Monatsarchive: Januar 2016

Zur Zeit…

Zur Zeit merke ich vor allem eins; dass es mir einfacher fällt, meine Prioritäten vernünftig und ehrlich zu setzen, wenn es ums Bloggen geht. Das war nicht immer so. Lange Zeit klebte irgendwie dieser Druck auf mir, sobald ich den Deckel meines Laptop anhob, und Tage über Tage nichts oder bloss Ein-Bild-Posts mit einem Fuselchen Text zu bringen… das hätte ich kaum über mich gebracht. Weil es mir faul vorkam und wie ein Versagen und in gewisser Weise fast schon unfreundlich gegenüber der Bloggerwelt.
Mittlerweile habe ich dazugelernt. Vieles. Vor allem Nachsicht mit mir. Geduld. Vertrauen. Ich weiss heute, dass beim Bloggen nichts wichtiger ist, als die Freude daran und dass genau diese Freude und Begeisterung kostbar sind und sehr fragil, und dass der Termindruck oder ein permanent im Nacken sitzender innerer Kritiker sie nur allzu rasch mürbe machen können.
Die Befreiung brachte diese Idee hier; meine like-Instagram-Post-Reihe, die endlich den Weg frei machte für all die spontanen, knapp gehaltenen Beiträge, nach denen ich mich viel zu lange heimlich gesehnt hatte, ohne mich zu trauen, sie auch wahr werden zu lassen. Still zu sein, wort-karg und vielleicht nicht mehr ganz so regelmässig wie ich es mir eigentlich vorgenommen hatte, das fühlte sich anfangs ziemlich gewagt an… doch jetzt liebe ich sie, diese neu gewonnene Freiheit, die mir ganz nebenbei noch einen grossen Batzen Zeit schenkt, freie Zeit, die nun mir gehört und seelig hineinfliesst ins abendliche Stricken oder auch mal in ein paar Extra-Seiten Gutenachtgeschichten…
Und es ist herrlich, mich nicht hetzen zu lassen, wenn es darum geht, Fotos zu knipsen, meinen Alltag in Bilder zu fassen. Kein Nach-der-Kamera-sputen mehr. Hab ich sie zur Hand, freue ich mich, und wenn nicht… gelebt ist gelebt, oder?
Und wenn wir etwas tun, wir alle, dann ist es leben…

DSC_4218Zur Zeit… erobert mein Baby sich neue Ebenen. Nach dem Sitzenlernen und Loskrabbeln (seit neuem nun auch auf den Knien) ist das Aufziehen dran, an allem, was sie irgendwie an Höhe erreichen kann, vom Bobbycar über Puppenbettchen bis hin zu Stühlen und Treppenstufen. Ich beobachte jeden dieser kleinen Schrittchen mit weit offenem, dankbaren Blick. Es freut mich, all das, auch wenn es bedeutet, dass aus meinem kleinen Babykindlein so langsam, langsam… ein regelrechtes Kleinkind wird.
Schön. Trotzdem. Ich sehe so viel Gesundheit, Kraft und Optimismus in ihr. Ein kleines Mädchen, das dem Leben Tag für Tag mit offenem Strahlen begegnet.

DSC_4217Zur Zeit… bin ich dankbar für jeden Tag, an dem es gelingt, das gemeinsame Essenmachen. Es ist nicht immer einfach, oftmals läuft mir plötzlich die Zeit davon oder mir fehlt mit einem Schlag jegliche Energie fürs Kochen oder Backen mit Kindern, doch jede hausgemachte Pizza, jedes Zopfteig-Tierchen, jeder Schokoladenkuchen, der zustande kommt, gemeinsam und (einigermassen) entspannt und lustvoll, erfüllt mich mit enorm viel Freude und Stolz. Vor allem, weil es nach wie vor Ausnahmen sind und ich mir eingestehen muss, dass ich mit 5 Kindern, mit Baby vor allem, nicht mehr die Selbermach-Mama sein kann, die ich immer sein wollte. Eigentlich. So sind all jene Momente echte Sternstunden, in denen ich mir -für einmal nur und immer viel zu kurz- wieder ein bisschen so vorkommen darf, als hätte ich alles hier im Griff…

DSC_4172Zur Zeit… macht es mich ziemlich müde, mir all die Baustellen-Plätzchen anzusehen, die wir hier über Neujahr so mir nichts dir nichts aufgerissen haben. Das Ausräumen, minimal Renovieren und Neu-Streichen, war zwar ungeheuer intensiv, ging aber erstaunlich gut voran. Was jetzt allerdings hakt ist das Einrichten. Uns fehlt es an allem, an Möbeln, an Ideen, vor allem an Ideen. Und irgendwie an freier, unbelasteter Zeit, wo wir es uns leisten können, einen Schrank dreimal quer durchs Zimmer zu schieben, bis er am richtigen Ort steht, die dunkle Holzkommode abzuschleifen und frisch mit Farbe zu überziehen oder langsam und konzentriert durch Möbelmärkte und Trödelläden zu streifen, auf der Suche nach dem Bücherregal für Kind1…

DSC_4054Zur Zeit… räume ich auf, aus, um. Auch im Geschirrschrank, wo ich immer mehr Tassen und Teller entdecke, die mir, wenn ich es mir recht überlege, einfach nichts bedeuten. Und genau das ist es, was ich mir wünsche; ein Haus, in dem lauter Dinge wohnen, die mir, die uns, wirklich und ehrlich am Herzen liegen. Alles andere ist im Grunde hier nicht am richtigen Ort.
Diese Tasse aber, die kann bleiben. Die Eulentasse meines Mädchens, bedruckt mit einer Szene, die sie extra für den (linkshändigen) Herrn Kirschkernzeit gezeichnet hat (bestellt übrigens bei Ifolor), seine zweite Eulentasse von ihr, ein Weihnachtswichtelgeschenk, das auch mir immer wieder Freude macht.
Ich glaube, so sehen sie aus, die Dinge, die ich liebe, die Dinge, mit denen ich uns ein Heim schaffen möchte…

DSC_3942Zur Zeit... suche ich nach neuen Wegen, um mehr Ruhe in unser Leben zu bringen. Meine Kinderschar ist kunterbunt und ziemlich intensiv und manchmal wünschte ich mir, ich wäre besser darin, kleine, stille Inselchen zu bilden, Mittagspausen, in denen es wirklich einmal für eine halbe Stunde ganz ruhig und friedlich ist oder Momente, in denen wir alle gemeinsam still und konzentriert an einer Arbeit sitzen, uns auch wirklich richtig darauf einlassen, ohne dass der Erste im nächsten Augenblick schon wieder hochspringt und davon hastet, weiter, zum nächsten Abenteuer.
Diese Schale voller selbstgemachter Kreisel steht im Kindergarten im Stühlekreis, und immer wenn die Kindergärtnerin spürt, dass die Kinder ein wenig In-Sich-Gekehrtheit brauchen könnten, ruft sie alle zusammen, legt ruhige, sanfte Musik auf und reicht jedem Kind einen Kreisel, den es dann ganz für sich alleine, vollkommen wortlos, ein paar Minuten lang seine Kreise drehen lässt.
Wunderschön, nicht?
Wunderschön.

DSC_4235Zur Zeit… bin ich wieder oft müde und kämpfe immer wieder mit einem dumpfen, drückenden Gefühl im Kopf. Spannungskopfschmerzen wahrscheinlich.
Mir fehlen manchmal die Tage, an denen ich einfach so zwei, drei Stunden alleine in der Stadt sein konnte, Kaffeetrinken, ein bisschen Bummeln, das Nähen zwischendurch, Stricken bei Tageslicht, ein Treffen mit einer Freundin… all das ist nun wirklich schwierig geworden für mich, und meistens, ja meistens ganz und gar unmöglich.
Und doch… und doch bin ich glücklich mit meinem Leben. Es kommt mir selber komisch vor, aber mir scheint, mit jedem Kind habe ich ein Stück weit näher zu mir selbst gefunden, ein bisschen der mir angeborenen Melancholie ablegen können. Ich glaube, egal wie ausgelaugt ich bisweilen bin und wie bedrückend die schlechteren Tage (ja, auch die gibt es hier, zeitweise in ganzen Ketten) sich auch anfühlen mögen, wenn mir alles über den Kopf wächst und ich mich selber zu verliegen drohe in Bergen von Flickwäsche und unvorbereiteten Mittagsmenüs: das Kinderhaben erfüllt mich, vom Kopf bis tief ins Herz und mehr als ich es mir je hätte denken können
Und dafür bin ich dankbar, von ganzem Herzen dankbar.

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram

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Momentan bin ich sehr… sparsam mit meinen Energien. Ich bündle sie, so gut ich kann und lasse sie ganz bewusst einfliessen, dort wo ich Herzens-Anliegen entdecke.
Das Aufräumen und Weggeben von Dingen zum Beispiel spielt momentan eine riesengrosse Rolle. So viele Altkleider-Säcke und Tüten für die Kinderkleiderbörse habe ich noch nie gefüllt bisher (glaube ich zumindest) und der Dorftrödler hat wohl bald eine ganze Regalwand voll mit meinem ausgemusterten Kram…
Ein anderes Thema auf meiner Prioritäten-Liste ist das Kochen und Backen. Da gäbe es wirklich vieles, was ich besser machen könnte. Gesünder. Abwechslungsreicher. Spannender und Lustvoller. Vor allem aber möchte ich es stärker in meinen Familienalltag einbauen, mehr gemeinsam Essen machen, auch mal wieder kochen oder backen lassen.
Und so kommt es, dass hier gerade ab und zu kleine Köche am Tisch stehen. Vor allem kleine Pizza- und Brotbäcker. Die statt Zopf auch mal „Murmeln“ oder „Seehündchen“ aufs Blech setzen.
Mit Teig lässt sich ja auch herrlich spielen und tüfteln…

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram

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Noch so ein Fundstück (zwei vielmehr!), das ich im Grunde gar nicht brauchen würde…
Ich meine, Salz- und Pfefferstreuer-Eulen?
Aber sie waren so hübsch und guckten ganz treuherzig, als ich neulich mit meiner Mama unser allerliebstes Brocki unsicher machte (eigentlich auf der Suche nach einem neuen, gebrauchten Schreibtisch und alten, netten Bücherregalen für Kind1)…
Einem Hundeblick aus Eulenaugen kann man schlichtweg nicht widerstehen, habe ich für mich entschieden. Und seither stehen da zwei Eulen in meiner Küche. Einfach so. Als Augenschmaus.
Obwohl mir scheint, hier steht ohnehin schon überall viel zu viel herum.
Soviel zu meinem Vorsatz-Evergreen, hier im Haus mal endlich „so richtig zu entrümpeln“…

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Odette

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In den letzten Tagen habe ich viel gestrickt. Abends vor allem, aber manchmal auch frühmorgens, gleich nach dem Aufstehen, sobald die Kinder aus dem Haus waren und Babykind und meine kleine Bohne mir ein Strick-Kaffee-Momentchen am Küchentisch gönnten.
Stricken hat so was herrlich Normales an sich. So was Heiles, Unantastbares. Wie Suppekochen oder Teeaufbrühen. Da liegt ganz viel Heimat für mich drin, im Stricken, eine Heimat, in der alles gut wird und Liebe und Wärme Hand in Hand gehen mit dem einfachen Lebensalltag, wo Babys in ihren wollenen Latzhosen auf dem Küchenboden rumkrabbeln, die Kinder sich für den Schulweg Strickmützen überstülpen und Oma mit einem Dreieckstuch über den Schultern vor der Tür steht, um mit mir bei einem Kaffee übers Leben zu plaudern und nebenbei Pizzateig für mich zu kneten (yep, meine Mama macht so was. Ein Goldstück, ich weiss).
Mit all den Schreckens-Nachrichten aus aller Welt, vor denen ich mich momentan nur schwer abschotten kann, brauche ich ganz dringend eine Extraportion davon. Es tut mir wohl, mich ab und zu in meiner kleinen, wolligen Zuflucht vergraben zu dürfen, die Nachrichten auszustellen- und stattdessen in meinen Schubladen nach Wolle zu grübeln und mich noch ein bisschen öfters als sonst irgendwohin flüchten, wo Wolle, Handgemachtes und die Vision des Einfachen und Schönen die Welt regieren, momentweise bloss, aber immehin.

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Das Garn -drei Strangen „Malabrigo Rios in Ravelry Red“, das ich hier für mein erstes „Odette“-Strickkleidchen (das genausogut ein warmer Pullunder sein könnte) verwendet habe- kam aber nicht aus meinen Vorräten, sondern direkt vom Strickcafé, wo ich mich eines schönen Abends vom Fleck weg in diese kraftvollen, für mich eigentlich ganz und gar ungewöhnlichen Farbtöne verliebt habe.
Rot… das ist ja normalerweise nicht so meins. Ich mag Grün und Braun und Beerenviolett und, ja, vielleicht ab und zu etwas Wein… aber Rot in dieser knalligen, kompromisslosen Palette? Hm… Zwischendurch war ich mir selber nicht mehr sicher, ob ich das so wirklich mag und offen gestanden, war ich zuerst ein bisschen geschockt, als ich mein Wollpaket auspackte und dann diese Farbe darin zum Vorschein kam…

Trotzdem. „Raverly Red“ war es genau das, was ich an jenem Abend auswählte, ein kräftiges, unzimperliches Frauenrot für meine „Odette“, auf die ich mich schon so lange gefreut hatte- und für meine Kleine, die, wenn ich es mir genau überlege, eigentlich auch sehr viel Kraftvolles und Entschlossenes an sich hat… (Wobei „unzimperlich“?…)

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Ich glaube, es passt so.
Und, ja, ich mag es.
Das Rot, das Kleidchenmuster, das Kind- und die Kombination dieser Komponente.
Rot… Steht es nicht für Energie, Tatkraft und Herzensdinge?
Vielleicht ist Rot ja genau meine Farbe zur Zeit? Kraft und Unbeirrbarkeit, das kann ich nämlich mehr als gut gebrauchen. Genauso wie das Vertrauen in die Liebe… und an ihre unbezwingbar guten Kräfte, wo immer Menschen sich von ihr leiten lassen.

Details:
Wolle: „Malabrigo Rios“ in „Ravelry Red“, Verbrauch für Grösse 4 Jahre 3 Strangen
Nadeln: Grössen 4.5 und 5
Abänderungen: Der Halsauschnitt wäre bei mir nach Anleitung viel zu weit geworden, darum habe ich zusätzlich noch ein paar Muster-Runden gestrickt und darin nochmals zwei Mal Abnahmen gemacht (ca. jede 5. und 6. Masche zus. str.) bis ich schlussendlich in etwa 58 M (statt 80 M!) abketten konnte.
Damit der Ausschnitt gut über den Kopf geht, habe ich dort, wo er ursprünlich aufgehört hätte, angefangen in Reihen zu stricken, zusätzlich noch 3 M am Reihenanfang angeschlagen und Kopflöcher am anderen Ende gearbeitet. Wahrscheinlich wäre diese Knopflöcher-Passe nicht unbedingt nötig gewesen, wenn man vielleicht 8 M weniger abgenommen hätte sowieso nicht, aber so finde ich es absolut ideal für meine kleine Maus. Und der grossen 6-jährigen Schwester passt das Kleidchen auch- allerdings als kuscheliger Pullunder.

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