Monatsarchive: November 2015

Homespun Style

Im Englischen gibt es ein Wort, dem ich in letzter Zeit immer wieder begegne; „homespun“.
Wörtlich will es mein Diktionaire als „selbst gesponnen“ übersetzt haben, aber ich glaube, mit dieser ganzen, herrlichen und intensiven DIY-Welle, die da über uns hereingeschwappt ist, hat sich auch dieses Wörtchen verändert und ist gewachsen in seiner Bedeutung und Vielfältigkeit. Ich bin mir nicht sicher, absolut nicht, aber mein Gefühl sagt mir, dass „homespun“ heute in etwa das bedeutet, was wir hierzulande vielleicht als „handgemacht und originell“ oder „in lustvoller und kreativer Art und Weise zusammengebastelt“ bezeichnen würden, weit mehr wahrscheinlich als „schlicht“, „selbst gesponnen“ oder „handgestrickt“, wie es auch das deutsch-englische Online-Wörterbuch  übersetzt.

„Homespun“… das hört sich irgendwie cool an für mich- und sehr, sehr verlockend.

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Verlockend, so empfand ich auch dieses kleine Strickprojekt hier, das grüne, wollige, wo ich viele der letzten Abende dran gesessen und gestrickt habe. Gestrickt… und aufgeribbelt, vielmehr, manchmal zum Teil eher mehr aufgeribbelt als eigentlich gestrickt, denke ich, denn diese -geben wir es ruhig zu- doch etwas schäppse Woll-Latzhose war für mich ein absolutes Debut in Sachen Selber-Designen.
Wobei das Wörtchen „Design“ hier mehr Schein als Sein ist, um ehrlich zu sein. Genau genommen habe ich nämlich kaum etwas wirklich designt oder geplant, sondern einfach mal aus dem Bauch heraus irgendwelche Sachen zusammengebastelt, maschenmässig.

Ausgangslage war eine einfache Kanoko-Pants. Ich hatte vier vorrätige Knäuel Drops „Nepal“ in Grün dafür gewählt und Nadelstärke Nr. 5, weil mir das Maschenbild damit recht gut gefiel und die Maschenprobe in etwa zum Strickmuster passte.
Ich mag die „Nepal“. Ein schlichtes, bodenständig und natürlich wirkendes Garn, das ich einfach unheimlich gerne anfasse (das aber ein klein wenig kratzig zu sein scheint an empfindlicheren Hautpartien). „Nepal“ ist warm und mollig und dick. Genau das, was ich meinen Kindern hier, in diesem kühlen, alten Haus gerne anziehe (sofern sie mich lassen), am besten über feine Strumpfhosen oder dünne Unterleibchen als letzte, schützende Hülle.
„Nepal“ und eine „Kanoko“?
Ein schönes Paar, dachte ich mir.

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Und ich denke das noch immer. Bloss wollte es bei mir nicht bei einer „Kanoko“-Hose bleiben, bzw. erst zu gar keiner kommen. Kaum hatte ich die ersten paar Reihen gestrickt (die „Kanoko“ wird zuerst in Reihen gearbeitet und dann erst zur Runde geschlossen, so dass ein offener Tunnelzug um den Bauch herum entsteht) wurde mir klar, dass ich eigentlich doch etwas ganz anderes wollte, etwas, das bis oben hin wärmt und sicher nicht nach unten rutscht, etwas, das tadellos sitzt und richtig gut schützt, komme, was wolle. Eine Latzhose, wollte ich. Soviel wurde mir irgendwann, kurz nachdem ich das erste Bein in Angriff genommen hatte, absolut klar.
Ich wollte eine Latzhose. Aus der Kanoko-Pants.
Ich machte eine Latzhose. Aus der Kanoko-Pants.

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Eine total zusammengebastelte, vollkommen schief geratene, tatsächlich ein wenig verrückte Latzhose sogar, mit nachträglich zur Runde zusammengenähten ersten Reihen, oben kurzerhand angestricktem Bauchteil in weitergeführtem Bündchenmuster (das erklärt übrigens die merkwürdige Linie in der Bauchmitte). Die Beine sind mit relativ starken Abnahmen zu gut schliessenden Beinbündchen geworden und, ach ja, auf das Perlmuster, das der Original-Kanoko seinen Namen verlieh („Kanoko“ bedeutet „Perlmuster“ auf Japanisch) habe ich gleich ganz verzichtet. Dafür linke Maschen in Hülle und Fülle.
Sehr viel „Kanoko“ blieb im Grunde gar nicht mehr übrig…

Der Latz-Teil dieser Hose… der ist mir selbst heute noch ein Rätsel. Ich glaube, mich daran zu erinnern, dass ich irgendwann abgekettet habe für irgendwelche Armausschnitte und dann hinten mit lauter linken Maschen ein Stückchen weiter gearbeitet habe, für den Rückenteil. Die Träger, die wollte ich extra bequem und extra robust und schön dehnbar, aber auf keinen Fall rutschend, also machte ich sie so breit, wie es nur ging in meinen Augen und machte mich an kraus rechts, weil ich das von Elas Hose her so gewöhnt bin. Vorne ein knappes Stückchen linke Maschen und Knopflöcher zum Zuknöpfen der schlichten Holzknöpfe; Voilà.

Noch nie habe ich so oft aufgelassen, noch nie so gerne etwas Neues versucht wie hier, bei dieser grünen Latzhose. Trial and Error im besten und wahrsten Sinne des Wortes. Aber es war immer ein Spiel, kein richtiger Ernst, ein grosses, kreatives, irgendwie witziges Spiel mit Wolle und meinen eigenen, wagen, versponnen Ideen.
Versponnen?

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Homespun, würde ich sagen.

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Ein gewisses intensives Strickprojekt (ja, das Grüne! Mehr davon demnächst…) ist abgeschlossen, vernäht, gewaschen, getrocknet und bereits schon einen Tag lang in Gebrauch…
Und nun?
Diese Momente dazwischen machen mich gleichzeitig neugierig, optimistisch und nervös. Aber ich möchte sie nicht missen… um nichts in der Welt.

Veröffentlicht unter Augenblicke, Dankbarkeit, Stricken, Themen-Reihen | 3 Kommentare

Wochen-Ende: zentriert

Ich muss gestehen, so ein klein wenig hab‘ ich mich doch gefühlt wie Supermom, als meine Patentante neulich zu Besuch kam… Nicht wegen dem aufgeräumten Wohnzimmer. Und auch nicht wegen dem Kuchen oder der schönen Kanne süssem Tee, der dampfend auf dem Tisch bereit stand. Nein, allein darum, weil es mich immer schaurig viel Mut und Nerven kostet, überhaupt Besuch zu mir einzuladen, die Türe weit zu öffnen, mir Zeit zu nehmen, ganz bewusst, für den Menschen, der da eintritt, Zeit, wo auch die Kinder für einmal ein bisschen in den Hintergrund treten und mir den Raum lassen, zu reden, zuzuhören, offen zu sein, nicht nur für sie diesmal, sondern für meinen Gast, dem diese ganz spezielle Zeit gewidmet sein soll.
So etwas ist schwierig für mich.
So etwas kommt nur sporadisch zustande.
Und immer fühle ich mich… ja, wie Supermom, wie eine Heldin der kleinen Dinge, wenn es dann doch einmal klappt.
Auch Ausflüge sind so eine Sache. Für mich allein, klar, kein Problem, aber mich allein, das scheint es längst nicht mehr zu geben, nur noch mich, die Mama von Fünfen… oder von vieren, von dreien, je nach Gruppenkonstellation, doch immer bleibe ich Mama, umringt von kleinen wuselnden Wesen, Mama mit Sperberaugen, mit Löwinnenstimme und warmen, plustrigen Gluckenschwingen.
Fliegen wir aus, sind meine Sinne mehr als geschärft. Manchmal habe ich das Gefühl, mehr bei meinen Kindern zu sein mit meinen Augen, meinen Ohren, meinen Armen und Gedanken als wirklich ausgeflogen, und oftmals komme ich vollkommen erschöpft nach Hause ohne gross zu wissen, wo genau wir eigentlich waren…
Ich glaube, ich bin kein sonderlich zentrierter Mensch. Ein gewisses Mass an Stimmen, an Eindrücken, Empfindungen und Aufgaben- und ich verliere hoffnungslos die Balance.
Nun… ich bin sehr, sehr gerne Mutter und Mama von Fünfen zu sein erfüllt mich mehr als ich sagen kann. Doch fünf Kinder sind fünf Kinder, jedes mit seiner eigenen Stimme, seinen eigenen Bedrüfnissen und seiner eigenen täglichen Erlebens-Geschichte, die ich automatisch mit-lebe. Nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten, bei mir zu bleiben, zentriert, das ist wahrscheinlich die grösste all meiner Lebensaufgaben in dieser Phase meines Lebens.

Doch manchmal scheint es ganz einfach zu sein…

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Manchmal stehe ich da, wunderbar (oder vielmehr wie durch ein Wunder) ausbalanciert und ruhig wie eine Ballettänzerin auf Spitzenschuhen, während all das pralle Leben an mir vorbeisaust, sich um mich herum sammelt und wieder verstreut. Wie heute. Wie gestern. Wie an diesem Wochenende, wo alles im Fluss zu sein schien, ohne aus dem Ruder zu laufen.
Ein klein wenig aufräumen, das Stroh und Heu zusammenkehren, das sich permanent im Haus verteilt, seit wir Meerschweinchen haben.
Raclette essen und feinstes Tiramisu, zubereitet von Herrn Kirschkernzeit, dem heimlichen Star-Koch des Hauses und seinen beiden Gehilfinnen, die manchmal lieber wild durch die Gegend tanzen, als in brav in den Schüsseln zu rühren.
Kerzenziehen mit der ganzen Bande, enorm friedvoll und entspannt, was mich selber wohl am allermeisten überraschte und beflügelte und mich mindestens ebenso freute wie die zauberhaften Kinder-Kerzen-Kunst, die nun unser Zuhause veredelt.
Stricken und Tüfteln gleichzeitig, grüne Maschen stricken, grüne Maschen wieder auflassen, ohne dass es mich stört, einfach nur, weil es Spass macht, etwas vollkommen Neues auszuprobieren und alle Richtlinien für einmal ausser Acht zu lassen.
Mich nach draussen wagen, hinaus in diese kalte, graue Novemberwelt, wo wir von Schnee und Sturmböen überrascht werden und es trotzdem ganz herrlich finden. Vor allem das Heimkehren. Eine warme Stube voll Licht, Tee, Menschen, Leben und freien Sonntagsstunden… so was ist Gold wert.

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, besondere Tage, Dankbarkeit, Familienalltag, Jahreszeiten, Kinder, kleine Abenteuer, kreativ am Rande, Wochen-Ende | 17 Kommentare

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DSC_3018Heute ist Spätherbst-Winter, Keine Frage! Draussen huddelt es eisigen Schneepflotschregen vom Elefantenhimmel, Kind2 kommt schimpfend und mit steifen Fingern von seiner Jugendgruppe durch die Kälte nach Hause geradelt, im Ofen brennt ein Feuerchen und wir mummeln uns ein daheim… nur von diesem Kuchen ist nichts mehr übrig. Dem Spätherbst-Winter-Mummel-Kuchenhunger hat er nicht lange standhalten können…

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