen Kindlein darin. Ich wickelte mein Neugeborenes darin ein, anfangs noch locker, mit viel Spielraum, später dann, mit den Wochen und Monaten des Wachsens und Werdens, immer satter und molliger. Ich mochte die sandige, sanfte Farbe. Ich mochte das weiche, schlichte Material (“Rosy Green Cheeky Merino Joy”). Vor allem aber mochte ich die Erinnerungen, die sich einflochten darin; “Annabel” hat mein Baby begleitet vom fast allerersten Tag an, hinein in ihr junges Menschenleben.

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Als sie schliesslich nicht mehr länger passte (mit 9 Monaten in etwa wurde die kleinste Grösse wirklich eng), spürte ich, dass es Zeit wurde. Zeit fürs Wegpacken. Definitiv. (“snif*) Und Zeit fürs Neu-Anschlagen. Zeit für eine “Annabel Babe Cardigan” Nummer zwei. Diesmal in Grösse 6 Monate, wieder mit “Rosy Green Cheeky Merino Joy” (2 Strang), gestrickt mit Nadeln Nr. 3.5, 26 cm lang, mit 15 cm langen Ärmelchen und in Kaffeebohnenbraun. Weil ich Kaffeebohnenbraun so sehr liebe.
Kaffee. Eine wunderbare Farbe. Wie alle Brauntöne mit Tiefe und Wärme. Viele gute und ehrliche Dinge sind Dunkelbraun; Kaffeebohnen, Kakao, Blumenerde, frische Kastanien, Wurzelballen…
Braun ist überhaupt eine meiner Lieblingsfarben. Müsste ich eine einzige Farbe auswählen aus dem Regenbogen dieser Welt, ich glaube, ich würde Braun wählen. Weil Braun für mich die Farbe ist, die wirklich mein Herz, meine volle Menschlichkeit anspricht, ganz direkt und ohne Umschweife.
So viel Tröstliches, Beruhigendes und Erdendes ist sonst nämlich schwer zu finden und kostbares Gut.

Manchmal denke ich, Braun ist überhaupt die ideale Farbe. Sie bringt Gesichter zum Leuchten und schenkt jedem, der sie trägt, eine weiche, sensible Ausstrahlung, vielleicht, weil sie den Menschen darin zum Vorschein bringt, ohne mit ihm in Konkurrenz zu treten, so wie andere, mehr leuchtende, vielleicht spannendere Farben das manchmal tun. Babys in Braun sehen schlichtweg zum Anbeissen aus, knuffig und verschmust und zum IndieArmeschliessen süss. Schokohasenbraun. Kein Wunder.

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Dass mein Babykind hier in seinem neuen, kaffeebohnenbraunen Wolljäckchen Schokolade nascht, mit ungeheurer Freude und verdächtigem Glitzern in den kleinen knopfbraunen Augen, ist übrigens volle Absicht und ein klarer, taktischer Konditionierungsversuch.
Ich liebe Braun. Ich liebe das Stricken. Und ich liebe es, Kinder in braune Stricksachen zu hüllen.
Nur leider stehe ich bisher ganz alleine da mit diesen Leidenschaften. Keines meiner Kinder kann sich so richtig von Herzen freuen an dieser wunderbaren Matschefarbe. Bisher zumindest.
Aber ich gebe nicht auf. Meine Taktik: Ausgedehnte Kaffeekränzchen und nesterweise Osterschokoladenhasen, dazu frische Frühlingsblümchen in tiefbraunen Erdbetten- soviel gutes, solides Braun begleitet von derart viel Glücksgefühl muss eines Tages einfach prägende Wirkung zeigen, oder?

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram

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Ein bisschen komisch ist es schon, das Gefühl, das ich habe, wenn ich diesen Ort hier betrete. Weil er so vernachlässigt wird. Von mir. Diese langen Lücken zwischen den Posts. Die vielen, vielen knapp-kurzen “Like-Instagram”-Varianten… Ein bisschen sonderbar ist das ja schon. Und nicht das, was ich mir wünschen würde für meinen kleinen Blog hier.
Aber es ist alles, was ich bringen kann. Kurze Texte, ein paar Bilder, Gedanken dann und wann, Erinnerungs-Fragmente. Viele ungewohnt lange Pausen.
Mehr geht nicht. Meine Tage laugen mich aus, das kann ich nicht leugnen, und abends bleibt kaum noch etwas übrig von mir. Nur der Wunsch nach Wolle. Nach Stricken und Schlaf. Denn diese beiden Dinge gehen immer. Und müssen sein. Momentan zumindest. Das Schreiben hingegen, das muss warten.
Gestern kam dieser Strang düsterlila Wolle hier an. “Madelinetosh DK” in “Night Bloom”, ein besonders schöner Wollstrang in einer besonders schönen Farbe, wie ich finde. Meine Kleine hat sie ausgewählt und ich war vom Fleck weg bezaubert.
Natürlich ist dieser Garnstrang jetzt mein Lebenselixir. Ich kann gar nicht mehr sagen, wie oft ich ihn seit dem Auspacken hervorgeholt und in meinen Händen gehalten habe, einfach bloss um ein bisschen nachzufühlen, dieses schöne, warme, begeisterte Gefühl das mir so viel Zuversicht einflösst.
Heute wurde ein Ball daraus. Ein regelrechtes Wollknäuel. Und meine erste Ginny-Mütze “Hackberry” durfte eineinhalb Zentimeter lang wachsen. Ohne Maschenprobe bisher, was heikel ist, aber ein Stück weit in Ordnung für mich in diesem Fall. Vielleicht muss ich alles wieder auflassen, ich weiss, aber ich geniesse es jetzt einfach, der Farbe beim Entfalten zuzusehen, etwas Neues, Schönes in Bewegung zu setzen und hoffnungsvoll nach vorn zu blicken. Eine ganze Wollmütze weit.

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dankbar. jetzt

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DSC_5179Bleibendürfen

Die letzten Tage hatten alle etwas Schweres, Dunkles unter ihrer sonnigen Haut. Ich hatte keine Ahnung von Brüssel, aber irgendwie ging mir so vieles durch den Kopf, so vieles nur halbgedacht im Herzen herum…
Die Welt scheint aus den Angeln zu brechen.
Und doch dreht sich meine eigene, kleine Welt weiter. Langsam. Beständig. Aber nicht unverwundbar.
Während mein Körper sich sehr, sehr langsam von den vergangenen Tagen der Krankheit erholt -langsam und schwer, obschon es nur eine Grippe war, banal und harmlos, eine Heileweltkrankheit- fühle ich nebst diesem nicht ganz greifbaren Drückenden, Düsteren vor allem eines: Dankbarkeit. Demütige, ohnmächtige, mich selbst zurückstufende, stille Dankbarkeit, die alles in mir und um mich herum an seinen Platz schiebt, zurück ins rechte Licht.
Aber vielleicht ist Dankbarkeit ja auch das falsche Worte. Wertschätzung trifft es wohl eher. Weil ich urplötzlich wieder sehe, wie viele Reichtümer sich hier um mich herum versammeln, an einem schlichten, friedlichen Dienstag mitten in meiner verschonten Alltagswoche…

Heute abend zünde ich mir eine Kerze an.
In all meinem Lebens-Segen möchte ich nicht vergessen, dass es Menschen gibt, deren eigenes Leben gerade heute in Schutt und Asche liegt…

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